erlag. Die Frau wurde zunächst festgenommen, doch bald wieder auf freien Fuß gesetzt.
Vom bad. Schwarzwald, 9. Nov. Daß in einem Hause drei Personen wohnen, die zusammen 250 Jahre zählen, gehört sicher nicht zu den Alltäglichkeiten. Im Hause Engelbert Duffner in Neu- kirch zählt der Vater 80 Jahre, der Schwiegervater 88 Jahre und die Schwester des letzteren 82 Jahre. Dazu wohnen sie noch in einer Höhe von 1100 Meter über dem Meere auf dem Steinberg.
In Charkow (Rußland) währt bereits seit 6 Tagen ein Hungerstreik, den mehr als hundert politische Gefangene konsequent durchführen. Zwei von den Gefangenen, die man in der Bevölkerung als Märtyrer bezeichnet, sind schon verhungert, 7 liegen bewußtlos darnieder.
Von ungeheuren Meteoren, die in der vergangenen Woche auf hoher See niedergegangen sind, berichten in New-Jork ankommende Schiffe. So sah der erste Offizier des deutschen Dampfers „Brasilia" in kurzer Entfernung von dem Schiff ein Meteor ins Meer stürzen, dessen Durchmesser er auf 5 Meter schätzt. Als es das Wasser erreichte, schossen große Dampfwolken zum Himmel. Außerdem beobachtete er drei kleinere Meteore, die kurz hintereinander in die See fielen.
Einen Bau, der weniger kostet, als im Voranschlag steht, vermochte selbst Diogenes mit seiner Laterne nicht zu finden. Auch der Mannheimer Rosengarten, die neue Festhalle, macht keine Ausnahme. Jetzt muß auch noch ein neuer Weinkeller für 18 000 -/E eingerichtet werden, denn der jetzige macht dem Wein von der Zentralheizungsanlage aus zu warm.
Ein köstlicher Rheinfisch ist der Lachs, der jeden Sommer vom Meer den Fluß heraufsteigt, um dort zu laichen. Es werden alljährlich viele und große Exemplare gefangen. Aber dieses Jahr ergab der Lachsfang bis jetzt eine äußerst geringe Beute. Den Grund finden die Fischer lediglich in dem äußerst niederen Wasserstande. Bei Rhein- felden ist das Stauwehr vollständig geschlossen, um den Kanal der Kraftübertragungswerke zu speisen. Somit ist den Fischen ein Heraufkommen über das Stauwehr vollständig unmöglich gemacht. Die Lachse aber, die sich bei uns aufhalten, sind mitten im Strom und kommen nicht an das Ufer, weil sie dort zu wenig Wasser und Schutz finden.
Ist die Heizung einer Kirche als bedingte Notwendigkeit anzusehen? Zu einer Feststellung in dieser Frage kam kürzlich das Reichsgericht infolge eines Rechtsstreites der Kirchengemeinde Oldenstadt gegen den preußischen Landesfiskus. Letzterer ist Patronatsherr der ihm seit dem 16. Jahrhundert gehörenden Kirche, uud hat auch bis jetzt für die Unterhaltung und Neueinrichtung, Beschaffung von Altarleuchtern, Gesangsnummern, Ausführung neuer Glocken usw. gesorgt. Als die Gemeinde mit der Forderung der Anlegung und Unterhaltung einer Heizungsanlage für die besagte Kirche vorstellig wurde, lehnte der Fiskus dies ab, indem er sich besonders auf die Behauptung stützte, daß er
nur für die nötig werdende Unterhaltung der Kirche zu sorgen habe, nicht aber für die aus Bequemlichkeitsrücksichten bedingte Heizungsanlage. Das Landgericht Hannover verurteilte den Fiskus zur Anbringung und Unterhaltung der besagten Heizungsanlage und zur Beschaffung des Heizungsmaterials auf Grund seiner alten Verpflichtungen. Im weiteren führt das Gericht aus, daß die Grenzen dieser Verpflichtungen des Fiskus naturgemäß nicht zu jeder Zeit die gleichen geblieben seien. Den Fortschritten der Kultur, den Lebensfortschritten müsse Rechnung getragen werden, und deshalb sei die Heizungsanlage einer Kirche auch als ein notwendiges Requisit anzusehen. Denn der wirtschaftliche Fortschritt habe zu einer Verweichlichung des Volkes geführt, welche berücksichtigt werden müsse. Dieses Urteil wurde auf die Berufung des Klägers vom Oberlandesgericht Celle bestätigt. Auch das Reichsgericht konnte zu keiner anderen Auffassung kommen und wies die gegen das Berufsurteil eingelegte Revision zurück.
Die Riesenschlange als Schoßtier. Man schreibt aus London: Der kleine Maki ist die neueste der wunderlichen Liebhabereien der englischen Modedamen. Erst kürzlich beobachtete man eine elegant gekleidete Dame, die ihren kleinen Maki, diesen sonderbaren Vetter des Affen, sorgsam im Arm durch Piccadilly trug; und man erzählt, daß man den Maki nun überhaupt vorziehe, weil seine Gelehrigkeit die seines Affenvettern bei weitem übertrifft. Seltsame zoologische Vorlieben sind in England noch stets an der Ordnung gewesen, wenngleich man nie so weit ging wie Sarah Bernhardt, die Tiger zu ihren Lieblingen machte. Mungos, Meerkatzen, Schildkröten und sogar Chamäleons werden von bekannten Damen gepflegt und verhätschelt. Am auffälligsten aber dürfte die Liebhaberei der Hon. Mrs. Arthur Cadogan, der Schwägerin des Carl of Ca- dogan, sein, die eine besondere Vorliebe für Schlangen hat und deren eine große Anzahl besitzt. Darunter befinden sich auch größere Reptilien, und eine große indische Riesenschlange zählt zu den bevorzugten Lieblingen ihrer Umgebung. Eine besondere Freude der Besitzerin ist es, das Tier in den Arm zu nehmen und den glatten, schillernden Schlangenleib sich um den Nacken zu winden. Es hat ja immer, und insonderheit innerhalb des schönen Geschlechtes, Per- fonen gegeben, die sich einer besonderen Macht über die Reptile rühmten, vielleicht ist nur ihre Furchtlosigkeit des Rätsels Lösung. Mrs. Cadogans Riesenschlange hat eine Länge von neun engl. Fuß. Gegen Fremde trägt sie eine große Feindseligkeit zur Schau; ihrer Herrin aber, so wird erzählt, ist sie treu und anhänglich ergeben.
Einst und jetzt. In dem soeben in siebenter Auflage erschienenen Jugenderinnerungen eines alten Arztes wird von dem geringen Komfort berichtet, mit dem noch unsere Väter vor 70 Jahren auskamen. „Wie traurig es mit den Gewandstoffen aussah, zeigen die Kleidungsstücke im Münchener Nationalmuseum, die König Ludwig l. von Bayern sowohl von sich als seiner Gemahlin Therese aufbewahren ließ. Der König hat sie der Nachwelt
nicht zur Bewunderung, sondern zur lehrreichen Vergleichung vermacht. Die Färbung der Gewebe verdankt der modernen Chemie solche Fortschritte, daß König Davids sidonischer Purpur mit der Anilinpracht unserer geputzten Dienstmädchen schwerlich zu wetteifern vermöchte. In den Gasthöfen waren damals die schmalen und kurzen Betten mit den dicken Federdecken, die herabfallen, wenn der Unglückliche, der darunter schlafen soll, sich umdreht, die stehende Klage der Reisenden. Ebenso die kleinen Wasserbecken auf dem armseligen Waschtischen. Man trifft solche Einrichtungen heute nur noch da und dort in den Gasthäusern kleiner Landorte. Es haben sich die Zeiten geändert.
Mußten als Knaben uns tüchtig Plagen Mit Stein und Zunder und Feuerschlagen,
Was ein Zündholz der Welt bedeute,
Wissen nur wir, die alten Leute!
Mußten verlieren der Stunden viele Mit Richten und Schneiden der Federkiele,
Wie man geschickt die Spitze muß spalten,
Lernten am Schreibtisch wir nur, die Alten.
Mußten an schlecht gedruckten Dichtern Quälen die Augen bei Unschlittlichtern,
Putzten, damit es hell genug wäre,
Fleißig den Docht mit der Lichtputzschere.
(Zerstreut.) — „Was meinen Sie wohl, Herr Professor, eignen sich Männer oder Damen besser zum Telephondienst?" — Professor: „Zu Telephonistinnen eignen sich nach meiner Meinung Damen besser wie Männer."
Auflösung der Aufgabe in Nr. 176.
Multipliziert man 10 mit 68, 11 mit 73, so beträgt die Summe der beiden Resultate 1483.)
Richtig gelöst von Khristian Kloz in Waldrennach, A. Pfeiffer, Metzger in Herrenalb und Friedrich Mast in Gaistal bei Herrenalb.
Auflösung des Wortspiel-Rätsels in Nr. 176.
Bern, Kern, Born, Bein, Berg.
Richtig gelöst von Christian Kloz in Waldrennach.
Bern ist als schöne Stadt bekannt.
Und viel besucht im Schweizer Land.
Ihr Name hat der Zeichen vier,
Viermal verändern läßt sich's hier.
Verändert man das erst', es nennt Den Kern, den man aus Früchten kennt.
Verändert man das zweit', ist's dann Der Born, der Wasser spenden kann.
Verändert man das dritte, gern Dient's Bein beim Laufen seinem Herrn.
Verändert man das letzte gar,Z Zur Höh' der Berg reicht immerdar.
Der Rätsellöser vom Brunnenweg.
Einfachheit — Billigkeit — Güte
sind die S Haupteigenschaften von „Ula", einer neuen Backmasse in Pulverform, die jeder sparsamen und praktischen Hausfrau zu einem Versuch angelegentlichst empfohlen werden kann. Dieselbe enthält alle erforderlichen Zutaten in richtiger Mischung für jedes einzelne Gebäck wie 8, Lebkuchen, Springerle, Zirnmtsterne re. und ist in allen einschlägigen Geschäften erhältlich.
klmtlichL Bekanntmachungen uns Privat-Knseigen.
Württ. Laudesverein vom Roten Kreuz.
Kitte um Weihrmchlssprrrdrn fiir unsere Truppen in Sndmestnfrika.
Da der Aufstand in unserem südwestasrikanischen Schutzgebiet immer noch fortdauert, so beabsichtigt der Württ. Landesverein vom Roten Kreuz auch Heuer wieder an unsere unter großen Entbehrungen und Anstrengungen dort kämpfenden Truppen Weihnachtsgeschenke abzusenden. Die Unterzeichneten richten daher an alle, welche anläßlich des kommenden Weih- nachtssestes unsere fernen Krieger in Südwestafrika erfreuen wollen, die Bitte um Geldspenden, um gleichmäßig geeignete Geschenke hiefür beschaffen zu können.
Die Unterzeichtcn, sowie der Hausmeister im Königsbau sind bereit, die zugedachten Geldspenden in Empfang zu nehmen.
Wir bitten, uns diese sobald als möglich, längstens aber bis 15. November ds. Js. zu übergeben.
Das Dainenkomits des Landesverems in Stuttgart.
Vorstehender Aufruf wird mit dem Ansuchen zur Veröffentlichung gebracht, daß Gaben zur Uebermittlung an die Sammelstelle in Empfang nehmen
Neuenbürg, den 2. November 1906
Oberamtmann Hornung,
Redaktion des „Errztälers."
Dobel.
PseriMckus.
Unterzeichneter^bringt aus dem Nachlasse > des verstarb. Wilh. ^ Wacker, gew. Fuhrmanns hier, zwei schwere Fuhrmannspferde, Rapp und Falch, im Alter von 7 bis 8 Jahren, am Donnerstag, den 15. November, nachmittags lU Uhr auf dem Rathaus an den Meistbietenden zum Verkauf. Zu gleicher Zeit kommt auch eine
Kuh
im Steigerungswege daselbst zum Verkauf.
Kaufsliebhaber sind freund- lichst eingeladen.
Der Nachlaßverwalter:
I. L. Hummel.
Schal-Schreibhefte
empfiehlt k. lleeb.
Neuenbürg.
Evangelischer Knud.
Die diesjährige Haupt-Versammlung
des Bezirksvereins des Evang. Bundes wird
Sonntag, den 18 . November ds. Js.
abgehalten.
Beginn: nachmittags 3 Uhr.
Lokal: Saal im „Anker".
Redner: Stadtpfarrer Ott von Niedernhall.
Thema des Vortrags:
Katholizismus und Protestantismus in Frankreich.
Der hiesige Kirchenchor (hat seine Mitwirkung freundlich zugesagt. Zu zahlreicher Beteiligung der Mitglieder, Freunde und Gönner, sowie aller, die Interesse für diesen Bortrag haben, wird hiemit öffentlich eingeladen.
Den 8. November 1906. I. A.:
Der stellvertretende Vorsitzende: _ Dekan Uhl._—
Kalender pro 1907
sind in den verschiedenen Ausgaben eingetroffen bei