Michael Bürtele von Sontheim endeckt. Derselbe gab als Motiv an. er habe nur die Feuerwehr in Bewegung setzen wollen.

Brandfälle: In Englisweiler, Gemeinde Steinhausen (Biberach) am 10. Juli ein Wohnhaus sammt Scheuer: am 11. Juli die mit reichen Vor- räthen gesüllte Scheuer des Oekonomen Wacker aus dem Hosgut Heimbrand bei Ravensburg.

Ravensburg. 11. Juli. Heute Nachmittag 3 Uhr wurde die Grundsteinlegung der protestan­tischen Kirche in Weingarten vollzogen.

Ulm, 9. Juli. Heute wurde lautU. T." ein Zuchthäusler hieher geliefert, welcher angegeben hatte, er habe vor Jahren im Bösinger Wald einen Mord begangen und die Leiche daselbst verscharrt. Als man ihn heute Mittag unter sicherer Bedeckung an den Qrt hinausführte, stellte es sich heraus, das; die ganze Angabe auf Erfindung beruhe: der Gauner hatte nur einen Ausflug machen wollen.

In der Maschinenwerkstätte zu Karlsruhe hat ein Rothschwänzchenpaar in den Chlinder einer den ganzen Tag in Bewegung befindliche» Radial­baumaschine eingebaut: das Nest enthielt 5 Junge, die von den Alten, unbekümmert um all den Lärm der Maschine, sorgfältig gefüttert werden.

München. 11. Juli. Heute um 11 llhr voll­zog der zeitweilige Vertreter des Minnisters des Innern. Staatsrath v. Tillis, im Beisein der Mini­ster v. Crailsheim und Riedel, der beiden Bürger­meister :e. die feierliche Eröffnung der anläßlich des 4. deutschen Brauertages im Glaspalaste veranstalte­ten Spezial-Ausstellung der gesummten Brau-Indu­strie. Die Zahl der Aussteller beträgt über 400, die Zahl der Theiluehmer an dem Braucrtage bis jetzt mehr als 1200 aus allen Theilen Deutschlands und dem Auslande.

Berlin, 11. Juli. Wie dieKreuzzeitung" hört, wird der Staatssekretär a. D. Herzog nicht wieder in den Reichsdienst eintreteu. Er soll Be­kannten gegenüber geäußert haben, er würde über­haupt kein Staatsamt mehr übernehmen.

Berlin, 11. Juli. Die Pall Mall Gazette läßt sich von hier melden: Nachdem der Vatikan die Behauptung dementirt hat, daß der Papst von dem neuen preußischen Kirchengejep höchlichst befriedigt sei, hat die Külte zwischen dem Vatikan und der preußischen Regierung zngenommen, insbesondere da angenommen wird, daß Leo XIII. mehr unter dem Einflüsse des Kardinals Ledochowski als unter demjenigen des Kardinals Hohenlohe stehe, der die deutschen Interessen vertritt.

Berlin, 12. Juli. In der Villa des Pro­fessors Mommseu in Charlottenburg ist Feuer aus- gebrochen. Mommsen verletzte sich Gesicht und Hände. Ein großer Theil der Bibliothek und werth- volle Manuskripte sind zerstört. (Schw. B.)

In der nationalliberalen Partei hat die Ab­stimmung über das Kirchengesetz zu einer Krisis ge­führt. Der rechte Flügel der Partei, welcher für Annahme des Gesetzes stimmte, wird von den Or­ganen der linken Hälfte wenn auch nicht direkt in Acht und Bann gethan, so doch heftig angefeindet und seiner leidigen Lust an Compromisseu die gegen­wärtige, den Bestand der Partei gefährdende Krisis zur Last gelegt. Die fortschrittlichen Blätter schüren nur den Hader auf jede erdenkliche Weise und es fehlt nicht an Leuten, welche meinen, daß die Herren Laster und Bamberger sammt ihren Gesinnungsge­nossen in das Lager der Fortschrittspartei mit klin­gendem Spiel übergehen könnten. Wir halten diese Ansicht für durchweg verkehrt, meinen vielmehr, daß die Streitigkeiten im Schoße der nationalliberalen Partei sich werden ausgleichen lassen.

Schwerin, 10. Juli. Die Mecklenb. Zeitung macht eben durch Anschlag bekannt, daß das beim Postdiebstahl entwendete Geld im Betrage von ca. 100000 leicht verscharrt im Schloßgarten gefun­den ist. Der Thüter ist Postschaffner Schulz, dessen Frau das Gestündniß ablegte.

sEin gebrochenes Mutterherz.s Aus Henners­dorf in Schlesien berichtet man: Unlängst spielten zwei Kinder, ein Mädchen von zwei Jahren und dessen vierjähriger Bruder, im Hofranme des Hauses ihrer Tante, wohin sie die mit einer dringenden Feldarbeit beschäftigte Mutter zur Auf­sicht übergeben hatte. Im Hofranme befand sich ein Holzblock zum Holzspalten und daneben tag eine Hacke. Kaum hatte das kleine Mädchen die Hacke erblickt, als es damit zu spielen ansing und auch den Knaben hcrbeiries. Während sie spielten und gerade der Knabe die Hacke in de» Händen hatte, traf er beim Niederschlagen auf den Block einen Finger der Kleinen und brachte ihr eine arge Wunde bei. Auf das Jammerge­

schrei der Kleinen eilte die Tante herbei, schickte sogleich um den Doktor und sandte auch einen Jungen zur Mutter der Kinder auss Feld, um sie heimzuholen. Der Junge, der der Mutter die Nachrichtschonend" mittheilen sollte, rief ihr aber jchon von Weitem zu:Frau, eilen Sie schnell nach Hause, der Franz hat der Bertha die Hand abgehackt!" Bon Entsetzen ergriffen, kaum ihrer Sinne mächtig, eilte die Frau beflügelten Schrittes dem llnglückshause zu. Dort angelangt, fand sie eine Menge neugieriger Menschen im Bvrhanse und erblickte gerade den Arzt, welcher eben das Kind in seinen 'Armen über die Stiege herabtrug und dessen linkes Händchen ganz ver­bunden war. Dies sehen, einen furchtbaren, markdurchvring- lichcn Schrei ausstosien und zusammenstürzen war das Werk eines Augenblicks. Schnell eilte man der Frau zu Hilfe, besprizte sie mit Wasser, doch als der Arzt hinzutral, um zu Helsen, war AUeS umsonst, die Aermste war todl. Ein Herz­schlag in Folge des Schreckens über den Anblick des, wie sie meinte, verstümmelten Kindes halte der Mutter das Leben geraubt.

In Bremen erfolgte in den letzten Tagen die Verhaftung einer ganzen Reihe vonGeschäftsleuten" jener Branche, die bei auswärtigen Großhändlern und Fabrikanten große Waarensenvnngen auf Wech­selkredit zu bestellen pflegen, sodann die Waareu unter Preis verkaufen, das Geld für sich verbrauchen und die ausgegebenen Wechsel niemals einlöfen, weil sie überhaupt theilweise schon manifestirt haben, theils überall nicht pfandbar sind. Schon jetzt ist eine un­glaubliche Zahl von schwindelhaften Geschäftsunter­nehmen bekannt, welche sich diese Leute haben zu Schulden kommen lassen. Geschädigt sind besonders berliner, sächsische, österreichisch-ungarische, schweizer und englische Firmen.

OesterreichUngarn.

Von den vielen Einzellandtagen haben drei bereits ihre gesetzgeberischen Arbeiten beendet. Im vberösterreichijchen Landtage beanspruchte dec Bischof von Linz in einer Schlußrede für die Kirche das -Oberaufslchtsrecht der Schule und die kirchliche Recht­sprechung m der Ehegefetzgebung als eine unbedingte Nothwendigkeit. Die Volksvertretung hörte diesen Auseinandersetzungen schweigend zu.

In Slawonien wurde em Steinadler in seinem Horste vom Blitz getroffen, siel öecänbt zur Erde und wurde gefangen.

Am 4. ds., Sonntag Abends halb 10 llhr, brach während eines furchwaren Orcanes, weicher selbst in den mit Mauern geschützten Garten der Stadt Laibach junge Bäume entwurzelte, in dem drei Stunden von Daibach entfernten Dorfe Stein nächst Fcanzdors Feuer aus, das in kurzer Zeit das ganze Dorf, 40 Wohnhäuser sammt WirtySschasts- gebauden, die Kirche und den Pfarrhof 0iS zum Grunde einäscherte. Sämmtliche Furrecvorräthe und die theilweise schon Angebrachten Getreidevorcäthe, die gesammte Einrichtung und zahlreiches Vieh find verbrannt. Leider sind auch zwei Menschenleoen zu beklagen, indem zwei ältere Frauenspersonen, die sich nicht retten konnten, verbrannten. Das Feuer wurde von einem gewesenen Kleinviehhändler, der nun vagirt, aus Rache gelegt. Der Schurke, welcher entlaufen wollte, wurde angehalteu und der Gens- darmerie übergeben. Der Schaden ist ein sehr be­deutender und sind, wie immer, nur Wenige versichert. Portugal.

Nachrichten von den Azoren zufolge haben auf der Insel St. George Erschütterungen der Erde stattgefunden, welche die Bildung einer andern kleinen Insel von etwa 18,000 Quadratellen in einer Ent­fernung von 600 Ellen vom Gestade zur Folge hatten.

Schweiz.

Aus dem Kanton Solothurn meldet man den seltenen Fall der Absetzung eines Pfarrers durch die eigene Gemeinde. Vorletzten Sonntag hatte der Pfarrer in Kienburg, Namens Kroller, von der Kanzel herab den Wunsch ausgesprochen, der damals niederfallende Regen möge noch 14 Tage lang sündfluthartig herniederströmen und die ganze Ge­meinde ersäufen. Auf dieses hin beschlossen die Kienburger letzten Sonntag in einer extra abgehal­tenen Versammlung die Absetzung des Pfarrers.

DemSt. Gall. Tagbl." berichtet man, daß nach einer möglichst genauen Schätzung sich zur Zeit auf der Bergkette Gonzen-Speer circa 220 Gemsen und etliche 20 Rehe befinden. Die eingesetzte Mur­melthierkolonie gedeiht und vermehrt sich zusehends. In den Gräten ob Schwaldis und Sels wurde in jüngster Zeit eine schneeweise Gemse neben einer braunen bemerkt und seither wiederholt von Sennen und dem Wildhüter gesehen.

Frankreich.

Paris, 10. Juli. An allen Ecken und Enden

ist man mit den Vorbereitungen zum Nationalfest beschäftigt und ohne Zweifel wird Paris am 14. Juli einen nicht minder glänzenden Anblick darbieten als am 30. Juni 1878. In allen Lüden werden dreifarbige Fahnen, dreifarbige Hüte, Kleider, Kravatten, Sonnenschirme, Strümpfe, sogar drei­farbige Nachtmüzen, Hemden, Zigarrentaschen, Por­temonnaies, Spazierstöcke u. s. w. u. s. w. ausge- bvten. Ganz ungeheure Vorräthe von Laternen und farbigen Jlluminationslampen sind in den letzten Tagen erschöpft worden. Die GaSkompagnie kann nicht genug Arbeiter anftreiben, um an allen öffent­lichen Privatgebäuden die Jlluminationslampen ein- zurichten. Auf den großen Boulevards und Straßen erheben sich Triumphbögen und Masten, alle Musiker und Sänger sind für die öffentlichen Konzerte ange­worben. Pasdeloup wird ein Monstrekonzert in den Tuilericngärten dirigiren und Colonne wird in Luxemburg ein Orchester von 200 Mann und 800 Sänger unter seinem Befehle haben. Die reaktio­nären Blätter sehen diesem Treiben mit dem größten Verdrusse zu. Sie beklagen sich bitter darüber, daß die Beamten der Mairien mehrere Zwangskontribu- tionen bei allen Geschäftsleuten eintrieben und die­jenigen, die keinen Enthusiasmus bezeugen, mit Fenstercinwerfen bedrohten, eine gehässige lieber- treibung! Der Gaulois erklärt feierlich, daß er nicht illuminiren und keine Fahnen ausstecken werde, und der Figaro gibt allen Konservativen zu verstehen, daß sie wohl daran thäten, ihre Haut in Sicherheit zu bringen, da man nicht wissen könne, was am Abend des 14. Alles geschehen könnte. Nicht einmal auf die Soldaten könnte man sich mehr verlassen, da dieselben nach der Zeremonie der Fahnenver- theilung alle Urlaub bis Mitternacht erhalten sollen.

Paris, 13. Juli. Rochefort ist ans dem Lyoner Bahnhöfe gestern Abend eiugetrofseu. Er wurde von einer großen Volksmenge erwartet und auf den Boulevards mit der Marseillaise und dem RaseEs lebe Rochefort" begrüßt.

Paris, 13. Juli. DerRepubligue Frany." zufolge beträgt die Zahl der von der Amnestie aus- . geschl'ssenen im Ganzen 17. Dieselben waren sämt­lich bereits vor dem 4. September 1870 aller poli­tischen Rechte beraubt.

Wie derKöln. Zig." aus Paris gemeldet wird, hätte sich der König von Griechenland'dort in bestimmter Weise über die zukünftige Rolle Grie­chenlands folgendermaßen geäußert:Wenn die Türkei mit bewaffneter Hand den Konferenzbeschluß bekämpft, so muß Griechenland die Austragung des Streites den Großmächten überlassen, denn Griechen­land kann unmöglich die Türkei bezwingen, da Rußland mit Rumänien, Serbien und Montenegro kaum im Stande waren, die Türkei zu besiegen. Wenn die Türkei nachgibt, so macht sich Griechen­land anheischig, die abgetretenen Provinzen zu besetzen und den Kampf mit den Albanesen auszuuehmen." England.

Im Unterhanse brachte Sir Cardley Wilma t, ein konservativer Abgeordneter, eine Bill ein, welche bezweckt, jede Person für unfähig zu erklären, einen Sitz im Parlament einzunehmen, die durch Wort oder Schrift ihren Unglauben an das Vorhanden­sein eines höheren Wesens systematisch bekundet hat. Rußland.

Petersburg, 10. Juli. Der chinesische Ge­schäftsträger in St. Petersburg hat Namens der chinesischen Gesandtschaft in London der russischen Regierung die amtliche Versicherung gegeben, daß China nicht wünsche, weder mit Rußland noch mit irgend einer anderen europäischen Macht in einen Krieg verwickelt zu werden und daß die in der europäischen Presse zirknlirenden Gerüchte von Ope­rationen chinesischer Truppen an der russischen Grenze absolut Erdichtungen seien. Insbesondere wird das Gerücht von dem Angriff auf das Fort Navin dementirt. Aehnliche Mittheilungen sind den Regierungen Deutschlands und Frankreichs gemacht worden.

Petersburg, 11. Juli. Im Gouvernement Jekaterinoslaw, sowie im Odessaer Kreise ist plötzlich eine neue Fliegenart aufgetaucht, welche mit enormer Gefräßigkeit den Getreidekäfer vertilgt.

Rußland hat die zollfreie Einfuhr von Eisen und Gußeisen wieder ausgehoben und einen neuen Zolltarif für Eisen, Stahl und Metallwaaren einge­führt. Der deutsche Eisenhandel wird dadurch schwer betroffen.