Hansjörg Straub · Verhängnisvoller Fallschirmsprung 1944 bei Schietingen Bogenlampen-Gesellschaft im Jahr 1912 wurden firmeninterne Intrigen gegen die Geschäftsleitung und Prozesse geführt, die das Direktorium verschliss und finanziell ruinierte. Elena Chamier haftete mit ihrem persönlichen Vermögen und verlor alles, ihre Ehe wurde bereits nach fünf Jahren geschieden. Sie war aber keine Frau, die sich entmutigen ließ. Bürgerliche Konventionen kümmerten sie wenig. Die selbstbewusste, weltgewandte Frau lebte jetzt als Alleinerziehende mit ihren zwei Kindern. Aber mit dem Kriegsausbruch im Sommer 1914 änderte sich ihre Lage, weil sie mit der Heirat die englische Staatsangehörigkeit angenommen hatte. Innerhalb von wenigen Tagen waren die Angehörigen der Kriegsgegner im Deutschen Reich nicht mehr gern gesehen, ja sogar von Sanktionen bedroht. Mit ihren zwei Kindern reiste sie gleich nach Kriegsbeginn in die Schweiz. Es gehe den Kindern und ihr gut, ist aus einer am 15. August 1914 aus Zürich abgesandten Postkarte zu entnehmen, und wie viele ihrer Zeitgenossen in ganz Europa war sie noch zuversichtlich, dass der Krieg bald zu Ende sein werde. Diese Hoffnung erfüllte sich bekanntlich nicht. Nach Kriegsende blieb sie zunächst in der Schweiz. Die Tochter Maria, inzwischen 12, und Frank, 10 Jahre alt, waren wahrscheinlich in die Primarschule in LocarnoRonco eingeschult oder„auf Bäumen unterrichtet“ worden, wie Maria es ihren Kindern später erzählte. Aber Elena Chamier hatte sowohl Pläne, nach Deutschland zurückzukehren als auch die Absicht, eine geeignete Schule für die Kinder zu finden, die ihren Ansprüchen genügen sollte. Am Bodensee wurde sie fündig. Mit der Eisenbahn fuhr sie nach Überlingen, um sich dann zu Fuß oder mit einem Fuhrwerk zu einem idyllischen, aber auch entlegenen Winkel aufzumachen. Aus dem Zug gestiegen, so weiß es die Familienlegende, war sie außerplanmäßig zwischen Sipplingen und Überlingen an der Haltestation in Süßenmühle, weil ihr dieser Name so gut gefallen habe. Wahrscheinlich erinnerte sie sich beim Anblick des Sees und der Landschaft am Ufer an den Lago Maggiore, und dann soll sie gesagt haben:„Hier gefällt’s mir, hier bauen wir.“ Sie machte sich dann nach Höllsteig im Billafinger Tal auf. In dem kleinen Weiler befand sich die„Siedlungs- und Erziehungsgemeinschaft Gut Höllsteig“, wo andere pädagogische Ideen verwirklicht wurden als in staatlichen Schulen. Frank und Maria Chamier, um 1924 Maria und Frank verbrachten ein knappes Jahr an dieser Schule, die einen guten Ruf hatte, aber auch Neider. Die schlimmsten waren zum Letzten bereit. Gut Höllsteig wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar 1922 durch Brandstiftung zerstört, die Schule brannte bis auf die Grundmauern nieder. Den Bewohnern war es gelungen, sich in Sicherheit zu bringen, Hilfe von außen gab es nicht. Der niedergebrannte Hof wurde nicht mehr aufgebaut, der Markgraf von Baden kaufte das Gelände und ließ an der Stelle Bäume anpflanzen. 10