ihre Unterwerfung gaben. Zahlreiche Dorfbewohner hatten sich in die Berge geflüchtet, deren Abhänge von einer großen Anzahl marokkanischer Reiter bedeckt waren. Die Marokkaner wurden bis Quedtunedja zurückgetrieben. Nachmittags besetzten die französischen Truppen die Anhöhen am linken Flußufer, worauf der Rückzug des Feindes in offene Flucht ausartete. Die französischen Truppen, von denen fünf Mann verletzt wurden, sind sodann unter Führung des Generals d'Amade nach Kasbah Benahmed zurückgekehrt.
ff Casablanca, 25. April. Bei einer Rekognoszierung einer französischen Abteilung im Gebiet der Medakra fand ein kleines Gefecht statt, in besten Verlauf ein Unteroffizier der Spahis fiel.
jf London, 26. April. Nach einer amtlichen Meldung sind bei einem Zusammenstoß des Kreuzers „Gladiator" mit dem Dampfer „Saint Paul" 4 Mann des Kreuzers umgekommen und 5 verletzt worden. Etwa 20—30 Mann werden noch vermißt.
sf Stockholm, 26. April. Der König und die Königin von England, sowie Prinzessin Viktoria trafen heute nachmittag um 12.50 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ein und wurden vom König von Schweden und der kgl. Familie empfangen. Die Monarchen begrüßten sich sehr herzlich. Die Herrschaften fuhren sodann unter Hurrahrufen einer zahlreichen Menge zum Schloß. Der König von England empfing später die auswärtigen diplomatischen Vertreter.
ff New-Pork, 25. April. Bei den Wirbelstürmen, die gestern in mehreren Teilen der Bereinigten Staaten wüteten, sind 10 Personen getötet und viele verletzt worden.
Is New-Pork, 25. April. In Richland, Lousiana, wurden durch den Tornado 4 Personen getötet und 100 verletzt.
* Allerlei. Wegen des Zwischenfalles bei der Ostermeffe des Papstes wurde der Wiener Professor Feilbogen, der als Jude an der Communion teilgenommen hatte, seines Amtes enthoben. — Ein Sergeant in Posen verletzte seine 20jähr. Braut, die das Verlöbnis lösen wollte, durch drei Revolver- fchüsse schwer und erschoß sich selbst. — Der französische Dreimaster „Sewanais" wurde auf der Fahrt nach Neufundland leck und ging unter. Vier Matrosen sind ertrunken.
OsterspieLe.
Trotzdem bereits über eine Woche seit dein Feste der Ostern vergangen ist, wird es wohl nicht unangebracht sein, hier eine Plauderei des elsässischen Schriftstellers E. Grucker über Ost erspiele wiederzugeben, die wir der Nr. 29 des „Daheim" entnehmen: Ein uraltes Spiel, das den Streit des finstern Winterkönigs mit dem anrückenden Lichtgott versinnbildlicht, ist heute noch vielfach mit dem Osterfeuer verbunden. Am Ostersamstag verfertigen die Kinder eine mit Stroh ausgestopfte und mit Lumpen umwickelte Puppe, die den Winter, der zugleich ein Symbol des Todes ist, darstellen soll. Mit dieser Spatzenscheuche ziehen sie von Haus zu Haus, halten sie an die Fenster und rufen: „Gebt doch dem alten Tod auch etwas." Die Geschenke, die sie erhalten, Holzscheite und altes Gerümpel, schleppen sie auf den Hügel über dem Dorf, und wenn am Osterabend nah und fern die „Posche- feuer" (von „Passah") wie Glühwürmer flimmern, wird die Puppe unter Spott und Hohn der Umstehenden, oft unter Fackeltänzen und Wechselgesängen der Burschen in die Flammen geworfen. Anderwärts wird von Knaben oder Mädchen — je nach dem Geschlecht der Lctztvcr- storbenen — der Winter ins Wasser geworfen oder an einer verborgenen Stelle des WaldeZ vergraben: bald geschieht das M aller Stille, „damit niemand den Tod wieder hole", bald unter lärmenden Scheingefechten, bei
denen man sich mit Frühlingsblumen bewirft und mit Weidenruten schlägt. — Diesen Osterspielen verdanken wahrscheinlich die Totentänze, jene berühmten, mittelalterlichen Gemälde, ihren Ursprung. Um die oft in Rohheiten ausartenden Winteraustreibungen zu ersetzen, führten verkleidete Geistliche zunächst selbst diese Totentänze auf. Sie dachten sich dabei den Tod als Ackersmann oder als Schnitter mit der Sense, der durch den Garten geht und die Blumen bricht; mit Vorliebe stellten sie den Würger dar als musizierenden Mann, der den Menschen ein Gastmahl gibt und der Reihe nach Leute aus allen Ständen und von jedem Alter tanzend entführt. Die Schaustellungen gaben die Anregung zu den bekannten künstlerischen Nachbildungen.
Eines andern Osterspiels hat sich ebenfalls schon früh die Kirche bemächtigt, des Osterreitens, das seit undenklichen Zeiten in Ortschaften Brauch ist, die besonders stolz auf ihre Pferdezucht sind. Diese Flurritte hängen mit dem altgermanischen Aberglauben zusammen, daß die feindlichen Geister der Unterwelt, wenn das Eis bricht, ausziehn, um den Feldbau zu schädigen; darum ritt oder ging einst die Bauernschaft in feierlichem Zuge unter Vorantragung eines Götzenbildes um die Aecker. Später
— in Bayern soll das heute noch der Fall sein — ritten Chorknaben und Geistliche im Festornat, deren Pferde von Jünglingen geführt wurden, an der Spitze, und ihnen folgte kie Gemeinde unter Absingung uralter Weisen. Anderwärts ist aus der Prozession ein fröhliches Wettrennen der jungen Männer geworden. Ihre Gäule sind mit bunten Bändern und kostbaren Schabracken, deren Stickereien das Lamm und andere Ostersymbole darstellen, verziert. Wenn die Reiter zum Schluß singend durch die Straße ziehn, werden ihnen aus den Häusern Eier, Kuchen und Wein gereicht.
Natürlich gibt es eine Menge Osterspiele, denen ein nachweisbarer mythologischer Gedanke nicht zugrunde liegt. Von den zahllosen Eierspielen sei nur eins genannt: Äm Ostersonntag wird eine große Anzahl von Eiern, eins immer in gewisser Entfernung vom andern, auf die Dorfstraße gelegt. Neben dem ersten steht ein Korb. Einer der Spieler hat jedes Ei einzeln in den Korb zurückzulegen, während ein zweiter inzwischen in das nächste Dorf läuft, wo er aus dem Kirchplatz erwartet und mit einem Glas Wein bewirtet wird. Nachdem er ein Kreuz an die Kir'ch- tür gemacht hat, eilt er zurück, und ist bei seiner Ankunft das Eierraffen noch nicht zu Ende, so hat er gewonnen.
— Hierher gehört auch das Kugelschlagen in Thüringen, das Ballschlagen im Harz und andere Spiele mehr, in denen jung und alt am Osternachmittag der Freude über die Wiederkehr der wärmeren Jahreszeit Ausdruck gibt.
Vermischtes.
8 Der drastische Rosegger. Aus Peter Roseggers Tagebuch teilt der Heimgarteu mit: Da will wieder was neues aufkommeu, das recht schlecht in unsere verluderte Zeit paßt. Erhielt ich folgende Depesche aus N.: „Der Musiker Braun- Pühler feiert morgen seinen 45. Geburtstag. Erbitten einen telegraphischen Glückwunsch per Adresse: Braun-Pühler, Hotel Goldener Löwe in N. Retour-Depesche bezahlt." Also da bestellt einer selber ein Glückwunschtelegramm zu seinem Fünfundvierzigsten! Läßt's sich auch was kosten. Ich kenne aber den Musiker Braun-Pühler gar nicht und noch weniger seine Musik. Aber er ivill's nachträglich halt in die Zeitung geben: Unter den begeisterten Gratulanten befand sich auch der und der. Ich bin aber nicht aufgesessen. Es war schon der dritte Fall ähnlichen Ansinnens. Aufgeseffen bin ich natürlich auch das erstemal nicht, übschon damals der Herr Jubilant richtig eine Retonrdepesche erhalten hat.
Dieselbe lautete: „Se san a frecher Kerl!" Diese Antwort gilt auch für alle künftigen Fälle ähnlicher Art und jedem ist freigestellt, sie in die Zeitung zu geben.
Handel und Verkehr.
* Altensteig, 26. April. Bei dem wiederholten städt. Stammholzverkauf vom 25. ds. Mts. wurden im Gesamtdurchschnitt 111 Prozent erlöst. Angebote von 98—115,7 Prozent der neuen Taxpreise.
' Nagold, 24. April. Heu kostet 3.40, 3.50, 3.70 Mk. Nachfrage stark.
* Dornstetten, 24. April. Holz. Bei dem gestrigen Holzverkauf wurden für Klotzholz 117 Proz. und für Langholz 104 Proz. des Revierpreises erzielt.
* Tübinger Fruchtschranne. Dinkel neu 3621 Kilo 16,60 Mk., 16,24 Mk., 16.— Mk., Verkaufssumme 588,40 Mk., 22 Pfg. auf, Haber neu 2249 Kilo, 19.— Mk., 18.90 Mk., 18.60 Mk., Verkaufssumme 425.09 Mk., 58 Pfg. auf, Weizen 339 Kilo, 23.— Mk., 22.69 Mk. 22.40 Mk., Verkaufssumme 76.95 Mk., Gerste 736 Kilo, 20.— Mk„ 19,88 Mk., 19.60 Mk., Verkaufssumme 146.31 Mk., 39 Pfg. auf. Wicken 58 Kilo. 18.— Mk., Verkaufssumme 10,44 Mk.
* Crailsheim, 25. April. Aus dem Schweinemarkt wurden 350 Milch- und 7 Länferschweine angeboten. Da die Nachfrage etwas zurückblieb, haben die Preise nachgegeben. Nur die Läuferschweine wurden rasch um 56—75 Mk. das Paar verkauft, Milchschweine gingen bei 38—50 Mk. pro Paar zurück.
js Stuttgart, 24. April. (Schlachtviehmarkt.) Zugetrieben 15 Ochsen, 7 Bullen, 144 Kalbeln und Kühe, 134 Kälber, 660 Schweine. Verkauft: 12 Ochsen, 4 Bullen, 102 Kalbeln und Kühe, 134 Kälber, 568 Schweine. Unverkauft: 0 Ochsen, 3 Bullen, 22 Kalbeln und Kühe, 0 Kälber, 92 Schweine. — Erlös aus ftg Kilo Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität, s) ausgemästete von 82 bis 84 Pfg., 2. Qualität, b) fleischige und ältere von —
bis — Pfg., Bullen (Farren): 1. Qualität, s.) vollfleischige
von 66 bis 67 Pfg., 2. Qualität, b) ältere und weniger fleischige von 65 bis 66 Pfg., Stiere und Jungrinder:
1. Qualität, l>) ausgemästete von 82 bis 84 Pfg., 2. Qua
lität, b) fleischige von 79 bis 81 Pfg., 3. Qualität, v) geringere von 75 bis 78 Pfg., Kühe: 1. Qualität, ») junge von — bis — Pfg., 2. Qualität, b) ältere gemästete von 58 bis 68 Pfg., 3. Qualität a) geringere von 38 bis 48
Pfg., — Kälber: 1. Qualität, a) beste Saugkälber von 99
bis 102 Pfg., 2. Qualität, b) gute Saugkälber von 93 bis 96 Pfg., 3. Qual, v) geringere Saugkälber von 88—92 Pfg. Schweine: 1. Qual, a) junge fleischige von 62—63 Pfg.
2. Qualität b) schwere fette von 60—61 Pfg., 3. Qual, geringere (Sauen) von 52 bis 54 Pfg. Verlauf des Marktes: mäßig belebt.
Voraussichtliche- Wetter
Am Dienstag, den 28. April: Heiter, sonnig und warm.
Am Mittwoch, den 29. April: Etwas kühler, Neigung zu Niederschlägen.
Am Donnerstag, den 30. April: Veränderlich, Niederschläge nicht ausgeschlossen.
Verantwortlicher Redakteur: Ludwig Lauk, Altensteig.
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