Das Geheimnis der Lausanner Geheimverträae

. Die Lausanner Partner ratifizieren erst nach Einigung mit Amerika

Das Geheimnis, das durch den Abschluß von Souber- avkommen zwischen England, Frankreich und Italien über den Lausanner Vertrag gebreitet mat, ist nun enthüllt. Der Sinn dieser Geheimabkommen, von denen übrigens die deutschen Vertreter Kenntnis hatten, läßt sich auf folgende Formeln bringen:

1. In Lausanne stand nur die Reparationsfräge zur De­batte, nachdem Deutschland einen Zusammenhang zwischen Reparationen und interalliierten Kriegsschulden stets ab­gelehnt hatte.

3. Die einseitige Streichung der Reparationen bedeutet für alle Gläubigermächte ein finanzielles Risiko, das wohl England und Italien, nicht aber Frankreich einzugehen be­reit waren.

S. Um Herriot einen Rückversicherungsschein mitgeben zu können, erklärten sich England und Italien be­reit, die Ratifikation des Lausanner Vertrages so lange htnauszuschieben, bis man über Amerikas Hal­tung klar sehen würbe.

4. Kommt es mit Amerika zu keiner Einigung, dann wirb der Lausanner Vertrag vorläufig nicht rattfi- ziert.

5. Aber nicht der Aoungplan tritt dann wieder in Kraft, sondern die Lausanner Konferenz wird fort­gesetzt.

Sollte es wirklich zu keiner Einigung mit Amerika und damit zu einer Wiederaufrollung der Konferenz kommen, so könnte Deutschland ihr mit großer Gelassenheit entgegen­setzen, denn Herriot hat eineSicherung" erhalten, die prak­tisch bedeutungslos ist und es ihm lediglich ermöglicht, das Gesicht zu wahren. Für England und die übrige» euro­päischen Alliierten liegt die Sache jedoch wesentlich unbeque­mer als für Deutschland. Der Kuhhandel um die politischen Kriegsschulden geht weiter. Aber der Schauplatz ist nach Washington verlegt, wo man den alliierten Forderungen mit sehr geringem Interesse entgegensieht. Die ganze De­batte über Lausanne dürfte nun allmählich einschlafen und auch vor den amerikanischen Präsidentenwahlen kaum wie­dererweckt werden.

Berliner Blätterstimme« z« dem engttsH-franzöfischen Abkomme«

DieBossische Zeitung" meint, daß die Bedeutung dieses englisch-französischen Freundschaftsabkommens in Zukunft abhänge von dem guten Willen und der.Geschick­lichkeit der deutschen Außenpolitik. Ein gleichberechtigtes Deutschland werde bereit sein, auch diesen Pakt in den Dienst des allgemeinen Wiederaufbaus zu stellen. Die Deutsche Zeitung" sagt mit Bezug auf die Aeuße- rung Herriots über die Wiedergeburt derentente cordiale", er scheine sich nicht bewußt zu sein, daß er damit die Er­innerung an die Vorkriegspolitik der Einkreisung gegen Deutschland heraufbeschwöre. DieDeutsche Allge­meine Zeitung" nennt den Vertrag, der in Deutschland mit Kaltblütigkeit und Ruhe betrachtet werden müsse, eine erstaunliche und sonderbare Tatsache der internationalen Politik. Sein Wortlaut sei sehr vielseitig und unerfreulich und nähere sich eher dem entsprechenden Absatz in dem be­rühmtenGottesfrieben" Macdonalds aus dem deutschen Gegenvorschläge, der in der Hauptsache eine engere Füh­lungnahme über die Hauptprobleme der europäischen Poli­tik beschlossen sehen wollte. Absolut unbefriedigend sei auch der Punkt, der sich auf die Genfer Abrüstungskonferenz be­ziehe. DerLokalanzeiger" sagt, die Erklärungen des englischen Außenministers klingen wie etwas Herrliches was sie tatsächlich besagen, vermag man bisher noch nicht zu übersehen. Daß man auch in Paris entzückt ist oder doch so tut, gibt ohnehin zu denken. Es ist durchaus möglich, baß tu den hochklingenden Ausdrücken allerhand Fußangeln ruhen, so der Gottesfriede, der Deutschland verbieten soll, selbst irgendeine politische Frage anzuschneiden. Der Tag" überschreibt seinen ArtikelErpressertaktik oder Zusammenarbeit?" und meint, baß einstweilen die englische und die französische Auslegung des Paktes sich widersprä­chen. Simon stelle bas Abkommen als eine» offenen Pakt hin, dem die anderen Mächte beitreten sollten. Demgegen­über spreche Herriot von einer neuenentente cordiale". In beiden Fällen trage bas Pariser Abkommen, das unter eifriger Mitwirkung der Frankophilen Simon und Tyrell zustande gekommen sei, einen Pressionscharakter. Seine ein­zelnen Formulierungen seien weitestgehender und wider­sprechender Auslegung fähig.

Der englische-franzöfische Sondervertrag

Bei dem Sondervertrag zwischen England und Frank­reich handelt es sich keineswegs nur um eine Erweiterung der oben genannten Lausanner Geheimabkommen, sondern um einen ganz neuen Vertrag von weltpolitischer Tragweite, der namentlich in der Behandlung von Fragen, die mit der Revision oder Umwandlung der Friedens­verträge zusammenhängen, die englisch-französische Zu­sammenarbeit sicherstellen soll. In Paris wird das Ab­kommen mit England fast allgemein als ein Wiedererstehen der Lotsms oorsials gefeiert. Man sagt, Herriot habe Frankreichs Isolierung gesprengt.

Journal des Debats" will aus gut unterrichteten Krei­sen erfahren haben, daß bereits ein englisch-französisches Einverständnis über einen Abrüstungsplan erzielt worden sei, das es England und Frankreich gestatten würde, in der gleichen Weise die Probleme ins Auge zu fassen, die auf der Konferenz von Genf gestellt werden, so daß die bei­den Länder eine gemeinsame Haltung einnehmen könnten.

Amerika und der englisch-französische Sondervertrag

Die Nachricht von dem französisch-englischen Sonderver­trag rief in Washington tiefe Erregung hervor. Obgleich die maßgebenden Stellen bis zum Eintreffen amtlicher Nachrichten mit ihren Bemerkungen noch zurückhalten. Es besteht hier die unverhüllte Befürchtung, daß Europa in der Kriegsschuldenfrage nunmehr eine Einheitsfront hergestellt habe. Ueber die Kriegsschuldenfrage hinaus wer­den Befürchtungen über die weiteren Folgen des englisch- französischen Sonderpaktes für die amerikanische Regierung laut, insbesondere hinsichtlich der Wirtschaftsfragen, , Zollpolitik und des internationalen Handels im allgemeinen.

Aus London erfährt das Reuttervüro amtlich zu der Unterhauserklärung von Sir John Simon über die euro­päische Zusammenarbeit in künftigen Problemen, daß diese in keinerlei Beziehungen zu den Kriegs­schulden an Amerika stehe. Soweit Großbritannien in Betracht komme, könne Sir John Simons Erklärung in keiner Weise als einevereinte europäische Front" gegen­über Amerika gedeutet werben.

Umgestaltung des deutschen Rundfunks

Der Entwurf über die Neuordnung des deut­schen Rundfunks wird vom Reichskabinett voraussicht­lich noch Ende dieser Woche verabschiedet werden. Ueber den

Inhalt dieses Entwurfs wissen die Berliner Blätter fol­gende Einzelheiten mitzuteilen: Die Pläne einer Neuorga­nisation sind bereits über ein Jahr alt und zielen darauf hin, den Instanzenweg im Rundfunk zu klären und den politischen Einflüssen einen fest vorgeschriebenen Weg zu !

geben. Es ist dabei nicht an eine Politisierung v«K Rund­funks gedacht. Man will aber eine Möglichkett festlegen, um auch der Reichspolitik >m Rundfunk Geltung zU-verschMLL und die reichspolnischen Sendungen auf eine Stelle zu konzentrieren, die unmittelbar einem Vertreter des Reiches untersteht. Die Deutsche Welle wird durch eine neue Sendegesellschaft abgelöst werden, die, wie die örtlichen Sender, drei Abteilungen umfaßt: eine Unterhaltungsabtei­lung, eine Vortragsabteilung und eine aktuelle und Nach­richtenabteilung. Besonders die Nachrichtenabteilung, die aus der jetzigen Drahtlosen Dienst A.G. hervorgehen dürfte, ist dazu bestimmt, dieStunde des Reiches" und andere reichswichtigen Veranstaltungen zu bearbeiten. Von der ur­sprünglich geplanten Ernennung eines Reichskommissars wird Abstand genommen. Auch der Rundfunkkommissar des Reichspostministers wird eingezogen. Dafür treten an die Stelle der Reichsrundfunkgesellschaft zwei Direktoren, die vom Neichsministerium des Innern und vom Neichspost- ministerium ernannt werden.

Hindenburgs Mahnung an die Jugend

^ Neudeck, 14. Juli. In der Schule zu Neudeck fand eine stimmungsvolle Erinnerungsfeier an die 12jährige Wieder­kehr der Abstimmung in Masuren und Westpreußen statt. Nachdem der Lehrer der Schule einen Abriß über die Ge­schichte Ostpreußens und die Gründe der Abstimmung ge­geben hatte, formierten sich die Schulkinder und Sport: eine des Dorfes zu einem Fackelzuge, der am Ne, ^ Präsidenten vorbeimarschierte. Hindenburg, der mit seinem Sohn und dessen Familie, sowie dem Oberregierungsrat v. Riedel die Ankommenden erwartete, hielt eine Ansprache und ermahnte die Jugend zu Einigkeit und Treue zum Vaterlande. Er wünschte, daß die gleiche Einigkeit, die Ost­preußen im Jahre der Abstimmung gezeigt habe, wieder das ganze deutsche Volk beseelen möge. Hindenburg schloß mit einem Hoch auf das Vaterland.

Aus dem belgischen Streikgebiet

Die Lage im belgischen Streikgebiet verschärft sich von Tag zu Tag. In Eharleroi, dem Mittelpunkt der Streik­bewegung, kam es zu schweren Unruhen, in deren Verlauf die Läden geplündert wurden. Die Regierung sah sich ge­nötigt, ein größeres Truppenaufgebot einznsetzen, daS, wie

auf unserem Bilde zu sehen ist, mit Panzerwagen gegen die Menge vorging. Es wird mit der Ausrufung des General­streiks gerechnet.

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Mit einer energischen Bewegung griff die junge Frau Nach der über dem Tische hängenden elektrischen Klingel und befahl dem eintretenden Diener, den Wagen Vorfahren zu lassen. Eine Viertelstunde später stieg sie vor ihrem Eltern­hause aus. Ihrem Vater, der in dem glänzend erleuchteten Laden im Gespräch mit einem Kunden begriffen war, freund- lichst zunickend, stieg sie zum ersten Stockwerk empor, wo in dem Wohnzimmer die Mutter nach alter Gewohnheit mit dem unvernwidlichen Strickstrumpf im Dämmerlicht an einem der auf die Straße gehenden Fenster saß. Das war die Stunde, in der Frau Hellborn mit ihren sie besuchenden Töchtern vertrauliche Zwiesprache zu halten pflegte. Heute war sie allein und freute sich sehr, daß ihr Nesthäkchen, wie sie Helene nannte, wieder einmal das Elternhaus aufsuchte.

Bald saßen die beiden Frauen gemütlich einander gegen­über, und Helene eröffnet« der Mutter, daß aus ihrer ge­planten Uebersiedlunq in das Vaterhaus aus den uns be­kannten Gründen nichts werden könnte. So sehr die Mutter das einerseits bedauerte, schmeichelte es ihr doch, daß Helene auch nach dem Tode ihres Gatten die große Dame bliäb, die sie seit ihrer Verheiratung gewesen war, und sie gab dem alten Herrn Welch vollständig recht, weil er auf dem Ver­bleiben seiner Schwiegertochter in seinem Hause bestand. Auch mußte sie sich sagen, daß Helene sich so in die großen Verhältnisse eingewöhnt hatte, als daß sie wieder mit der Einfachheit des Elternhauses zufrieden gewesen wäre.

Geschickt verstand es Selene, das Gespräch auf Felix Tauber zu bringen, und erfuhr zu ihrer Ueverraschung, daß der Zurückgekehrte einen Besuch bei ihren Eltern ckbgqtattet hatte. Das lebhafte Interesse, mit dem sie sich nach allem, was Felix betraf, erkundigte wie er aussähe, was er über sie und ihre Verheiratung geäußert habe usw. ließ die kluqe Mutter wohl erkenne«, daß die Erinnerung cm den einstigen Verlobten noch eine bedeutsame Stell« im Herzen, der Tochter einnahm, und da sie, die Mutter, nur Nsrl-qswv.

zer Seele das Glück ihres Kindes wollte, wurde sie stillschwei­gend dessen Verbündete. Das hatte Helene gewollt; wie sie wußte, stand die Mutter in regelmäßigem Verkehr mit Frau Tauber, und mit dieser, der Mutter des Gelitten, Fühlung zu erhalten, darum war es vor allen Dingen der jungen Frau zu tun. Es wurde ihr auch nicht schwer, die Mutter zu einem Besuche bei Frau Tauber zu bestimmen, und ehe eine weitere halbe Stunde vergangen war, saßen die beiden Frauen der aufs höchste von dem Besuche überraschten Mutter Felix Taübers an dem gemütlichen runden Tisch gegenüber. Frau Tauber war der jungen Witwe, die sie seit deren Verheira­tung nicht wiedergesehen hatte, im Anfänge mit einiger Be­fangenheit entgegengekommen, aber ihre Kühle schwand, als Helene sich mit der herzlichsten Teilnahme nach Felix und nach den Einzelheiten von dessen glücklich gelungener Flucht erkundigte. In dem Wesen der jungen Frau lag dabei etwas so Unbefangenes, als hätte sie unter dem Zwange der Ver­hältnisse mit den früher für Felix gehegten Empfindungen filr immer abgeschlossen und als sei an eine Wiederaufnahme inniger Beziehungen nicht zu denken. Denn als Angehörige des Hauses Welty ließ sie im Gespräche einfließen, kenne sie nur noch die eine Lebensaufgabe, ihren guten Schwieger­vater über den Verlust des einzigen Sohnes zu trösten und ihm den Sohn zu ersetzen.

Das war deutlich, wie sich Frau Tauber sagte. Frau Helen« Welty war eine vornehme Dame geworden und stellte ganz unverblümt eine Scheidewand zwischen sich und dem früheren Verlobten auf. Es war vielleicht der einzig« Zweck ihres Besuches, einen freundschaftlichen Verkehr anzubahnen, um der Welt vorzutäuschen, daß die früheren Beziehungen zu Felix nur freundschaftlicher und nicht intimer Natur ge­wesen seien. Jedenfalls deutete nicht eine einzige Aeuße- rung der schönen jungen Frau auf noch vorhanden« tiefere Empfindungen für den ehemaligen Verlobten hin die Neigung schien bei Helene das nämliche Strohfeuer gewesen zu sein, wie sie es nach den von Frau Tauber gemachten Erfahrungen offenbar bei ihrem Sohne gewesen war. Die lange Trennung und die.mannigfalttgen, in den drei Jahren erfahrenen neuen Eindrücke hatten die ehemals so leiden­schaftliche Glut in den Leiden jungen Herzen vollständig ausgelöscht. Mit meisterhaftem Geschick verstand es Helene, durch hingeworfene oberflächliche Bemerkungen diesen Ge- dmMngang bei der alten Dame'ausznlöfen und derselben . die Ueverzeugung beizubringen, daß eine Begegnung der ^ Lunsen Frau mit Felix keinerlei Gefahr Mr die Herzensrube >-

des letzteren mit sich bringe. Und begreiflich erschien Frau Tauber der Wunsch Helenens, aus Felix Munde selbst die Schilderung seiner abenteuerlichen Erlebnisse zu vernehmen. Als daher bei der Verabschiedung der Damen die junge Frau die Bemerkung hinwarf, daß es sie und ihren Schwieger­vater recht freuen würoe, wenn Felix bei seinem nächsten Keimen den versäumten Besuch im Hause Welty nachhole, versicherte Frau Tauber, daß der Sohn gewiß nicht verfehlen würde, der freundschaftlichen Einladung Folge zu leisten.

14.

Zertrümmerte Hoffnungen.

Felix Tauber konnte mit der Aufnahme, die ihm »n der Residenzstadt bei den dem Flugwesen nahestehenden Kreisen wurde, zufrieden sein. Die Kunde von seiner abenteuerlichen Flucht aus der Fremdenlegion hatte ihm die Wege geebnet, und war man allgemein darauf gespannt, das System der von ihm bei dieser Flucht benutzten FlugmaschineKondor näher kennen zu lernen, das, wie man sich erzählte, als das vollkommenste in seiner Art angesehen werden konnte. Man wollte wissen, daß der glücklich entkommene Legionär, den man als geschickten Feinmechaniker rühmte, gemeinsam mit seinem Freunde, dem langen Platen, das System desKon­dor" ausgebaut habe und dasselbe der deutschen Heeres­leitung anzubieten beabsichtige. Besonders käme bei dieser Vervollkommnung des Apparates eine Vorrichtung Be­tracht, die Felix Tauber bereits vor langer als drei Jahren, noch bevor er zur Fremdenlegion angeworben worden war, nack lanaen Versuchen ausgesonnen habe, die, an der -Via- sKe WrL eN fast ^bedingte Sicherheit des Fliegers aewäbrleilie Man gewann rn der Tat bei den auf dem Flugftlde Johannisthal von Felix Tauber und Otto Platen unternommenen Dersuchsflügen den Eindruck, als war« man mit dem SystemKondor" in seiner neuen Ausführung der ^.dgültigen Lösung des. Flugproblems um einen bedeuten Schtttt nähergerückt. Wie eine Taube, s° le.cht schwang^stq di« Maschine nach kurzem Anlauf m die Lüfte, smw . bald, einem riesigen Vogel vergleichbar .nmaies^tis^n Schraubenlinien in die Höhe, um bann pfe schn rade Strecke zuttickzulegm, ^ld Lder

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