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Meter von dieser entfernt, erhebt sich nahezu senkrecht eine hohe Bergwand. An dem oberen Rande derselben befinden sich von dem letzten Schneegestöber anqewehte mächtige, überhängende Schneemassen. Diese erglühten heute vor Sonnenaufgang zuerst in orangefarbenem, dann hochrotem und zuletzt gelblichem Licht. Die Erscheinung begann kurz nach 7 Uhr und hielt etwa 15 Min. an. Gleichzeitig war am östl. Himmel ein Morgenrot zu sehen.
— Von den Ungelegenheiten, welche der Schneesturm der letzten Tage bereitete, werden dem „Hall. Tgbl." aus Gerabronn folgende Beispiele berichtet: „Der Oberamtmann blieb auf einer Amtsreise von Samstag bis Montag in Roth a. S. total eingeschneit; Stadtpfarrer Lenckner von Gera, bronn, der für einen erkrankten Kollegen eine Leichenbestattung von Unter- weiler aus zu besorgen hatte, wurde daselbst ebenfalls so eingeschneit, daß in Gerabronn der sonntägige Vormittagsgottesdienst ausfallen mußte; Posthalter Stürmer fehlten seit Freitag seine 4 Postillone, nach welchen er am Montag auf die Suche ging. Die Eisenbahnpaffagiere, welche am Freitag und Samstag in Blaufelden und Roth a. S. sehr zahlreich ankamen, konnten bis heute, Dienstag, nicht weiter befördert werden, da es unmöglich war, die Geleise frei zu halten. Von Beförderung der Postsachen war natürlich keine Rede, nur durch den Telegraphen standen wir noch mit den übrigen Menschen in spärlicher Verbindung." — Ein anderer Berichterstatter schreibt dem gleichen Blatt unterm 13.: „Ich habe soeben die Bahnstrecke Mergentheim-Ellwangen durchfahren und möchte nicht unterlassen, der Bahnverwaltung und den Arbeitern die gebührende Anerkennung zu verschaffen. Man muß diese zahllosen, langhingestreckten, zu beiden Seiten des Bahnkörpers sich hochaufstürmenden Schneehaufen mit eigenen Augen gesehen haben, um einen Begriff davon zu bekommen, welche Anstrengung gemacht werden mußte, um den Bahnkörper so rasch wieder frei zu machen. Heute früh traf von der Garnison Mergentheim eine große Abteilung Mili- tär, mit Schaufeln versehen, in Schrozberg und Blaufelden ein, um bei Beseitigung der Schneemassen thätig zu sein."
— Hauptmann Wißmann hat in Hamburg, wie der „Hamb. Korr." erfährt, 3 Schleppdampfer „Altona," „Vesuv" und „Vulkan" angekauft. Außerdem soll noch der Dampfer „Harmonie" der Köln-London-Linie für denselben Zweck erworben sein. „Altona" ist ein etwa 18 Jahre altes hölzernes Schiff mit eisentuschlagenem Boden und 30 nominellen Pferdestärken. „Vesuv" und „Vulkan" sind etwa 14 Jahre alt und haben Maschinen von 60 nominellen Pferdes ästen. Alle 3 Schiffe sind in Hamburg als See- Bugsierdampfschiffe registriert und haben einen Tiefgang von 8—9 Fuß. Ueber den Zeitpunkt der Abfahrt ist noch nichts bekannt.
Rotterdam. 11. Febr. Seit dem Jahr 1825 ist die hiesige Stadt von keiner so großen Ueberfchwemmung heimgesucht worden, wie am 9. Febr. ds. Js., und der W sserstand an diesem Tage überstieg sogar die von genanntem Jahre noch um 5 Centimeter. Bei lange anhaltendem Nordwest wird natürlich das See- und Meereswaffer landeinwärts getrieben, und man sieht deshalb beinahe jedes Jahr, wie die Kanäle überlaufen und die Straßen der äußeren Stadt überschwemmen, wodurch natürlich nicht nur die Keller und Kellerwohnungen unter Wasser gesetzt werden, sondern das Wasser manchmal die ersten Stufen der Häuser erreicht. Dieses Mal wehte der Nordwest mit orkanischer Wut, die Waffermaflen wälzten sich gegen die Stadt, und als um die Mittagsstunde die Flut eintrat, stand das Wasser 3 Meter 57 Centimeter über dem Rottepegel. Die Straßen, Häfen und Grachten bildeten einen zusammenhängenden Wasserspiegel, jedweder Verkehr hörte auf, und was dies in einer großen Handelsstadt zu bedeuten hat, wird man leicht ermessen können. Die Wagen der Pferdebahn, welche ihren Dienst einstellen mußte, standen auf dem Börsenplgtz dicht aufeinander, viele Schulen waren für die Kinder unerreichbar, kurzum, die Verwirrung war allgemein. Im benachbarten Delfshaven erlag der Abschlußdeich an der Westseite dem Anprall des Wassers, das alsbald einen Teil dieser jetzt zu Rotterdam gehörigen Gemeinde überschwemmte, glücklicherweise widerstanden aber die großen Schleusen, sonst wäre das Unheil nicht zu übersehen gewesen; in Krolingen mußte die Deichwehr aufgeboten werden, die Einwohner an der Flußseite be
gannen bereits die Kranken und ihre bewegliche Habe in Sicherheit zu bringen, aber glücklicherweise hielt der große Deich, obwohl das Wasser schon seine Krone bespülte, tapfer Stand. Am furchtbarsten haben übrigens die Elemente in Scheveningen gehaust. Die am Strand liegende Fischer flotte wurde von den Tauen losgerissen, wild durch einander geworfen, etwa 10 Boote wurden vollständig zerschmettert, alle andern stark beschädigt, das Wasser drang bis an die steinerne Treppe unter dem Kurhause vor und schlug etwa 3 Meter des Dünenfußes weg. Der Artilleriepark am Strande wurde wie Kinderspielzeug durcheinandergeworfen und wenn nicht bei Zeit eine Abteilung Pioniere zu Hilfe gekommen wäre, so hätten die Wogen sämtliche Kanonen mit den Lafetten weggespült. Verhältnismäßig noch am besten kam Amsterdam weg. wo sich die Verwüstung hauptsächlich auf das Zerreißen der Telephondrähte, sowie auf Beschädigung von Dächern u. s. w. beschränkte, während im A Balken, Kisten, Tauwerk u. s. w. in wilder Unordnung durcheinander getrieben wurden. Bereits sind einige Schiffbrüche an der Küste bekannt geworden, und man fürchtet in Scheveningen für viele auf den Fischfang ausgefahrene Boote. Aber nicht nur an der Küste, sondern auch im Innern des Landes hat der Sturm gewütet, denn in Nymwegen ging ein auf der Waal liegendes Rheinschiff, das von einem Rückwind gepackt wurde, mit Mann und Maus in den wild erregten Wogen des Flusses unter. Außer in dem letzgenannten Fall hat man bis jetzt noch nichts von Verlusten von Menschenleben gehört, aber der materielle Schaden, der durch den Orkan angerichtet wurde, ist jedenfalls ein riesiger. _
WevrnistHtes.
— Von einer schneidigen Frau Hauptmann weiß die „Neue Zeit" aus Charlottenburg Folgendes zu berichten: Die Dame wurde, als sie abends aus einer Gesellschaft kam, von einem jungen Herrn belästigt, der es wagte, sie bis zu ihrem Wohnhause zu verfolgen. Dort faßte die Dame den Verfolger, nachdem sie die Hausglocke gezogen, unerwartet beim Genick und hielt ihn, trotz allen Sträuben-, so lange fest, bis der Bursche ihres Gemahls das Hausthor geöffnet hatte. Dem Krieger überlieferte die Dame den Gefangenen mit dem Befehl, demselben einige derbe Ohrfeigen zu verabreichen. Der Bursche kam dem Befehl mit Sorgfalt nach.
— Die Fortführung der Tien-Tsin-Eisenbahn nach Thung.Chow ist auf ein unerwartetes Hindernis gestoßen, welches den ganzen Plan zu gefährden droht. Die große Feuersbrunst, welche am 17. Januar einen Teil des kaiserlichen Palastes in Peking zerstörte, hat nemlich die Gemüter der am Alten hängenden abergläubischen Chinesen höchlich beunruhigt. In Folge dessen haben der Kaiser und dessen Mutter die Reichsastrologen befragt, welche nach langem Sinnen die Feuersbrunst für ein böses Wahrzeichen erklärten, das als Warnung dienen sollte gegen die Annäherung der „westlichen Erfindung" gegen die heilige Stadt. Der Weiterbau der Eisenbahn ist daher durch einen kaiserlichen Erlaß untersagt worden. — Der „London and China Telegraph" entwirft folgende Schilderung über den Kaiser von China: „Der Kaiser stockt beim Reden und spricht sehr langsam und mühsam. Er hat eine ruhige Gemütsart, bleibt aber hartnäckig bei einer einmal gefaßten Ansicht. Er hat einen sehr großen Kopf und ein schmales, spitziges Gesicht. Er wird für talentvoll gehalten. Allem Anschein nach gedenkt der Kaiser in Wirklichkeit, nicht nur dem Namen nach, die Herrschaft selbst auszuüben, und seinem Vater, dem Prinzen Chun, keine Einmischung in die Regierungsangelegenheiten zu gestatten. Prinz Chun wird wahrscheinlich alles aufbieten, sich im Amte und in der Gewalt zu erhalten, cs erscheint aber gewiß, daß der Kaiser dies nicht zugeben wird, so daß Streitigkeiten fast als sicher bevorzustehen scheinen." — Die Hungersnot im nördlichen China ist entsetzlich. In der Mandschurei wandern die Heimatlosen, Männer, Frauen und Kinder, im Lande umher. Man nennt sie „Verschlingen der Dörfer", weil sie allekahl essen, wohin sie sich wenden. Es ist unmöglich, sich der Landplage zu erwehren. Ihre Zahl ist zu groß, als daß man Gewalt brauchen könnte. In der Gegend südwestlich von Tiensin ist die Not so groß wie vor 10 Jahren. Ein großer Teil der Provinzen Shansi und Houan und das südliche Chihli und Shantung sind von der Hungersnot betroffen.
Amtliche Kkkmllllmiichililgev.
Revier Hirsau.
ZLrennholz-Werkauf
-Eaam Freitag, den 22. Febr , vormittags 10 iUhr, im Gast, ^(haus z. Kloster in Hirsau, aus Distrikt Lützenhardt, Abt. Oelgrund:
1 Rm. eichene Prügel, 39 Rm. buchene Prügel, 19 Rm. Nadel, holzscheiter, 272 deSgl. Prügel, 83 desgl. Anbruch, sowie 3000 Nadelholzwellen in Flächenlosen. Wildberg, den 15. Febr. 1889.
K. Forstamt. _I. V.: H e ck.
Der Verlosung ««) Anstellung
der Stiftung des Herrn Generalkonsul
v. Georgii-Georgeuan für Ar
beiter, welche bei einem hiesigen Gewerbetreibenden wenigstens 2 Jahre gearbeitet und sich bei Herrn Gemeinderat Eugen Staelin gemeldet haben, findet am Sonntag, den 24. Februar, vormittags 11 Uhr, im Zeichnungssaal des GeorgenäumS statt.
Wer am persönlichen Erscheinen verhindert ist, muß sich durch einen Andern mit schriftlicher Vollmacht vertreten lassen, wenn er nicht den Anspruch auf eine Gabe verlieren will.
Aufstchtsrat des Heorgeuäums.
Drlvnt-Anzelge».
Statt jeder besonderen Anzeige:
Hermann Eytrl,
viakonu».
Hrdrvig Lisro.
Verlobte.
Lalrv. Berlin.
Februar l88y.
Gesucht
wird auf Georgii ein solides, reinliches Mädchen, welches bürgerlich kochen kann und sich willig den häuslichen Arbeiten unterzieht. Solche, die schon in besseren Häusern gedient haben und gute Zeugnisse aufweisen können, mögen sich melden.
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