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im höcksten Grade wünschenswert!), wenn in der Haltung, namentlich der hiesigen Bevölkerung das Obercommando diejenige Unterstützung fände, welche in einer so schweren Zeit, wie die gegen­wärtige, absolut nothwendig erscheint, Nur einmüthiges Zusammenwirken zwischen Bürger­schaft und Militär, hingebender Patriotismus und Muth auf jeder Seite werden die Wolken zu verscheuchen im Stande sein, die an dem deut­schen Himmel gegenwärtig herausgezogen sind."

Frankfurt, 11. Juli. (A. C.) Auch der Verkehr auf derTaunusbahn" ist sistirt, so daß nunmehr auf allen unseren Bahnen der regelmäßige Verkehr unterbrochen ist. Prioat- depeschen werden nunmehr wieder bei den Tele­graphenämtern befördert. Das Hauptquartier des Prinzen Alexander von Hessen befindet sich im Augenblick noch in Bornheim. Die Diskoca­tion der Truppen in der Umgebung Frankfurts dauert fort Man ist nunmehr auf eine aus­brechende Action in unserer nächsten Nähe ge­faßt, wozu die gestern schon mitgetheilte Nach­richt, daß Frankfurt und Mainz mit aller Energie vor einem Ueberfall geschützt werden sollen, er­heblich beigetragen hat.

München, 10. Juli. (Aut. Corr.) Die Bayerische Zeitung" meldet: Seit heute morgen heftiger Kampf um und bei Kissingen. Die Preußen griffen von der rechten Seite der Saale die Brücke an und wurden mehrmals durch Kar­tätschen zurückgewiesen. Bomben flogen bis in die Stadt. Kirchthurm und Rathhaus wurden davon getroffen. Das Hotel zum Bayerischen Hof wurde zusammengeschossen.

München, 11. Juli, Nachmittags. Nach Forcirung der Saaleübergänge bei Kissingen sind die Preußen (gestern Abend) bis Nüdlingen auf der Straße nach Münnerstadt (nordöstlich) vor­gedrungen. Die erste bayerische Division hat die Preußen aus Nüdlingen mit Verlust zurück­geworfen und behauptet das große Dorf mit Erfolg. Generallieutenant Zoller starb den Hel­dentod. Heute Vormittag wurden die Preußen von den Bayern wieder aus Kissingen hinaus­geworfen.

München. 11. Juli. Die Reserven der Bayern sind bei Schweinfurt concentrirt und stehen in Schlachtordnung.

Württemberg.

Stuttgart, 11. Juli. Nach Frankfurt schickt der württ. Sanitätsverein das Doppelte des von ihm telegraphisch verlangten Weißzeugs, Cigarren, einen Centner Chokolade, auch Charpie, ein Fünftheil des vorhandenen Verbandzeugs und 400 Hemden ab.

Calw. Flachs-, Vieh-und Krämermarkt: Mittwoch, den 18. Juli.

Neuenbürg, 12. Juli. Auf der Schwarz- loch-Senfenfabrik sind gefärbte Trauben.

Ausland.

Lemberg, 11. Juli. Die Gazette Naro- dowa schreibt: In Rußland werden alle Mi­litärurlauber einberufen. Aus Warschau gehen täglich Militärzüge nach Sosnowice. Nach Bessarbien marschirt Militär aus Podolien.

Paris, 10. Juli. Es wird versichert, daß die Oesterreicher bereits einen Theil ihrer

Streitkräfte nach Norden geschickt. 80,000 Oester­reicher seien bei der Nvrdarmee bereits einge­troffen. Preußen hätte 60,000 Mann Landwehr nach Böhmen geschickt.

Paris, 11 . Juli, Nachm. Die France sagt: Die preußischen Bedingungen, welche in dem vom Prinzen von Reuß überbrachten Brief ent­halten, sind folgende: Ausschluß Oestreichs aus dem Bund, preußischer Oberbefehl über die Streit­kräfte des Bundes zu Wasser und zu Land, diplo­matische Vertretung Deutschlands durch Preußen im Ausland, Annexion der Herzogtümer und eines Theiles der vom Heer besetzten Gebiete. Die France glaubt zu wissen, daß der Kaiser die wichtigsten Mittheilnngen des Prinzen Reuß sofort nach London und St. Petersburg mitge- theilt habe, da sie eine Frage von europäischem Interesse aufwerfen, die nur durch die Mitwir­kung der großen Mächte entschieden werden könne. Neue Zwischenfälle haben die Abreise des Prin­zen Napoleon nach Italien verzögert. (S M.)

AnsSechs Zritlicder aus Norddeutfchland."

Motto aus alter Zeit.

Bei Gott, dies mög' das Herz Euch rühren oft, daß ihr mit Mitleid schaut

Des hartgcplagten Volkes Lhränenfluth, Dcß Friedenshoffnung ruht Nächst Gott auf euch nur.

O stand' ein Held uns jetzt doch auf,

Zu hemmen dieses Wahnsinns Lauf,

Der, wie ein Fieber, wuthentbrannt.

Entzündend jagt durchs deutsche Land!

O kam' ein Held der alten Zeit,

Ein Held mit Schwert und Wort bereit,

Vernunft und Frieden zuzuwch'n Den Geistern, die sich nicht vcrstch'n!

O kam' vom alten Schlag ein Held,

Ein Held von Leipzigs Siegesfeld,

Zu ein'gen im Gefühl der Scham Die, denen Groll die Einsicht nahm!

O kam' ein Arndt, o kam' ein Stein Zu neuer Eintracht uns zu weih'n.

Daß jedem Feind es würde kund.

Noch ist der deutsche Leib gesund!

Lebt Keiner denn, der jenen gleich,

Kein einz'gcr mehr im deutschen Reich?

Kein cinz'ger, der in Wort und That,

Wie sie einst, schüfe Hilf' und Rath?

Ist auch der Geist, den sie geweckt.

Der Feind' und Frevler einst geschreckt,

Ist er erlahmt, erdrückt und todt.

Und schimmert uns kein Morgenroth?

O Stein, wie träfe wohl dein Groll Den, der, tyrann'schen Unrechts voll.

Des Rechts, der Freiheit Namen schreit Als Losung in dem höll'fchen Streit!

Wie würd'st du dich im Grabe dreh'»,

O Arndt, könnt'st du dein Volk jetzt seh'n.

Das sich dem wälschen Feind zur Lust,

Zerfleischen will die cig'ne Brust!

O ständ' ein Held uns jetzt doch auf,

Zn hemmen dieses Wahnsinns Lauf,

Der, wie ein Fieber, wuthentbrannt Entzündend jagt durch's deutsche Land.

Hamburg, 2. Juli. Bei der heute stattgehabten Serien-Verloosung der Hamburger Staats-Prämien-An- leihe von 1845 wurden folgende 35 Stück gezogen: 77. 121. 142. 156. 436. 586. 685. 694. 698. 738. 760. 820. 827. 905. 950. 997. 1000. 1045. 1098. 1211. 1297. 1357. 1368. 1394. 1443. 1467. 1550. 1558. 1590. 1685. 1691. 1711. 1743. 1749. 1891.

Redaktion, Druck und Verlag von Jak. Meeh in Neuenbürg.