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Nummer 147

Altensteig, Donnerstag, den 28. Juni 1834

S7. Jah-ga«,

1Z Sichre Versailles!

Berlin, 27. Juni. Der Arbeitsausschutz deutscher Verbände veröffentlicht folgenden Aufruf zum 28. Juni 1934:

IS Jahre Versailles! Heute vor IS Jahren wurde das Ver­sailler Diktat unterzeichnet. Schon damals konnte es bei keinem Einsichtigen als ein Instrument zur Wiederherstellung eines wahren Friedens gelten. Die IS seither vergangenen Jahre ha­ben dem deutschen Volk die grüßten Opfer auferlegt, sie haben aber ebensowenig der Welt wahren Nutzen gebracht, es sei denn, man nennt Nutzen das starre Festhalten an Machtpositionen, die nur auf der Niederhaltung der europäischen Mitte beruhen. In einem Zustand der Schwäche und Zermürbung nach vier­jährigem heldenhaften Ringen wurde das Diktat unterzeichnet. Die Kraft zu einemNein" brachte das deutsche Volk nicht auf. Es mutzte daher den Weg durch die Wüste antreten. Heute nach IS Jahren kann es mit Stolz von sich sagen, üatz es die innere Schwäche und Uneinigkeit überwunden hat. Damit ist der An­schlag, den das Versailler Diktat auf die Ehre und das Selbst- bewutztsein des deutschen Volkes darstellte, zunichte geworden. Das Versailler Diktat wurde einem in Hrenvollem Kampf ge­gen die Uebermachr unterlegenen Volke auferlegt. Es fügte der Niederlage die äußerste Demütigung zu. Um den Widerspruch, den die Bestimmungen zu dem verheißenen Frieden des Rechts und der Gerechtigkeit darstellen, zu bemänteln, wurde die Lüge, daß Deutschland der Urheber des Weltkrieges sei. zur morali­schen Grundlage des sogenannten Friedensvertrages gemacht. Gezwungen zur Unterschrift auch unter dre Bestimmungen, dre dem deutschen Volk die Ehre nehmen sollten, hat es dieses den Tatsachen nicht entsprechende Anerkenntnis niemals auerkannl und es tut dies heute weniger als je. Durch widersinnige Grenz­ziehungen, durch Wegnahme des überseeischen Kolonialbesitzes ist der Lebensraum des deutschen Volkes unerträglich verküm inert. Wo Deutsche an den Grenzen oder zerstreut in fremden Staaten wohnen, haben sie sich der schärfsten Angriffe aus ihr Volkstum zu erwehren. Nur die Achtung vor der Eigenart eine- jeden Volkstums kann Beruhigung und Frieden schaffen. Diesen echten Friedensgedanken stellt das neue Deutschland den sich über die Gegebenheiten des Blutes und Stammes hinwegsetzen den abstrakten Nationalstaatsgedanken entgegen Zwar stehen fremde Heere nicht mehr auf deutschem Boden: unfrei, weil wertlos, liegt jedoch noch das gesamte deutsche Land da, solange die Gleichberechtigung nicht praktisch verwirklicht ist. Die Abrü­stungskonferenz hat versagt. Sie hat den Entschluß zu einer wirksamen Herabsetzung der Rüstungen nicht aufgebracht. Für das deutsche Volk kommt daher der in Versailles festgesetzte Rü­stungsstand nicht mehr in Betracht. Es fordert sein Recht aus das Mindestmaß nationaler Sicherheit, es fordert keine An­griffswaffen, es will nur nicht länger wehrlos und darum ehr­los bleiben. Die künstliche Scheidung in Sieger und Besiegle mutz aufhören. Die Weltlage erfordert, daß das alte Europa zusammensteht und nicht durch ein ausgeklügeltes Paktsystem, das einseitige Machtbildungen verewigen will, künstliche Schran­ken in sich aufrichtet. Die Zeit der Abstimmung im Saargebiet rückt heran. Die 15jährige Leidenszeit unter fremder Herr­schaft wird bald überstanden sein. Es werden auch nach Rück­kehr des Saargebietes noch Staatsgrenzen Volkstumsgrenzen zerschneiden. Das in sich geeinte deutsche Volk weiß sich über Staatsgrenzen hinweg mit allen Volksgenossen einig. Durch den Mund seines Führers hat die Welt erfahren, daß Deutschland de« Frieden will. Es versteht aber unter Frieden nur einen Frieden in Ehre und Gleichberechtigung. Der Versailler Zu­stand ist kein Friede. Ein großes Volk will leben und andere leben lasten. Schwer wird auch weiterhin sein Lebensweg blei­ben. In Kampf und Abwehr lebt jedoch dte Krait

«RiliergulsbeMer* unzulWg

Berlin, 27. Juni. Gestützt auf das Reichserbhofgesetz hat sich der Reichsfinanzminister über die Berufsbezeichnungen der Be­sitzer land- und forstwirtschaftlichen Grundeigentums geäußert und die Reichsfinanzverwaltung ersucht, diese Regelung künftig zu beachten. Der Minister erklärt, daß nur der Eigentümer ei­nes ErbhofsBauer" heiße: der Eigentümer oder Besitzer an­deren land- und forstwirtschaftlich genutzten Eigentums, auch der bloße Pächter eines Erbhofs, heißeLandwirt". Andere Be­zeichnungen für Eigentümer oder Besitzer land- oder forstwirt­schaftlich genutzten Grundeigentums z. V. Anbauer, Stellenbe­sitzer, Ackerbürger, Gutsbesitzer, Rittergutsbesitzer. Gutspächter ino unzulässig. Solange die Frage, ob ein landwirtschaftlicher Besitz Erbhof ist oder nicht, nicht endgültig geklärt ist, stehe dem Besitzer nur die BezeichnungLandwirt" zu.

Schwerer Taifun Wer Nord-SavM

34« Häuser zerstört. 81 Personen vermißt Tokio, 27. Juni. Ueber Nord-Japan hat ein heftiger Taifun gewütet. Nach den bisher vorliegendeu Meldungen find über 340 Häuser vernichtet worden. Eine Anzahl Personen wurden getö- tet und verletzt. 81 Personen werden vermißt. Die Telegraphen- Verbindungen sind unterbrochen.

v. Neurath vor der Auslaudshan-Mammer

Ausfuhr

Berlin, 27. Juni. Der Deutsche Industrie- und Han­delstag veranstaltete anläßlich der Tagung der Deutschen Handelskammern und wirtschaftlichen Vereinigungen im Auslande einen Lmpfangsabend in den Krollfestsälen in Berlin. Reichsaußenminister Frhr. v. Neurath über­brachte die Grüße und Wünsche der Reichsregierung. Er wies auf die gewaltigen Veränderungen hin, die seit dem 30. 1. 1933 in Deutschland eingetreten seien. Die Anstel­lung des Reiches in Länder, in Eifersüchteleien und Rivali­täten der Länder untereinander seien verschwunden, ferner die Zerrissenheit der inneren Politik durch eine Unzahl von Parteien, der Klassenkampf als Selbstzweck, schließlich der Unverstand dafür, daß für eine kraftvolle Außenpolitik Ein­heit im Innern erste Voraussetzung sei. Ein einheitliches Reich und ein Volk sei entstanden, das sich als ein einziges zusammengehöriges und untrennbares Ganzes fühle. Für die Ausländsdeutschen komme dies alles in der Tatsache am deutlichsten zum Ausdruck, daß sie in ihren Pässen sich jetzt endlich nur noch als Deutscher bezeichnen können. Die Auf­gabe der Tagung der deutschen Handelskammern und wirt­schaftlichen Vereinigungen im Auslände bezeichnete Frhr. v. Neurath als eine doppelte. Einmal sollte den Aus­ländsdeutschen Gelegenheit gegeben werden, Künder ihrer Eindrücke von den tiefen Wandlungen der letzten Jahre in Deutschland zu sein, wenn sie draußen wieder an ihre Ar­beit gehen. Diese Eindrücke müßten bestimmt werden von den großen Errungenschaften des deutschen Volkstumes. In der Richtung dieser Aufgabe liege auch, so betonte der Reichsaußenminister, die engere und bessere Zusammen­arbeit der Auslandshandelskammern mit den Organi­sationen in der Heimat und eine gleichmäßiger Organisie­rung der Außenhandelskammern selbst. Dabei sei aber vor einem all zu starken Drang nach Schematisierung zu war­nen, da in der historisch gewordenen Bodenständigkeit man­cher Außenhandelskammern nicht unerhebliche Werte liegen.

Die zweite Aufgabe sei eine sehr nüchterne, nämlich: Ausfuhr tut not. Als eine Hauptaufgabe der Ta­gung bezeichnete er; für die deutsche Ausfuhr die Erfahrun­gen nutzbar zu machen, die in den deutschen Außenhandels­kammern angesammelt seien. Davon könnte die deutsche Wirtschaft wertvolle Anregungen für das täglische Geschäft und als Ganzes Nutzen haben.

In diesem Zusammenhang streifte der Reichsaußen­minister das Devisenproblem. Der Hauptgrund für den Rückgang der deutschen Ausfuhr sei die Währungsentwer­tung in den großen Industrieländern, die Deutschland den Wettbewerb fast unmöglich mache. Eigentlich sollte man von den Ländern, die ihre Währung ohne Notwendigkeit entwertet und die dadurch Deutschland am stärksten in die jetzigen Transferschwierigkeiten gebracht hätten, mehr Rück­sicht auf die Folgen daraus und mehr Verständnis für die Lage erwarten. Leider sei das nicht der Fall. Die Drohun­gen, die in diesem Zusammenhang in den letzten Tagen gegen die deutsche Wirtschaft ausgesprochen worden seien, bedauerte der Reichsaußenminister. Sie seien mehr als kurzsichtig. Ihre Verwirklichung wäre nicht nur ein Schlag für Deutschland, sondern für die ganze Weltwirtschaft und

MM wird ln Srar gegen Kameraden eingesetzt

Wien, 27. Juni. Aufsehenerregende Szenen, wie sie sich bisher in Oesterreich noch nie abgespielt haben, ereigne­ten sich am Mittwochabend in Graz. 4VV dienst­freie Soldaten des Bundesheeres in Uni­form zogen von ihrer Kaserne geschlossen in das Innere der Stadt und brachten SchmährnfeanfdieHeim- wehr und Vizekanzler Starhemberg ans. Wo sie Heimwehrleute erblickten, verprügelten sie diese. Die Heimwehrleute riefen Kameraden zu Hilfe und es kam zu großen Schlägereien. Zahlreiche Verletzte mußten ins Kran­kenhaus gebracht werden. Bald hatten sich im Stadtzentrum Tausende von Menschen angesammelt, die ebenfalls erregt gegen die Heimwehr Stellung nahmen und Hochrufe auf die Armee ausbrachte». Die Tumulte setzten sich auch in anderen Straßen fort. Die Polizei war anfänglich macht­los. Man mußte die im Dienst befindlichen Truppen des Bundesheeres herbeirufen, die gegen ihre Kameraden vor­gingen und schließlich sogar mit gefälltem Bajonett die Menge auseinandertrieben.

Die Ursachen dieser Szenen waren Zwischenfälle, die sich tags zuvor ereignet hatten. Heimwehrlente hatten i« ei»e«

tut not!

sie würde ebenso stark auf die Länder zuriickfallen, die sie ausführten.

An die Handelskammern im Auslande richtete er dea Appell, an der Aufgabe der deutschen Ausfuhrförderung mit allen Kräften mitzuarbeiten. Deutschland wolle sich nicht abschließen vom Auslande. Dabei wandte er sich gegen da» Schlagwort:Autarkie", das heute in allen maßgebende» deutschen Kreisen überwunden sei. Niemand in der Reichs­regierung glaube, daß Deutschland wirtschaftlich vom Aus­lande isoliert werden solle und könne.

Wenn auch unter dem Zwang der Verhältnisse mit allen Kräften daran gearbeitet werde, unser Volk und unsere Wirtschaft von ausländischen Lebensmitteln und Rohstoffen unabhängiger zn machen und im Jnlande alles das zu er­zeugen, was hier erzeugt werden könne, so verlange an­dererseits unsere zentrale Lage in Europa verständnisvolles und auf Wechselseitigem Entgegenkommen aufgebaute Han­delsbeziehungen mit den Nachbarländern. Ebenso verlange die Notwendigkeit, Rohstoffe zu beziehen, freundschaftliche Austauschbeziehungen mit den überseeischen Ländern.

Die wichtigen und umfassenden Handelsbeziehungen, dre Deutschland mit einer Reihe von Staaten in jüngster Zeit abgeschlossen habe, seien Zeugnis für diesen Willen. Mn diesen Verträgen seien anderen Ländern große Einfuhr­möglichkeiten nach Deutschland eröffnet worden. Deutsch­land habe dies tun können, weil diese Länder im Geiste auf­richtiger Gegenseitigkeit auch Deutschland seinen alten An­teil an ihren Märkten belassen hätten. Deutschland sei be­reit» mit allen Ländern auf der Grundlage dieser gegen­seitigen Rücksichtnahme in Verhandlungen einzutreten. Man könne aber nicht erwarten, daß Deutschland die Zin­sen für seine Auslandsschulden transferiere, wenn man der deutschen Ausfuhr alle möglichen Schwierigkeiten mache durch Zölle, durch Kontingente, durch Währungsentwertung und sogar noch durch die angedrohten Zwangsmaßnahmen. Der Transfer sei keine Frage des guten oder schlechten Wil­lens, sondern der tatsächlichen Möglichkeiten. Es sei eigent­lich beschämend, daß man nach so vielen internationalen Konferenzen und nach so vielen Sachverständigenberichten diese einfache Wahrheit immer noch in die Welt hinans- rufen müsse.

Schließlich wies der Reichsaußenminister auf die wirt­schaftlichen Fortschritte Deutschlands in den letzten zwei Jahren hin, wobei er an die Spitze die fortschreitende Ge­sundung der Landwirtschaft stellte, die wieder zu einem standesbewußten und gesunden Bauerntum als tragendem und zuverlässigem Fundament für die ganze Wirtschaft geführt hätten, lleberall in der Wirtschaft regten sich die Hände. Die frühere Verzagtheit sei trotz aller Schwierig­keiten und manchen Aergers überwunden. Neuer Unter­nehmungsgeist sei eingezogen und die Arbeitslosigkeit sei zn einem großen Teil bezwungen worden. Was noch übrig geblieben sei, werde in zäher Kleinarbeit überwunden werden.

Im Namen der Ausländsdeutschen dankte Staatsrat Helfferi ch, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Hapag, für die Einberufung der Auslandshandelskammern.

Lokal einen Angehörigen des Bundesheercs verprügelt. Kameraden des Gezüchtigten beschlossen, Rache zu übe». Das Truppenkommando hatte von dem Plan gehört un- der Ausgang für Mittwoch untersagt. Die Soldaten hatten

sich jedoch nicht an das Verbot gehalten.

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Offizierspatrouillen stellen die Ruhe in Graz wieder her Wien, 28. Juni. Nach weiteren Meldungen aus Graz konnte am Spätabend des Mittwochs die Ruhe erst nach Einsatz von Offizierspatrouillen wieder hergestellt werden. Von den verwundeten Heimwehrleuten sind drei schwer verletzt.

NS.-Hoheitsabzeichen auch für die Postler

Berlin, 27. Juni. Der Reichspoftminister hat. wie das RdZ- Büro meldet, folgende Verfügung erlassen:Die Landeskokarde an der Dienstmütze hat nach dem Uebergang der Hoheitsrechte der Länder aus das Reich ihre Bedeutung verloren. Um der Ein­heit von Partei und Staat auch nach außen bin Ausdruck zu verleihen, wird bestimmt, daß die Lnndeskotarde am oberen Mützenteil <der Postbeamten. D. Schristleiluiigj durch Nas un­veränderte Hoheitszeichen der RSDAP. in Silber ,n ersetzen ist.