H,

Erscheint Dienstag Donners­tag und SamStag.

Bestellprcis pr. Quartal im Bezirk Nagold

so^,

außerhalb

I .

Ar.

Amtsklatt für

Allgemeine

Man abonniert auswärts auf dieses Blatt bei den Postämtern und Postboten.

Donnerstag dm 16. Aovember

Bekanntmachungen aller Art finden die erfolg­reichste Verbreitung.

Einrück- ungspreiS f. Altensteig und nahe Umgebung bei lmal. Einrückrmg 8^, bei mehrmcl.

je K

auswärts je 8 ^ die Ispalt-Zeile

1893.

Amtliches.

Die Zentralstelle für die Landwirtschaft wird auch in diesem Betriebsjahr inländischen Fischzüchtern die Beschaffung von ange­brüteten Forelleneiern (Bachforellen) und von Aalbrut erleichtern. Bestellungen auf Lieferung von Forelleneiern sind spätestens bis zum 31. Dezember ds. Js. nach Wahl des Bestellers beim Fischer­verein Ulm oder bei den Fischzüchtern im diess. Bezirk, Hart­mann in Pfrondorf, O.A Nagold, oder Kübler in Böfsingen, O.A. Freudenstadt, einzureichen. Näheres siehe St.-Anz. Nr. 267.

Uebertragen wurde die neuerrichtete evangelische Pfarrei Teinach dem Pfarrer Scholl in Zwerenberg; das erledigte Re­vieramt Leutkirch, Forsts Weingarten, dem Forstamtsassistenten Mehger in Neuenbürg.

Versetzt wurde auf das erledigte Umgeldskommissariat Ulm der Umgeldskommissär Staiger in Calw.

Gestorben: Bertha Deyle, geb. Dreiß, Neu-UlmCalw; Perlmutterknopf-Fabrikant Müller, Stuttgart; Stationskomman­dant a. D. Warmer, Urach; Drahtstiftfabrikant Simon, Aalen; Postrat a. D. Krauß, Stuttgart; Privatier Idler, Cannstatt; Privatier Feucht, Tübingen; Professor Dölker, zu Albany (New- york), Nagold.,

D Die Reform der Jnvaliditäts- und Altersversicherung.

Seit Jahren schon ist angeregt und regierungs­seitig versprochen worden, das Gesetz betr. die Jn­validitäts- und Altersversicherung einer Revision zu unterziehen. Sehr viele hierauf bezügliche Petitionen sind schon dem Reichstage zugegangen, die teils in radikaler Weise das ganze dem Gesetze zu Grunde liegende staatssoztalistische Prinzip anfechten und da­her Aufhebung der staatlichen Versicherung fordern, teils nur die Organisation und äußerliche Hand­habung der betr. Gesetze bemängeln und auf Verein­fachung dringen. Die Beschwerden gehen mehr aus landwirtschaftlichen, als aus industriellen Kreisen her­vor, obwohl viele gewerbliche Arbeitgeber bei der un­günstigen Geschäftslage durch die Beitragspflicht ge­drückt sind, während die Handhabung sie sehr belästigt. Das Zentrum und die konservative Partei haben Abänderungsanträge in der vorigen Session des Reichstages eingcbracht.

Die Sozialdemokratie, die vor dem Zustande­kommen des Gesetzes dasselbe bekämpft hat, nimmt es jetzt in Schutz als einen, wenn auch schwachen Ansatz zu Bildungen, die ihren Grundsätzen entsprechen. Petitionen aus Bayern mit einer Viertelmtllion Unterschriften aus Stadt und Land fordern die Auf­

hebung des Gesetzes, indem sie die Frage der Schad­loshaltung der bisher Versicherten offen lasten. Sie weifen darauf hin, daß die größte Not die der Witwen und Waisen sei, und daß zu ihrer Hebung nichts ge­schehen sei und nach amtlichen Erklärungen in abseh­barer Zeit auch nichts geschehen werde. Die viel weniger dringliche, überdies unpraktisch gelöste Auf­gabe der Jnvaliditäts- und Altersversicherung müsse zurücktreten, weil sie der Lösung jener im Wege stehe. Dieser schwerlich aussichtsvollen Tendenz steht in der Wirkung ziemlich nahe die von konservativer Seite aufgestellte Forderung, daß die Jnvaliditätsverstcher- ung in ihrem ganzen Ausbau umgestaltet und auf die Grundlage der Berufsgenossenschaften gestellt werde. Dieser Versuch würde auf die Beseitigung der Ver­sicherung hinauslaufen, denn bei der Organisation ist von den Berufsgenoffenschaften wegen der Kost­spieligkeit Abstand genommen worden und schon wird darauf gedrungen, zur Verminderung der Verwaltungs­kosten und der Ehrenämter-Lasten die Unfallversicherung zu übertragen. Bei der Unfallversicherung betragen die Verwaltungskosten etwa 30 Prozent der Ent­schädigungsbeträge, wobei die Ehrenämter (an 12000 Personen), die Mitwirkung der Gemeinde- und Pass­behörden außer acht gelassen sind.

Von konservativer Seite ist auch die Einheits­rente vorgeschlagen, die Aufhebung der verschiedenen Renten nach Lohnklassen. Die Einheitsstufe könnte natürlich nicht nach oben, sondern nur nach unten normiert werden, aber in diesem Falle würde die Entschädigung vieler Personen bedeutend herabgedrückt werden, was berechtigte Unzufriedenheit hervorriefe, während im anderen Falle eine ungerechtfertigte, nur zu neuen Ansprüchen führende Verbesserung eintreten würde.

Das Zentrum will den Kreis der Versicherungs- Pflicht verengert wissen aus die zuerst 1884 gezogene Grenze, so daß nur die Großindustrie, die Bergwerke eingeschlossen, unter den Zwang sielen. Anscheinend ist auf konservativer Seite große Neigung vorhanden, dieser Tendenz im Sinne der Befreiung der Land­wirtschaft zuzustimmen.

Die meisten Beschwerden wenden sich gegen das Markensystem, das Kleben. Viele landwirtschaftliche Vereine haben dagegen Petitionen gerichtet, in denen

namentlich geltend gemacht ist, daß der ländliche Arbeitgeber mehr als ein städtischer belästigt sei, daß Versäumnisse des Arbeitgebers mit Strafe bedroht sind, Zuwiderhandlungen des Arbeiters nicht; daß ländliche Arbeiter sehr schwer für 47 Beitragswochen Beschäftigung finden, daß die mit den Eltern arbeiten- ten Kinder von der Versicherung ausgeschlossen sind u. s. w.

Was an die Stelle des Markensystems treten soll, ist unklar. Dem Vorschläge, den Gemeinden die Einziehung der Beiträge aufzutragen, steht die Beschwerde der Gemeindebehörden entgegen, daß sie schon jetzt durch die Ausstellung und den Umtausch der Quittungskarten, die Begutachtung von Anträgen, die Schlichtung und Entscheidung von Streitfällen übermäßig in Anspruch genommmen seien.

Ganz entgegengesetzt find in bezug auf die Ver­sicherung die Strömungen in England und Frankreich. Seit einer Reihe von Jahren hat das englische Unter­haus mit der Unfallentschädigung sich beschäftigt und nur gelegentlich den Bersicherungsgedanken gestreift. Man wird dort über die Erleichterung der Bildung von Plivatkassen und die Schaffung von Bürgschaften für die Sicherheit derselben nicht hinausgehrn. In Frankreich dagegen hat sich der Radikalismus vor­gedrängt und fordert für alle invaliden und alle auf eine Arbeitszeit von 50 Jahren zurückblickende Ar­beiter eine auskömmliche Rente vom Staate. Auf Beiträge von Arbeitgebern und Arbeitern soll nicht reflektiert werden, der stolze Satz: Frankreich kann den erforderlichen Fonds aufbringen, hat großen An­klang gefunden. Aber zwischen Wort und That ist ein großer Raum.

La»des»achrichk».

* Dem Vernehmen nach find von dem Kaiser aus Anlaß der Jagden im Schön buch zahlreiche Aus­zeichnungen und Geschenke au das Forst- und Jazd- personal verliehen worden. So erhielt Hr. Forstmeister Hopfengärtner in Wildberg den Kronen­orden 3. Klaffe.

* Die Stadtgemeinde Dornstetten ist Heuer in der angenehmen Lage, neben Holz und Allmandländer jedem Bürger eine Gabe von 100 Mk. überreichen zu können. Mit dem baren Geld werden auch die

Kr ist der Kröe!

Roman von L. Haidheini.

(Fortsetzung.)

Unsinn," sagte der alte Preuß,es ist sein Vet­ter, der k nnt mich !" Dann aber, als sein Begleiter mahnte:Herr Jesus, die Gerichte! Die stecken uns gleich ein!" schien der Grund den Alten völlig zu überzeugen.

Wie gejagt flog der Alte davon; der jüngere Mann vermochte kaum, ihm zu folgen.

Du sagst kein Wort! Wir haben nichts gesehen und gehört!" raunte Preuß ihm im Laufen zu.

Draußen am Waldrande duckten sie sich in den trockenen Graben und liefen weiter.

Wir sagen kein Wort! Keiner Seele! Hörst du? Das Gericht weiß, ich bin ihm feind, wegen Willy, du hast auch Streit mit ihm gehabt. Wir kommen ins Elend, wenn sie Verdacht auf uns fassen!" stieß der Alte, atemlos innehaltend, hervor.

Siehst du! Das war mein erster Gedanke!" stimmte der andere zu und sie kamen überein, daß sie nichts mit der Geschichte zu thun haben wollten, waren aber in großer Angst.

Als sie sich ein wenig erholt halten, hörten sie drinnen im Holz ein lautes:Hilfe! Hilfe!" und wieder das Pfeifen.

Das ist der Fritz. Komm weg, komm weg. Wir können ihm nicht helfen und uns nur schaden," mahnte der Alte. >Unser Willy ist schlimm genug dran, weil er Streit mit Harterott gehabt hat." Und

die beidm liefen in dem Graben weiter, eine große Strecke.

Dann trennten sie sich, indem sie sich in die Hand gelobten, keinem Menschen ein Wort davon zu verraten, daß sie beinahe zugegen waren, als Gottes Strafe Harterott erreichtewenn er tot ist!" setzte zweifelnd der Alte hinzu.

Hilfe! Hilfe!" klang es über das Brachfeld. Der Schäfer und sein Junge wurden aufmerksam; sie sahen einen Mewchen, einen Jäger am Walde stehen und winken, indem er wiederHilfe, Hilft!" schrie.

Was konnte da sein ? Der Mann rief und war doch ganz sicher gesund. Der Schäfer schickte seinen Jungen hin als aber der Jäger sah, es kam nur einer, winkte er wieder und schrie:Schäfer, Schäfer, kommt!"

So entschloß sich derselbe dann auch langsam und ging erst schneller, als der Junge ihm zurief, es läge da einer erschossen.

Endlich hatte Fritz Lörrach die Menschen zur Stelle.

Er war ganz stumpf und verstört vor furcht­barem Schrecken. Sein Weg hatte ihn unmittelbar aus die am Boden liegende Leiche geführt.

Aber ist er denn tot? Es kann ja nicht sein! Wie ist es denn zugegangen s" rief er außer sich.

Aber Hans Harterott lag stumm und starr. Zuerst konnte, auch Fritz gar keine Wunde finden. Kaum ein paar Tropfen Blut zeigten sich an den Händen des Toten.

Fritz und die herangekommenen Männer unter­suchten das Terrain. Es war schon tief dämmerig im Holze keiner von ihnen beachtete die Spuren des alten Preuß und seines Begleiters. Aber nach allem, was sie noch sehen konnten, kamen sie überein, Harterott war hingestürzt und das Gewehr hatte sich im Fallen entladen.

Der Schäferjunge brachte eine Leiter aus dem Schafstalle und noch einen Knecht, der ihm zufällig begegnet war.

Immer wieder legte Lörrach sein Ohr auf die Brust des Verunglückten. Alles still! Dennoch konnte er an die furchtbare Thatsache nicht glauben.

Sie trugen den Toten nach Warmenau. Das ganze Dorf war schon auf den Beinen. Der Baron kam ihnen vor demselben bereits entgegen.

Er begriff die wortlose Erschütterung seines jun­gen Freundes und fragte nicht weiter. Ihm, dem Jäger, war Lörrachs Ansicht von dem Hergang sehr klar.

Dann mahnte er zuerst laut an die Frau die arme Ella! Großer Gott, ihr diese Nachricht zu bringen, welche Aufgabe! Er sah Lörrachs Erbleichen und Zurückschreckeii.

Wir wollen den Pastor von Gasberg schicken," riet er.Wenn Sie dann später mit der Leiche kom­men, weiß sie alles."

Lörrach nickte düster. Er saß neben dem Toten und faßte immer von neuem die schon kalten Hände.

Ein unaussprechlicher Kummer überkam ihn. Er bereute die Regungen der letzten Zeit bitter, wußte