einer katholischen Kirche, eines Ersatzes für das Marstall- und das Akademie-Gebäude und für einzelne dem Bedürfnisse nicht mehr genügende Ministerialgebäude erwähnen.

Wenn sich auch die Durchführung dieser Pläne, wie in der Natur der Sache liegt, auf eine lange Reihe von Jahren ausdehnen wird, so erscheint es doch gerade deshalb und mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der Bauherren und der beteiligten Interessen sowohl vom wirtschaftlich-praktischen als vom ästhetisch-künst­lerischen Standpunkt aus im höchsten Grade wünschenswert, daß die zahlreichen, hier in Frage kommenden großen Aufgaben nicht einzeln von Fall zu Fall, je nach dem da oder dort auftretenden Bedürfnis, sondern nach allgemeinen großen Gesichtspunkten auf Grund eines ent­sprechenden einheitlichen Bauprogramms be­handelt und ihrer Lösung entgegengeführt werden.

Ich beabsichtige daher, die Aufstellung eines die künftige bauliche Entwickelung der bezeichnten Stadtteile nach der wirtschaftlichen, ästhetischen und künstlerischen Seite hin in den Grundzügen vorbereitenden Programms einer Kommission zu übertragen, die aus Vertretern der Krone, der Staatsverwaltung, der Landstände, der Stadt Stuttgart sowie aus Architekten und Künstlern unter dem Vorsitz eines Staatsministers bestehen soll."

In einem weiteren Erlaß wird dann die Zusammensetzung der Kommission, die aus 22 Mitgliedern besteht, bekannt gegeben. Es sind die Herren:

Kabinettschef Freiherr v. Gemmingen-Gutten- berg, Direktor der Hofdomänenkammer Frhr. v. Herman zu Wain, Hofbaudirektor v. Berner, Ministerialdirektor v. Cronmüller im Justiz­ministerium, Geh. Legationsrat v. Linden im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, Direktor v. Fuchs bei der Generaldirektion der Staatseisenbahnen, Ministerialrat Dr. Oesterlen bei dem Ministerium der auswärtigen Ange­legenheiten, Präsident v. Bockshammer, Vorstand der Ministerialabteilung für das Hochbanwesen, Baurat Findeisen, technischer Referent der Ministerialabteilung für das Hochbauwesen, Ministerialdirektor v. Kern im Ministerium des Kirchen» und Schulwesens, Wirkt. Geh. Kriegs­rat v. Schäfer, Vortragender Rat im Kriegs­ministerium Oberbaurat Frhr. v. Seeger, Präsi- dent Dr. v. Schwarz, Vorstand der Domänen­direktion, Graf v. Rechberg und Rothenlöwen, Präsident der Kammer der Standesherren,

Der 28. Parteitag der

Deutsche» Volkspartei.

Reichstagsabgeordneter Konrad Hauß- mann: Wir Schwaben fühlen uns völlig einig mit jedem Wort, was Payer gesprochen. Man fragt sich verwundert, ob wir denn hier ein Areopag sind, um über einen abwesenden Führer und über eine benachbarte Partei zu Gericht zu sitzen, die über eine halbe Million Wähler hat. Was würden wir sagen, wenn ein freisinniger Parteitag so über Payer los­ziehen würde? Wohl dies: das komme den Freisinnigen nicht zu. Es ist zwar eine psycho­logisch begreifliche, aber nicht minder schmerz, liche Entgleisung unseres Parteitages, daß mir hier zu Gericht sitzen wollen über einen Führer der liberalen Sache, der nicht in allem und jedem unserer Meinung ist, der aber doch bisher ^ dem liberalen Gedanken in Deutschland un- ' endlich mehr genützt hat, als jeder von uns im Saale. (Zuruf: Das ist nicht richtig!) Ich wollte, es wären noch viele so eigennützige Männer und so viele taktische Geschicklichkeit i vorhanden, wie ich sie in 14 Jahren zu be- ! obachten Gelegenheit gehabt habe. Er ist heute nsch im Reichstag eine Kraft, wie sie keiner ' anderen Partei zur Verfügung steht, die Sozial­demokratie nicht ausgeschlossen. Lassen Sie ! wirklich genug sein des grausamen Spiels, da ' Sie die badischen Kröpfe (Heiterkeit) geleert > haben, machen Sie nicht weiter in diesem Tone. ^ Sie wollen uns Hineintreiben mit Begründungen ! und Angriffen in eine Situation, die den Kul­minationspunkt der Zersplitterung bilden würde. (Beifall.)

Professor Dr. Quidde«München gab der offnung Ausdruck, daß der Beschluß für ayern nicht unwirksam sein werde. In Mün-

l Rechtsanwalt Payer, Präsident der Kammer : der Abgeordneten, Oberbürgermeister Gauß in ' Stuttgart, Professor Halmhuber, Professor Jassoy, Professor Fischer an der Technischen Hochschule, Professor Haug, Direktor der Aka­demie der bildenden Künste, Professor Graf Kalckreuth an der gleichen Anstalt.

Tages-Nachrichteu.

Karlsruhe, 19. Nov. Als Beitrag der Stadtgemeinde zu der Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller werden 300 Mark im Entwürfe des nächstjährigen Gemeindevoranschlags vorgesehen.

Karlsruhe, 19. Nov. Die Strafkammer verurteilte den in Pforzheim wohnhaften 47 Jahre alten Goldarbeiter Johann Zoller wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu einer Zuchthaus­strafe von 2 Jahren, 6 Monaten, 5 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Zoller ließ sich seines Vorteils wegen von bis­her noch nicht ermittelten Dieben Gekrätz, Feilung oder Abfälle von Edelmetall überbringen und verkaufte davon.

Karlsruhe, 20. Nov. Herr Wilhelm Frank, Sekretär beim Großh. Amtsgericht hier, ist heute vormittag während einer Gerichtsver­handlung vom Schlage gerührt, tot zu Boden gestürzt.

Heidelberg, 20. Nov. Der in der Reichartshausener Meuterei der vier Heidelberger Grenadiere verwickelte Taglöhner Sutter von dort wurde nunmehr auch verhaftet und in Untersuchung gezogen..

Ludwigshafen, 20. Nov. Ein schreck­licher Unglücksfall ereignete sich gestern Abend im Stadtteil Mundenheim. Der 32 Jahre alte Fabrikarbeiter Adam Dittler sprang von der Straßenbahn ab, während der Zug noch im Rollen war. Dittler kam dabei unter die Räder und wurde furchtbar verstümmelt, der Kopf war ihm vollständig zerquetscht, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat. Durch den Un­glücksfall wurde der Wagen zur Entgleisung gebracht und erlitt der Zug eine halbstündige Verspätung.

Halle a. S., 21. Nov. Das Kriegsge­richt der 8. Division verurteilte den 39 Jahre alten Füsilier Julius Müller wegen Fahnen­flucht zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis und und Versetzung in die zweite Nasse des Sol- datcnstandes. Müller ist verheiratet und Vater von 4 Kindern. Er hatte sich nach Deutschland

chen sei eine Verständigung der lokalen Partei­gruppen bereits im Gange. Er warnte vor der Annahme des Antrag Elsas und bat den Antragsteller, ihn zurückzuziehen.

Dr, Elsas zog hierauf seinen Antrag zu­rück. da er jetzt bezüglich der Sozialdemokratie vollständig beruhigt sei.

In seinem Schlußwort betonte Abgeordneter Oeser, daß die Auseinandersetzungen zu einer völligen Klärung geführt haben: Man werde weiter arbeiten und weiter kämpfen.

Hierauf wurde die Bruchsaler Reso­lution einstimmig angenommen.

An die Beratungen, die sich in fünfstündiger Dauer bis nach 10 Uhr hingezogen hatten, schloß sich ein Bankett im großen Harmoniesaal, dem eine große Anzahl Heilbronner und Heil- bronnerinnen beiwohnten. Verschiedene An­sprachen, so zur Begrüßung die von R.-A. Rosengart-Heilbronn u. a., und Gesang trugen zur Unterhaltung bei.

2. Tag.

Am Sonntag begannen die Verhandlungen unter dem Vorsitz des Abgeordneten Betz um halb 10 Uhr vormittags.

Als Ort des nächsten Parteitages wurde Aschasfenburg bestimmt.

Der engere Ausschuß setzt sich gemäß den Wahlen zusammen aus folgenden Herren: Dr. Ludwig Bruck. Dr. S. Goldschmidt, M. W. Hohenemser, Rudolf Oeser, Dr. Rößler, Leopold Sönnemann, Georg Wedel, Dr. Paul Zirm dvrster» .sämtlich aus Frankfurt.

Sodann gelangte Süddeutsche Kanal« Politik zur Beratung. MS Referent führte ReichstagSabgeordneter Storz-Heidenheim aus: In dem Warentransport kommt lediglich der Land- und Wasserverkehr in Betracht. Verkehr durch die Luft ist noch ein schönes Phantasie«

zurückbegeben in Annahme, baß sein Vergehen bereits verjährt sei.

Potsdam. 20. Nov. Heute Vormittag fand die Rekrutenvereidigung der Potsdamer Garde durch den Generalobersten von Hahnke im großen Exerzierschuppen statt. Die Kaiserin wohnte der Feierlichkeit bei.

Saargemünd, 21. Nov. Der Fuhr- knecht eines hiesigen Kaufmanns ist gestern Nacht auf der Landstraße, auf einem Petroleum­wagen sitzend, ermordet und beraubt worden. Was den Fall noch schauerlicher macht, ist der Umstand, daß vor Jahresfrist ebenfalls ein Knecht desselben Kaufmanns in derselben Weise ermordet worden war. Der Mörder ist auf den Wagen gestregen und hat den Kutscher von hinten durch den Kopf geschossen. Der Täter ist schon damals nicht entdeckt worden; ver­mutlich wird er derselbe sein, der das gestrige Verbrechen auf dem Gewissen hat.

Memel, 20. Nov. Wie demMemeler Dampfboot" aus dem russischen Grenzorte ge­meldet wird, wurde dort die Tochter Posthalters Budmann unter der Anschuldigung verhaftet, den Vertrieb nihilistischer Schriften unterstützt zu haben. Die Verhaftete soll nach Liebau oder Riga gebracht werden.

Lemberg, 19. Nov. Der Magistrats­sekretär Dziobinski, welcher der Unterschlagung von 28000 Kronen beschuldigt wird, hat sich vergiftet. Ferner wurden Unterschleife des Kassenbeamten Milen entdeckt, der die 20 Kronen­rollen mit 2 Hellerstücke gefüllt hatte.

Kopenhagen, 19. Nov. Gegenüber der Meldung eines auswärtigen Blattes, daß bei der Verwaltung des Kronborger Schlosses große Unterschlagungen entdeckt worden seien und ein höherer Beamter verhaftet sei, stellt Ritzaus Bureau" fest, daß ein Stabssergeant eines Jngenieurregiments, der seit 18 Jahren bei der Schloßverwaltung auf Kronborg ange­stellt ist, als der Unterschlagung verdächtig ver­haftet worden sei. Ueber die Höhe der Unter­schlagung sei bisher noch nichts bekannt.

Die neue Republik Panama.

London, 20. Nov. Das BlattFinan- tier and Bullionist" erfährt auf Erkundigung von gutunterrichteter Stelle, es sei sicher, daß die Anerkennung der Republik Panama englische Regierung aufgeschoben werde, bis bestimmtere und befriedigendere Erklärungen über die Rege­lung der Frage der äußeren Schuld abgegeben sind.

gebilde. Die Benützung natürlicher Wasser­wege ist ungleich billiger als der Verkehr mit der Eisenbahn. Dem ist zum großen Teil der Aufschwung der Rheinstädte zu verdanken. Die Stadt Heilbronn hat durch die Kettenschifffahrt einen wesentlichen Nutzen gehabt. Wie weit empfiehlt es sich, durch staatliche Mittel künst­liche Wasserwege zu schaffen? Diese Frage ist noch sehr bestritten. Für Süddeutschland kommt in Betracht die Verbindung zwischen Rhein und Donau, zwischen West- und Osteuropa. Eine Verbindung besteht in Bayern, aber dieser Kanal ist mehr eine Karikatur. Es soll ein einheit­liches Kanalsystem geschaffen werden,wir wollen alles oder gar nichts." Nur wenn eine groß­zügige Kanalpolitik zur Durchführung gelangt, dann wird sie finanziell und volkswirtschaftlich nutzbringend wirken. (Beifall.) Für eine solche ist die Volkspartei einstimmig zu haben, auch die Deutsche Partei steht ihr sympathisch gegen- über. Das Zentrum hat sich bis jetzt ab­lehnend verhalten, aber deshalb, weil es an­nimmt, daß die Politik nur dem Unterland, und besonders Stuttgart zu gute kommt. Mein Projekt soll nun kein Bestechungsversuch des Zentrums sein, ich habe den Vorschlag gemacht, da ich ihn für unbedingt nötig halte. Ich möchte nur wünschen, daß der große Moment ein großes Geschlecht findet. (Lebhafter Beifall.)

In der Debatte erklärt Vogel-Mannheim, daß die Stadtverwaltung Mannheim durchaus sympathisch dem Neckarkanal gegenübersteht.

Der Referent berührte in seinem Schluß­wort auch die schweizerische Idee einer Kanali­sation der Seen» sowie eines vberitalienischen Kanalsystems und die Verbindung mit dem deutschen.

Ueber die Mittelstands« und Hand­werk erfrage sprach zuerst Stadtverordneten­vorsteher W. Fulda» Mannheim. Nach einem