Die Eigenarten des amerikanischen Strafprozesses, der m vielen Punkten von dem deutschen abweicht, macht es nicht immer leicht, die Bedeutung der einzelnen Indizien für oder wider gleich im ersten Augenblick zu erkennen. Das eine wird man jedoch allen an diesem Prozeß beteiligten Amtspersonen zugestehen müssen, daß sie ihn mtt der denv bar größten Sorgfalt und auch Vorsicht durchgefuhrt haben. Da der Angeklagte Hauptmann konsequent vom Tage sei­ner Verhaftung an bis zu der dramatischen Minute seiner Verurteilung jegliche Schuld an der ihm zur. Last gelegten Kindesentführung und Kindestötung iu Abrede stellte, mußte die Anklagebehörde den steinigen Weg des Jndl» zienbeweises beschreiten. Es ist nicht immer leicht ge­fallen, wirklich beweiskräftiges Material herbeizufuhren. Die Verteidigung, die außerordentlich geschickt und mit be­sonderer Berücksichtigung der amerikanischen Mentalität arbeitete, konnte in vielen Fällen mit dem gleichen Maß der Wahrscheinlichkeit für den Angeklagten sprechen, mit dem es der Ankläger gegen ihn getan hatte. Schließlich lief alles darauf hinaus, ob die Identität der Schriftzüge Hauptmanns mit denen des anonymen Erpressungs­zettels feststellbar war oder nicht. Die graphologischen Sach­verständigen haben gerade bei diesem Punkt mit einer Sorgfalt ihr Gutachten erstattet, wie man sie bisher wohl kaum erlebt hat. Wie unsicher gerade dieser Punkt auch von den Geschworenen empfunden wurde, zeigr die Tat­sache, daß sie sich noch in das Beratungszimmer Vergröße­rungsgläser kommen ließen, um die Schriftzüge zu prüfen.

Die sonstigen Jndizienpunkte sind nicht völlig bewiesen worden. Gewiß, man hat im Besitz Hauptmanns einen gro­ßen Teil der Dollarnoten gefunden, die die geheimen Kenn­zeichen der Lösegeldsumme für das Lindbergh-Kind enthiel­ten. Können sie in den zwei Jahren, die seit der Tat ver­gangen sind, nicht schließlich auch ihre Besitzer gewechselt haben? Soll die Identifizierung Hauptmanns an der Stimme möglich gewesen sein. Wer hat sie gehört? Oberst Lindbergh, aber es war in einer regenschweren Nacht und hinter einer Friedhofsmauer. Der Empfänger des Lösegel­des wird sich in jenem Augenblick zweifellos gehütet haben, auch nur eine Silbe mehr zu sprechen als notwendig war. Lindbergh hat aber keinen Augenblick gezögert, auf die Frage des Richters die Erklärung abzugeben, daß nach sei­ner lleberzeugung Hauptmann der Räuber und Mörder seines Kindes sei.

Diese Aussage Lindberghs ist kennzeichnend für den Wahrspruch der Geschworenen und den Urteilsspruch des Gerichtes. Das Urteil ist nicht gefunden auf Grund bewie­sener und absolut einwandfreier Indizien oder sonstiger Beweise, sondern es ist gefällt worden aus der Ueberzeu- gung heraus, daß nur Hauptmann der Täter sein kann. Vis zum letzten Augenblick hat Hauptmanns Verteidiger gegen diese Ueberzeugung angerannt. Er hat eine gute Klinge geschlagen und der Anklagebehörde peinliche Minu­ten bereitet, als er darauf hinwies, daß der Entführer des Kindes die Bauart des Hauses und die Lage der Zimmer genau habe kennen müssen. Ja noch mehr: ein Fremder könne überhaupt nicht das Kind entführt haben, da es sonst zweifellos geschrieen hätte. Die ominöse Leiter sei überhaupt erst später an das Fenster angelehnt worden. In Wirklichkeit habe der Entführer, dem sich das Kind ruhig anvertraut habe, da es ihm bekannt gewesen sei, es die Treppe heruntergetragen. Auch müsse es jemand gewe­sen sein, der es verstanden habe, mit dem Kinde umzuge­hen und es zu beruhigen. Da dies aber für einen Fremden wie Hauptmann unmöglich gewesen sei, müsse der wahre Schuldige unter der Dienerschaft des Hauses Lindbergh ge­sucht werden.

Alle diese Argumente des Hauptverteidigers Reilly ha­ben Hauptmann nicht vor dem Todesurteil bewahrt. Wenn es ihm gelingt, das erforderliche Geld für ein Revisions­verfahren aufzubringen, wird die Öffentlichkeit noch ein­mal die Wiederaufrollung des ganzen Prozesses erleben. Gelingt es ihm nicht oder, darauf kommt es jetzt an, ist er wirklich der Schuldige, dann ist keine Rettung mehr für ihn vorhanden, und er muß den elektrischen Stuhl bestei­gen. Das zu entscheiden ist für den Fernstehenden unmög­lich. Nach diesem Prozeß und vor allem nach der Art, mit der er durchgeführt wurde, ist nur das Urteil erlaubt, daß das Menschenmöglichste versucht worden ist, die Wahrheit zu ergründen.

Der Reichsarbeitsniimfter

über Kleinsiedlung

Berlin, 15. FeLr. Reichsarbeitsminister Seldte empfing am Freitag Vertreter der Tages- und Fachpresse, um sie mit den neuen Grundsätzen sür die Kleinsiedlung bekanntzumachen. Die Maßnahmen, die er heute bekanntgebe, so sagte er u. a., soll­ten einen neuenBauabschnitt der Kleinsiedlung nach neuen Grundsätzen einleiten.

Am wichtigsten davon sei die sogenannte Ablösungs­aktion. Sie sei geregelt in dem sogenanntenAblösungs­erlaß". Er solle die Möglichkeit eröffnen, daß die beträchtlichen, bisher zur Förderung der Kleinsiedlung gewährten Reichsmittel rund 195 Millionen RM. zu einem möglichst großen Teil sür neue Siedlungsvorhaben nochmals nutzbar ge­macht werden. Dies solle in der Weise geschehen, daß von den Versahrensträgern nachträglich eine Umfinanzierung der bisher errichteten Siedlungen in der Weise vorgenommen werde, daß sie die für bestimmte Siedlungsvorhaben gegebenen Reichsdar­lehen ganz oder teilweise durch Fremddarlehen (Ablösungsdar­lehen) ersetzten und die so freigewordenen Reichsmittel für wei- rere Siedlungsvorhaben als nachstrllige hypothekarisch zu sichernde Darlehen erneut zu verwenden.

Die Ablösungsmaßnahme solle ergänzt werden durch «-ine Neichsbiirgschastsaktion für Kleinsiedlungen. Die neuen Bestim­mungen darüber würden voraussichtlich in der nächsten Woche ebenfalls veröffentlicht werden.

Sodann gab der Minister noch weitere Einzelheiten der Neu­regelung bekannt. Hiernach seien künftig grundsätzlich alle ehr­baren minderbemittelten deutschen Volksgenossen als Siedler zu ' gelassen, die ebenso wie ihre Angehörigen national zuverlässig, rassisch wertvoll, gesund und erbgesund sind. Insbesondere seien also jetzt auch Vollbeschäftigte ohne Rücksicht auf die Kinder- zahl bis zu einem Einkommen von 290 RM. monatlich ein­bezogen. So sei die Fortentwicklung der vorstädtischen Klein­siedlung zur Vollbeschäftigtensiedlung, damit zur Kleinsiedlung, und zwar zur Eemeinschaftssiedlung, schlechthin vollzogen.

Weiter wies der Minister darauf hin, daß bei der Durchfüh­rung wirtschaftliche Gesichtspunkte entscheidend zu berücksichtigen seien. Zur Vermeidung von Fehlinvestitionen sei daher vor­geschrieben, daß künftig neue Siedlungen nur mehr dort errichtet werden dürfen, wo die wirtschaftliche Existenz der Siedler dauernd gesichert erscheine.

Eine sorgfältige Sievleräuslese solle durch die Mit­wirkung der Heimstättenämter sichergestellt werden. Innerhalb des zugelassenen Personenkreises gelten Frontkämpfer und Käm­pfer für die nationale Erhebung. Opfer des Krieges, der natio­nalen Erhebung und der nationalen Arbeit, in allen Fällen kinderreiche Familien bevorzugt berücksichtigt werden. Um die Daseinsgrundlage des einzelnen Siedlers unbedingt zu sichern, sollten die Kosten der einzelnen Siedlerstelle und die danach sich ergebende Gesamtbelastung der Siedler auch künftig so gering wie nur irgend möglich gehalten werden. Der Siedler solle über mindestens 1090 Quadratmeter Nutzland verfügen.

In der Frage der Finanzierung wolle die Reichs- regierung neue Wege gehen. Zwar wolle die Reichsregierung bei der Finanzierung der Kleinsiedlung noch so weit wie möglich Mitwirken. Ziel sei, die Weiterentwicklung, abgesehen von einer zweckvollen Leitung, allmählich der Wirtschaft zu überlassen. Deshalb sollten in Zukunft die Eesamtkosten der Siedlerstellc möglichst auf dem privaten Kapitalmarkt durch pri­vate erste und zweite Hypotheken aufgebracht werden. Es er­gehe daher der Appell an die Finanzierungsinstitute aller Art, Realkreditinstitute, Sparkasien, Lebensversicherungsgesellschaften, Feuerverstcherungsgesellschasten usw. möglichst große Mittel sür die Zwecke der Kleinsiedlung herzugeben. Die Siedler selbst sollten künftig mindestens 29 v. H. des Bau- und Bodenwertes ausbringen. Insbesondere dürfe auch von der Industrie erwartet werden, daß sie sich künftig in großem Umfange an der Finan­zierung der Kleinsiedlung beteilige. Dies sei die beste soziale Fürsorge, die der Betriebsführer seiner Gefolgschaft angedeihen lasten könne.

Am Schluß seiner Ausführungen erbat der Reichsminister die Mitarbeit aller Volksgenossen.

Das Ausland zur Autofchau

Berlin, 15. Febr. Die größte Automobilausstellung der Welt konnte bereits am ersten Tage einen großen Erfolg ausweisen. Außer den 1999 Ehrengästen wurden von 3 Uhr ab, dem Zeit­punkt der allgemeinen Eröffnung für das Publikum, etwa 16 099 Besucher gezählt.

Der Sonderberichterstatter der Pariser SportzeitungL'Auto", Charles Faroux, berichtet ausführlich über die Eröffnung der Autoausstellung in Berlin. Der französische Berichterstatter macht aus seiner Bewunderung kein Hehl.Was ein Mann zustande bringen konnte", so lautet die vielsagende Ueberschrift eines Artikels. Faroux beschreibt das Erscheinen des Führers und Reichskanzlers und erklärt, er ähnele keineswegs dem in Frank­reich über ihn verbreiteten Karikaturen; er mache einen er­staunlich jungen Eindruck, lächle allen zu und löse eine Art dionysische Begeisterung.aus. Gewisse Leute würden Hitlers Redeweise als die eines Volksredners verächtlich machen wollen. Er, Faroux, halte Hitler für einen wahren Redner, denn er reiße die Masten mit. In den Augen der Zuhörer erkenne man die begeisterte freiwillige Hingabe.

Auch mit dem Erüffnungsakt selbst ist Faroux einverstanden und der Vergleich, den er mit ähnlichen Eröfsnungsakten in Frankreich zieht, fällt sehr zum Nachteil seiner Heimat aus. Fa­roux weist darauf hin, daß Deutschland Frankreich auf dem Ge­biete des Automobilbaues überflügelte und nach Amerika, Eng­land, Kanada vor Frankreich, das fünfter geworden ist, den vierten Platz einnimmt. Deutschland habe, so faßt Faroux seine Eindrücke zusammen, nach den ersten zehn Jahren der Ohnmacht seit Kriegsende sich aufgerafft, und habe seine Haltung und seine Disziplin wiedergesunden. Es fasse feinen organisatorischen Willen zusammen. Das sei darauf zurückzufllhren, daß man es verstanden habe, ihm ein Ideal mit einer Mystik vorzuschlagen, der Mystik der Arbeit. Das sei ferner darauf zurückzuführen, daß man alle egoistischen Regungen niedergekämpft habe, vor allem den Geld-Egoismus.

Auch dänische Blätter sind begeistert.Dagens Nyheter" spricht von der größten Automobilausstellung der Welt und stellt fest, daß die Eröffnung der Ausstellung von riesigem Ausmaße ge­wesen sei. Das Blatt weist darauf hin, daß besonders von eng­lischer und skandinavischer Seite der Ausstellung großes Interesse entgegengebracht werde.

DerLügenrmg"

Eine Mahnung eines Norwegers

Berlin, 15. Febr. Unter der UeberschriftDer Lügenring" befaßt sich in der norwegischen ZeitungTidens Tegn" der auch in Deutschland bekannte Norweger Harry Höst mit den Erfolgen des nationalsozialistischen Ausbauprogrammes in Deutschland. Ausgehend von dem kürzlich gemachten Vorschlag der norwegi­schen Arbeiterpartei, daß kein norwegischer Sportsmann zusam­men mit deutschen Sportsleuten an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürfe, schreibt er u. a.:

Was die Verhältnisse in Deutschland angeht, so ist die Wahrheit niederschmetternd für die Arbeiterpartei und für Deutschlands viele sonstigen Feinde. Hitler führte vor zwei Jahren seine Revolution durch und hat schon in diesen zwei Jahren ganz verblüffende Erfolge erzielt."

Nachdem er dann an Hand statistischer Unterlagen die Fort­schritte des nationalsozialistischen Regimes insbesondere auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung und der Förderung der Industrie-- Produktion dargelegt hat, schließt er mit einem Appell an sie norwegische Presse zur objektiven Berichterstattung:

Deutschland ist umgeben von einem Ring von Lügen­zentralen in Prag, Zürich, Paris und Amsterdam. Wenn die Marxisten Deutschland etwas Schlechtes antun können, so sind sie gleich zur Stelle, und die europäische und nordische Presse zeigt leider guten Appetit, wenn es sich um Sensations­gelüste vom Dritten Reich handelt. Die antimarxistische Presse sollte im Gegenteil allen Grund haben, mit Respekt auf sin Volk zu sehen, das mit allen Kräften versucht, aus dem Sumpf herauszukommen, und das den Sieg des Marxismus in West­europa verhindert hat."

Marxistische Demonstrationen in Belgien verboten

Brüssel. 15. Febr. Die Regierung hat am Freitag die von den Marxisten für den 24. Februar festgesetzten großen Straßen­demonstrationen verboten. Die Kundgebung war von den Mar­xisten schon weitgehend vorbereitet worden. Die Regierung Hot sich zum Einschreiten entschlossen, nachdem am Donnerstag abend der Führer der Sozialisten, van der Velde, in einer Rundsunk- ansprache nochmals die Arbeiterschaft aufgeputscht und die Po­litik der Regierung aufs schärfste angegriffen hatte. Di--. Re­gierung scheint entschlossen zu sein, den Kamps mit den Marxisten mit Entschlossenheit zu führen.

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Trauerfeier für die Tsleu der Grube Lauriveg.

Aachen, 15. Febr. Für die Opfer des Unglücks auf der Grube Laurweg fand am Freitag in der Turnhalle zu Kohlscheid eine Trauerfeier statt. Von nah und fern, selbst aus dem benachbar­ten Holland waren Tausende herbeigeeilt. Voll Trauer und Mitempfinden standen sie an den Straßen, die der Leichenzug

berührte. Aus einer Empore in der schwarz ausgeschlagener Turnhalle standen mit Grün und Blumen geschmückt, umrahmi von einem Meer von Kerzen, die sieben Särge. Ein Choral de, Vergwerkskapelle leitete die Trauerfeier ein. Eeneraldirektoi Dr. Becker widmete im Aufträge der Gewerkschaft den toten Kameraden Len letzten Gruß. Im Aufträge der Staats- und Reichsregierung sprach Berghauptmann Heyer-Bonn. Di< Toten hätten als Deutschlands Heldensöhne auf dem Felde dei Arbeit in treuer Pflichterfüllung für Volk und Vaterland ih, Leben gelassen. Er legte dann einen Kranz an den Särgen nie­der. Der Bezirkswalter der DAF., Ohling, sprach im Auftrag des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley und des Gauleiter- Erohs das Beileid aus. Es sprachen sodann der katholische und der evangelische Pfarrer aus Kohlscheid Trauerworte. In einem riesigen Trauerzug wurden darauf vier Särge zum Friedhos geleitet, wo sie unter den Klängen des Liedes vom guten Kame­raden beigesetzt wurden. Zwei weitere Opfer des Grubenunglücks wurden nach Aachen und Laurensberg übergefllhrt. Der siebent« Tote trat seine letzte Fahrt in die westfälische Heimat an.

Die Neuwahlen in Danzig

Danzig, 15. Febr. Die Danziger Regierung und die national­sozialistische Fraktion des Danziger Volkstages haben sich ent­schlossen, das Danziger Parlament aufzulösen, ob­wohl die Wahlzeit noch über zwei Jahre läuft und keine Par­tei die Stellung des auf die Mehrheit der NSDAP, im Volks­tag gestützten nationalsozialistischen Senats erschüttern kann. Der Grund zur Ausschreibung von Neuwahlen ist darin zu suchen, daß das Danziger Zentrum und einige Partei- kreise immer wieder der Regierungspartei Knüppel zwischen die Beine warfen und sich beim Völkerbund als Angeber und Querulanten betätigten. So arbeitete in dieser Richtung mit besonderem Eifer die Rechtsgruppe der Zentrums­partei, deren Beschwerden sogar die letzte Tagung des Völker­bundsrates beschäftigten. Verhandlungen sind nun an dem Mangel an Einsicht bei den Zentrumsvertretern gescheitert, wäh­rend Besprechungen mit der katholischen Geistlichkeit einen zu­friedenstellenden Verlauf zu nehmen scheinen. Der im Mai 1933 gewählte Danziger Volkstag setzt sich folgendermaßen zusammen: NSDAP. 41, SPD. 12, Zentrum 19, Kommunisten 5, Deutsch­nationale 2, Polen 2 Sitze.

Münchens Mchingsgegenbesuch in Köln

München, 15. Febr. Der Fremde, der in den Frühstunden des Freitags den Münchener Hauptbahnhof betrat, mochte sich beim Anblick frohesten Maskentreibens an diesem Ort und um diese Zeit verwundert die Augen reiben, bis er darüber aufgeklärt wurde, daß es sich um die Abfahrt der Münchener zum Faschings­gegenbesuch in Köln handelte. Schon von 7 Uhr an suchten die Teilnehmer insgesamt 679 ihre Plätze im Sonderzug auf. Ein mitlaufender eisgekühlter Gepäckwagen barg eine stattliche Anzahl von Kisten mit Bierflaschen zur Labsal für die Reisen­den. und Maßkrüge, die zum Geschenk für die Kölner bestimmt sind. Knapp vor 8 Uhr erschien Prinz Karneval, Paul der Erste von Theatralien, mit Gemahlin und Gefolge in prunkvoller Ge­wandung, und wurde mit einem flotten Marsch begrüßt und zu seinem Wagen geleitet. An der Fahrt nach Köln nahmen u. a. Staatsminister Ester mit seinem Adjutanten Wagner teil.

Flotte Klänge der mitfahrenden sechs Harmonikaspielerinnen in schmucker Oberländlertracht verkürzten die Zeit'bis zur Ab­fahrt. Punkt 8.15 Uhr morgens rollte der Zug unter den Klän­gen:Muß i denn..." aus der Bahnhofshalle ins fröhliche Rheinland ab.

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Hungerstreik volmscher AuWndWer

Bromberg, 15. Febr. Die Stadt Vromberg ist der Schauplatz eines eigenartigen Hungerstreiks. Seit Montag dieser Woche be­finden sich 36 Mitglieder des Verbandes der großpolnischen Auf­ständischen im Hungerstreik. Diese 36 Mitglieder betraten am Montag geschlossen das Lokal ihrer Bromberger Organisation und gaben bekannt, daß sie es nicht eher verlassen und daß sie auch nicht Nahrung zu sich nehmen würden, bevor sie nicht eine Arbeitsmöglichkeit erhalten hätten. Die Aufständischen haben ihre Drohung wahrgemacht und waren nicht dazu zu bewegen, bis heute das Lokal ihrer Organisation in Vromberg zu ver­lassen. Der größte Teil der Streikenden ist bereits so erschöpft, daß die Stadtverwaltung sich gezwungen sah, ihnen ärztliche Hilfe zukommen zu lassen. Zwei Teilnehmer an dem Hunger­streik wurden in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus ge-- bracht. Die meisten dieser Streikenden find Familienväter und seit Jahren arbeitslos.

Scharfe abesstuische Erklärung j

zur italienischen Mobilisierung

Nom, 15. Febr. Die hiesige abefsinische Gesandtschaft hat am Freitag mittag eine schriftliche Mitteilung an die Presse ergehen lasten. Sie erklärt darin, Abessinien habe nach dem Zwischenfall von llalual keine Truppen im dortigen Grenzgebiet zusammen­gezogen. Den Soldaten sei befohlen worden, jeden weiteren Zwischenfall zu vermeiden. Dieser Befehl sei eingehalten wor­den. Weiter heißt es dann wörtlich:Die Sicherheit' von ita­lienisch Somali ist durch Abessinien nicht be­droht worden. Die Mobilmachung von zwei italienischen Di­visionen ist durch keine militärische Maßnahme Abessinens ge­rechtfertigt. Die Nachricht von dieser Mobilmachung ist nicht derart, die Atmosphäre des Vertrauens für eine zufriedenstel­lende Fortführung der gegenwärtigen Verhandlungen zur Bil­dung einer Vergleichs- und Schiedskommission zur Lösung der italicnisch-abessinischen Streitfrage zu erhalten."

Keine ArbettsmSgiichkeii sür auswärtige Arbeitslose im Saargebict

Saarbrücken, 15. Febr. Der Reichskommissar für die Rückglie­derung des Saarlandes, Abteilung Wirtschaft, teilt mit: Aus der Stadt Saarbrücken und aus anderen Städten des Saar­landes wird gemeldet, daß aus verschiedenen Gebietsteilen Deutschlands Arbeitslose zureisen in der Hoffnung-, im Saargebiet Arbeit zu finden. Wir machen darauf aufmerk­sam, daß die Arbeitslosigkeit im Saargebiet weit über dem deutschen Durchschnitt liegt und daß deshalb mit einer Unter­bringung von Arbeitskräften, die von auswärts zuwandern, unter gar keinen Umständen zu rechnen ist.

Die Mtlchversorgung des Saargekieis

Paris, 15. Febr. Seit dem Wiederbeginn der deutsch-franzö­sischen Verhandlungen in Paris ist der Versuch erneuert wor­den, eine Lösung zu finden, um entsprechend der Empfehlung des Dreier-Ausschusses in Rom eine brüske Unterbrechung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Saar und den benachbarten Gebieten Frankreichs zu vermeiden. Bei den jetzigen Verhand­lungen in Paris haben sich neue Möglichkeiten erössnet, um drß