Timm Radt · Schloss Zavelstein burgruine reden möchte. Diese stellt neben der alljährlichen Krokusblüte im Gebiet um Zavelstein und dem historischen Ortsbild die wesentliche touristische Attraktion der Gemeinde dar. Aufgrund des beschriebenen durch mittelalter­liche Bauten geprägten Bildes fällt es auf den ersten Blick kaum ins Auge, dass die Ruine Zavelstein ebenso alsSchlossruine angespro­chen werden kann, deuten doch nur noch wenige Architekturelemente an, dass die Burg im frühen 17. Jahrhundert zu einem Schloss umgebaut wurde. Forschungsstand Ortsansässige Historiker und Laienforscher nah­men sich der Geschichte Zavelsteins bereits früh und mitunter sehr umfassend an. 1 Dagegen schenkte die moderne wissenschaftliche For­schung trotz der umfangreich erhaltenen Bau­substanz der Ruine bisher wenig Beachtung. Das bedeutet, dass bisher keine angemessene gra­fische Dokumentation der Anlage vorliegt. Dies verwundert insofern, als bekannt und belegt ist, dass der Planer und Architekt des Umbaus kein Geringerer als der württembergische Hofarchi­tekt Heinrich Schickhardt gewesen ist. Aus Sicht der Bauforschung kann das geringe Interesse in gewissem Maße damit erklärt wer­den, dass Schickhardt an zahlreichen Burgen auch an einigen anderen im Nordschwarzwald 2 Umbauten vorgenommen hat, so dass die Anlage nicht als Besonderheit hervorzustechen scheint; darüber hinaus sind die Bauteile des Umbaus in hohem Maße zerstört, so dass wie bereits erwähnt die mittelalterliche Substanz das Bild bestimmt. Burg und Städtlein Zavelstein Wann Burg und Siedlung Zavelstein entstanden, liegt im Dunkeln. Mit einiger Wahrscheinlich­keit entwickelte sich der Ort im frühen 13. Jahrhundert in der Burghut. Erste Erwähnungen aus dem späten 13. Jahrhundert deuten darauf hin, dass die Burg unter den Grafen von Vaihin­gen, einer Seitenlinie der Grafen von Calw, begonnen wurde. 3 Zu dieser Zeit ging sie von den Grafen von Calw auf die Pfalzgrafen von Tübingen über. Die heute sichtbaren Ruinen belegen, dass die Burg jedoch bereits deutlich vor den erwähnten ersten Nennungen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut oder ausgebaut wurde. Bereits für die frühe Besitzgeschichte Zavelsteins ist kennzeichnend, dass Besitzer und Burgbe­wohner häufig wechselten. Es war nie langfristi­ger Familiensitz und keine Familie nannte sich nach dem Ort. Schon 1311 wurden die Grafen von Württem­berg als Besitzer der Burg und des Orts Zavel­stein erwähnt. 1342 wird Zavelstein alsstättlin bezeichnet. 4 Als der Graf Eberhard II. von Württemberg im Jahre 1367im Wildbade 5 von Mitgliedern der Rittergesellschaft derMar­tinsvögel unter der Führung des Grafen Wolf von Eberstein überfallen wurde, war er gezwun­gen, auf die Burg zu flüchten, die er nur mit knapper Not erreichte. 6 Vom Ende des 14. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts wechselte die Be­wohnerschaft abermals häufig. Streitigkeiten um die Besitzverhältnisse bzw. Nutzungsrechte führ­ten gegen Ende des 15. Jahrhunderts zu einem ruinösen Zustand der Burg. Im Jahre 1527 gewährte der Pfandinhaber Zavelsteins, Johann von Ehingen, seinem Schwa­ger Tristram von Waldeck das Wohnrecht auf der Burg. Der Aufforderung, die Anlage fron­weise wieder in Stand zu setzen, widersetzten sich die Zavelsteiner allerdings kollektiv und reichten beim Herzog Christoph von Württem­berg eine Beschwerde ein. Der anschließende Streit zog sich hin, so dass besagter Johann von Ehingen 1535 an den Herzog von Württemberg schriebZavelstein ist ettwas zerrissen. 7 10