Schwester brachte er durch einen Revolverschuß ums Leben. Die in einem höheren Stockwerk schlafenden jüngeren Geschwister, Knaben von 10 und 11 Jahren, wurden von dem Mörder verschont.
— Eine Briefmarkensammlung im Werte von 70 000 Mk. ist dieser Tage von einem Einwohner in Bensheim in Hessen an einen in Ungarn ansässigen Philatelisten verkauft worden. Der Käufer selbst hat die Sammlung nicht gesehen, sondern nur auf Empfehlung eines Charlottenburger Taxators, der sich zur Abschätzung der Sammlung einige Wochen in Bensheim aufhielt, den Kauf abgeschlossen. Der vereinbarte Preis von 70 000 Mk. wurde vor Absendung der Sammlung in bar hinterlegt.
Hamm i. Wests., 31. Dez. Das Zentralhilfskomitee für die Hinterbliebenen der auf der Zeche „Radbod" Verunglückten hat heute beschlossen, die angesammelten Gelder in Höhe von 1200 000 Mk. in Form von Zusatzrenten zur Verteilung zu bringen. Gegenwärtig sind Versicherungstechniker damit beschäftigt, Gutachten zur Feststellung der Höhe der Zusatzrenten auszuarbeiten. Voraussichtlich wird jede Witwe eine Zusatzrente von 150 Mk. und jedes Kind > eine solche von 70 bis 75 Mk. erhalten. Dabei ist die Aufrechnung der Renten so gedacht, daß der vorhandene Fonds voraussichtlich erst mit dem Ableben der Witwen erschöpft ist. 200 000 Mk. werden für die Möglichkeit späterer Unglücksfälle aufbewahrt.
— Auf eine offene Wunde unseres heutigen Geschäftslebens legt ein Artikel im „Volkswohl", den Finger. Es ist das „Borgunwesen im Kleinverkehr". Jeder billig und gerecht Denkende oder, wie man heutzutage so gerne sagt, jeder „sozial" Empfindende wird es als .einen ungesunden Mißstand bezeichnen müssen, wenn die Bezahlung für bezogene Kleinware oder für gelieferte Arbeit des Gewerbetreibenden über Gebühr verzögert wird. Bereits haben die Verkäufer, namentlich die Kolonialwarenhändler, den Weg der Selbsthilfe beschritten durch Einrichtung der „Rabattsparvereine", die den Sinn haben, auf Barbezahlung eine Art Prämie zu setzen und durch die Zubilligung eines kleinen Abzugs am Warenpreis die Kundschaft zur Barbezahlung zu erziehen. Solche Rabattsparvereine gibt es jetzt im Deutschen Reich rund 500. Aber nicht nur den Händlern und Verkäufern, auch den Handwerkern ist das Borgunwesen zur Last und Plage geworden. Eine vor 3 Jahren veranstaltete Umfrage bei sämtlichen deutschen Handwerkskammern hat leider ergeben, daß vielfach sogar Angehörige der wohlhabenden Gesellschaftsschichten über Gebühr länge den Kredit in Anspruch nehmen, statt daß sie gerade es als selbstverständliche Ehrenpflicht betrachten müßten mit gutem Vorbild voranzugehett und den meist wirtschaftlich schwächeren Gewerbetreibenden rechtzeitig zu bezahlen. Allerdings wird in den Aeußerungen der Handwerkskammern auch nicht verschwiegen, daß mitunter die Handwerker und Gewerbetreibenden selbst an diesen unerfreulichen Zuständen mitschuldig sind und zwar dadurch, daß sie nicht dazu zu bringen sind, auf geordnete Buchführung zu halten und ihre Rechnungen rechtzeitig auszustellen. So berichtet z. B. die Handwerkskammer von Kaiserslautern: „Uns sind Fälle bekannt geworden, in welchen Kunden nur durch Drohungen des Entzuges der Kundschaft die betreffenden Handwerker bewegen konnten, Rechnung zu stellen und Bezahlung zu fordern." Im August d. I. hat sich der Deutsche Handwerkskammertag in Breslau ebenfalls mit der Frage beschäftigt, wie dem leidigen Borgunwesen abzuhelfen sei, er glaubte aber auf das Anrufen gesetzlicher Maßregeln verzichten zu sollen und die Lieferanten auf den Weg der. Selbsthilfe verweisen zu müssen. Bei Ablieferung der Ware möge eine Begleitrechnung ausgestellt werden, wobei auf Bezahlung in bestimmter Frist eine Abzugsvergünstigung, bei längerem Aufschub dagegen die Anrechnung von Verzugszinsen in Aussicht gebracht wird. Unsere bevorstehenden „Gewerbeschulen" werden Gelegenheit finden, zur kaufmännischem Erziehung des Nachwuchses speziell in den gewerbetreibenden Ständen das Ihrige beizutragen. In unsren gesellschaftlichen Verhältnissen ist manches
faul, aber nicht zum wenigsten gibt es faule Dinge im Kaufen, Anschaffen und — Bezahlen.
— Als Präsident Fälliges am Freitag vormittag in Begleitung des Generalsekretärs Ramondon und fernes Adjutanten Oberst Lasson spazieren ging, wurde er auf der Place de l'Etoile von einem Cafö-Kellner namens Jean Mattis angesprochen. Mattis ergriff plötzlich den Präsidenten beim Hals und versuchte ihm den Bart auszureißen, wurde aber sofort von den Herren Ramondon und Lasson festgenommen. Der Ueberfall war so heftig, daß der Stock des Präsidenten Falliäres entzweibrach. Beim Verhör erklärte der Attentäter er habe den Angriff auf den Präsidenten nach vorheriger Ueberlegung ausgeführt.
— Auch in Rußland wendet man jetzt der Frage der lenkbaren Luftschiffe größere Aufmerksamkeit zu. Nach einem Telegramm des Berliner Tagblatts aus Petersburg hat das russische Kriegsministerium in Paris ein lenkbares Luftschiff nach dem Typ der „Republique" für 300 000 Fr. bestellt.
Port os Spain, 22. Dez. Vizepräsident Gomez von Venezuela hat ein neues Ministerium gebildet, indem er den Minister des Aeußern u. alle seitherigen Minister absetzte und an ihre Plätze neue Männer stellte, die verschiedene Parteien vertreten Geheime Meldungen aus Caracas wo strenge Zensur herrscht, besagen, daß in ganz Venezuela Gährung herrsche, seit Castro abgereist sei. Die Krisis sei vor wenigen Tagen eingetreten, als Gomez genötigt wurde, das Kabinett zu entfernen, dessen Mitglieder zu Castro in engen Beziehungen standen.
Ans Mt md Umgebung.
— Am letzten Samstag fand die Weihnachtsfeier des hiesigen-Turnvereins in der Turnhalle statt. Die rührigen Vorstandsmitglieder desselben haben es an den hiezu nötigen Vorbereitungen nicht fehlen lassen. Es wurde u. a. eine neue gediegene Theaterbühne errichtet und so machte die schön mit Tannengrün und Turneremblemen geschmückte Turnhalle einen gar einladenden Gesamteindruck. Frisch vorgetragene Männerchöre, prächtige Turner-Pyramiden, heitere komische Theater- scenen wechselten mit gediegenen dementsprechenden Musikvorträgen ab, so daß jeder Besucher auf seine Rechnung kommen konnte und mit sichtlicher Befriedigung der raschen pünktlichen Abwicklung der reichhaltigen Vortrags- Ordnung folgen durste. Sehr angenehm berührten die einfachen frisch mit gutem Verständnis vorgetragenen Volkslieder und Männerchöre, ebenso die geivandten anerkennenswerten turnerischen Leistungen in der Vorführung der bekannten Turnerpyramiden. Nicht zu vergessen sind die humoristischen Aufführungen und Vorträge die insgesamt sehr gut eingeübt waren und auch infolgedessen flott vorgetragen wurden, so daß die heiteren Lacherfolge nicht ausblieben und die Darsteller öfters wiederholt herausgerufen wurden. Die Mitspielenden bei „der Silberhochzeit" waren:Frl. E. Kappel- mann und die Herren O. Fe low und Fritz Treiber; in dem Gesamtspiel „Des Tumers Sieg" wirkten mit die Herren: Wilh. Schill, Wilh. Eitel, W. und R. Horkheimer und Wacker. Besonders gelungen war das Duett „Beier und Meier" der Herren Treiber und die Couplets der Herren H orkh eimer u. Eitel. Zum Schlussefolgtealswürdiger Abschluß die Huldigung anVaterJahn,dargestelltvonVizeturnwart R. Schill. Bei der folgendenVerlosung des reichlichen Gabentempels verteilte die launige Glücksgöttin ihre Gaben oft gar sonderbar komisch. Nun trat die tanzlustige Jugend in ihre Rechte, wobei manchmal auch das Alter wieder sich zwischen die Jugend mischte. — Die musikalischen Vorträge, welche von einem Teil der Ludwigsburger Artilleriekapelle zu Gehör gebracht wurden fanden allgemeinen Beifall. Für diesen gelungenen Weihnachtsabend gebührt vor allem den rührigen Vorstandsmitgliedern, dem Vorstand Hrn. Kallfaß, dem Kassier Hrn.Fröhlich, dem Turnwart Hrn. Eitel und dem Gesangsleiter Hrn. Lehrer Gr uhler für die vielen und mancherlei vorbereitenden Sorgen und Anordnungen der wohlverdiente Dank. Ebenso Hrn. Hotelier Köhler
für seine vortreffliche Bewirtung. Möge der hiesige Turnverein auch ferner wachsen, blühen und gedeihen.
Wildbad, 29. Dez. Am Stephansfeiertag beging der hiesige Liederkranz seine Weihnachtsfeier im Gasthof zur „Eisenbahn." Trotzdem, daß am gleichen Tag auch die Feier des Turnvereins stattfand, waren schon um 7 Uhr sämtliche Plätze besetzt. Ja, wer einmal wieder einige Stunden in heiterer, gemütlicher, ungezwungener Unterhaltung verbringen wollte, der kam an diesem Abend auf seine Rechnung. Versprach schon das reichhaltige, mit feinem Geschmack zusämmengestellte Programm einen hohen Genuß, so wurden die höchsten Erwartungen noch übertroffen durch die Art und Weise, wie es abgewickelt wurde. Der Verein, unter der bewährten und umsichtigen Leitung seines Dirigenten, Herrn Lehrer Lächele, bewies durch diese Aufführung, daß er die edle Sangeskunst in gediegener Weise pflegt und daß er was gesangliche Leistungen anbelangt, es zu einer achtungswürdigen Höhe gebracht hat. 7 Männerchöre, vom einfachen Volkslied bis zu schwierigen Kompositionen, z. B. der „Märznacht" von Kreutzer, wurden in musterhafter Weise vorge- trageu. Dazwischen erfreuten die Herren Großmann,Seysfertund ReallehrerSchwei- zerdurch Einzelvorträge ernsten und heitecen Genres. Besonders gut gefiel auch die Aufführung des Einakters „Die Weihnachtskiste" von R. Müller, um die sich die beiden Damen, Frl. Elisabeth und Ottilie Echinger, sowie die Herren Fritz, Reinhardt und Reallehrer Schweizer verdient gemacht haben. Daß Frl. Ottilie Echinger auch stimmlich gut begabt ist, bewies sie bei dem Vortrag des humoristischen Duetts „Die Verlobung in der Dachstube," bei dem ihr Herr Seyffert in bekannt musterhafter Weise sekundierte. Nach Beendigung des Programms überreichte Hr. H.Riex- inger unter passender Ansprache den Herren H. Großmann und Malermeister Lutz anläßlich ihrer 20jährigen activen Mitgliedschaft je einen Sängerring. Zum Schluß fand die Gabenverteilung an die glücklichen Gewinner statt; die Lose waren schon während der Pause verkauft worden. Und nun folgte die von manchen schon längst und heiß ersehnte Tanzunterhaltung, ohne die es ja bei derartigen Feiern nicht abgehen darf. Alt und jung sah man mit verklärten Gesichtern eifrig das Tanzbein schwingen; ob wohl diese „Verklärung" bei einzelnen von dem guten Heilbronner hergerührt hat?! Nicht unterlassen w ollen wir, bei dieser G elegenh eit H errn S ch ä f f l e r ein Wort der besonderen Anerkennung zu widmen, dafür, daß er seine zahlreichen Gäste sowohl in Hinsicht auf Speisen wie Getränke in hervorragend guter Weise bewirtet hat. Dies mag mit dazu beigetragen haben, daß es bei vielen hieß: „Wir gehn noch lange nicht;" und wenn manche erst „früh, wenn die-Hähne kräh'n," heimwärts pilgerten, so bekundeten sie damit, daß es ihnen gefallen hat. So wird es jedem gegangen sein, der die Feier mitgemacht hat. Der Liederkranz aber darf mit Freude und Stolz zurückblicken auf diesen in jeder Hinsicht gelungenen Abend, auf seine Weihnachtsfeier am 26. Dezember 1908.
Airrler. Haltende!--.
Der schwarze Koffer.
(Nachdruck verboten.) (Forts.)
Wenn ich sagte, der Koffer habe keine Aufschrift getragen, so meine ich damit die Adressen, welche die Reisenden selbst anzubringen pflegen. Die Zettel, die auf der Güterbeförderung auf jedes ins Ausland gehende Gepäckstück geklebt werden, fehlten natürlich nicht. Auf dem Kofferdeckel war ein riesiges k auf weißem Grunde aufgeklebt, das vermutlich „Paris" oder auch „Passagiergut" bedeuten mochte und zur leichteren Orientierung für die Zollbeamten dienen konnte, und an der Vorderseite des Koffers war ein kleinerer Zettel von grünlichem Papier angebracht, der mit folgender Adresse bedruckt war: London (Charing Croß) to 212 Paris Via Calais
Das war nicht sehr aussichtsreich, und die übrigen drei Seiten waren gänzlich schwarz und glatt. Ich hob den Koffer auf und be- sah ihn von unten, auch hier war er glatt und schwarz.
Ich muß noch erwähnen, daß man einen Schlosser hatte kommen lassen, und daß dieser