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Anzeiger für das Lnzlal und Umgebung.

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RöRLll bürge Samstag den 2. Dezember ML.

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Rundschau.

Der Reichstag führte am Mittwoch die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die Regelung der Verhältnisse in der Heimarbeit, nach mehr­tägiger Dauer zu Ende. Zunächst wurde die in der vorangegangenen Sitzung abgebrochene Diskussion über den sozialdemokratischen Antrag auf Schaffung von Lohnämtern und zugleich über den Kompromiß- antrag der bürgerlichen Fraktionen auf Errichtung von Fachausschüssen für die Hausindustrie fortgesetzt. Für diese Ausschüsse sprachen sich sämtliche Redner aus dem Hause aus, abgesehen von dem Sozial­demokraten Dietz, welcher zugunsten der von seiner Fraktion beantragten Lohnämter plädierte. Regier­ungsseitig wurden die Lohnämter durch den Staats­sekretär Dr. Delbrück ebenfalls bekämpft, der dafür der Errichtung von Fachausschüssen beistinimte. In der Abstimmung fiel denn auch der sozialdemokratische Antrag, während der bürgerliche Kompromißantrag betreffs der Fachausschüsse einstimmig zur Annahme gelangte. In nicht sonderlich bemerkenswerter De­batte fanden dann auch die weiteren Bestimmungen des Gesetzentwurfes Genehmigung. Am Donners­tag beschäftigte sich der Reichstag mit der Vorlage, betreffend die Aufhebung des Hilfskassengesetzes, und in dritter Lesung mit dem Privatbeamtenversicherungs- gesetz.

Der Reichstag hofft bis zum kommenden Mittwoch das Heimarbeitsgesetz, Hilfskassengesetz, Schiffahrtsabgabengesetz, die Prioatbearntenversicher- ung und, gewissermaßen als Clou, auch noch eine Marokkodebatte zu erledigen und nach dem Grund­satz, daß Geschwindigkeit keine Hexerei ist, sich gleich­wohl schon am 6. Dezember aufzulösen. Wenn da­bei nur die Marokkodebatte nicht zu kurz kommt! Die Gelegenheit wäre wirklich günstig, auf die Rede des Minister Grey eine Antwort zu geben und, so oder so, die Aktion vollends aus der diplomatischen Dunkelkammer vollständig in das Tageslicht der Oeffentlichkeit hinüberzuleiten. Die Antwort auf Greys Rede wird um so notwendiger sein, je weniger sie uns befriedigen kann. Der liberale englische Minister des Auswärtigen wird die von seinem kon­servativen Vorgänger übernommene Politik der Ein­kreisung Deutschlands, deren Ergebnis die heutige Situation ist, keineswegs aufgeben. Er verlangt von uns. wir sollen zeigen, daß wir mit unserem großen Heer und unserer Flotte keine bösen Absichten ver­folgen. Er ist uns die Antwort schuldig geblieben auf unsere Frage nach dem Grundsatz, der England ganz stumm macht, wenn Rußland in Persien ein­bricht, wenn Italien in Tripolis einfällt und wenn Frankreich sich Marokkos bemächtigt, der aber sofort ein Kriegsgeschrei in ganz England erweckt, wenn Deutschland auch nur ein kleines Schiff nach Agadir entsendet. Lloyd George hat ja in seiner berüch­tigten Rede, um die jetzt so viel gestritten wird, öffentlich erklärt, England werde einen Frieden als unerträgliche Demütigung arffehen, wenn es ihn nur damit erkaufen könne, daß es über Angelegenheiten, an denen es interessiert sei, nicht zu Rate gezogen werde, oder, mit anderen Worten, nicht in alles, woran Deutschland beteiligt ist, Hineinreden darf. Das war die Kriegsdrohung im Juli, die Grey in keiner Weise zu rechtfertigen vermag. Er suchte es so darzustellen, als sei die Rede notwendig gewesen, um von Deutschland die Versicherung zu erhalten, daß es an eine Besetzung von Agadir nicht denke. Das Gegenteil ist wahr: Diese Antwort Deutsch­lands kam schon vorher auf den Bericht unseres Botschafters über seine Unterredung mit dem Mi­nister. Aber wir kennen ja die Sprache der eng­lischen Diplomaten. Schon in GoethesFaust" ist zu lesen:Und lispeln englisch, wenn sie lügen." Alle die Beteuerungen des Wohlwollens gegen Deutschland verdienen nicht mehr Glauben, als wenn der Fuchs den Hühnern predigt. Man muß sich

nur wundern, daß es bereits wieder deutsche Zeit­ungen gibt, die gedankenlos genug sind, die Rede Sir Edward Greys als offen, ehrlich und befriedi­gend zu bezeichnen. Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber. Das fehlt bloß noch, daß die öffentliche Meinung in Deutschland jetzt wieder durch eine Fülle von süßen Redensarten ein­gewickelt wird. Aber es wäre nicht das erstemal, die Geschichte ist nicht erst von gestern und heute: England legt uns überall Steine in den Weg, er­reicht auch seinen Zweck, und wir vergessen, sobald das erste laue Lüstiein weht, allen Groll und halten begeisternde Trinksprüche auf die Segnungen des Friedens. Wir wollen sehen, ob die nächste Marokko­debatte im Reichstag uns eines besseren belehrt.

Die Hochflut der Kommentare in der deutschen wie in der ausländischen Presse zu der bekannten Unterhausrede des englischen Ministers des Auswärtigen Sir Edward Grey, in welcher er die aus der Marokkofrage hervorgegangene deutsch- englische Krisis erörterte, verläuft sich langsam wieder. Im allgemeinen ist hierbei diese rednerische Kundgebung des Leiters der auswärtigen Politik Englands dahin ausgefaßt worden, daß sie wohl kaum als ein Zeichen der beginnenden Besserung der politischen Spannung zwischen Deutschland und Eng­land betrachtet werden könne. Inzwischen sind die deutsche englischen Beziehungen, wie am Montag schon im Unterhause nach der vielerörterten Rede des Ministers Grcy, am Dienstag auch im engl. Ober­hause zur Erörterung gelangt. Hierbei wurden von allen Rednern bemerkenswert freundliche Töne gegen­über Deutschland angeschlagen, auch von dem Re­gierungsoertreter, Lord Morley. Von den Rednern aus dem Hause übte namentlich Lord Courdney eine scharf abfällige Kritik an der englischen Marokko­politik gegenüber Deutschland aus.

Berlin, 1. Dezbr. Im Reichstag hat man sich dahin verständigt, daß die Marokkodebatte für kommenden Dienstag auf die Tagesordnung gesetzt werden soll. Es ist jetzt bestimmt, daß für die Konservativen nicht Hr. v. Heydebrand, sondern Graf Westarp sprechen wird, für die Nationalliberalen soll wieder Bassermann, für das Zentrum v. Hertling sprechen. Ueber die Frage, ob man sich auf kurze Erklärungen beschränken soll oder ob die auswärtige Politik ausführlich zu behandeln ist, werden die Fraktionen erst in den nächsten Tagen sich schlüssig machen.

Karlsruhe, 1. Dez. Die badische Regierung hat der Zweiten Kammer einen Gesetzentwurf vor­gelegt, nach dem auf Grund der den Bundesstaaten im 8 58 des Reichserbschaftssteuergesetzes zu­stehenden Ermächtigung Gebrauch gemacht wird, Zuschläge zu den Sätzen dieses Gesetzes für den Landesfiskus zu erheben. Der Entwurf sieht die Erhebung von 25 Prozent Zuschlägen für die badische Landeskasse vor. Die Erben ersten Grades, Deszendenten und Aszendenten, bleiben aber wie bis­her von der Steuer frei.

Nanking, 1. Dez. Die Aufständischen haben die letzte Stellung der Kaiserlichen erobert.

Württemberg.

Stuttgart, 1. Dez. Eine Delegiertenversamm­lung des Evangelischen Bundes Württembergs hat sich gegen die infolge der Aufhebung des Ge­heimen Rats vorgesehene kirchengesetzliche Berufung von zwei Staatsministern ausgesprochen.

Stuttgart, 1. Dez. Die bürgerlichen Kollegien haben nach dem Rücktritt des Bürgermeisters Dr. Rettich den bisherigen Rechtsrat Dr. Dollinger ! zum besoldeten Gemeinderat gewählt.

! Stuttgart, 1. Dezbr. Die Markthalle auf E dem Dorotheenplatz wird nach einem Ausschreiben des städtischen Hochbauamts auf den Abbruch verkauft.

des Staatsrechtlichen Ausschusses gab Kultminister v. Fleischhauer einen Ueberblick über die Verteilung der israelitischen Gemeindegenossen im Lande und über ihre steuerlichen Verhältnisse. Darnach sind in Württemberg 11952 Israeliten vorhanden, die im wesentlichen, von Einzelpersonen abgesehen, in 49 Gemeinden wohnen. Davon entfallen auf Stuttgart 4262, Heilbronn 855, Ulm 607, Rexingen 364, Göppingen und Laupheim je 348, Crailsheim 336, Buchau 309, Mergentheim 282, Tübingen 211. Die Gesamtrinnabme der Zentralkirchenkasse betrug 108405 Mk. im Jahr, wovon 28810 Mk. durch die Landesumlage, 14616 Mk. durch Beiträge zu den Rabbinatsgehalten, 7009 Mk. durch Einnahmen aus Zinsen, 58 060 Mk. durch staatliche Zuschüsse aufgebracht werden. Daneben lausen die Umlagen der einzelnen Gemeinden, die z. B. in Stuttgart 57 000 Mk. betrugen.

Stuttgart, 30. Nov. Oberbürgermeister Lau­tenschlager hat in der heutigen Sitzung der bürger­lichen Kollegien den neuen Polizeidirektor Bit­tin g er vorgestellt und dabei die besten Wünsche für seine neue amtliche Tätigkeit ausgesprochen.

Stuttgart, 30. Novbr. Wie derSchw. M." hört, sind vom Hausbesitzerverein Schritte ein­geleitet worden, um eine Eingabe an den Land­tag vorzubereiten, in der um Ergänzung des Gesetzes betr. die staatliche Gebäudebrandversicherung dahin gebeten wird, daß durch Erdbeben entstandener Schaden an Gebäuden aller Art wie Brandschaden ersetzt werden soll. Auch in Baden soll ein ähn­liches Vorgehen beabsichtigt sein.

Friedrichshafen, 30. Nov. Bekanntlich ist der neue Potsdamer Luftschiffhafen in erster Linie für die Unterbringung der Zeppelin-Luftschiffe be­stimmt. Für die Erstellung des Luftschiffhafens sind von Berliner Finanzleuten bereits so hohe Beträge gezeichnet worden, daß mit dem Bau in Bälde begonnen werden dürfte. Der Kaiser verfolgt die Vorarbeiten mit großem Interesse und hat sein Erscheinen zur Eröffnung dieser Station für Zep­pelin-Luftschiffe zugesagt.

Heilbronn, 30. Nov. In einem hiesigen Op­tikergeschäft wollte eine Frau ein Thermometer kaufen.Nach Celsius oder Reaumur?" fragte die die Verkäuferin.Nein, nur nach Großgartach!" war die rasche Antwort.

Metzingen, 30. Nov. Jagdaufseher Metzger und Restaurateur Killenberger Hallen das ungewöhn­liche Glück abends 8 Uhr beim Mondschein in unseren Weinbergen im Gewand Steiner einen kapitalen Hirsch im Gewicht von ca. 150 Pfund zur Strecke zu bringen. Er wird wohl bei den letzten Hofjagden im Schönbucher Revier Einsiedel durch die Lappen gegangen sein.

Nellingsheim OA. Rottenburg, 30. Nov. Zwei auswärtige Händler kauften von einem hiesigen Bürger Kraut, den Kubikmeter zu 5 ^ sage fünf Mark. Der unüberlegte Verkäufer staunte nicht wenig, als zu dem Kubikmeter etwa 200 Köpfe im Gesamtgewicht von 89 Zentnern nötig waren. Zum Schaden hat er nun auch noch den Spott zu tragen, denn sonst wurden für einen Zentner Kraut 3,30 bis 4 bezahlt.

Kus StaSt, Bezirk unS Umgebung.

ZUM Aduenlsfest.

Macht hoch die Tür, das Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit", so jubeln die Adventsklänge.Komm, o mein Heiland Jesus . Christ, meines Herzens Tür dir offen ist," so wird in diesen Adventswochen wieder gesungen werden, k Und unsere Kinder werden treuherzig ihre Hände falten zu der Adventsbitte:Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden