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Sonntagsausgabe der Schwarzwälder TageszeitungAus den Tannen"!

Nr. 6

Anzeigenpreis: Me einspaltige

20 Pfg., die Reklamezeile 50

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Bezugspreis im Monat 50 Pfennig Me Einzelnummer . . 15 Pfennig

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Sonntagsgedanken.

Gott ist allein der Mann, der nicht aufhört, der Welt lauter Gutes zu tun wider der Welt Undank und Verach­tung, sondern alle Untugend und Bosheit verschlingt und verzehrt durch das Feuer seiner Liebe. Ein solches Herz soll ein Christ auch haben, daß er sich nicht lasse drängen von Gunst und Freundschaft, sondern vielmehr sortsahre und spreche: Mein lieber Bruder! Was ich dir getan habe oder noch tue, das habe ich aus rechter Liebe getan und noch nie begehrt, daß du mir dafür danken oder lohnen sollst. Dankst du mir, so danke dir Gott wieder; wo nicht, so ists mir ebenso viel, denn ich Habs darum nicht getan. Sondern was ich tue, tue ich um deswillen, der mich so ge­liebt hat, daß er für mich undankbaren und verdammten Menschen am Kreuz gestorben ist und noch alle Augenblick mehr Gutes tut, als ich wert bin oder ich ihm dafür darben kann. Luther.

Afra.

Erzählung von Heinrich Hansjakob.

! (Fortsetzung.)

Beim Fritz in der Gaß z' Schifte trinken die Obertäler gern ihr Vier. Da sitzt der alte Fritz zu ihnen, gibt ihnen eine Prise aus einer Riesendose und erzählt von Amerika, wo er lange gewesen.

Zn einer Ecke der Bierstube, über welcher ein Bild des Königs Eambrinus hängt, fitzen drei Meidle aus dem St. Romanschen. Sie sehen den Toni, der in ihre Pfarrei gehört, mit zwei fremden Meidlen.

Die eine äußerte:Schout, der Toni ous dem Hirsch­grund Hot zwei Tänzerne, die i nit kenn'. Der kunnt ou überall rum."

Die zweite sprach daruf:Ma weißt scho, daß der Toni a Wildschütz isch, drum kennt er d' Meidle ouf älle Berge."

Mi dunkt's" nahm die dritte das Wort, die Meidle seien ous Bergzell. I moin, die Schwarz hätt' i schon g'sehe beim Fest in St. Roman und z' Wittiche ouf der Wall­fahrt."

Indes hat der Toni die Sprecherinnen auch erblickt. Er nimmt seinen Schoppen, geht zu ihnen, bringt's ihnen zu und frägt: So, seid ihr ou z' Märkt? Was hont ihr kro- met? Oder seid ihr bloß zum Tanze komme?"

Jede trinkt vom Toni, und die heiterste von ihnen, die Walburg aus der Trillen, antwortet ihm dann:Wir hont Strohhüt kromet und Reche, der Heuwet goht an. Und zuam Tanz könnet wir nit, wir hont keine Tänzer. Du, Toni, hosch, scheint mir» Meidle kromet und kannst keine mehr brauche, sonst müßtest mich mitnehmen in Engel."

Der Toni ous dem Hirschgrund nimmt euch alle drei mit," entgegnet lachend der Wildschütz.Er kann auch mit fünf Meidlen tanze. Die zwei, so mit mir gekommen, find über dem Kaibach drobe daheim. Hab' die eine kennen gelernt bei einem Spaziergang in den Wald und sie einge­laden zum heutigen Tanz. Die ander' ist ihre Schwester."

Ma weißt scho, was der Toni für Spaziergäng macht in Wald," erwiderte die Walburg /heimisch.And im Wald geit's ällerlei Vögel."

Du kannst gut sticheln, Walburg," meinte der Toni und lud die Meidle nochmals ein, in Engel zu kommen, er tanze dann mit jedem der fünf Wibervölker gleich oft. Er sei noch ganz ledig, sein Herz noch nicht verkauft, und heim­begleiten müsse er am Abend sie, die drei, doch, weil sie den gleichen Weg hätten.

Nei, nei, Toni," nahm jetzt die Karolin aus dem hin­tern Heuwich das Wort.Heut' vergönne wir dir die Meidle ousm Kaibach nit. Wir müsse zeitig heim. Wenn wieder einmal Tanz isch z' St. Roman im Adler, dann gilt's uns."

Dem Oferle war's ganz warm geworden, als der Toni so lang mit den Meidlen in der Ecke verkehrte. Diese reich­

ten ihm jetzt zum Abschied jede ihr Glas zum Trinken, und der Toni meinte im Weggehen:Zhr b'sinnt eu g'wiß no anders, dann kommet ihr doch no in Engel."

Do kannst lang warte, Toni," schloß die Walburg, bis wir komme und im Engel z' Schifte feil stehen, bis ein Tänzer kunnt. Do kehren wir heut' abend lieber no im Auerhahn ein im Heuwich. Dort fitzt der Aeckerbur mit seine Flözer, die wolle morgen an Flöz durch den Bach las­sen, und die treffen wir sicher, wenn's is ums Tanze isch, und der Schultoni spielt ouf mit der Harmonika."

Eine halbe Stunde später war der Toni mit dem Oferle und der Marie» im Engel, die drei andern Meidle aber auf der Kinzigbrücke dem Heuwich zu.

Sie walzten und stampften schon, die ländlichen Paare, und die bunten Kleider und farbigen Bänder an den Trachten der Meidle zogen wie Kaleidoskope an den Augen der Zuschauer vorbei, als der Toni mit seinen Damen im Engel ankam.

Alsbald drehte auch er sich mit dem Oferle in dem dröhnenden Kreisel, dem Staubwolken entstiegen, so dick, wie der Rauch, der von den Kaminen der alten Häuser von Schifte vor Mittagszeit gen Himmel zieht.

Die Maries hatte ein Bursche aus der Aichhaldenenga­giert", und so kam auch sie zu ihrem schweißtreibenden Ver­gnügen.

Zwischen hinein bekamen die ländlichen Damen Süßig­keiten, d. h. die Tänzer kauften ihnen Lebkuchen, die von einem alten Weibe am Eingang zum Tanzboden feil ge­halten wurden. Schifte hat zweiZuckerbäcker" bis auf den heutigen Tag. DerLehbäck" und derSchmiedibäck" ver­sorgen die Jahrmarktgäste mit Lebkuchen undGuts".

Die Fiedel ächzte und die Klarinette krächzte, so toll mußten die Musikanten dem Nimmersatten Volke auf­spielen.

Machten sie einmal eine Pause, so warf ihnen der Toni einen Sechsbätzner hin und rief:Einen .Extra' 'für mich!" Dann tanzte er allein mit dem Oferle, um es so zu ehren; und das Oferle war stolz in seinem Herzen, denn einen Extra hatte noch keiner mit ihm getanzt.

Die Burschen und die Knechte aber sahen scheel auf den Toni ob seines vielen Geldes und ob seines Eroßtuns, und des Hermenazis-Bure Andres meinte:Der hat gut Extra spielen lassen, er schießt heut' Nacht wieder einen Rehbock im Lehmenwald, und dann hat er sein Geld wie­der. Der verdient mehr mit dem Jagen, als wir mit Schin­den und Schaffen."

Und seine Tänzerin, das Oferle," nahm ein Bursche vom Dachsloch das Wort,die hat er auch beim Jagen ge­funden; sie wohnt im Fohrengrund, mitten im Wald."

Aber sagen darfst nichts, Andres, vom Wildern, sonst rennt er dir ein Messer in Leib. Der Toni ist wild wie ein LLb, wenn er gehänselt wird, aber sonst der best' Kerle von der Welt."

Doch lumpen lassen wir uns nit," meinte Andres,wir müßten uns schämen vor unseren Meidlen. Wir tanzen jeder auch einen Extra."

Und bald gab's nur noch Extras auf dem Tanzboden zur Freude der Musikanten, die dabei am meisten Geld ver­dienten.

Endlich brach der Toni ab. Das Oferle drängte heim der Mutter wegen. Auch die anderen gaben Ruh, und alles ging in die Wirtsstube hinab, um, wie es üblich ist, die Tänzerinnen zu regalierenmit Brote und Salat".

Soviel auf einmal, wie heut', Hab' i meiner Lebtag nit getanzt," sprach das Oferle, sich den Schweiß abtrocknend und am Arm des Toni in die Stube wandelnd.

Du mußt auch wissen, wenn du mit dem Toni aus dem Hirschgrund getanzt hast," antwortete der und rief der Kellnerin zu:Eine Votell' vom Besten und Brüte und Salat für drei."

Schon schaute der Abend durch die dunklen Gassen von Schifte. Die Sonne verklärte im Scheiden nur noch die hoch über dem Städtle gelegenen Ruinen der einstigen!

Herzoge von Teck als das Oferle und die Marien sich zum Heimgehen anschickten.

Sie hatten Angst vor der Mutter, die eine böse Sieben war und den Meidlen jedesmal, so oft sie auswärts gingen, mit Aussperren drohte, wenn sie zu spät heimkämen.

Aber fingen muß der Toni noch eins, ehe er aufbricht und euch begleitet!" rief des Hermenazis-Bure Andres, der am gleichen Tisch saß.

Ja, singen muß er!" riefen alle Burschen.Der Toni hat noch immer eins gesungen, ehe er vom Tanz heimging, und er ist der beste Sänger im Tal."

No, sing schnell eins!" bat das Oferle, welches nicht verriet, daß es den Toni schon einmal im Wald habe singen hören.

I sing' eins," sprach der Toni,'s isch nit kurz, aber schön und neu. Des sing' i und dann gaut's heimzua."

Es wollt' ein Jäger jagen,

So sagt' er.

Es wollt' ein Jäger jagen Drei Stunden vor dem Tagen Im Walde hin und her.

Einen Hirschen, einen Hasen und ein Reh, So sagt' er.

Er grüßt das Mädchen feine;

Was tut sie so alleine Wohl in dem Wald so früh?

Ich will mir pflücken Rosen,

So sagt' sie.

Ich will mir pflücken Rosen,

Wir wollen beide kosen Wohl in dem Wald so früh.

Ich kann vor meinen Hunden nicht.

So sagt' er.

Ich kann vor meinen Hunden nicht,

Bleib' sie nur, Schönste, wer sie ist,

Wohl in dem Wald so früh.

Laß er die Hunde laufen,

So sagt' sie.

Laß er die Hunde laufen,

Wir wollen sie verkaufen Wohl in dem Wald so früh,

Ich kann vor meinen Hasen nicht,

So sagt' er.

Ich kann von meinen Hasen nicht,

Bleib' sie nur, Schönste, wer sie ist,

Wohl in dem Wald so früh.

Laß er die Hausen schmausen,

So sagt' sie.

Laß er die Hasen schmausen,

Es sind ja mehr als tausend Wohl in dem Wald so früh.

Ich kann vor meinem Pferde nicht.

So sagt' er.

Ich kann vor meinem Pferde nicht,

Bleib' sie nur, Schönste, wer sie ist,

Wohl in dem Wald so früh.

Laß er das Pferd doch stehen.

So sagt' sie. , ,

Laß er das Pferd doch stehen.

Wir beide wollen gehen Wohl in dem Wald so früh.

Ich kann vor meinen Sporen nicht,

So sagt' er.

Ich kann vor meinen Sporen nicht,

Bleib' sie nur, Schönste, wer sie ist,

Wohl in dem Wald so früh.

Laß er die Sporen klingen,

So sagt' sie.

/ Laß er die Sporen klingen,

Wir beide wollen singen Wohl in dem Wald so früh.