Samstag den 14 Dezember 1940
Der EnzILler
88. Jahrgang Nr. 294
oKe
vom 7. bis 14. Dezember 1849.
7. Dezember:
London, Por-smouth und Bristol wurd-N, wie der ' Wehrmachtsbericht meldet, wiederum mit Bomben belegt.
Der italienische Wehrmachtsbericht meldet Fortsetzung des griechischen Druckes aus dem linken Fliigel der albanischen Front. -
Nach einer Bekanntmachung nach amtlichen Unterlagen, wurden im Monat November durch die deutsche Luftwaffe 0,7ö Millionen Kilo Sprengbomben aus Großbritannien abgeworsen, während die britische Luftwaffe nur 430 000 Kilo aus das Reichsgebiet abgeworfen hat.
8. Dezember:
Die Bersenkung von wieder sechs feindlichen Handelsschiffen kann der Wehrmachtsoencht melden.
Griechische Angriffe wurden m Albanien von den Italienern abgeschlagen, jo meldet der italienische Wchrmachtsbericht.
9. Dezember:
Als Bergeltung für die Luftangriffe aus westdeutsche Städte führte, wie der Heeresbericht bekannlgibt. die deutsche Luftwaffe in der 'Rächt zum 9 Dezember einen Großangriff aus London mit sehr starken Kräften Und in rollendem Einsatz bis zum Morgen durch.
Der italienische Wehrmachisberichi meldet weiterhin heftige Kämpfe an der griechischen Front sowie die Zurücknahme der 11. Armee aus neue Stellungen.
Der ( 5 --)rer hat verfugt, duz de- ^,nu ^an-^a-z der NSDAP fortan die Bezeichnung „Gau Westmark" führt.
Der japanische Außenminister erklärt, daß, falls die Bereinigten Staaten gegen Deutschland in den Krieg eintreten würden, Japan den USA sofort den Krieg erklären würde.
10. Dezember:
In der Montagehalle eines Rüstungsbetriebs tn Berlin spricht der Führer zu den deutschen Arbeitern. Er betont erneut das Lebensrecht des deutschen Bolkes, die Gegensätzlichkeit der beiden Welten des Goldes und der Arbeit und dankt der herrlichen deutschen Wehrmacht, den Rüstungsarbeitern, den Frauen und dem ganzen Volk.
Ein Kriegsschiff in Uebersee meldet 100 000 BRT versenkten Schiffsraum, wie aus dem Wehrmachtsbe- licht zu ersehen ist.
Der italienische Wehrmachtsbericht meldet Abwehr eines englischen Vorstoßes in Ostafrika, der unter Mistbrauch der italienischen Flagge unternommen worden war.
11. Dezember:
Rege Tätigkeit der Fernkampfbatterien gegen feindliche Schiffe im Kanal und militärische Ziele im Küstengebiet von Dover meldet der Wchrmachtsbericht In Südwestdeutschland trafen britische Bomben ein Kinderheim.
Der italienische Wehrmachtsbericht meldet erbitterte Kämpfe in Nordafrika, wo englische Panzerdivisionen Ke Stellungen bei Sidi Barani angriffen.
Staatssekretär Reinhardt vom Reichsfinammini-
Iterrum gibt erne Verordnung bekannt, die durch weitgehende steuerliche und andere Vergünstigungen die Besiedlung der neu eingegliederten Ostgebiete fördern soll
Die Sachwalter der deutschen Rüstungsindustrie werden vom Führer empfangen, der ihnen nach einem Bericht des Reichsministers Dr. Todt seinen Dank aus spricht.
Der Lloyddampfer „Helgoland", der seit Kriegsausbruch in einem ko'umbianischen Hafen qeleaen hatte, ist nach Durchbruch der mehrfachen britischen Sperrlinien rn einem deutschen Hafen angekommen.
12 Dezember:
Der Wehrmachtsbericht meldet in der Hauptsache Angriffe auf Schiffsziele, wobei fünf Handelsschiffe versenkt und mehrere schwer beschädigt wurden.
Weitere erbitterte Kämpfe, und zwar westlich von Sidi Barani. meldet der italienische Wehrmachtsbericht
In der Nacht zum 12 Dezember wurde das wichtig« Rüstungszentrum Birmingham erneut im Eroßangrist mit starker Wirkung bombardiert.
In Belgrad wird ein Freundschaftsvertrag zwischen Ungarn und Jugoslawien unterzeichnet
13 Dezember:
Nach Birmingham, Coventry, Southampton und anderen wichtigen britischen Rllstungszentren kam jetzt die bedeutende Stadt Sheffield an die Reihe, wo nach dem Wchrmachtsbericht die schwerindustriellen Anlagen in rollendem -Einsatz angegriffen wurden.
Fortsetzung der heftigen Kämpfe an der Cyrenaika- Grenze sowie ununterbrochenen Fliegereinsatz trotz Sandstürmen meldet der italienische Wehrmachtsbericht.
Der iiaüenifche Wehrmachisberichi
heftige Kämpfe im Wüstengebiet. — Fliegerangriffe im Landsturm.
Asm, 13. Dez. Der italienische Wchrmachtsbericht vom AreUag. hat folgenden Wortlaut:
„Las l,avprq--artier der Wehrmacht gibt bekannt: An der Lyreno ko Grenze iw Gebiet vom Sollum und Sidi Barani iowic im südöstlichen Küstengebiet wurden die heftig«.,, kann je zw'chen unseren Truppen, die sich mit großer Tapferkeit schlagen. und den feindlichen Panzerko lannen fortgesetzt.
Unsere 3agd- und Bonibrnttafjeln sind trotz heftiger Landstürme ununterbrochen von Togcsgraucn bis Sonnen- Untergang in der ^uft gewesen und haben feindliche Einheiten mit Bomber belegt und dabei Brande ousgelöst. Die Gesamtzahl der am 9. Dezember abgeschojsenen feindlichen Flugzeug» hol sich aus iS erhöht. Am gleichen Tage sind 12 eigene Flugzeuge nicht zurückgekrhr!
3n Ostosrika Patronilientätrakett an der Sudangrenze mit Unterstützung unserer tustmafse, dir den feindlichen motorisierten Abteilungen Vcririste beidrachte. Ein feindliches Flugzeug wurde brennend abgeschossen.
An der griechischen Fron» keine besonderen Ereignisse. kleine Angriffe lokalen Ehorakkers wurden abge- schrägen.
Japanische Bombenangriffe in Südchina.
Tokio, 13. Dez. Nach Berichten der Marineleitung aus Südchna führten japanische Bomber in einem Langftrek- kenflug von einer ungenannten Basis einen Angriff aus den Flugplatz Shandyuan in der Provinz Nunnan durch 22 Flugzeuge wurden aus dem Boden durch MG-Feuer zerstört. Ein zweites Geschwader bombardierte und beschädigte eine weitere Brücke der Burmastraste.
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Zur 1 Reichsstratzenlauiinlung
Für das Kriegs,viinerüilsswerk werden am 14 und lS. Dezember durch HZ und BTM I5 verschiedene bunie Holz- abzeichen verkauft, die Kasperlesiguren darsiellen
Weltbild ASB, «M>.
Tagesbefehl des Rerchsjugendführers
Ium WtzW-Lin'atz der HI.
DNB. Berlin, 13 Dez. Nach gründlichen Vorbereitungen steht die Hitlerjugend für ihren grasten Einsatz zum Kriegs-Winterhilfswerk bereit. Zum Auftakt dieses Millio- nen-Eiw'atzes der Jugend ersieh Reichsjugendführer Artur Axmann folgenden Tagesbeiehl:
„Kameraden und Kameradinnen! Am 14. und lö. Dezember tritt die Hitlerjugend zum Kriegs-Winterhilfswerk 1940-41 an Von Jahr zu Jahr haben die Erfolge des großen Gemein'chaftswerkes der Winterhilfe eine Steigerung erfahren. Sie sind der überwugendste Ausdruck der Haltung und Stimmung unseres Volkes. Wo es aber um eien sozialistischen Einsatz geht, da dort sich die Jugend nicht beschämen lassen. H:er must sie das beste Beispiel geben. Dorum richte ich an Euch den Appell, gemeinsam mit den. Jungen und Mädeln der neuen Gebiete des Ostens, der >ac, und ors Overrhein» tur das Winterhülswerk einzuslehen. Auch darin zeigt Ihr Euer Talbekenntnis zum Grostdeutschen Reich und beweist Ihr vor allem der Welt, daß der Führer auch in der Heimat über eine Armee verfügt. wie sie der Feind nicht kennt."
Militarisierung von Privatunternehmen in Rumänien.
Durch ein Dekret wird die Möglichkeit gegeben, jede- Staatsinstitut und Prioatunternehmen in Rumänien zu militarisieren wenn die höheren Staatsinteressen es verlangen. Solange die Militarisierung andauert, hat das gesamte Personal des Betriebes außer der üblichen Kleidung am linken Arm eine 10 cm breite khakifarbene Armbinde mit den Anfangsbuchstaben und dem Zeichen des betreffenden Betriebes zu tragen. Die militärischen Betriebe stehen unter der Kontrolle des grasten Generalstabes. Die Ordnuno, Disziplin und Bewachung des militärischen Betriebes kann notfalls durch einen Militärkommandanten und die erforderliche Woche sicheraesiellt werden.
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Der Untersuchungsrichter hat Mühe, seine Erregung über vieses unerwartete Geständnis zu verbergen. Er überlegt vergebens, welcher raffinierte Trick hinter dieser plötzlichen Offenheit stecken könne. Dann sagt er:
„Sehr erfreulich, Vian, daß Sie nun endlich die Wahrheit sagen. Natürlich ist uns das alles bekannt. Sie haben nach der Ermordung Ballarins seinen Körper in den Gummivorhang gewickelt und dann in Ihren Schrankkoffer gepackt, sind noch am selben Abend abgereist... nach Paris. Am nächsten Morgen wurde Ihr Koffer mit der Leiche vom Reisebüro abgeholt und Per Bahn nach Venedig geschickt."
„Und wenn Sie Ihre Beschuldigung noch tausendmal wiederholen, Herr Doktor...ich habe Baüarin weder ermordet noch in meinen Koffer gepackt."
„Sie haben doch soeben gesagt, daß Sie selbst den Körper von Ihrem Balkon ins Master befördert hätten. Wie sind Sie dann also zu diesem Körper gekommen?"
„Als ich meinen Koffer öffnete, fand ich zu meinem größten und Peinlichen Erstaunen einen in Gummistoff verpackten Körper darin."
Dr. Mazza bleibt für einige Augenblicke sprachlos. Dann aber bricht er in schallendes Gelächter aus. Er lacht so herzlich, daß ihm die Tränen über die Wangen rinnen. Endlich, nachdem er sich ein wenig erholt hat, sagt er, noch immer mit seiner Heiterkeit kämpfend:
„Mein lieber, guter Vian, daß ist doch ein bißchen zu dumm gelogen! Ich habe zwar schon oft erlebt, daß ein Dieb behauptet, den gestohlenen, Gegenstand gefunden zu haben. Daß aber ein Mörder behauptet, die Leiche seines Opfers gefunden zu haben — nein, das ist mir in meiner Praxis wirklich noch nicht vorgekommenl Nein, mein Guter, das ist absurd!"
„Noch absurder fände ich es, Herr Doktor, wenn ein Mörder den Körper seines Opfers an sich selbst schicken ließe und ihn am Zoll persönlich in Empfang nehmen würde."
„Die Praxis hat erwiesen, -atz das sehr schlau von Ihnen War."
„Aber Herr Doktor, es ist doch ein reiner Zufall, daß man meinen Koffer beim Zoll nicht geöffnet hat! Stellen Sie sich meine Lage vor, wenn man es getan hätte!" l ..Sie haben es offenbar auf geschickte Art zu verhindern ! gewußt."
„Ich habe nur erklärt, ich hätte nichts Zollpflichtiges in meinem Koffer. Wie konnte ich darauf rechnen, daß man es mir glauben würde?"
Dr. Mazza schaltet einen kleinen Scherz ein: „Sie haben den Beamten nicht einmal belogen. Ich glaube wenigstens nicht, daß Leichname von Ermordeten aus der Liste der zollpflichtigen Gegenstände angeführt sind."
Der Scherz kann Gino kein Lächeln entlockest.
Der Untersuchungsrichter fährt fort: „Aber etwas bleibt mir unbegreiflich, Vian — falls ich Ihrer Behauptung einmal Glauben schenken wollte: Weshalb haben Sie schon vor Ankunft des Koffers die wichtigste Vorbereitung zur Beiseiteschaffung der Leiche getroffen?"
„Ich habe vorher kei'nerlei Vorbereitungen getroffen, da ich ja nicht ahnen konnte, daß ich in meinem Koffer eine Leiche finden würde."
„Aber, mein Guter, Sie sind ja bald nach Ihrer Ankunft In Venedig, und bevor der Koffer a'nkam, zu Wohnungsagenten gelaufen un.d haben gebeten, Ihnen eine Wohnung zu verschaffen, deren Fenster nach einem Kanal hinausgehen-."
„Das stimmt. Es war mein Wunsch, an einem Kanal zu wohnen, weil..." — Gino wird ein wenig verlegen — „...weil ich das besonders...romantisch fand."
Wieder lacht Dr. Mazza herzlich. Dann reicht er Gino zum drittenmal sein Etui hin und sagt: „Also dann stecken Sie sich noch eine an, junger Romantiker!"
Gino lehnt diesmal die angebotene Zigarette ab. Er hat Mühe, seinen Aerger über den schleimigen Spott des Untersuchungsrichters zu verbergen. Seine Nerven geben schon langsam nach.
Dr. Mazza hält es für gut, seinen Ton zu wechseln: „Vian, wir wollen doch vernünftig bleiben", mahnt er väter- ! lich. „Sie können mir doch nicht ernstlich zumutcn, Ihre Be- ! Häuptling von der im Koffer gefundenen Leiche zu glauben. Ich gebe zu, es kommen im Leben die wunderlichste» Dinge vor. Aber wenn einem Menschen wirklich so etwas Unerhörtes passierte, so würde cs doch nur eine Reaktion darauf geben..."
„Sie meinen, ich hätte die Polizei benachrichtigen muffen?"
„Ich meine: Sie hätten das bestimmt und sofort getan,
wenn Sie unschuldig gewesen wären."
„Und wie hätte ich meine Unschuld beweisen sollen? Niemand hätte mir geglaubt, daß ich nicht einmal wußte, ob es der Körper eines Mannes oder einer Frau war..."
„Schon die bloße Tatsache einer Benachrichtigung der Pos lizei hätte Sie entlastet", unterbricht Dr. Mazza.
„Das glauben Sie doch wohl selbst nicht, Herr Doktor! Im Gegenteil: man hätte mich für einen besonders rafft« nierten und frechen Verbrecher gehalten. — Aber es war gar nicht einmal die Angst, unschuldig verurteilt zu werden, di« für meine Handlungsweise den Ausschlag gab."
„Was dann also?"
„Es war eine maßlose Erbitterung, ein wütendes Auflehnen gegen das Schicksal, das mich immer und immer wieder hindern wollte, meinen seit Jahren gehegten Plan in die Wirklichkeit umzusetzen. Schon seit meiner Kindheit war eS mein Traum. Venedig zu sehen — in Venedig zu wohnen —< in Venedig zu malen... Immer wieder mußte ich die Aus« führung dieses Plans verschieben... wegen häuslicher Ver« hältnisse und Verpflichtungen. Endlich, als ich dreißig Jahr« alt war, hatte ich alle mich bisher hindernden Verpflichtungen erfüllt — hatte mir genug gespart, um hier eine ganze Weil« lang ruhig" leben und arbeiten zu können. Ich reiste ab.., über England... kam nach London... und kurz vor dem Ziel meiner Wünsche wurde mir mein sauer erspartes Geld ge» stöhlen. Ich hatte das unwahrscheinliche Glück, mehr als ich verloren hatte wiederzugewinnen. Ich komme also endlich in Venedig an, in der Stadt meiner Träume...Ich miete eine Wohnung ganz nach meinem Geschmack... hole meine» Koffer von der Bahn und finde darin — eine Leiche! — Natürlich warMincin erster Gedanke, die Polizei zu benachrichtigen. Dann aber sagte ich mir: Das also soll der Beginn meines so lange ersehnten Aufenthalts in Venedig sein! An« statt umherzustreifen, zu bewundern, zu genießen, zu male«, soll ich mich erst einmal einsperren lassen! Vielleicht wochenlange Haft... Verhöre... im besten Falle ewige Vernehmungen als Zeuge.. vielleicht aber auch eine Anklage gegen mich. Nein, Herr Doktor, ich war nicht gewillt, mir das gefallen zu kaffen! Ich hatte genug Mühen und Quälereien hinter mir! Ich hatte keine Lust, mich zum Spiclball eines kapriziösen und boshaften Schicksals herzugeben! Was geht mich diese widerliche Sache an? — so habe ich mich gefragt. Weg mit diesem verdammten fremden Kadaver! Niemand kann mir zumuten, mich mit diesem eklen Bündel zu befassen! Hinaus damit! Verstehen Sie mich, Herr Doktor? Hinaus damit! Zum Teufel damit!" (Fortsetzung folgt.;