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Der Gnfthiiler.
Anzeiger unÄ Unterhaltungsblatt für das Enzthal und dessen Umgegend.
Amtsblatt für öen Hberanrtsbezirk Weuenbürg.
52. Jahrgang.
Nr. 5.
Neuenbürg, Donnerstag dm 11. Januar
1894.
Erscheint Dienstag, Donnerstag, GamStag und Sonntag. — Preis vierteljährlich 1 ^ 10 monatlich 40 ^Z; durch die Post bezogen im Oberamtsbezirk vierteljährlich 1 25 monatlich 45 außerhalb des Bezirks vierteljährlich 1 45 ^ — Einrückungspreis für die Ispaltige Zeile oder deren Raum 10 4 .
Amtliches.
Neuenbürg.
Bekanntmachung
und
Erlaß an die Ortsvorsteher, betreffend das Militär-Ersatzgeschäft für 1894
A. Anmeldung der Militärpflichtigen zur Stammrosse.
I. Bezüglich der Anmeldung zur Stammrolle schreibt 8 25 der Wehrordnung folgendes vor:
1. Alle Militärpflichtigen haben sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar zur Aufnahme in die Rekrutierungsstammrolle anzumelden.
2. Die Anmeldung erfolgt bei der Ortsbehörde desjenigen Ortes, an welchem der Militärpflichtige seinen dauernden Aufenthalt hat.
Als dauernder Aufenthalt ist anzusehen:
a. für militärpflichtige Dienstboten. Haus- und Wirtschaftsbcamte. Handlungsdiencr, Handwerksgesellen, Lehrlinge, Fabrikarbeiter und andere in einem ähnlichen Verhältnisse stehende Militärpflichtige der Ort, an welchem sie m der Lehre, im Dienst oder in Arbeit stehen und wenn solche an einem andern Orte als dem der Wohnung in Arbeit bezw im Dienste stehen, der Ort, in welchem sie ihre Wohnung (Schlafstellen) haben;
b. für militärpflichtige Studierende, Schüler und Zöglinge sonstiger Lehranstalten der Ort, an welchem sich die Lehranstalt befindet, sofern dieselben auch an diesem Ort wohnen.
3. Hat der Militärpflichtige keinen dauernden Aufenthalt, so meldet er sich bei der Ortsbehörde seines Wohnsitzes.
4- Wer innerhalb des Reichsgebietes weder einen dauernden Aufenthalt noch einen Wohnsitz hat, meldet sich in seinem Geburtsort zur Stammrolle und wenn der Geburtsort im Ausland liegt, in demjenigen Ort, in welchem die Eltern oder Familicnhäupter ihren letzten Wohnsitz hatten.
5. Bei der Anmeldung zur Stammrolle ist das Geburtszeugnis vorzulegen, sofern die Anmeldung nicht am Geburtsorte selbst erfolgt.
6. Sind Militärpflichtige von dem Orte, an welchem sie sich nach Ziff. 2 oder 3 anzumelden haben, zeitig abwesend, so hoben ihre Eltern. Vormünder, Lehr-, Brot- oder Fabrikherrn die Verpflichtung, sie zur Stammrolle anzumelden.
7. Die Anmeldung zur Stammrolle ist in der vorstehend vorgeschriebenen Weise so lange alljährlich zu wiederholen, bis eine endgiltige Entscheidung über die Dienstpflicht durch die Ersatzbehörden erfolgt ist. Bei Wiederholung der Anmeldung ist der im ersten Militärpflichtjahr erhaltene Losungsschcin vorzulegen. Außerdem sind etwa eingetretene Acnderungen in Betreff des Wohnsitzes, des Gewerbes, Standes u. s. w. dabei anzuzeigcn.
8. Von der Wiederholung der Anmeldung zur Stammrolle sind nur diejenigen Militärpflichtigen befreit, welche für einen bestimmten Zeitraum von den Ersatzbehörden ausdrücklich hievon entbunden oder über das laufende Jahr hinaus zurückgestelll werden.
9. Militärpflichtige, welche nach Anmeldung zur Stammrolle im Laufe eines ihrer Militärpflichijahre ihren dauernden Aufenthalt oder Wohnsitz verlegen, haben dies behufs Berichtigung der Stammrolle sowohl beim Abgang der Behörde oder Person, welche sie in die Stammrolle ausgenommen hat, als auch nach der Ankunft an dem neuen Ort derjenigen, welche daselbst die Stammrolle führt, spätestens innerhalb dreier Tage zu melden.
10. Versäumnis der Meldefristen entbindet nicht von der Meldepflicht.
11. Wer die vorgeschriebcnen Meldungen zur Stammrolle oder zur
Berichtigung derselben unterläßt, ist mit Geldstrafe bis zu dreißig Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen zu bestrafen. »
II. Anznmelden habe» sich hienach in der Zeit vom 18. Januar bis 1. Februar 1884 ebensowohl Württemberger als Angehörige anderer deutschen Staaten und zwar:
1. Alle im Jahr 1874 geborenen jungen Männer.
2. Alle diejenigen Militärpflichtigen der Altersklassen 1872 und 1873, welche weder ausgehoben, noch vom Dienst ausgeschlossen, noch
ausgemustert, noch der Ersatzreserve, noch dem Landsturm überwiesen worden sind, mögen dieselben früher am gleichen oder an einem andern Ort gestellungspflichtig gewesen sein.
3. Alle diejenigen Militärpflichtigen früherer Altersklassen, welche aus irgend einem Grund, z. B Krankheit, Abwesenheit, Untersuchungsoder Strafhaft, kürzlich erfolgte Einwanderung, an der Aushebung noch nickt oder noch nicht insoweit teilgenommen haben, daß über ihre Militärpflicht definitiv entschieden werden konnte.
4. Die zum einjährig-freiwilligen Dienst Berechtigten haben sich beim Eintritt in das militärpflichtige Alter, sofern sie nicht vorher bereits zum aktiven Dienst eingetrelen sind, bei der Ersatzkommission ihres Gestellungsortes (Oberamt) schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen.
L. Eintrag der Militärpflichtigen in die Stammrosse.
I. Bezüglich der Anlegung und Führung der Stammrollen werden die Ortsvorsteher auf die ZH 44, 45 und 46 der Wehrordnung hingewiesen.
Im einz-lnen wird noch folgendes bemerkt:
1. Es ist strenge darauf zu halten, daß die Militärpflichtigen da sich melden, wo sie gestellungspflichtig sind (zu vergl. oben I 2—4); es ist also unzulässig. Pflichtige, welche an einem andern Ort sich aufhalten. zurückzuberufen; Zuwiderhandlungen hiegegen müßten bestraft werden. Der Erlaß des K. Oberrekrutierungsrats vom 27. August 1878 (Amtsblatt des Ministeriums des Innern von 1878 S. 252) wird zur besonderen Beachtung in Erinnerung gebracht.
2. Unter „dauerndem Aufenthalt" in H 25 der Wehrordnung ist jeder nicht blos vorübergehende Aufenthalt zu verstehen, ohne Rücksicht darauf, ob er von bestimmter oder unbestimmter Dauer ist (zu vergl. Amtsblatt des Ministeriums des Innern 1875 S. 403). Im Uebrigen s oben ^12.
3. Bei Aufstellung und Ergänzung der Stammrollen ist nachzuforschen, ob alle Pflichtigen sich gemeldet haben und sind die Säumigen hiezu anzuhalten. Die Unterlassung der vorgeschriebenen Meldungen zur Stammrolle kann nach Art. 10 Z. 10 des Landesgesetzes vom 12. Aug. 1879 (Reg.-Bl. S. 157) im Wege der Strafverfügung von dem Ortsvorsteher abgerügt werden.
4. Sämtliche Mcldepflichtigen sind genau in die Listen ihrer Jahrgänge einzutragen. In der neuen Liste für 1894 ist die alphabetische Reihenfolge einzuhalten und es ist hinter dem letzten Namen jedes Buchstaben des Alphabets genügender Raum zu Nachträgen zu lassen. Da, wo von mehreren Buchstaben keine Namen Vorkommen, ist selbstverständlich ein größerer Raum frei zu lassen. In den Stammrollen von 1892 und 1893 sind Neuangemeldete je Vinter den letzten Namen mit gleichem Anfangsbuchstaben einzutragen. Auch wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Pflichtigen in den Stammrollen nicht durchlaufend, sondern diejenigen mit gleichem Anfangsbuchstaben unter sich zu nummerieren sind.
Des Weiteren wird darauf hingewicsen, daß Personen, welche die deutsche Reichs- und Staatsangehörigkeit nicht besitzen, von der Aufnahme in die Rekrutierungsstammrollen ausgeschlossen sind. Etwaige zweifelhafte Fälle sind bei dem Oberaml zur Sprache zu bringen. (Minist.- Amtsbl. 1886 S. 136.)
5. Die Rubriken 1—10 der Stammrollen sind genau, deutlich und sauber auszufüllen. Zweifelhafte Angaben sind nicht aufzunehmen.
In Rubrik 8 ist Stand oder Gewerbe genau anzugeben, z. B. Pferdebauer. Ochsenbauer u. s. w. nicht blos Bauer. Knecht oder dergl., bei Fabrikarbeitern die Art der Beschäftigung einzutragen.