Einfuhrkontingentierung der landw. Erzeugnisse

In einer Erläuterung zu der Kontingentierung ber Ein­fuhr landwirtschaftlicher Erzengnisse, die von zuständi­ger Stelle gegeben wird, heißt es u. a.: Ein Kernstück des Agrarprogramms der Reichsregierung ist die Kontingen­tierung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Die einseitig auf Förderung ber Exportindustrie gerichtet gewesene Handels­politik ber Nachkriegszeit hat es als ihre vordringliche Auf­gabe betrachtet, zwecks Steigerung der deutschen Ausfuhr die Vertragspartner zu möglichst weitgehenden Zugeständnissen auf industriellem Gebiete zu veranlassen. Die für die Er­reichung dieses Zieles notwendigen Gegenleistungen wurden in zahlreichen Bindungen und Herabsetzungen landwirtschaft­licher Zölle gefunden. Es zeigte sich jedoch schon nach kurzer Zeit, als die Uebererzeugung von Getreide in der Welt zu völligem Preisverfall führte, daß auch die deutsche Land­wirtschaft in diesen Strudel mit hineingezogen und di« Auf­rechterhaltung ber deutschen Getreibeerzeugung ernstlich in Frage gestellt werben mußte, wenn es nicht gelang, den Schuh gegenüber solchen internationalen Preiszusammenbrüchen schnell in der jeweils erforderlichen Weife zu verstärken. Die rechtzeitige Erkenntnis dieser Verhältnisse auf dem Ge­treidegebiet führte dazu, daß die früher eingegangenen Zoll­bindungen beseitigt wurden Sofort zeigte sich, baß es möglich war, den deutschen Getreidebau nicht nur aufrecht zu er­halten, sondern ihn sogar so auszugestalten, baß Deutschland nunmehr in ber Brotgetreideversorgung den eigenen Be­darf selbst decken kann und auch in der Futtergetreidcver- sorgung ein früher nicht für möglich gehaltenes Maß von Unabhängigkeit gewonnen hat.

Die immer mehr um sich greifende Wirtschaftskrise führte in ihrem weiteren Verlauf dazu, daß Preiszusammenbrüche wie beim Getreide in der Folge auch bei ber Veredelungs­wirtschaft eintraten. Diese Preiszusammenbrüche riefen Ab­sperrungsmatznahmen der Länder hervor, die eine eigene Landwirtschaft zu verteidigen hatten. Die Länder, die in überwiegendem Maße Erzeugnisse ber landwirtschaftlichen VerebelungsproSukte ausführten, gerieten durch diese Ab­sperrungsmaßnahmen in große Schwierigkeiten. Die natür­lichen Abzugskanäle für ihre Waren wurden verstopft, die zu angemessenen Preisen nicht mehr unterzubringenden Waren drängten sich auf die Märkte derjenigen Länder zu­sammen, die ohne ausreichenden Schutz waren. Sie warfen dort die Preise um und brachten der Landwirtschaft dieser Länder Absatzstockungen und in kurzer Zeit den Verlust der Rentabilität ihrer Veredelungswirtschaft, obwohl diese Län­der Zuschußländer waren und infolgedessen bei geeigneter Regulierung der Einfuhr eine für ihre Landwirtschaft ren­table Preisbildung hätten erreichen können.

In dieser Lage befand und befindet sich Deutschland. Seine Veredelungswirtschaft ist völlig unrentabel geworden, weil es infolge der noch immer bestehenden Zollbinbungen den Schutz gegenüber den preiszerstörenden Einwirkungen des Auslandes bisher nicht ausreichend verstärken konnte. Es ist daher notwendig, die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeug­nisse aus dem Auslande so zu beeinflussen, daß nicht nur der Absatz ber Jnlandproduktion zu angemessenen Preisen er­möglicht wird, sondern im Interesse der Arbeitsbeschaffung darüber hinaus die im heimischen Boden liegenden Erwerbs­möglichkeiten auf bas äußerste ausgcnutzt werden. Der Zollschutz für die bäuerliche Beredelungswirtschaft, der als das normale Mittel der Beeinflussung der Einfuhr an­gesehen werden muß, ist in zahlreichen Handelsverträgen verstrickt. Seine rechtzeitige Befreiung von diesen Bin­dungen wurde leider bisher unterlassen oder nur unzuläng­lich durchgeführt. Heute steht nun Deutschland vor der Ent-

Die Nahrungsquellen der Meeres

Man hat Berechnungen angestellt, wie groß der Nah­rungsverbrauch der Menschheit sei, und dabei mit Ueber- raschung gesehen, daß immer noch das Meer etwa ein Drittel aller Nahrung liefert. Ganze Völker sind nur auf die Meeres­tiere in ihrer Ernährung angewiesen, wobei nicht immer Fische an erster Stelle stehen. Muscheln und Krebse werden an allen Küsten der Erde in ganz unausdenkbaren Mengen verzehrt. Unter den zehn großen Nahrungsmitteln der Menschheit, als die man Getreide, Reis, Kartoffel, Huhn, Schaf, Rind, Schwein, Schellfisch, Hering und eßbare Muscheln bezeichnet hat, sind nicht weniger als drei Meeresprodukte, und sie stehen dem Quantum nach in dieser Liste keineswegs an letzter Stelle. Es ist daher eine ganz wichtige Frage, wovon denn die genannten Meerestiere leben, mit anderen Worten, wie der Nahrungsmittelkreislauf im Meer verläuft. Man hat hierüber nach vielen Forschungen heute schon ein ganz zuverlässiges Bild und kann mit voller Sicherheit den paradoxen Satz aufstellen: die unsichtbaren kleinsten Meeres­wesen erhalten alle übrigen. Die winzigen Kieselalgen, Salz­kugelalgen und sog. Peridineen brauchen für ihre Er­nährung bloß die im Meerwasser gelösten Stoffe und Gase. Sie erschöpfen also das Meer niemals, obgleich sie in geradezu phantastischer Menge leben, indem sie in den obersten, wohl­durchleuchteten Schichten freischwimmend schweben. Sie brauchen das Licht und sterben, wenn sie in die dunklen Tie­fen sinken. Sie bedürfen daher besonderer Einrichtungen, sich schwebend zu erhalten, und eine der gebräuchlichsten dieser Art ist es, daß sie ein sehr leichtes fettes Oel in ihrem win­zigen Körper speichern. So kommt es, daß alle Meere, be­sonders aber die kalten, in den oberen Wasserschichten von öl- und eiweißhaltigen Pflänzchen belebt sind. Man kann sich von ihrer Masse durch Zahlen gar keine Vorstellung machen; viel eher schon durch die wohlgesicherte Feststellung, daß eine üppige Wiese in ihrer grünen Pflanzendecke nicht mehr Nähr­stoffe hervorbringt als das weite, scheinbar so wüste Welt­meer. Auf dieser stets neu sprießenden Wiese weidet nun zahlloses Getier. Von der Klemalgenweide leben die kleinsten Jungfische, die Kleinkrebschen und zahllose Larven von größeren Seetieren. Auch die Muscheln ernähren sich von mikroskopisch kleinen Lebewesen. Bevor die wissenschaftliche Forschung das feststellte, war es den Fischern, namentlich den Heringsfängern, längst bekannt, daß da ein geheimnisvoller Zusammenhang besteht. Zu den von ihnen beobachteten An­zeichen, die reichen Fischfang ankündigen, gehört es, daß ein gewisser rötlicher Schein und stillere Wasserstrecken sichtbar sind, die sich beide bei näherem Zusehen als ei- B'Üionen-

scheidung, ob es die bäuerliche Veredeluugswirtschaft ver­kümmern und damit den Binnenmarkt einem nicht mehr zweifelhaften Schicksal überlassen will, oder ob es mit ent­schlossener Kraftanstrengung die Voraussetzung für den Wie­deraufbau seiner bäuerlichen Wirtschaft, für die Stärkung der Kaufkraft der Landwirtschaft und damit für die Kräfti­gung und den Ausbau des Binnenmarktes schaffen will.

Darüber, baß eine Wiederherstellung der landwirtschaft­lichen Rentabilität und die Steigerung der landwirtschaft­lichen Erzeugung auf das höchstmögliche Maß eine Lebens­notwendigkeit für das deutsche Volk ist, bestehen auf keiner Seite Zweifel. Aber man wendet zweierlei ein: Einmal würde durch Schaffung des Schutzes gegenüber dem Aus­lande die deutsche Ausfuhr vernichtend getrof- f e n werben, weil bas Ausland sich gegen solche Maßnahmen wehren würbe, und außerdem sei eine Erhöhung der Preise für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse für die Verbraucher nicht tragbar und wegen ihrer gesunkenen Kaufkraft auch nicht erreichbar.

Unsere industrielle Ausfuhr ist stark rückläufig und muß infolge der Absperrungsmaßnahmen und infolge der vernichteten Kaufkraft der als Abnehmer in Frage kommenden Agrarländer immer weiter zurückgehen. Es kann nicht verantwortet werden, dieser voraussehbaren Entwick­lung gegenüberzustehen, ohne den.Versuch zu machen, durch Ausbau ber vorhandenen Produktionsmöglichkeiten die land­wirtschaftliche Erzeugung rentabel zu machen, damit den An­reiz zu einer gesteigerten Erzeugung zu geben und so durch Ausbau der im Lande vorhandenen Produktivnsmöglichkei- ten neue Befchäftigungsgelegenheiten zu finden.

Der zweite Einwand gegen eine Einfuhrbeschränkung er­gibt sich aus ihren etwaigen Rückwirkungen auf die Ver­braucher. Solange die gegenwärtige starke Arbeitslosig­keit andauert, kann die Landwirtschaft nicht mit Preisen

In einer nichtamtlichen Erläuterung.zu der Zinssenkung für die Landwirtschaft, wie sie das Agrarprogramm der Ne­gierung Papen vorsieht, wird u. a. bemerkt: Die deutsche Landwirtschaft hat seit Jahren- Milliardenverluste zu ver­zeichnen. Eine der wichtigsten Verlustquellen ist seit der Stabi­lisierung der Mark zweifellos die Zinslast. Diese beträgt gegenwärtig etiva 850 Millionen Mark jährlich. Während die Zinslast ber Landwirtschaft im Wirtschaftsjahr 1924-25 noch 6,23 v. H. des Gesamtverkaufserlöics betrug, beläuft sie sich im Kalenderjahr 1932 auf 13,10 v. H. des Verkaufserlöses. Unterstrichen wird die Ueberhöhung der Zinsbelastung der Landwirtschaft durch die Tatsache, baß sie höhere Zinsen zahlt als der Durchschnitt der Gesamtwirtschaft. Der von der Land­wirtschaft gezahlte Dnrchschnittszins beläuft sich auf 7,2 v. H., während der durchschnittliche Zinssatz der Gesamtwirtschaft 6,6 v. H. beträgt. Schließlich beweisen die wachsenden Zins­rückstände der Landwirtschaft, daß diese tatsächlich nicht mehr in der Lage ist, ihre Zinsverpflichtungen zu erfüllen. Soweit überhaupt Zinszahlungen erfolgten, zahlten im Wirtschafts­jahr 1930-31 60 v. H. des Kleinbesitzes, 70 v. H. des Mittel- besitzes und etwa 80 v. H. des Großbesitzes die Zinsen nicht aus einem Betriebsreinertrag, sondern aus der Substanz.

Es wird weitgehend anerkannt, daß die Landwirtschaft tat­sächlich einer Entlastung bedarf. Jedoch wirb immer wieder versucht, nachzuweisen, daß die Zinsen für die Landwirtschaft keine wesentliche Rolle spielten und vor allen Dingen die Zinsbelastung aus dem Rcalkredit für die Landwirtschaft

Heer von zappelnden winzigen Tierchen erweisen. Ganze Tierströme ziehen dort dahin, bestehend aus allem möglichen Getier; die Hauptmasse aber wird doch von kleinen Ruder- krebschen, sog. Kopepoden, gebildet. Sie sind ein oder einige Millimeter lang, borstig und drollig anzusehen, aber im Innern strotzend erfüllt von farblosem oder rotem Oel. Wir kennen den Ursprung dieses Fettes nur zu Wohl. Es stammt von den Kleinpflanzen, denn diese bilden die Haupt­nahrung der Ruderkrebschen, die wieder das gesuchtetägliche Brot" für jung und alt im Fischreich sind. Vor allem leben die Heringe von den fetten Krebschen. Alle Heringszüge schwimmen den Tierströmen nach, darum ist das Erblicken der einen ein fast sicheres Vorzeichen für die anderen. Das Krebs­öl aber speichert sich wieder im Leib der Sardinen, Sprotten, Heringe, und wenn wir uns an einemVollfetthering" er­freuen, dann verzehren wir eigentlich nur als viertes Glied an der Kette das Kieselalgenol, das von den kleinen See­pflänzchen so unerschöpflich geliefert wird. Den Sprotten- und Heringszügen folgen wieder die großen Raubfische, na­mentlich Dorsche und Schellfische, denn auch sie begehren nach dem fetten Fleisch, und so lebt letzten Endes im unermeß­lichen Weltreich des Meeres jeder, der einen anderen verzehrt, doch nur immer wieder von der winzigen unschuldigen Pflanze, die allein niemanden braucht, um bestehen zu können. Natürlich ist diese Darstellung eine große Vereinfachung der Wirklichkeit. Innerhalb der Fisch- und Krebswelt gibt es Räuber, die die kleineren Vertreter ihrer Gruppe ragen, andere, die sich nur mit dem Hinwegschaffen toter und sonst verlorengehender Abfälle befassen. So verzehren gewisse Wür­mer sogar das Holz untergegangener Schiffe. Solcher Abbau ist z. B. im Haushalt der Natur die Rolle, die in den war­men Meeren den Korallentieren zukommt. Man darf deren Bedeutung nicht unterschätzen, denn die Korallenbänke der Ozeane bedecken in ihrer Gesamtmenge einen Flächenraum nicht geringer als ganz Europa. Auch vergreisen sich sehr nieorigstehende Geschöpfe, wie z. B. die Quallen, an allen höheren Organismen, mit besonderer Vorliebe an den Jung­fischen. Das unermeßliche Heer der freischwimmenden Flügel­schnecken wieder frißt Kleinkrebse und Algen und wird von Walen, Robben und Seevögeln verzehrt. Im ganzen ge­nommen aber ist der Weg des Geschehens unabänderlich. Alles, bis zu dem im Meere fischenden Menschen beruht auf den mikroskopischen Algen. Diese sind die eigentliche Ur- nahrung für Tier und Mensch, und so wiederholt sich auch im Weltmeer das gleiche Gesetz wie auf dem festen Lanv, wo ebenfalls die Kleinpflanzen, die hier im Boden leben die Vorbereiter jeder höheren Art von Vegetation und durch ste die Erhalter des gesamten Tier- und Menschenlebens sind.

rechnen, die bei allen ihren Erzeugnissen auf früherer Höhe liegen. Es ist nicht einzusehen, weshalb Nahrungsmittel aus dem Auslande eingeführt werden müssen, wenn sie im Jn- lande hergestellt werden können, auf der andere» Seite braucht keine Erhöhung der vom Verbraucher zu zahlender» Preise einzutreten, wenn der Absatz in vernünf­tige Bahnen gelenkt, die Handelsspannen auf das richtige Maß zurückgeführt und ber Landwirtschaft durch den Abbau ber Zins-, Steuer- und Soziallastcn eine Produktion zu geringeren Selbstkosten als jetzt ermög­lich t w i r d. Dazu kommt, daß gerade die Einfuhrkontingen- tierung, die nicht, wie die Zollerhöhung dies zunächst tut, die Preise erhöht, sondern dazu bienen soll, den Absatz heimischer Erzeugnisse in den Vordergrund zu stellen, die für den Ber- brauche! am wenigsten bedenklichste Farm der Einfuhrrege­lung ist.

Zu dem beschlossenen Kontingentierungsverfahren selbst ist folgendes zu bemerken: Die Kontingentsätze sollen zunächst nur für die Zeit bis zum 31. Dezember 1932 gelten. Es ist nicht beabsichtigt, eine starre Einfuhrkontingcntierung für das gesamte Jahr und gleichmäßig für alle Waren vorzu. sehen, vielmehr soll sie nur für bestimmte Perio­den erfolgen. Die vorgesehene Einfuhrkontingentierung ver­meidet jede unnötige Zentralisierung. Sie sieht von der Fest- sehung eines Gesamtkontingents und von einer Ilnterver- teilung auf die einzelnen Länder ab. Sie schreibt vielmehr vor, baß jede einzelne Firma einen festgesetzten Hundertteil derjenigen Menge der gleichen Ware einführen darf, die sie in der entsprechenden Zeit des vergangenen Jahres impor­tiert hat. Jede Firma, die das Recht zur Einfuhr erlangen will, wendet sich an ihr örtlich zuständiges .Hauptzollamt. Jede Willkür im Einzelfalle wird durch diese Regelung aus­geschlossen. Dem Handel bleibt es überlassen, woher er seine Waren beziehen will. Die Konkurrenzmöglichkeit der ein­zelnen Länder untereinander bleibt gewahrt.

keinen wichtigen Ausgabeposten darstellte. Diese Behaupt»»- gen sind jedoch unzutreffend. Auf Grund der Buch­führungsergebnisse ist ermittelt worben, daß die Landwirt­schaft zu zahlen hat im Wirtschaftsjahr 1932-33 für:

> Barlöhne ca. 1345 Mill. RM.

Zinsen 850 Mill. RM.

Steuern 566 Mill. NM.

Sozialversicherung 244 Mill. NM.

Soweit hier noch die Möglichkeit bestand, ist die Frage

einer Senkung der Barlöhne durch die Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Belebung der Wirtschaft vom 4. September angepackt worden. Als wichtigste Belastungs­faktoren bleiben demnach die Zins- und Steuerlasten. Dabei ist festzustellen, baß die Zinslast höher ist als die Gesamtleistung der Landwirtschaft an Steu­ern und Sozialversicherungsbeiträgen. Bei den Steuern bringt die Notverordnung zur Belebung der Wirtschaft vom 4. September gleichfalls gewisse Erleichterun­gen im Gesamtumfang von rund 160 Millionen RM. Als großer Ausgabefaktor der Landwirtschaft, an den bisher noch nicht herangegangen worden ist, sind demnach nur noch die Zinsen übrig geblieben.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Zinsproblem nicht einseitig, lediglich vom Standpunkt der Landwirtschaft aus betrachtet werden kann. Jedoch sind die Verhältnisse hier so zwingend, daß alle anderen Bedenken durch einen tatkräfti­gen Entschluß überwunden werden müssen. Die Situation für den Gläubiger ist zweifellos so, daß er zur Zeit nur noch die Wahl hat, ob er für eine kurze Zeit von der Landwirt­schaft noch Zinsen in unveränderter Höhe erhalten, oder ob er sein Kapital verlieren will. Verzichtet er für die nächsten Jahre auf einen Teil seiner Zinsansprüche, so kann er sein Kapital retten.

Unter diesem Gesichtswinkel der Sicherung des Kapitals kann man auch nicht einwenden, daß die vorgenommene Zinserleichterung gegen Treu und Glauben verstoße. Bei den gegenwärtigen Wirtschaftsverhältnissen kann behauptet werden, daß die Aufrechterhaltung der Verträge ein Unrecht gegenüber dem Schuldner ist. Die Mark ist zweifellos durch den Deflationsprozeß wesentlich wertvoller geworden, als sie es zur Zeit der Kreditaufnahme ber Landwirtschaft war. Es ist unmöglich, die Folgen der Deflationskrise nur ein­seitig dem Schuldner aufznbttrden.

Eine wirksame Entlastung ber Landwirtschaft kann nur bann eintreten, wenn gleichzeitig beim Real- und beim Pcr- sonalkredit eine Senkung der Zinsen eintritt. Eine Zins­senkung lediglich beim Personalkredit ist für die Landwirt­schaft nicht ausreichend, da von der Gesamtzinslast von 850 Millionen nur ber kleinere Teil auf Personalschulden zu­rückgeht, dagegen ber größere Teil von 450 Millionen RM. auf den Rcalkredit entfällt. Die Zinssenkung ist geradezu er­forderlich, um die Voraussetzungen kür eine auf Privatwirt­schaftlicher Initiative aufgebaute organische Senkung des Zinsfußes zu s chaffen.

Nach der neuen Notverordnung soll der Zinssatz aller Hypotheken auf landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und gärtnerischen Grundstücken auf die Dauer von zwei Jahren um 2 Prozent gesenkt werben, soweit es sich um langfristige Kapitalanlagen handelt. Aufwertungshypotheken bleiben von der Zinssenkung unberührt. Die zweimal 2 Prozent, die der Schuldner in den nächsten beiden Jahren nicht zu zahlen hat, soll er später nachholen. Zu diesem Zweck wird zu dem Kapi- tal der Hypothek ein Betrag von 4 Prozent hinzugeschlagen, der bei Rückzahlung der Hypothek mitzutilgen, bis dah,n allerdings unverzinslich ist. Ueberraschend ist die Bestim­mung der Notverordnung, daß alle landwirtschaftlichen Hypo­theken bis »um 1. April 1936 gestundet werden; nur die Aufwertungshypotheken sind von dieser Regelung ausge­nommen.

Erleichterung der Zinslast für die Landwirtschaft