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chere feindliche Gruppen, die in dem unübersiaftlichen Gelände an einzelnen Stellen den Fluh überschritte» hatten, wurden im Gegenangriff geworfen.
Lm mittleren Frontabschnitt setzte der Feind besonders im Raum westlich des Bahnknotenpunktes Unetscha und im Kampfgebiet von Smolensk seine Angriffe mit starken Kraft ten fort. Bei schwierigen Wetter- und Wegeoerhiiltnissen wurden die Angriffe im wesentlichen abgewiesen. An eitrigen Stellen halten die Kämpfe an.
Die Luftwaffe griff mit zusammengesahten Kräften besonders nördlich des Asowschen Meeres und ostwärts des mittleren Dnjepr feindliche Truppenmassierungen an und fügte ihnen empfindliche Verluste zu. Am 24. und 25. September wurden an der Ostfront 108 Sowjetslugzeuge vernichtet, fünf eigene Flugzeuge werden vermißt.
In Süditalien stiehen britisch-nordamerikanische Kräfte gegen unsere Stellungen zwischen dem Golf von Salerno und der Bucht von Mansredonia vor. Die Angriffe wurden abge- wiese«, erneute Bereitstellungen durch Artilleriefeuer zerschlagen.
Die Luftwaffe schob gestern im Mittelmeerraum sechs feindliche Flugzeuge ab und traf einen Frachter von 30VÜ VRT. durch Bombentreffer vernichtend.
In der Nacht zum 25. September griffen deutscheSchnell- boote an der englischen Küste britische Bewacher an, von denen einer versenkt wurde. Zur Entlastung ihrer schwer bedrängte» Sicherungsstreitkräfte griffen britische Schnellboote in den Kampf ein. Eines von ihnen wurde bei plötzlich einsetzender Sichtverschlechterung durch ein deutsches Schnellboot gerammt. Es sank sofort. Das deutsche Schnellboot erlitt dabei schwere Beschädigungen. Es wurde von der eigenen Besatzung versenkt.
Britische Torpedo- und Zerstörerflugzcuge griffen südwestlich Den Helder ein deutsches Geleit vergeblich an. Sechs feindliche Flugzeuge wurden dabei abgeschossen.
Heber dem Atlantik sowie bei Einflüge» schwächerer britisch- Nordamerikanischer Fliegerkräfte in die besetzten Westgebiete verlor der Feind weitere fünf Flugzeuge. .
Einzelne feindliche Störslugzeuge warfen in der vergangenen Nacht im westdeutschen Raum planlos einige Bomben, Lurch die nur unerhebliche Eebiiudeschäden entstanden.
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. Zur Räumung von Smolensk und Roslawl
! DNV Berlin, 25. Sept. Das OKW. teilt ergängzend zum Mehrmachtsbericht mit: Im mittleren Abschnitt der Ostfront lieh der feindliche Druck im Raum Gomel und östlich davon infolge des zähen deutschen Widerstandes und der Behinderung durch verschlammte Wege etwas nach. Heftige, koch andauernde Kämpfe entwickelten sich westlich des Bahn- knotenpunktes Unetscha. Unsere Truppen schlugen den Feind juriick und vernichteten hinter den eigenen Linien bolschewistische Bandengruppon, die unseren Nachschub zu stören ver- ücht hatten. Hier wie südlich Smolensk führte der Feind den Kampf in den ausgedehnten Wald- und Sumpfgebieten hauptsächlich unter Einsatz von leicht beweglichen Kräften, darunter auch von Kavallerieeinheiten, ohne aber unter der Wirkung des deutschen Artilleriefeusrs und heftiger Luftangriffe seine Ziele erreichen zu können. 2m Zuge der Frontverkürzung wurden Roslawl und Smolensk in den Morgenstunden des 25. September aufgegeben. Nicht mit stürmender Hand haben die Sowjets diese Orte in Besitz nehmen können, sondern unsere. Truppen räumten, vom Feinde ungestört, die Städte zu einem seit langem testqelegten Zeitpunkt, Bis zuletzt haben sie den schweren Angriffen des Feindes ltandgehalten, der nach dem Scheitern seiner ersten Offensive westlich Miasma feit 15. September von neuem auf'der aamen Linie von 2el- nfa dis Demidow mit zablreichen Divisionen und Panzerbrigaden die deutsche Front berannte. Sie zerschluaen noch mehrere feindliche Divisionen und vern'-bteten fall 850 Sowiet- panzer. während schon in den beiden Städten alle krieaswirt- schaftlich wichtigen Anlagen abtransportiert oder gesprengt wurden.
Als die Bolschewisten an den Feuersbriinsten die aeplanten Maßnahmen erkannten, erhöhten sie ibren Druck, der jedoch nur Gegenangriffe unserer Trunpsn auslöste, in deren Verlaut noch
Die Lage an der Ostfront
DNB Berlin, 26. Sept. Bei dem Landungsversuch, den die Bolschewisten in den Nachtstunden zum Samstag westlich der Mündung des Kuban ins Asowsche Meer unternahmen, konnten die feindlichen Kräfte noch während der Nacht und in den frühen Morgenstunden des Samstag völlig aufgerieben werden. Bisher wurden 280 tote Sowjets gezählt und 293 Gefangene eingebracht, während der Rest des Feindes im Meer ertrunken ist.
Nördlich der Kubanmündung blieben die Bolschewisten während des ganzen Tages mit sechs Kanonenbooten auf See liegen und beschossen unsere Stützpunkte an der Küste. Bei Beginn der Dunkelheit versuchten sie dann ebenfalls zu landen, wurden jedoch auch hier zurückgeschlagen. Deutsche Kampf- und Sturzkampfflugzeuge hatten wirksamen Anteil an der Vernichtung des Feindes.
An der Ostfront des Kubanbrückenkopfes zerschlugen unsere Truppen mehrere sowjetische Bereitstellungen und wiesen einen von 14 Panzern mit aufgesessener Infanterie unternommenen Vorstoß ab. Südlich des Kuban blieb ein von 40 Panzern begleiteter Angriff einer feindlichen Division im Abwehrfeuer unserer tapferen Grenadiere liegen. Auch nördlich des Flusses hatten die ständig in Kompanie- bis Vataillonsstärke geführten Angriffe der Bolschewisten keinen Erfolg.
Am mittleren Dnjepr. wo die Sowjets ihre Vorstöße und Angriffe gegen die deutschen Brückenköpfe immer wieder erneuerten, wurden zwölf feindliche Panzerkampfwagen abgeschossen. Die Kämpfe in diesem Raum waren während der letzten Tage besonders hart. Eine unserer Divisionen hatte in ihrem Abschnitt nicht weniger als 23 feindliche Angriffe in Kompanie- bis Regimcntsstärke abzuwehrcn. wobei sie den Bolschewisten empfindliche Verluste zusügte. Neben 490 Toten' und 291 Gefangenen zählte sie eine erhebliche Beute.
Dis deutsche Luftwaffe unterstützte an den Brennpunkten der Kämpfe im Südabschnitt der Ostfront die Truppen des üeeres
ourcy anhaltende Angriffe von Kampf- und SturzkampfvÄ bänden gegen sowjetische Panzer- und Truppenbewegungen.
Nordöstlich Metitopol und östlich des mittleren Dnjepr trug der Einsatz der Luftwaffe auch wirksam zur Unterstützung der Angriffe unserer Divisionen bei. Kampf- und Sturzkampf-! geschwader griffen unter anderem sowjetische Artilleriestellungen^ an und vernichteten zwei Batterien durch Bombentreffer. Schlachtflieger und Nahkampfverbände waren gegen den feindlichen Uebersetzverkehr am Oberlauf des Dnjepr erfolgreich. Sie versenkten mitten auf dem Fluß fünf Landungsboote und zwei große Schleppkähne, die mit Truppen und Fahrzeugen belade» auf das Westufer des Dnjepr zuhielten.
Die Kämpfe im mittleren Frontabschnitt der Ost- front hielten in unverminderter Stärke an. Die sich stetig ver- schlechternden Wegeverhältnisse stellten höchste Anforderungen an unsere Truppen. Trotzdem begegneten sie den vielfach mit Panzer Unterstützung und aufgesessener Infanterie vorgetragenen schweren Angriffen des Feindes entschlossen und vernichteten eine Reihe von Panzerkampfwagen.
Südlich der L adogasees beschränkte sich die beiderseitig« Kampftätigkeit auf die Durchführung mehrerer Späh- und Stoßtruppunternehmungen.
. Nordabschnitt der Ostfront bekämpfte schwere Artillerie des Heeres den Eisenbahnverkehr südlich und östlich Leningrad sowie in der Stadt selbst. Am Freitagnachmittag wurde die Beschießung der Insel Lavansaari fortgesetzt Zahlreiche Stichflammen. Detonationen. Rauchwolken' und ausqe- dehnte Brande zeugten von der Wirksamkeit des deutschen Artilleriefeuers.
^im hohen Norden hatten die Volschwewisten bei ver« geblichen Angrifssversuchen hohe Verluste. Eine an der Mur- mankuste gelandete feindliche Gruppe in Stärke eines Zuges wurde zum Rückzug gezwungen. ^
Marfchall Graziani an
DNV Rom, 26. Sept. Der Minister für nationale Verteidigung undSKriegswirtschaft im faschistisch-republikanischen Staat, Marischall Graziani, sprach- am Samstagabend über den Rundfunk zu den italienischen Offizieren und Soldaten und zum italienischen Volk. Er habe in einem tragischen Augenblick, da dem italienischen Volke das Schwert in die Hand gedrückt worden sei, um die Schande des Verrats von der nationalen Flagge wieder abzuwaschen, sein Amt übernommen. Di- Grundlage aller militärischen Tradition sei die Ehre. Gemeinsam mit dem Hause Savoyen habe sich aber Badoglio verschworen, diese Ehre in de^n Schmutz zu zerren. Er habe nicht nur den deutschen und den japanischen Bundesgenossen, sowie alle übrigen Verbündeten verraten, sondern auch das italienische Volk selbst. Der Marschall erinnerte dann an die unwürdige Szene vom 8. September, als Badoglio den deutschen Bundesgenossen noch seiner Treue versicherte, während er schon fünf Tage vorher das Abkommen mit dem Feinde unterzeichnet'hatte. Tiefe Erregung zitterte in der Stimme des Marschalls, als er darauf hinwies, daß in diesen fünf Tagen die Engländer noch Gelegen-
am Vortage nördlich Smolensk ein i-indlicbes Schüben- regiment vernichtet wurde. 2m gleichen Maße, wie die Evakuierung von Smolensk fortscbritt setzten sich dann die deutschen Verbände trotz ihrer eindrucksvollen Abwebrersolae abschnittsweise ab und verließen, ohne vom Feinde bedränat zu sein, das an allen Ecken und Enden brennende und durch Svrengnng aller Blicken und Robnanlaoen seines militärischen Wertes beraubte Smolensk. Auch Roslawl bietet das gleiche B-ld der Zerstörung. Was von den beiden Städten nach den großen, von den Sowjets im Herbst tO-ll tur Verbinderung des deutschen Vormarsches angelegten Bränden noch ubng- aeblicben war, ist nun ebenfalls in Flammen aufgegangen.
das italienische Volk
heit gefunden hätten, die Zerstörung Neapels zu vollenden und die Stadt Frascati vollkommen in Trümmer zu legen. Die 6000 Toten von Frascati erhöben eine furchtbare Anklage gegen ihren Mörder, Badoglio. Aber auch der König sei in diese Schuld verstrickt. Badoglio habe bei seiner schmählichen Flucht das italienische Heer in vollständigem Chaos znrückgelassen, ohne jegliche Leitung.
Jahrelang sei Badoglio Generculstabschef gewesen. Daher sei nur er allein für die militärischen Fehler jener Zeit verantwortlich, ebenso wie für die militärischen Fehlschläge in Albanien, Griechenland und Nordafrika. Die jüngsten Erklärungen ChurchAs hätten das heuchlerische Lügengewebe Vadoglios bestätigt. Churchill habe bezeugt,, daß Badoglio bereits geheime Verhandlungen mit dem Feinde wngeknüpst hatte, als italienische Soldaten noch kämpften, bluteten und starben. Die lügnerischen Behauptungen Vadoglios, daß Deutschland die Fe nd- selrokeileü gegen das italienische Volk eröffnet habe wies Em- mani mit allem Nachdruck zurück und stellte fest,' daß nach Churchills eigenen Worten englische Fallsch'rmsäger die italienische Hauptstadt angreifen und besetzen wollten, wenn die Deutschen diesem Angriff nicht rechtzeitig durch die Besetzung der Flugplätze Noms zuvorgekommen wären.
Der König, so erklärte Marschall Graziani weiter habe durch seine Flucht seinen König seid gebrochen.' Deserteur ^er, gleichgültig, welchen Ranges sie seien, verlören alle Rechte, Aemter und Würden. Darum sei auch der Treueid eines 'Menschen Soldaten gegenüber diesem König hinfällig. Viktor Emannel selbst habe das italienische Heer durch seine tV-ucht aufgelöst. Am Schluß betonte Marschall Graziani den Lebenswillen des italienischen Volkes, das er zur Mitarb-it
aufruse, um d:e Unabhängigkeit des Vaterlandes wieder -n erringen.
Das Fieberthermometer 300 Jahre alt.
Von Oc Rolf Reißmann.
Rene Theophile Hyacnnhe Laennec, ein Zeitgenosse Napoleons, ging über den Hof des Louvre und dachte an eine Dame. Nicht an die Dame, die er liebte, iandern an eine Patientin. Sie war dick und herzlcidend und bereitete Rene viel Kummer. Der große Arzt interessierte sich für Herzleiden ^ besonders, aber zwischen ihm und dem Herzen der Dame stand — sagen wir es offen— das viele Fett. Laennec pflegte das Ohr an die Brust des Patienten zu legcih um die Herztöne abzu^ren. Sobald aber jemand dick war, hörte er nichts.
Der Hof des Louvre war nicht eben gut aufgeräumt, in einer Ecke lag Schutt, und die Kinder jpielten darauf herum. Plötzlich sah Laennec, wie ein Junge am Ende eines langen. Balkens das Ohr anlegte, während ein Freund am anderen Ende ihm Klopfsignale gab. Laennec, der der Patientin angekommen, verlangte eine Lage Briefpapier, rollte sie, legte !oas Ende an die Stelle des Spitzenstoßes — er hörte, er hörte lauter, als er jemals hörte, solange er das Ohr noch unmittelbar c>" die Brustwaud anlchnte. Das Hörrohr war'erfnndcn.
Was uns ein Weinfaß lehrt...
Wenige Jahrzehnte zuvor hatte ein Kollege Laennecs, Leopold Auenbrugger, Primar-Arzt am Spanischen Hospital in Wien, einen langen Blick auf seine Weinfässer geworfen, einen Blick, der ebenso nachdenklich war wie Laennecs Blick- auf das beklopfte Brett. Es sei gleich angemerkl, daß die österreichischen Weinfässer es in sich haben, auch wenn sie teer sind. Haben diese leeren Fässer doch schon den großen Kepler zur Aufstellung von mindestens zwei Dutzend neuer mathematischer Lehrsätze angestiftet. Zwar heißt es, Kepler sei ein sehr mäßiger Mann gewesen, und es wäre ihm mehr auf den theore-- tischen als auf den praktischen Inhalt eines Weinfasses an- gelommen; dem widerspricht jedoch, daß in seinen Keller in Linz gelegentlich etliche Fäßlein eingesahren wurden und daß er sich über das lasche österreichische Elchverfahren aufregte; das tut nur einer, dem der Wein nicht unlieb ist. So setzte er sich also hin und schrieb eine lange Abhandlung über Zitronen-, Spindel- und Faßkörper, dero Rauminhalt und mathematische Formeln, Optimum und ihre umschriebenen Kreise, und am Sczluß dankte er seinem kleinen Weinfäßlein. daß es ihn so viele neue und überaus schwierige Tinge gelehrt.
Auenbrugger also sah seine Fäßlein mit nicht minder nachdenklichen Augen an; er war der Sohn eines Gastwirts, und es standen vermutlich etliche Stücke auch m seinem Keller. Er hatte gerade viele Brustkranke, und ihm fiel ein. daß ein Brustkorb'doch einem wichen Tönnchen verdammt ähnlich sähe.
Genau jo, wie er als Junge oft die Fässer im Keller beklopft habe, um sie zu befragen, wieviel denn noch drrnnen sei — ebenso müsse sich doch durch Beklopfen des Brustkorbes feststellen lassen, wie es um den Inhalt stehe. Er klopfte. Sieben Jahre lang klopfte er. Dann trat er, im Jahre 1761, mit seiner Entdeckung an die Oeffentlichkeit.
Nie aber hätte er die Unterschiede der Klopftöne wahrgenommen, wäre er nicht ungewöhnlich musikalisch gewesen (er hatte eine komische Oper versaßt, die Mozart allerdings ein „elendes Originalstück" nannte). Selbst heute wo jeder akademische Lehrer die Töne seinen Studenten Hunderte von Malen vorklopft, hört der Lernende erst nach langer Uebuna die Unterschiede. Auenbrugger wußte anfangs nicht einmal, ob es Unterschiede gab; er wußte auch nur unsicher, was für anatomische Veränderungen in der Brusthöhle es waren, die den unterschiedlichen Klang der Töne hervnrmefeu; zudem klopfte er nicht auf die aufgelegte linke Hand, wie dies heute meist geschieht, sondern mit den Fingerspitzen. Sieben Jahre- horchte, zweifelte, prüfte er, dann gab er sein Werk heraus.
Der Erfolg war traurig. Die änderen Äerzte waren nicht so musikalisch. Sie hörten einfach nichts. Zudem lebte man noch in der Vorstellung, alle Krankheiten seien Allgemeinerkrankungen, so daß man wenig Interesse hatte für einen lokalen Befund. Die Wiener Klinik schwieg. Erst ein halbes Jahrhundert später, in Paris, schlug Auenbrnggers Entdeckung durch. Es erschien eine französische Uebersetzung, und ein französischer Arzt, der viele Jahre lang die neue Methode erprobt halte, gab zu Auenbrnggers hundert Seiten dreihundert Seiten Kommentar. Dieser Arzt war der große Corvisart, der Leibarzt Napoleons.
Die Krankheit wird -gewogen.
Das Fieberthermometer verdanken wir wohl einem der komischsten Käuze, die je einen Lehrstuhl bekleidet haben. Er hieß Santorio Samoriv und war um 160N Professor m Padua. Eben hatte Galilei das Fernrohr erfunden. Dinge, die man vorher nur vage geahnt hatte, waren plötzlich sichtbar, greifbar, meßbar geworden: die materialistische Weltbetrachtnng hob an. Sarwrw war sie zu Kopf gestiegen; er wollte alles in Zahlen haben. Er baute sich beispielsweise erne große Waage: darauf fetzte er einen Tisch, einen Stuhl und sich selbst. Er saß dort oben und wog. Er wog, was er zu sich nahm. Er wog, was er ausschied. Er wog, wie sich fein Gewicht veränderte unter dem Einfluß von Wetter und Luft, Speise und Trank. Er schlief oben ein und wachte wieder auf. Er brachte sich in Zorn und wog. Er dachte an Dante oder an angenehme Frauen oder an seine Neider und wog. Er döste oder löste
schwere Rechenprobieme und wog. Er glaubte, für alles ei« bestimmtes Maß an „Ausdünstung" gefunden zu haben und aus dem Maß dieser Ausdünstungen auch Krankheiten bestun- men zu können. Er baute Apparate. Ein Schwebebett. Eint Einrichtung, um baden zu können, ohne das Bett zu verlassen. Ein in der Länge veränderliches Pendel, das man rm Einklang mit dem Pnlsschiag pendeln lassen konnte und mit dem man zum erstenmal die Geschwindigkeit des Pulses maß
(damals gab es nämlich an den Uhren noch keine Mumien-, geschwerge Sekundenzeiger).
Es wäre mit dem Teufel zugegangen, wenn Santorio nicht auch einen Apparat ausgeheckt hätte, mit dem das Fieber zu messen war. Er veranstaltete also folgende Anordnung: Auf den Boden stellte man ein kleines hochwandtges Gefäß;- es war zur Hälfte anit Wasser gefüllt. In dieses Gefäß mündete eine lange Röhre, an deren oberem Ende ein Glasball saß, den der Patient in den Mund nehmen mußte. Durch die Erwärmung des Glasballs dehnte sich die Lust in dem Glasball und in der Röhre aus; infolgedessen stieg das Wasser in dem Gefäß, in das die Röhre reichte, und zwar um so mehr, >e heißer die Mundhöhle war. Das war das erste Fieberthermometer. Das Weingeist- und Quecksilberthermometer wurde übrigens bald darauf, genau vor dreihundert Jahren, erfunden, und zwar von einem bastelnden Großherzog, Ferdinand lO von Toscana.
Woher das Wort „Alarm"?
Das heute.so oft gebrauchte Wort „Alarm" hat in der deutschen Sprache viele Wandlungen durchgemacht. Seine frühesten Wurzeln sind in dem italienischen „allarme" zu suchen, das im Französischen zu „alarme" wurde, was beides eigentlich „zu den Waffen" bedeutet. 2m Deutschen wurde daraus aber keineswegs sofort unser heutiges Wort „Alarm". Vielmehr entstand daraus zunächst unser heutiges Wort „Lärm" mit allen seinen Nebenformen. Als es im 15. Jahrhundert zuerst auftauchte, sprach man van „Lerman" und später von „Lerm", wobei also die italienische und französische Anlautsilbe fortfiel. Eine Verstärkung des Wortes brachte dann noch der „Heidenlärm". Daneben erhielt sich noch eine andere Form, in der die Anlautsilbe erhalten war: „Allerm" — sie iit später zu dem Worte „Alarnft geworden.
Wie schnell denken wir?
Wie alles andere, hat man auch die Geschwindigkeit unserer Gedanken bereits wissenschaftlich gemessen. Dabei hat sich ergeben, daß wir zwar nichr „blitzschnell", also mit der Geschwindigkeit eines Blitzes denken, daß aber immerhin die Denkge- schwindigleit 250 Stundenkilomeier erreicht, das heißt also dt« Schnelligkeit eines Flugzeuges.