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Amtsblatt für den OberamtsbezirkNeuenbürg

M.45

Dienstag den 24. Februar 1931

89. Jahrgang

Mrbclsturm

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Rom, 2:;. Febr. Seit 48 Stunden wütet über dem west­lichen Teil Siziliens ein orkanartiges Unwetter von bisher nie erlebter (Gewalt. Ter Regen ging wie in Wasserfällen über Palermo nieder, wo das Wasser in den Straßen teil­weise bis zwei Meter Höhe erreichte. Bisher sind fünf Tote in der Stadt geborgen Warden. Zwanzig Boote gingen zu Grunde. In der Stadt ist

jeder Verkehr lahmgelegt.

Weder Straßenbahn noch Automobile kommen in den stark verwüsteten Straßen vorwärts. Palermo bietet einen schreck­lichen Anblick. Alle Läden sind geschloffen. Die Straßen find wegen der Beschädigung der Lichtleitung in vollkomme­nes Dunkel gehüllt, und der Regen, vom Sturm gepeitscht, schlägt donnernd gegen die Häuserfronten. Die Angestellten in den Geschäften sind seit zwei Tagen gezwungen, in den Läden zu übernachten, da cs unmöglich ist, auf die Straßen zu treten. In den niedriger gelegenen Stadtteilen strömt das Wasser alles, was nicht niet- und nagelfest ist, aus den -Häu­sern. To sah man Gemüse, Käseformen, Fleisch, Makkaroni, Obst und so weiter in den Wellen des Corsa Vittoria dahin- schwimmen und sich ins Meer ergießen. In verschiedenen Stadtteilen sind außerdem die Wasserrohre gebrochen, sodaß

die Bevölkerung ohne Trinkwasser

ist. Das Unglück wurde noch dadurch gesteigert, daß der Fluß Nigano, der in künstlichem Bett um Palermo herumge- leitet ist, aus seinen Ufern brach und die schon durch den Wolkenbruch mitgenommene Stadt überschwemmte.

Das Unwetter hat in Sizilien fast alle Eisenbahnverbin­dungen unterbrachen. Auch vom Lande werden zahlreiche Tote gemeldet, doch läßt sich das Unglück dort noch nicht überblicken. Ausgeschickte Flugzeuge, die ein Bild von der Lage geben sollten, mußten wegen Sturmes unverrichteter

Vas Militärbündnis mit Frankreich

Paris, 23. Febr. DieRepubligne", das Organ der Ra­dikal-Sozialen, will wissen, daß ani 12. Februar in Paris Delegierte des Stahlhelms und der Nationalsozialisten mit französischen Rcchtspolitikern Verhandlungen über ein deutsch-französisches Militärbündnis gepflogen haben. Die Unterhändler seien dabei von dem Gesichtspunkt ausgcgangen, Europa sei durch den russische» Fünfjahresplan und den Bol­schewismus im allgemeinen bedroht. Dieser gemeinsamen Gefahr gegenüber müßten Frankreich und Deutschland eine gemeinsame Verteidigung organisieren.Republigne" zufolge sind die Vorschläge auf die Bildung einer gemeinsamen Ar­mee hinausgelaufen, die aus 500000 französischen und 300 OM deutschen Soldaten bestehen soll. Das Oberkommando würde den Franzosen zufallen, während für die Deutschen even­tuell der Posten des Generalstablliefs in Frage käme. Die Republigne" glaubt, daß die Franzosen für ihre zahlen­mäßige llebcrlegenheit Konzessionen in der polnischen Korri­dorfrage machen würden. Die Besprechungen sollen am kom­menden Freitag fortgesetzt werden.

Von deutscher Seite ist die Meldung mit allergrößtem Vorbehalt aufzunehmen. Schon vor einigen Monaten mach­ten ähnliche Besprechungen des Generals von der Lippe vvn sich reden, gerieten dann aber vollkommen in Vergessenheit.

Keine MiMöroerhandlungen

. Berlin, 23. Febr. Zu den Behauptungen der radikal- wzinlistischen ZeitungLa Republigne" über angebliche Ver­handlungen zwischen französischen und deutschen Rcclstskrei- mn in Paris mit denk Ziele der Herstellung einer deutsch­französischen Einheitsfront gegen Sowjetrußlnnd. über die die ZeitungAmi du Peuple" bereits vor einigen Tagen An­deutungen gebracht hatte und an denen auch angeblich amt­liche deutsche Persönlichkeiten teilgenommen haben sollen, wird von zuständiger Stelle in Berlin mitgeteilt, daß es sich bei diesen Verhandlungen, wie schon häufig vorher, lediglich um eine Fühlungnahme deutscher Industrieller mit französi­schen Industriellen gehandelt habe. Amtliche Persönlichkeiten hatten an diesen Besprechungen nicht teilgenommen. Im üb- Ngen hätten sich, nach den von amtlicher Seite eingezogenen Erkundigungen unter den deutschen Persönlichkeiten, die in Paris geweilt hätten, nicht nur Leute befunden, die Politisch rechts ständen, sondern auch Persönlichkeiten der Mitte.

Eine Erklärung Hitlers

i- dlünchrn. 23. Febr. Von der Kauzlei Adolf Hitlers wird v^Astellt:Die Meldung aus Paris, die von einer Reihe Blätter gebracht wurde, ein nationalsozialistischer - »geordneter und ein mir nahestehender Großindustrieller satten m Paris im Sinne eines deutsch-französischen Militär- uveremkommens verhandelt, ist frei erfunden. Weder ein

über Sizilien

Sache umkehren. Auch im Hafen von Messina und ebenso in Catania hat das Unwetter großen Schaden angcrichtct. In Catania sprang das Meer über die Safenkais und überflutete die ebener gelegenen Stadtteile. In Messina mutzten die Dampfer außerhalb des Hafens Zuflucht suchen, wobei ein Kohlcndampfer und ein französischer Paffagierdampfer stran­deten. Ebenso hat der Orkan in Neapel zahlreiche Stadtteile mitgenommen. In dem Vorort Postlip brachten die Regen- Massen einen Erdhügel zum Wandern, der einige Häuser ver­schüttete, was, wie bisher festgrstellt werden konnte, fünf Todesopfer forderte.

Gleichzeitig werden aus Norditalicn Schneciälle von un­gewöhnlichem Umfange gemeldet. In Cortina d'AmPezzo fie­len über zwei Mieter Schnee, sodaß jeder Verkehr mit Bozen unterbunden ist. In der Gegend von Domodoffola hat eine niedergehende Schneclawinc sechs Arbcietr verschüttet, die noch nicht wieder gefunden wurden.

Orkan an der südfranzösifchen Küste

Paris, 23. Febr. An der südfranzösischcii Küste wütet seit 2-1 Stunden ein Orkan, der in der Schiffahrt zu unge­wöhnlichen Verzögerungen Anlaß gegeben hat. Die meisten Dampfer, die am Sonntag erwartet wurden, sind entweder noch nicht eingetroffen oder sie mußten auf der Höhe von Marseille Anker werfen, da sich die Einfahrt in Leu Hasen als unmöglich erwies. Lediglich einem deutschen und einem englischen Dampfer ist es gelungen, mit Hilfe einiger Schlep­per den Hasen zu erreichen. Die Radiostntion von Mar­seille hat einen Funkspruch aufgefangcn, wonach sich ein süd­slawisches Schiff in der Nähe von Malta in größten Schwie­rigkeiten befindet. Der Verkehr auf dem Flugplatz von Mar­seille war unterbunden. Nur ein einziges Flugzeug, das den Dienst TangerCasablanca versieht, startete ani Sonntag abend. Im Stadtiimeru von Marseille richtete der Sturm ebenfalls großen Schaden an. Ein Objähriger Arbeiter wurde von einem hcrabfallendeif Dachziegel erschlagen.

nationalsozialistischer Abgeordneter, noch ein sonstiger Beauf­tragter der N.S.D.A.P., noch meine Person haben in Paris in irgendeinem Sinne verhandelt. Desgleichen ist mir von derartigen Verhandlungen eines mir angeblich nahestehenden Großindustriellen nichts bekannt. gez.: Adolf Hitler."

Eine Berichtigung des Stahlhelms

Berlin, 23. Febr. Das Bundesamt des Stahlhelms teilt mit: Ein Teil der französischen Presse und der deutschen Presse berichtet, daß in Paris Abordnungen deutscher Rechts­parteien, darunter des Stahlhelms, weilen, um mit den fran­zösischen Rechtskreiscn über die näheren Bedingungen einer Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich nach der Regiernngsübernahme durch die Rechte in Deutschland zu verhandeln. Für den Stahlhelm erklärt dessen Bnndesleitung diese Meldung als unrichtig.

..AuMüftsraessitzimg eines Mftrmgs- Ksrrzeerrs"

London, 23. Febr. Der bekannte General Jan Hamtlton hat in einer Tagung der britischen Legion erklärt, er be­zweifle, ob der Pazifismus überhaupt viele Fortschritte er­ziele. Es scheine vielmehr, daß die Abrüstungskonferenz in Genfeine Aussichtsratssitzung eines Rüstungskonzcrns" wer­den dürfte. Europa könne so nicht ewig weiter machen. Bald werde man mit vielem aufräumen. Darunter auch mit den Kriegsschulden und Reparationen. Große Ereignisse berei­ten sich vor, erklärte Hamilton, und keine Regierung der Welt kann sie anfhaltcn.

Deutsche WirtschMSdelegation in RuMand

Moskau, 23. Febr. Die Rußlandreise einer deutschen In­dustrie-Delegation, in der die größten Firmen des Maschinen­baues, der Elektro- und Stahlindustrie durch leitende Per­sönlichkeiten vertreten sind, wird von der Moskauer Presse als bemerkenswertes Ereignis für die wirtschaftliche Zusam­menarbeit zwischen Deutschland und der Sowjetunion beson­ders hervorgehoben. Bei den früheren Reisen von Industrie- Delegationen aus England und Amerika handelte es sich um die Vorführung und Prüfung geschäftlicher Möglichkeiten, die sich für die ausländische Industrie bei dem geplanten Ausbau der Industrie in Rußland ergeben. Eine derartige rein in­formative Studienreise scheint bei den relativ engeren wirt­schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland kaum nötig.

Aachen, 23 . Febr. Der R a> >»,nn-pzäsident von Aachen oer- öfffvillcht einen A»vuf für d- tz em-blutienen der Opfer der Gruben Katastrophe von Elwweil r E ' t um Beiträge auf die Kreis­sparkasse Aachen, Konw 600n,

Aus dem Reichstag

Berlin, 23. Febr. Der Reichstag begann mit einer Traucrkundgebung für die Opfer der GrubeEschweiler Re­serve". Ei» kommunistischer Hilfeantrag wurde der Aus- schußbcratung überwiesen. In allen drei Lesungen verabschie­det wurden eine Novelle zum Gesetz über die Rentcnbank- kreditanstalt und ein Gesetz über den Uebergang mecklenbur­gischer Wasserstraßen und des Krafsohl-Kanals auf das Reich. An den auswärtigen und den sozialpolitischen Ausschuß ging ein Vertrag mit Oesterreich über Sozialversicherung, an den handelspolitischen Ausschuß der Zusatz zum Handelsvertrag mit Frankreich, an den sozialpolitischen Ausschuß der Ent­wurf über den Ausbau der Angestelltenversicherung. Die dann begonnene zweite Beratung des Ernährnngsetats wird mor­gen fortgesetzt.

Die Reichsregierung verlangt vom Reichstag eine Geueralermächtignng

Berlin, 23. Febr. Wie wir erfahren, hat sich das Reichskabinett in seiner hcntigen Abendsitzung, in der es nach der amtlichen Mitteilung die agrarpolitischen Erörterungen abschloß, darauf geeinigt, daß es vom Reichstag die Gencral- crmächtigung verlangen wird, alle zur Förderung der Wirt­schaft notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Mit dieser Formulierung, die etwa einem erweiterten Vertrauensvotum gleichkommt, würde der Regierung das Mittel gegeben sein, der Landwirtschaft die notwendige Hilfe zu bringen, soweit sie im Rahmen der Gesamtwirtschaft möglich erscheint. Außer­dem wird den Einwündcn psychologischer Art, die von den Gegnern der Pläne des Reichsernährungsministers erhoben worden sind, durch die Ausdehnung der Ermächtigung auf die (tzesamtwirtschaft Rechnung getragen werden. Das Kabinett hat auch bereits die Formel für die Ermächtigung ansgear- bcitet, die von ihm selbst an eine bestimmte Frist gebunden wird. Die Einzelheiten der Maßnahmen, namentlich auf dem Gebiete der Beredelungswirtschaft, dürften der Neichsregic- rnng znm geeigneten Zeitpunkt Vorbehalten bleiben. In Poli tischen Kreisen sieht man der morgigen Erklärung des Rcrchs- ernährungsministers mit großer Spannung entgegen, da sie eine Reihe Programmatischer Einzelheiten enthalten wird.

Die russischen Dumpingmethoden Verden Deutschlands und RutzlandS Wirtschaft ruinieren

Paris, 23. Frbr. Mehr als je rietet Frankreich seine Aufmerksamkeit auf die russischen Dumpingmethoden. Einer der hervorragendsten französischen Wirtschaftsfachleute, Jean Parmentier, der bei der Ausarbeitung des T-awes- und Nonngplanes hervorragend mitgcwirkt hat, ist soeben von einer Studienreise durch -Lowjetrußland nach Paris zurück­gekehrt. Parmentier vertritt die Ansicht, daß heute in Ruß­land zwei Wirtschaftsdvktriiien sich gegenüberstchcn. Die erste besteht darin, für Rußland eine Wirtschaftsrüstung zu schäf­ten, die der Vorkriegsproduktion überlegen sei. Diese Methode mache eine Ausfuhr erforderlich, deren Gewinn für die Be­zahlung der russischen Käufe im Ausland notwendig sei. In nicht ganz richtiger Weise bezeichne man dies mit Dumping. Gewisse Wirtschaftszweige der übrigen Staaten werden hier­durch schwer geschädigt, aber für Rußland komme es nicht in Frage, zu billige» Preisen zu verkaufen, da sein Ziel darin besteht, sich Devisen zu verschaffen. Rußland sei daher be­müht, den Verkaufspreis auf einem gewissen Niveau zu hal­ten. Parmentier ist der Ansicht, daß Rußland sich die oben geschilderte Wirtsrbastsmethvde zu eigen macht. Die zweite Methode hätte darin bestanden, die Auslandsmärkte mit Roh­stoffen zn überschwemmen, nm schnell Krisen und soziale Wir­ren herbeiznführcn. Aus diesem Wege würde Rußland da­raus verzichtet haben, selbst eine Industriemacht darzustellen. Es hätte auf die bolsel/ewisierte» Länder Europas rechnen müssen, um mit den nötigen Fabrikwaren versorgt zn werden. Rußland habe den Füns-Jahresplan, das heißt die erste Methode vorgezogen. Parmentier glaubt, das; dieses Vorhaben zu 75 bis -8g Prozent gelingen werde. Pünktlich regele Rußland seine Zahlungen den großen amerikanischen Firmen gegenüber.

In kurzer Zeit werde für die ganze Welt aus diesem neuen russischen Wirtschaftssystem eine ungeheure Gefahr ent­stehen, da die Sowjetmacht in wenigen Jahren, ja Monaten, in der Lage sein werde, die hauptsächlichsten vom Außen­handel lebenden Länder wie Deutschland und England zu ruinieren. Wenn der Füns-Jahresplan ungefähr verwirklicht sein wird, könne man mit einer russischen Gutzciscnerzeugung von 17 Millionen Tonnen rechnen. Hiervon können 9 bis l«l Millionen Tonnen, das heißt mehr als das Doppelte der Vorkriegszeit, exportiert werden. Die Petrolcumausfnhr habe sich in den beiden letzten Jahren von 2,7 ans 4,6 Millionen Tonnen erhöht. Der Weltpreis sei infolgedessen um 5«> Pro­zent zurückgegangen. Der russische Kollektivismus, der die Liquidation der bourgeoisen Methoden erstrebe, gebe den lei­tenden Staatslcnten die außerordentliche Möglichkeit, dank der durch Zwangsarbeit eingeschränkten Produktionskosten um die Hälfte billiger zu erzeugen als das Ausland.