NUMMER 130

SÜDWESTDEUTSCHE CHRONIK

MITTWOCH, 2 2. AUGUST 1951

Radio auf Reisen

gg. Ein Schaffner hat es nicht leicht. Sollte da neulich einer eine Meinungsverschiedenheit zwi­schen Musikliebhabern und Ruheliebhabern schlichten. In einem Abteil saßen ein paar Leute, die zum Fenster hinaussahen, Zeitung lasen, ein kleines Nickerchen machten oder friedliche Ge­spräche führten. Da erschien ein junger Mann, der als einziges Gepäckstück einen kleinen bun­ten Kasten mit sich führte. Er nahm sein Köffer- chen-Radio auf den Schoß, drehte an ein paar Knöpfchen und lauschte verzückt der Hot-Musik, die zu ihm aus dem Äther drang.

Die übrigen Fahrgäste fanden das eine Weile ganz vergnüglich, dann meinten sie aber, jetzt würden sie lieber wieder ihre Ruhe haben. Der junge Mann hingegen wollte seine Musik be­halten, und so kam es. daß der Schaffner schlich­ten sollte.

Der arme Mann! Da schienen ihm alle Dienst­vorschriften und alle langjährigen Erfahrungen im Umgang mit Reisenden nichts zu helfen. Es gab zwar Raucher- und Nichtraucherabteile, Wa­gen mit und ohne Reisefunkunterhaltung, früher auch mal Frauenabteile, aber nirgends Abteile mitmitgebrachter Musik undohne mitge­brachte Musik. Es war verboten, in den Zügen zu betteln, Schaustellungen vorzuführen oder gewerbsmäßig zu musizieren, aber nirgends war gesagt, welche Lautstärke ein Reisender entfal­ten durfte.

Da kam ihm der rettende Gedanke. Er hob be­schwichtigend die Hände und sagte zu dem jungen Mann:Ich glaube, ich weiß ein Abteil, ln dem man Sie begeistert aufnehmen wird. Wenn ich mich nicht irre, sitzen dort auch zwei sehr nette junge Damen. Ich gehe eben mal fragen." Und so geschah es.

Der Friede war noch einmal gerettet. Wir aber fragen uns: Was tut not? Eine Hausordnung der Bahn, in der jedem Fahrgast vorgeschrieben wird, wievielPhon er singend, sprechend, musizierend erzeugen darf? Ach, die Bahn ist froh, daß es ihr gelingt, den Wust an Vorschrif­ten, Verordnungen und Verboten immer mehr abzubauen. Was wir brauchen, ist ein allgemei­ner Knigge für Leute mit Kofferradios. Über dem ersten Kapitel sollte auf jeden Fall stehen: Nehmt Rücksicht aufeinander!

Täglich ein Opfer des Straßentods

Leichtsinn und Unachtsamkeit sind an den meisten Verkehrsunfällcn schuld

Tübingen. Während im Juni in Württem- berg-Hohenzollern 18 Verkehrsteilnehmer ums Leben gekommen sind, waren es im Juli 34. Die Zahl der Todesopfer hat sich also fast verdop­pelt. Darunter befinden sieh 12 Motorradfahrer, 11 Radfahrer und 6 Fußgänger, davon 3 Kinder zwischen 2 und 7 Jahren.

Ursache dieses Ansteigens ist neben der jahres­zeitlich ebdingten Zunahme des Verkehrs in er­ster Linie der unverantwortliche Leichtsinn, mit dem sich immer noch viele Menschen auf der Straße bewegen.

So haben die polizeilichen Ermittlungen erge­ben, daß nicht weniger als 8 von den getöteten Motorradfahrern die Unfälle durch zu schnelles und unvorschriftsmäßiges Fahren allein oder zu­mindest überwiegend selbst verschuldet haben. Auch die meisten anderen Unfälle hätten bei vor­sichtigem Verhalten der Getöteten selbst vermie­den werden können.

Anerkennung für Lebensrettung Tübingen. Staatspräsident Dr. Gebhard Müller hat dem Schreinerlehrling Günther R u p p von Unter: eichenbach, Kreis Calw, seine Anerken­nung für die unter Einsatz des Lebens erfolgte Rettung eines Menschen vom Tode des Ertrin­kens ausgesprochen und ihm eine Belohnung zu­kommen lassen.

Neue Löhne in der Milchwirtschaft Tübingen. In einer Verhandlung, die unlängst in Reutlingen zwischen den zuständigen Arbeit­geberorganisationen und den Gewerkschaften stattfand, wurde unter Vermittlung des Arbeits­ministeriums in Tübingen für das Gebiet der Kreise Biberach, Ravensburg, Saul­gau, Tettnang und Wangen eine Ver­einbarung über die Neuregelung der Löhne und Gehälter in Betrieben der Milchwirtschaft (ein­schließlich der Milchindustrie und der Käse­schmelzwerke) abgeschlossen. Die Vereinbarung lehnt sich an die für das bayerische Allgäu vor kurzem abgeschlossene Lohn- und Gehaltsrege­

Aus Nordwürttemberg

Deutsche Sendungen in USA Stuttgart. Die deutschen Sendungen, die der amerikanischen Steuben-Gesellschaft vom Süddeutschen Rundfunk zur Verfügung ge­stellt worden sind, haben bei den deutsch-ame­rikanischen Hörem in den Vereinigten Staaten ein lebhaftes Echo gefunden. Auf Grund eines im Frühjahr dieses Jahres geschlossenen Ab­kommens überläßt der Süddeutsche Rundfunk der Steuben-Gesellschaft Bandaufnahmen von deutschen Programmen. Die Steuben-Gesellschaft betreut an 35 amerikanischen Sendern dieDeut­sche Stunde, halbstündige Programme, die drei bis sechsmal wöchentlich gesendet werden.

in Brasilien wird ihm zu Ehren Rio Grisebach genannt.

Von 30 000 Volt getötet Ludwigsburg. Der 39jährige Betriebselektriker einer Stahlgießerei in A s p e r g kam am Sams­tag bei Reparaturarbeiten an einer 30 000-Volt- leitung ums Leben. Der Mann, der wahrschein­lich annahm, daß infolge einer allgemeinen Stö­rung in der Stromzufuhr auch der Transforma­tor stromlos sei, hatte an die unter 30 000 Volt stehende Leitung gegriffen, was seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Mann brach vor den Augen seiner beiden Töchter zusammen. Er hin­terläßt sechs unmündige Kinder.

lung an. Die von den Gewerkschaften für dieses Gebiet vorbereitete Urabstimmung ist damit ge­genstandslos geworden.

Für die Angestellten der Milchwirtschaft in den übrigen Kreisen des Landes Württemberg-Ho- henzollern werden unter Beteiligung des Ar­beitsministeriums in Tübingen bis zum 15. Sep­tember weitere Verhandlungen geführt werden.

Große juristische Staatsprüfung Tübingen. Das Justizministerium Tübingen hält Im Herbst d. J. eine große juristische Staatsprü­fung ab, zu der diejenigen Assessoren (K) und Gerichtsreferendare zugelassen sind, die den vor­geschriebenen juristischen Vorbereitungsdienst bis 31. 12. 1951 abgeleistet haben.

Die Meldungen zu dieser Prüfung sind bei den Landgerichten so rechtzeitig einzureichen, daß sie dem Jusitzministerium bis zum 15. 9. 1951 vorliegen.

Richter besuchen Frankreich Tübingen. 12 Richter und Staatsanwälte aus Württemberg-Hohenzollern nahmen an zwei in den letzten Wochen durchgeführten Besuchsrei­sen teil, welche eine größere Anzahl deutscher Juristen auf Einladung des französischen Hohen Kommissars nach Frankreich führten. Bei einem Empfang durch die Union Föderale des Magi­strats in Paris hielt im Namen der deutschen Gäste Landgerichtspräsident Dr. Karl Dopf- f e 1 aus Tübingen eine Ansprache, in der er die Verbundenheit Frankreichs und Deutschlands mit den Werten der abendländischen Tradition be­tonte.

Treffen der Nebeltruppe Urach. Angehörige der ehemaligen Nebeltruppe treffen sich am 15./16. September in Urach. Aus­kunft und Anmeldung: Dr. K. Schuegraf, Urach, Marktplatz 18.

Ein Abend mit Albert Bassermann Freudenstadt. Das berühmte Schauspielerehe­paar Albert und Else Bassermann, das auf seiner Deutschlandtournee überall außerordent­lichen Erfolg hatte, weilte mehrere Wochen zur Erholung im Luz-Hotel Waldlust. Vor seiner Ab­reise nach Berlin, wo er in einer Teil-Auffüh­rung zur Eröffnung des Schiller-Theaters, an der auch Bundespräsident Heuß teilnimmt, die Rolle des Attinghausen spielt, gab er im Kuxtheater einen Vortragsabend, an dem er Monologe und Szenen aus klassischen Werken von Lessing, Shakespare, Schiller, Ibsen und Goethe rezitierte. Das begeisterte Haus dankte dem großen Künst­ler mit herzlichem Beifall. Die Kurverwaltung ehrte ihn durch die Übergabe eines Andenkens

Ein Mädchen ermordet

Saulgau. Am Samstagmittag wurde in einem Waldteil bei Altshausen, Kreis Saulgau, eine weibliche Leiche gefunden. Sie wies meh­rere Messerstiche auf der linken Brustseite auf. Bei der Toten handelt es sich um ein 19 Jahre altes Mädchen aus Altshausen, das bei einem Bauern in der Umgebung beschäftigt war und vermutlich am Donnerstagfrüh einem Mord zum Opfer gefallen ist.

Bei einer Suchaktion in den -Waldgebieten um den Fundort der Leiche wurde das Tatmesser gefunden, ein Schlächtermesser, das im allge­meinen zum Ausbeinen benutzt wird. Bei der Sektion der Leiche wurde unter den Finger­nägeln der Ermordeten Blut und Hautfetzen ge­funden. Darnach kann als erwiesen betrachtet werden, daß zwischen der Ermordeten und dem Täter ein Kampf stattgefunden hat, bei dem der Täter im Gesicht Kratzwunden davongetragen haben muß; auch seine Kleidung dürfte mit Blut beschmiert sein. Die Staatsanwaltschaft Ravens­burg hat für Angaben, die zur Ermittlung des Täters führen, eine Belohnung von 500 DM aus­gesetzt.

an seinen Aufenthalt in Freudenstadt. Der ein­drucksvolle Abend wurde umrahmt von Musik­vorträgen der Kurkapelle.

Ein repräsentativer Querschnitt

Ravensburg. Die unter der Schirmherrschaft von Staatspräsident Dr. Gebhard Müller ste­hende Oberschwäbische Landwirt­schafts- und Gewerbeschau, welche in Ravensburg zwischen dem 21. und 30. Sep­tember gezeigt werden soll, wird einen reprä­sentativen Querschnitt durch Landwirtschaft, In­dustrie, Handel, Gewerbe und Handwerk geben. Von der Ausstellungsleitung wird es als eine der wichtigsten Aufgaben bezeichnet, Wege zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion in Menge und Güte zu zeigen, wobei auf eine wesentliche Förderung der Absatzwerbung Wert gelegt werden soll.

Die Ausstellung wird nach sechs Hauptgebie­ten gegliedert sein. Es sind dies: Landwirtschaft­liche und hauswirtschaftliche Lehrschauen, eine Freilandschau, eine Tierschau, eine Schau mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und eine Ma­schinenausstellung, an die eine Wirtschaftsschau für Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe angeschlossen ist.

Zwei Kinder verunglückten tödlich

Ravensburg. Ein lljähriger Junge fuhr auf der Straße RavensburgTettnang auf einen Pkw auf und erlitt einen tödlichen Schädelbasisbruch. In Danketsweiler geriet ein 5jähriges Kind unter das Hinterrad eines Erntewagens und wurde tötlich überfahren.

Aus Baden

Pfarrer Grisebach 70 Jahre alt

Böblingen. Am Montag beging hier Pfarrer^,®. Manfred Grisebach seinen 70. Geburtstag. Von Dezember 1919 bis 1945 war Gri.'tr^csv 3 Lei­ter der Auswandererberatung am r ^-c^c hen Auslandsinstitut in Stuttgart. Fast 30 ji. -mg unterstützte er die zahllosen schwäbischen Aus­wanderer zwischen den beiden Weltkriegen mrf geinen reichen Erfahrungen und seinen Bezie­hungen nach Nord- und Südamerika. Ein Fluß

Ein 89jähriger Mann wurde in Stuttgart- Feuerbach von einem Motorrad angefahren. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo zunächst jedoch keine Verletzungen festgestellt werden konnten, so daß man ihn wieder entließ. Sein feefinden verschlecherte sich jedoch derart, daß man ihn nach zwei Stunden wieder ins Kran­kenhaus brachte, wo er dann noch am selben Tag an einer Gehirnblutung starb.

Mit einem Hammer bedrohten zwei Polen in Fellbach eine Gesellschaft von drei Männern Und drei Frauen nachts auf der Straße. Es gab ein Handgemenge, bei dem die Polen versuch­ten, den Frauen die Handtaschen zu entreißen. Schließlich wurden die Deutschen Meister über die beiden Burschen und übergaben sie der Po­lizei.

Bei einer Kletterpartle am Himmelsfelsen bei Eybach auf der Geislinger Alb stürzte am Sonn­tag ein Mädchen ab. Das Kletterseil, das sie mit ihrem Partner verband, hielt der Belastung zwar stand, doch konnte der Partner die Abgestürzte nicht erreichen, so daß diese über dem Abgrund schwebte. Zwei andere Kletterer, die zufällig die Unfallstelle passierten, konnten schließlich das Mädchen auf den Gipfel des Felsens zie­hen, noch ehe die alarmierte Bergwacht eintraf.

Von einem Volkswagen erfaßt und zu Boden geschleudert wurde ein 73jähriger Rentner auf der Straße TübingenBöblingen. Der Mann er­litt einen Unterschenkel- und einen Schädel­bruch, an dessen Folgen er im Krankenhaus starb.

Der dritte internationale Hochschulknrs für Germanisten wurde am Montag in der Univer­sität Tübingen eröffnet. Staatspräsident Dr. Mül- ler und Prof. Carlo Schmid, der Vizepräsi­dent des Bundestags, werden die ausländischen Teilnehmer mit den politischen Problemen in Deutschland bekanntmachen.

Für Kaufleute des Textileinzel- und -großhan- dels veranstaltet das Staatliche Technikum für Textilindustrie in Reutlingen vom 3. bis 28. Sep­tember einen Sonderkurs in Materiallehre, Web­waren-, Wirk- und Strickwarenkunde, Bindungs­lehre und Textilveredelung.

Ein Ermländer-Treffen hat der Kapitularvl- kar von Ermland, Prälat Kather, für den 12. September in Hechingen anberaumt. Ermländer Katholiken aus Hohenzollern und den umlie­genden Kreisen werden zu diesem Treffen er­wartet.

Schlachtviehmarkt Stuttgart

Dienstag, 21. August

Auftrieb: Rinder 643, Kälber 880, Schweine 1578, Schafe 1. Preis: Ochsen a 94 bis 105, b 85 bis 92; Bullen a 104 bis 109; Färsen a 100 bis 110, b 90 bis 96; Kühe a 83 bis 92, b 74 bis 82, c 62 bis 72, d bis 60; Kälber a 140 bis 145, b 132 bis 139, c 125 bis 130, d bis 120; Schafe nicht notiert; Schweine a, bl 128 bis 132, b2, c 132 bis 135, d, e 120 bis 130, f. gl 118 bis 122, g2 bis 115. Marktverlauf: Rinder mäßig belebt, klei­ner Überstand; Kälber flott geräumt; Schweine belebt, geräumt.

Großbrand in Besigheim Besigheim. In der Nacht zum Sonntag brach in einem landwirtschaftlichen Anwesen mitten im enggebauten, altertümlichen Besigheim ein Brand aus, der rasch auf zwei Wohnhäuser und zwei Scheuern Übergriff. Die Feuerwehren, die aus der ganzen Umgebung herangeholt wurden, konnten den Großbrand in den frühen Morgen­stunden des Sonntags zum Erlöschen bringen. Über die Brandursache besteht noch keine Klar­heit. Der Sachschaden beträgt etwa 200 000 DM.

Unter die Räder des Erntewagens kam ein 43jähriger Bauer aus Hettingen, Kreis Sigma­ringen, als er auf einer stark abfallenden Straße die Bremse anziehen wollte. Er schwebt in Le­bensgefahr.

Vom Zug überfahren wurde ein 62jähriger Bahnwärter am Sonntag auf der Kleinbahn- Strecke zwischen Warthausen und Herrlishöfen (Kreis Biberach). Der Bahnwärter hatte den her­annahenden Zug wegen starken Nebels nicht bemerkt und geriet unter die Räder, wobei er sofort getötet wurde.

Zum Ehrenbürger der Gemeinde Höfen, Kreis Biberach, ernannt wurde der dort geborene, ge­genwärtig im Jordanbad weilende Ministerprä­sident Karl Arnold von Nordrhein-Westfalen.

Rasch gefaßt wurden die beiden jungen Post­räuber von Steinegg, Kreis Pforzheim, die dort, wie in der letzten Ausgabe gemeldet, 450 DM erbeuteten. Passanten hatten sich die ungefähre Nummer des Kraftwagens gemerkt, mit dem die beiden nach der Tat geflohen waren. Zwei Be­amte der Landespolizei in Tübingen nahmen sie fest.

ZweiTodesfahrer, die bei einem Schaustel­ler als Motorradkunstfahrer angestellt waren, rasten auf einer Straße in der Nähe von Achern (Südbaden) mit einer ihrer Maschinen gegen einen Baum, wobei sie schwere Knochenbrüche und innere Verletzungen erlitten.

Beim Abschuß eines Böllersaluts verlor der 60jährige Gemeindediener von Selbach, Kreis Rastatt, den linken Unterarm.

Beim Festmachen eines Rheinkahnes bei Kehl stürzte ein 63jähriger Bauarbeiter in den Strom. Er erlitt einen Herzschlag und ertrank.

In R a d olf z e ll trug sich einer kranken Frau eineGesundbeterin an. Als Honorar für ihre Bemühungen forderte sie 180 DM. Als die kranke Frau nach dem Weggang des Besuchs in einer Schublade kramte, merkte sie, daß ihr auch noch zwei Halsketten fehlten.

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In Stockach (Südbaden) hatte ein Hausbe­sitzer seine Türklinke unter Schwachstrom ge­setzt, da er in der nächsten Stunde die Einwei­sung einer Flüchtlingsfamilie erwartete. Als der begleitende Polizeibeamte die Türe öffnen woll­te, erhielt er einen elektrischen Schlag.

Drei Zigeunerinnen, die in der Nähe von Ra­statt einem Obst- und Gemüsehändler 2000 DM gestohlen hatten, wurden von der Gendarmerie verhaftet. Als sich die Männer der drei Frauen gegen Mitternacht bei der Gendarmerie nach dem Befinden ihrer werten Ehehälften erkundigen wollten, wurden sie auch gleich hinter Schloß und Riegel gesetzt, da sie der Beihilfe zum Dieb­stahl schwer verdächtig waren.

Spinale Kinderlähmung in Pforzheim Pforzheim. Zwei Kinder aus Pforzheim im Alter von zwei und drei Jahren sind wegen des Verdachts der spinalen Kinderlähmung in ein Karlsruher Krankenhaus gebracht worden. Wie das Staatliche Gesundheitsamt mitteilt, hat sich der Verdacht in einem Fall bestätigt. Im zwei­ten Fall sind die Krankheitssymptome nicht sehr ausgeprägt. In Pforzheim wurden sofort Schutz­maßnahmen gegen eine Ausbreitung der Krank­heit getroffen.

Strafantrag gegen den Chefcroupier Konstanz. Der ehemalige Chefcroupier des am 6. August geschlossenen Konstanzer Spielkasi­nos hatte in einer Verhandlung vor dem Ar­beitsgericht über schwere Unregelmäßigkeiten beim Spielbetrieb berichtet. In einem öffentli­chen Schreiben betonte er nun kürzlich, daß er die vor dem Arbeitsgericht gemachten Angaben zu gegebener Zeit unter Eid wiederholen werde. Man müsse jahrelang die Materie eines Spiel­betriebs studiert und praktisch geprüft haben, um beurteilen zu können, ob die von ihm an­geprangerten Manipulationen stimmen oder nicht.

Der zweifache englische Motorradweltmeister Ge- offrey Duke ist zusammen mit den anderen eng­lischen Norton-Werkfahrern Johnny Lockett, Jade Brett und dem Australier Ken Kavanagh gestern abend mit einer Sondermaschine aus Belfast auf dem Flughafen in Stuttgart-Echterdingen eingetroffen. Es ist dies das erste Mal, daß eine komplette ausländische Werkmannschaft mit zehn Rennmaschinen in einem Sonderflugzeug zu einem Rennen nach Deutschland kommt. Nach dem offiziellen Empfang der Engländer auf dem Flughafen wurden sie zusammen mit ihren Maschinen in einem Gleitzug zu ihrem Standquar­tier, Schloßhotel Solitude, gebracht.

Die gewaltigen organisatorischen Vorbereitungen für das größte deutsche Motorsportereignis nach dem Kriege sind abgeschlossen. Das Training auf der So- litude-RennstreCke beginnt morgen um 10 Uhr und wird am Freitag und Samstag fortgesetzt. Am Renn­tag selber werden eine halbe Million Zuschauer er­wartet. Für die Nacht von Samstag auf Sonntag ist für Stuttgart die Polizeistunde aufgehoben worden.

Schachspieler vor dem Zusammenschluß

Nach Abschluß der vom Oberschwäbischen Schach­verband im Einvernehmen mit dem Deutschen

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Im Kino von Erbenheim bei Wiesbaden er­schien an einem der letzten Abende im Zuschau­erraum ein Ochse und störte die Handlung auf der Leinwand mit erheblichem Gebrüll. Es war gar nicht so leicht, das Rindvieh wieder ins Freie zu befördern, das sich mit aller Gewalt die rüh­rende Liebesszene eines Hollywood - Films an- sehen wollte, von dessen volksbildendem Inhalt es ja doch nichts verstehen konnte. Oder war die Störung mehr als Protestaktion gedacht? Der Manifestant verweigerte die Auskunft.

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Eine 40jährige ledige Näherin, die sich in N i e- derbayern seit Jahren bettelnd auf der Land­straße herumtrieb, hatte das vierjährige Kind eines farbigen Amerikaners und eines deutschen Mädchens zu sich genommen, wie sie sagte, weil esso goldig und so lieb gewesen sei. Das kleine Negerlein wollte aber mit seinerAdoptivmut­ter" nicht von Dorf zu Dorf ziehen, sondern heulte immerfort auf gut bayerisch:I mecht hoamMitleidige Menschen zogen schließlich die Polizei zu Rate, die dafür sorgte, daß das Kind wieder zu seiner richtigen Mutter kam.

Im Gegensatz zu seinen Aussagen wurde von seiten des Kasinos festgestellt, daß der Spiel­betrieb laufend von zwei Beamten der Stadt Konstanz, der die Hälfte des Reingewinns zu­floß, kontrolliert worden sei. Deren Anwesen­heit und die eines Kriminalbeamten hätten die von dem ehemaligen Chefcroupier unterstellten Manupulationen unmöglich gemacht. Dieser Kri­minalbeamte, der vom Chefcroupier der Mitwir­kung an den Unterschlagungen (es handelt sich angeblich um 350 000 DM) bezichtigt worden ist, hat inzwischen Strafanzeige wegen Verleum­dung erstattet. Dieselbe Anzeige brachte das Ka­sino selbst ein.

Wie wird das Wetter?

Aussichten bis Donnerstagabend: Verbreiteter Druckanstieg bewirkt wieder allgemeinen Über­gang zu freundlicherem Wetter. Am Mittwoch im Süden des Landes allmählich, im Norden rasch einsetzende Wetterbesserung, Nachlassen der Niederschläge und Bewölkungsauflockerung. Tagestemperaturen nur wenig über 20 Grad an­steigend. Am Donnerstag überwiegend freundlich und warm.

Schachbund betriebenen Vorarbeiten findet am Sonn­tag, 2. September, um 11 Uhr im Zollerhof in Sig­maringen die Gründungsversammlung des Schach- Landesverbandes Württemberg-Hohenzollern statt. 40 Vereine sind aufgefordert worden, ihre Vertreter zu entsenden, doch steht auch etwaigen nicht ange­schriebenen Vereinen die Teilnahme frei. Nach vollzogener Gründung, Festlegung des Satzungssta­tuts und Vorstandwahl soll die sofortige Eingliede­rung in den Deutschen Sehachbund erfolgen. Die bal­dige Vereinigung mit Nordwürttemberg wird an­gestrebt. Für die Mitglieder des Oberschwäbischen Schachverbandes ist vor der Gründungsversammlung eine Sitzung auf 10 Uhr im gleichen Lokal anbe­raumt.

Bei der Handball-Weltmeisterschaft

Der Bundestag des deutschen Handballbundes be­schloß, an der Weltmeisterschaft vom 9. bis 15. Juni 1952 in der Schweiz mit der Nationalmannschaft teü- zunehmen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde die Angleichung der Spielregeln an die des inter­nationalen Verbandes gebilligt. Für Vereinswechsel gilt in Zukunft allgemein eine dreimonatige Sperre. Einstimmig wurde der bisherige Vorsitzende, Willy Daume (Dortmund), wiedergewählt.

Als Schiedsrichter international

Der bekannte Metzinger Handballexperte, Gerhard O e 1 s n e r , hat als einziger südwürttembergischer Schiedsrichter Spiele des vor kurzem in Flensburg durchgeführten internationalen Handball-Turnier« für Nachwuchsmannschaften geleitet. Zur gleichen Zeit wurden in der deutschen Grenzstadt auch Hal­lenhandballspiele ausgetragen. Sieger des Turniers wurde Westdeutschland mit 20:0 Punkten.

Kurz berichtet

Gaston Reiff der belgische Olympiasieger über 5000 m, will heute den Weltrekord von Gundar Hägg (Schweden) angreifen.

Ein landesoffenes Mannschaftspokalturnier im Tischtennis veranstaltet die TG Schwenningen am 9. September. Meldeschluß ist am 2. September.

Totogewinne

West-Süd: Zwölferwette: 1. Rang je 16 902 DM; 2 . Rang je 977.10 DM, 3. Rang je 89.60 DM. Zehnerwette: 1. Rang je 17 306.70 DM; 2. Rang je 605,90 DM; 3. Rang je 46.90 DM. (1. Rang der Zwölferwette mit 11 rich­tigen Tips).

Gesamtumsatz West-Süd-Toto: 2 739 327.90 DM.

Bayern: Zwölferwette: 1. Rang je 7010 DM; 2. Rang je 273.60 DM: 3. Rang je 24.20 DM. Neunerwette: 1. Rang je 2140 DM: 2. Rang je 79.60 DM. International* * Zehn (9 richtige Tips): 1. Rang je 3445 DM; 2. Rang je 101.30 DM; 3. Rang je 13 70 DM.

Nord: 1. Rang je 29 164 DM; 2. Rang je 608.50 DM; 3. Rang 1e 37.90 DM

Kurze Umschau im Lande

dm Qeteihug zum Schieß Sotiiude

Doppelweltmeister Duke eingetroffen / Solitude erwartet 500 000 Zuschauer

fludfr oa* matte berichtet