die Tische ab, wo ihnen rin Bissen sicher ist und verschwinden dann wieder ebenso schnell, wie sie gekommen sind. Bis zur gänzlichen Durchführung des Verbots dürfte es lange dauern.

Stuttgart, 8. Nov. Der Stuttgarter Ge- rneindcrat har heule einen Beschluß gefaßt, Welcher abseitige Billigung erfahren wird. Es soll nämlich ein besonderer Unterstützungs- fondS für städtische Lohnarbeiter und Ange­hörige der Penstonskasse für städtische Be­dienstete ins L--ben gerufen werden. Vom I. Avril 1901 an wird der Fonds einst­weilen versuchsweise aus städtischen Mitteln jährlich mit 2000 unterstützt werden. Die vom Stadtschultheiß-namt zu führende Kaste hat die Unterstützungen im Falle vor­übergehender Notlage zu leisten und zwar nicht als Darlehen, sondern als Geschenk.

Stuttgart, 10. Nov. Durch die Aufmerk­samkeit einer Verkäuferin gelang es, den be­rüchtigten 37 Jahre alten Raubmörder Simon Eteinharter aus Möhringen (O.A. Horb), welcher am 31. Juli d. I. in Mührtngen die 71 Jahre alte ledige Rosine Schwarz­mann dur Erdrosseln ermordete, ihrer Bar­schaft beraubte und ihre Wohnung in Brand steckte, festzunehmen. Steinharter verriet sich dadurch, daß er eine Perücke und einen falschen Bart trug und durch das Verschieben des Barts der in einem Goldwarenladen be- dienenden Verkäuferin auffällig wurde, die dann seine Festnahme veranlaßt.

Tübingen, 8. Nov. Bischof D. v. Keppler beehrte das WilhelmSstift heute mit seinem Besuch. An die Zöglinge hielt er eine An­sprache, deren Grundgedanke eine Mahnung an die Studierenden war, durch Studium und tadellosen Wandel, durch Charakterbild­ung und Frömmigkeit den Beweis für die Berechtigung des Universttätsstudiums der Theologen zu erbringen.

Tübingen, 10. Nov. Unmittelbar nach der Hinrichtung des DoppelmördcrS Anton Steinacher wurde eine Untersuchung seines Gehirns vorgenommen. Dieselbeergabeinen vollständigen normalen Zustand des Gehirns.

Aulendors, 11. Nov. Von dem gestrigen Abendfchnellzug um 5 Uhr wurde der 70 Jahre alte Kohlenaufffher Ludwig Frank erfaßt und ihm beide Füße abgefahren. Schrecklich verstümmelt brachte man ihn nach Hause.

Die Gesamtlage der Uhrenindustrie auf dem Schwarzwaldc ist jetzt, wenn auch etwas lüster, als den Sommer über, noch keine rosige zu nennen. Bei steigenden Rvh- materialpreiscn wird der Preis für fertige Fabrikate gedrückt, sodaß allenthalben geklagt wird. Die Kriegswirren üben eben doch einen größeren Einfluß aus, als man sich anfangs zugestehen wollte. Rege Nachfrage ist schon längere Zeit nach Kuckuckuhren. Die Fabrikanten dieser Sorte haben andauernd zu thun und können zum Teil nicht alle Lieferungen voll übernehmen. Ein guter Abnehmer dieser Sorte Uhren ist Nordamerika.

Bruchsal, 8. Nov. Der Hilfsschoffner Schmidt von hier fiel beim Kupieren der Fahrkarten zwischen Karlsdorf und Graben vom Zug, wobei ihm beide Füße abgefahren wurde. Der Verunglückte starb bald darauf.

Karlsruhe, 2. Nov. DieBad. Ldztg." schreibt: Die Chinawirren richten ähnlich, wie der Burenkrieg, mitunter in den Köpfen kleiner und großer Leute einiges Unheil an. Sv hat gestern abend in der evangelischen

Kirche in MÜHlburg ein Schlosser den Gottes­dienst dadurch gestört, daß er während der Predigt plötzlich aufstand und dem Geistlichen zurief, dieser möge jetzt auch etwas über China predigen. Der sonderbare China­forscher wnrde alsbald an die frische Luft befördert.

Cobleuz, 8. Nov. Das rühmlichst be­kannte Weingut des Bürgermeisters Kunz in Cerncastcl ist mit Ausnahme eines kleineren Besitzstandes in Piesport von der Firma Deiuhard u. Eo. in Coblenz käuflich er­worben worden. Das Gut umfaßt neben besseren und besten Lagen auf dem Banne von Berncastel und Graach einen erheblichen Teil des weltbekanntenDoktor" Weinberges, an dessen Besitz außerdem nur die Familie Lhanisch in Berncastel beteiligt ist. Die MarkeBerncasteler Doktor" gilt wie keine andere als historische Berühmtheit.

Die Firma Deiuhard H Co., welcher bk- reits erste Weingüter in RüdeSheim und Oestrich gehören, tritt durch den Erwerb des bedeutenden Kun z'schen Gutes nunmehr auch in die Reihe der hervorragenden Produzenten an der Mosel und hat hierdurch ihre Stell­ung auf dem Weltmärkte noch mehr gefestigt.

Gleichzeitig ging noch ein größerer Teil des 1899er Wachstum und der ganze dies­jährige Ertrag des Weingutes an dieselbe Firma über.

Reisende, die in überfüllten I) Zügen keinen Sitzplatz bekommen können, brauchen auch keine Platzgebphr zu zahlen. So hat soeben der Präsident der Eisenbahndirektion Berlin entschieden, um die fortwährenden Streitigkeiten zwischen Schaffnern und Reisen­den zu be-nden.

Offenbach, 10. Nov. Wie dieOffen­bacher Ztg." von zuverlässiger Seite erfährt, konnte durch die Untersuchung der verbrannten Leichcnteile bisher festgestellt werden, daß bei der Eisenbahnkatastrophe mindestens 10 Per­sonen nmgekommen sein müssen, da sich in den Leichenresten 10 Lebern Nachweisen ließen.

Ein sonderbares Geschenk. Einen Sarg zum Geschenk gemacht hat einer armen Witwe ein in Köthen wohnender Rentier, der von seinem früheren Möbel- und Sarg­geschäfte noch einige der Totenhäuschen übrig behalten hatte. Die Witwe hat zwar die eigenartige Spende mit Dank angenommen, doch weiß sie nicht, wo sie den Sarg bis zu ihrem Tode aufbewahren soll, da sie zur Miete wohnt und die WirtSleute, sowie die übrigen Hausbewohner gegen die Aufstellung eines Sarges lebhaft protestieren. Findet die arme Witwe keine Unterkunftsstelle für den Sarg, so wird sie sich wohl oder übel dazu entschließen müssen, auf dashochherzige" Geschenk Verzicht zu leisten.

Berlin, 8. Nov. (Ein blinder Passa­gier.) Als gestern abend der Expreßzug von Konstantiuopel hier einlief, wurde auf der Drehscheibe deS Schlafwagens, zwischen Achse und Feder eingeklemmt, ein Mann entdeckt, der die 53stündige Fahrt von Konstantinopel bis Berlin als blinder Passagier mitgemacht Hot. Er war halbtot vor Hunger und Durst, hilflos und schwarz wie ein Neger. Er gab an, daß er 21 Jahre alt und Däne von Geburt sei und in Konstantinopel von einem englischen Dampfer, wo er Heizer war, de­sertiert sei.

Ueber die voraussichtlichen Kosten der Expedition nach China, über die man sich bis jetzt nur in Vermutungen und annähern­

den Schätzungen ergehen konnte, ist jetzt durch Mitteilungen aus dem dem Reichstag vorzu­legenden Nachtrags-Etat Klarheit geschaffen. Wie aus Berlin telegraphiert wird, fordert der Nachtrags-Etat für die ostastalische Ex« pedition 152 770 000 ^ Damit ist der Bedarf bis zum 31. März 1901 gedeckt. Für das Rechnungsjahr 1901 ist eine weitere Vorlage beabsichtigt, sobald die Verhältnisse zu übers-hen sind. Einen Ersatz für die Abgänge beim Expeditionskorps hinauszu- sendcn, ist nur für den Fall vorgesehn, daß die Verhältnisse es durchaus erfordern.

Durch den Scharfrichter von Kiau- tschou wurden, so schreibt derOstastalische Lloyd" in seiner Nummer vom 10. Sept., einige Tage vor Erscheinen dieser Nummer in aller Stille in Thaitungtschen zwei chi­nesische Verbrecher, unter ihnen der Boxer- Häuptling, den man in Kiautschou fing, ein katholischer Christ enthauptet. Nur wenige Zuschauer hatten sich eingcfunden. Seitdem der Wunsch so ausgesprochen ist, nicht mehr unsere Soldaten zu dieser Henkersarbeit zu verwenden, hat man sich an den chinesischen Präfekten in Kiautschou gewandt, dermit Vergnügen" seinen besten Scharfrichter der deutschen Regierung zur Verfügung gestellt hat.

Bon einem Haifisch verschlungen wurde im Indischen Ocean der Sohn des Pfarrers Herbig aus Ho>zengel bei Greußen. Er war als erster Offizier auf einem Ham­burger Handelsdampfer angestellt und wurde durch eine Sturzsee plötzlich über Bord ge­spült. Da eine Rettung sich als unmöglich erwies, wurde der unglückliche junge Mann vor den Augen der entsetzten Schiffsmann­schaft von einem den Dampfer umkreisenden Haifische erfaßt und zum Meeresgründe ge­zogen, einen dunklen Blutstreifen hinter sich lassend.

London, 9. Nov. Eine Depesche des Lord Roberts aus Johannesburg vom 8. November meldet: Oberst Legallais über­raschte die Slreitkräfte der Buren am 5 Nov. südlich von Bothafield und brachte ihnen eine vollständige Niederlage bei. Wir erbeuteten einen Zwölfpfünder, einen Fünfzehnpfündcr und vier andere Kanonen, sowie ein Moxim- geschütz mit der gesamten Munition. 100 Buren wurden gefangen, 23 getötet un 30 verwundet. Auf britischer Seite fielen 3 Offiziere, darunter Oberst Legallais; 8 Mann wurden gelötet, 7 Offiziere und 26 Mann verwundet. Präsident Steijn und General Dewet, die sich auf dem Kampfplatz befanden, zogen eiligst ab.

100 Kilometer in der Stunde. Aus Paris wird telegraphiert: Auf der Strecke ParisCalais fanden Versuche mit einer neuen Lokomotive statt, die mit einer Schnellig­keit von 100 Kilometern in der Stunde fährt. Die Versuche fi-leii äußerst günstig aus, in­dem der Versuchszug die Strecke von Paris nach Calais in 3 Stunden zurücklegte, wäh­rend bisher die schnellsten Züge 3'/, Stunden brauchten. Gleichzeitig fanden Versuche mit einer neuen Bremse statt, die ermöglicht, einen Schnellzug augenblicklich vhnr Ruck zum Stehen zu bringen. Auch diese Ver­suche fielen angeblich glänzend aus. Die neue Maschine sowie die Bremse sollen dem­nächst in Frankreich im regulären Etsenbahn- dtenst eingeführt werden.