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Neuenbürg, Mittwoch den 14. November 1906

64. Jahrgang.

KunSschau.

Berlin, 13. Novbr. Reichstag. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 2.20 Uhr, indem er die Kollegen nach der langen Sommer­pause herzlich begrüßte. Dann widmete er den ver­storbenen Mitgliedern des Hauses, Sattler, Jessen und Grünberg, einen Nachruf, den das Haus stehend anhörte. Am Bundesratstisch war Staatssekretär v. Stengel anwesend. Das Haus tritt zunächst in die Tagesordnung ein, wozu eine Reihe Petitionen Vorlagen.

Berlin, 13. Nov. In der heutigen Sitzung des Seniorenkonvents des Reichstags machte Graf Ballestrem die Mitteilung, daß morgen eine Interpellation Bassermann betr. die auswärtige Politik auf die Tagesordnung gesetzt und vom Reichskanzler beantwortet werden würde. Die Interpellation wegen der Fleischteuerung soll erst dann beraten werden, wenn ein neuer Landwirt­schaftsminister ernannt ist.

Aus Anlaß der Grundsteinlegung zum Deutschen Museum ist das Kaiserpaar am Montag vormittag in München eingetroffen. Nach dem Familienfrühstück in der Residenz begaben sich der Kaiser und die Kaiserin nachmittags um >/-3 Uhr in das alte Nationalmuseum, in dessen Räumen die Sammlungen des Deutschen Museums provisorisch untergebracht sind. Im Vestibül richtete der Vor­sitzende des Vorstandes, Baurat Oskar v. Miller, an den Kaiser eine Ansprache. Sodann begann der Rundgang durch die Sammlungen, den die Kaiserin unter der Führung des Professors Dr. v. Röntgen nur auf den ersten Stock ausdehnte, worauf sie das Haus verließ, um einige Wohltätigkeitsanstalten auf­zusuchen. Der Kaiser besichtigte die gesamten Samm­lungen in den Dutzenden von Sälen; er stieg auch in den Keller hinab, wo eine interessante Bergwerks­anlage eingebaut ist. Um 8 Uhr erschienen die Majestäten im K. Hoftheater, wo das sehr poetische Festspiel aufgeführt wurde. Nach der Pause folgte die Ouvertüre zu Euryanthe, hierauf Rich. Wagners Kaisermarsch mit Volksgesang in szenischer Darstell­ung. Von den Auszeichnungen, die der Prinz­regent bei dieser Gelegenheit verlieh, seien genannt: das Kommenturkreuz des Verdienstordens der bayr. Krone erhielt der Vorstand der Kgl. württ. Zentral­stelle für Handel und Gewerbe v. Mosthaf, den Verdienstorden vom heiligen Michael Professor O. Johannsen-Reutlingen, den Titel eines Kgl. bayr. Hofpianofortefabrikanten der Pianofortefabrikant I. A. Pfeiffer-Stuttgart.

In München fand am Sonntag abend ein von der Stadt gegebenes glänzendes Festmahl zur Vor­feier der Grundsteinlegung des Deutschen Museums für Technik statt, zu welchem u. a. auch Prinz Ludwig von Bayern und der Staats­sekretär des Reichsamtes des Innern Graf Posa- dowsky erschienen waren. Letzterer brachte den ersten Trinkspruch aus, er galt dem Prinzregenten Luitpold. Dann toastete Prinz Ludwig auf den Kaiser, als den mächtigen Schirmer des Friedens, worauf das LiedDeutschland, Deutschland über alles" von der Festversammlung gesungen wurde.

Berlin, 12. Nov. Wie das Wolffsche Bureau vernimmt, hat der Kaiser und König gestern das Abschiedsgesuch des Ministers für Landwirtschaft v. Podbielski unter Verleihung der Brillanten zum Großkreuz des Roten Adlerordens genehmigt. Mit der einstweiligen Wahrnehmung der Geschäfte des Landwirtschaftsministers ist der Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg beauftragt worden.

Berlin, 12. Nov. Zum Rücktritt des Land­wirtschaftsministers v. Podbielski erinnert die bündlerische Deutsche Tageszeitung daran, daß Herr v. Podbielski mehr als einmal das Tischtuch zwischen sich und dem Bund der Landwirte zer­schnitten habe, das freilich nachher immer wieder

erfreulicherweise genäht werden konnte. Daß Herr v. Podbielski aber in der Zeit desFleischnot­rummels" die unerschütterliche Festigkeit und Stand­haftigkeit gewahrt habe, das werde ihm unvergeßlich bleiben. Die Vossische Zeitung bemerkt zu der Verabschiedung des Herrn v. Podbielski:Der Minister mußte entlassen werden im Interesse der politischen Moral. Daß er nach den Enthüllungen über seine Geschäftstätigkeit bei der Firma Tippels- kirch u. Co. noch einige Monate im Amt bleiben konnte, kann dadurch erklärt werden, daß der Ein­druck vermieden werden sollte, als habe die öffent­liche Meinung einen Sieg erfochten."

Zum Herrenmeister des Johanniterordens an Stelle des verstorbenen Prinzen Albrecht von Preußen wurde Prinz Friedrich Heinrich von Preußen gewählt.

Berlin, 12. Nov. DerReichsanzeiger" teilt mit:Das Ergebnis der vom. Reichskanzler an­geordneten Erhebungen über die Ursachen der Fleischteuerung liegt seit etwa 14 Tagen fast vollständig vor. Wenn auch die statistischen Zu­sammenstellungen ein für die Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft verhältnismäßig günstiges Ergebnis geliefert haben, glaubt die Reichsregiernng doch, dem augenblicklichen Notstand sofort Rechnung tragen zu sollen. Man darf also erwarten, daß die Regierung, nachdem sie sich mit dem Landwirtschafts­ministerium geeinigt hat, Maßnahmen treffen wird. Ob diese in einer Herabsetzung der Tarife oder in anderweitigen Erleichterungen der Einfuhr bestehen sollen, muß abgewartet werden."

Ueber ein Zusammengehen der bürgerlichen Linken bei den nächsten Reichtagswablen ver­handelten dieser Tage in Frankfurt unter dem Vor­sitz Payers die Vertreter der freisinnigen Volks­partei, der freisinnigen Vereinigung und der deutschen Volkspartei. Nach eingehender Beratung wurde einstimmig beschlossen, auf ein Zusammengehen der linksstehenden bürgerlichen Parteien bei den kom­menden Reichstagswahlen unter Wahrung der Selb­ständigkeit der einzelnen Parteien hinzuwirken.

Die Bombenattentate bleiben in Rußland eine fast alltägliche Erscheinung. Bei einer in Tiflis gleich nach Samstag Mitternacht vorgenommenen Haussuchung in der Pethauskistraße explodierte eine Höllenmaschine, wobei zwei Schutzleute und ein Hausknecht getötet und ein Aufseher der Schutz­abteilung und ein Polizeioffizier verwundet wurden. Das zeitweilige Kriegsgericht in Rasdolmaja (Wladiwostock) fällte am Sonntag das Urteil über die an der Meuterei vom 23. Oktober beteiligten Festungssoldaten. Die Hauptangeklagten sind aus der Untersuchungshaft entflohen. Von den 107 an­wesenden Angeklagten wurden 43 zu Kriegsgefängnis und 44 zu Disziplinarstrafen verurteilt; die übrigen wurden freigesprochen. Ein Befehl des Zaren verbietet bei harten Strafen allen Militärpersonen, irgendwelchen politischen Parteien beizutreten oder an politischen Versammlungen teilzunehmen.

Nach langen Verhandlungen mit deutschen und österreichischen Firmen bestellte Serbien, wie schon in der letzten Nummer ds. Bl. mitgeteilt, Kanonen, für 60 Batterien Feldgeschütze und für 25 Batterien Gebirgsgeschütze in Frankreich. Und warum? Weil, nach einer Mitteilung derLeipz. N. Nachr.", der serbische Ministerpräsident Paschitsch von der fran­zösischen Fabrik eineProvision" von 1200000 Franken erhält! Die Bestellung in Frankreich muß natürlich den völligen Bruch mit dem öster­reichischen Nachbarland zur Folge haben und hald wird der serbische Handel lahm liegen. Aber auch die Franzosen können keine reine Freude an Serbiens Auftrag haben, denn als Ausgleich sollen Pariser Bankhäuser eine serbische Anleihe von 120 Mill. Franks begeben. Der Witz dabei ist, daß Frankreich erst das Geld borgen muß, womit Serbien die neuen Kanonen bezahlen kann!

Zur Affäre des Hauptmanns von Köpenick melden Berliner Blätter, Voigt werde beim Staats­anwalt nicht wegen Raubes, sondern nur wegen Betruges angeklagt werden; in diesem Falle würde natürlich der kecke Gauner erheblich gelinder davon­kommen.

In der Chronik der Eisenbahnverbrechen in Deutschland ist mit dem Raubmorde, der an dem Altonaer Zahnarzte Claussen im Eisenbahnzuge Altona-Blankenese begangen worden ist, ein neuer schwerer Fall zu verzeichnen. Auf die Festnahme des mutmaßlichen Täters, eines jungen Mannes im Alter von etwa 23 Jahren hat der preußische Eisenbahnminister eine Belohnung von 1000 ausgesetzt. Der in Hamburg zur Untersuchung dieser Affäre eingetroffene Kommissar der Eisenbahn­verwaltung hat festgestellt, daß der Tod Claussens durch eine große Anzahl von Schädelverletzungen herbeigeführt worden ist, von denen allein fünf töd­lich sind. Uhr, Kette und alles bare Geld sind ge­raubt, dagegen fand sich bei der Leiche noch der Trauring, ein wertvoller Brillantring und eine Brillantbusennadel. Der im inneren stark mit Blut befleckte Wagen ist amtlich beschlagnahmt worden. Der Mörder ist offenbar mit voller Ueberlegung zu Werke gegangen. Nachdem der Zug sich bereits in Bewegung gesetzt hatte, bestieg er nicht das nächst­gelegene Abteil, sondern lief bis zu dem vorn im Zuge befindlichen Coupe, in welchem Claussen saß. Ueber die Persönlichkeit des Täters ist noch nichts ermittelt.

Mainz, 10. Nov. In der Nacht vom Mitt­woch, den 14. auf Donnerstag, den 15. November wird der neue Hauptbahnhof in Wiesbaden für den öffentlichen Verkehr in Betrieb genommen. Am 15., nach Eintreffen des Zuges von Frankfurt um 1 Uhr vormittags und von Koblenz um 1.06 vormittags, werden der alte Taunus- und der Rheinbahnhof geschlossen. Der alte Hessische Lud­wigs-Bahnhof wird bereits am 14. ds. Mts. nach Abgang des Zuges um 11.05 nachmittags geschlossen.

Baden-Baden, 11. Nov.. Frau Rechtsanwalt Lina Hau, geb. Molitor, die Gattin des Mörders Rechtsanwalt Karl Hau aus Bernkastel, ist Freitag abend mit ihrem Kind aus London hier eingetroffen und wohnt seither im elterlichen Haus. Dieselbe wurde bereits vom Untersuchungsrichter einvernom­men. Die Auslieferung des Täters aus England wird voraussichtlich in 4 Wochen erfolgen.

Lodz, 12. Nov. Mehrere Fabriken, die über 1000 Arbeiter beschäftigen, sind wegen fortgesetzter Lohnforderungen der Arbeiter auf unbestimmte Zeit geschlossen worden.

Württemberg.

Stuttgart, 13. Nov. Die Hofjagden in Bebenhausen beginnen am 15. November und dauern bis Ende des Monats. Als Jagdgäste des Königs werden daran teilnehmen: Fürst von Waldeck, Erbprinz zu Wied, Fürst von Bentheim, Fürst von Hohenlohe-Langenburg, Fürst Hohenlohe-Bartenstein, Fürst Quadt, sowie die Herzöge Robert, Ulrich und Wilhelm von Urach. (Eingeladen ist ferner Oberförster Frhr. v. Gaisberg - Helfenberg in Neuenbürg.)

Stuttgart, 10. Novbr. Die vom Württ. Gartenbauverein veranstaltete Chrysantemum- Ausstellung in der Gewerbehalle wurde heute vormittag von dem Vorstand des Gartenbauvereins Oberfinanzrat Renner, mit einer Ansprache eröffnet. Unter den geladenen Gästen befand sich General v. Berger, Oberhofmarschall Frhr. v. Wöllwarth, Kabinettschef v. Kübel, Oberbürgermeister v. Gauß. Die Ausstellung, die ein überaus farbenprächtiges Bild bietet, zeigt, daß bei uns das gärtnerisch wert­volle Chrysanthemum zu sehr großer Vollkommenheit gebracht worden ist. Eine große Menge von Pflanzen in verschiedenen Formen mit weißen, gelben, roten und orangefarbenen Blüten sind von etwa 40