Deutsdiritterorden kam, erfahren wir nicht, auch ein ge­nauer Zeitpunkt hierfür ist nicht ersichtlich. In der ange­gebenen Urkunde von 1272 hat der Ritter Ludwig seine letzte uns bekannte Rechtshandlung am Platze vollzogen. Ob wir nun ihn oder einen jüngeren Sproß seines Hauses als Ordensritter ansehen, so bleibt die Tatsache bestehen: Jedes Mitglied des Ordens war durch Eid neben andern Verbindlichkeiten auch zur völligen Besitzlosigkeit ver­pflichtet. Sofern daher der Orden eine Vergütung für die Burg geleistet haben sollte, könnte eine solche keines­wegs an den Ordensritter geflossen sein.

Der neue Burginhaber, Markgraf Rudolf I., war ver­mählt mit Kunigunde von Eberstein. Die Burg wurde von diesem markgräflichen Paar mindestens zeitweise be­wohnt, denn die Markgräfin verstarb dort im Jahre 1284 88 ).

Abgesehen von mehrmaligen Verpfändungen, worüber unten noch die Rede sein wird, verblieb Burg Liebenzell nun bis zu ihrem Abgang im Besitz der Markgrafen von Baden. Leider ist aber unter deren Herrschaft die einst so stolze Burg im 16. Jahrhundert zur Ruine geworden. Als im Jahre 1603 Liebenzell mit seinen Amtsorten auf dem Tauschwege an Württemberg kam, ist im Vertrag an erster Stelle genannt: Stadt und Burgstall Liebenzell.

5. Die Kirche zu St. Blasius

Urkundliche Hinweise auf den Bau der Kirche fehlen. Bekannt ist zunächst nur deren Vorhandensein zum Jahre 1160. Vor dieser Zeit besaß die Herzogin Uta das Patronatsrecht an der außerhalb dem Weiler Zell entstan­denen Kirche. Dieses Recht übereignete sie zwischen 1157 und 1160 dem Kloster Hirsau 1 ). Fälschlich wird die Er­bauung der Kirche öfters den Calwer Grafen zugeschrie­ben 8 ). Als Uta 1130 die Zelle, neben anderen calwischen Besitzungen, als Heiratsgut erhielt, wird bei der Aufzäh-

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