** Nagold, 14. Sept. Heute findet hier die Ditzcesansynode statt. Vormittags 9 Uhr beginnt der Gottesdienst, in welchem Pfarrer Hahn von Bösingen das Gebet sprechen und Pfarrer Moser von Ebhaujen die Predigt halten wird. Gegen­stände der Verhandlungen auf dem Rathhaus, die unmittelbar nach dem Gottesdienst beginnen, wer­den folgende sein: 1) Wie ist der Bibel wieder der ihr gebührende Platz im Familienleben zu ver­schaffen? Referent: Pfarrer Stockmayer in Sulz.

2) Die Pfennigsparkasse und das Raiffeisen'sche Dar­lehenswesen. Referent: Pfarrer H a h n in Bösingen.

3 ) Der Bezirkskinderrettungsverein. Referent: De­kan Kemmler.

* Nagold, 14. Sept. Die Predigt zur kirchl. Feier des Geburtstages Ihrer Majestät der Königin am letzten Sonntag hatte I)r. (hun­dert von Calw übernommen, der die von I. Mas. gewählten Textcsworte in sehr klarem Vortrage und tiefem Ernste behandelte. Abends versammelte sich zu Ehren dieses Tages ein schöner Kreis von Da­men und Herren auf der Post zur Kundgebung, daß die hohe Verehrung für die geliebte Landes­mutter auch in unfern Herzen innewvhnt, wenn solche auch nicht durch äußeres Gepränge zum Ausdruck kommt.

Stuttgart, 10. Sept. Das hiesige Landgericht ver- urtheilte in seiner Sitzung vom 10. den C. Baumgardlen von Coburg wegen Bigamie zu 1 Jabr Zuchthaus, lieber die hiebei kompromillitten Standesämter wirb voraussichtlich eine Untersuchung vcr! gt werden.

Stuttga.t. 11. Sept. Unserer geheimen Po­lizei kam die Nachricht zu, daß von der Sozialde­mokratie in einer bestimmten 'Nacht der vergangenen Woche ein Anschlag nach Art der fenischen gegen den neuen Justizpalast beabsichtigt wurde. Alan ergriff auf alle Fälle die nöthigen Vorsichtsmaßregeln. Die Gasflammen an dem Gebäude und in den Gängen brannten die ganze Nacht, und die Wachtmanuschaft wurde verdoppelt. Es kam indcß nichts Verdächti­ges vor, und man darf wohl annehmen, daß es sich hier kaum um einen ernstgemeinten Anschlag, sondern vielmehr um eine jener bubenhasten Drohungen, wie sie jetzt leider im Schwange sind, handelte. Nichts­destoweniger konnte die Polizei die Sache kaum un­beachtet lassen, ohne sich einer Pflichtvergessenheit schuldig zu machen.

Brandfälle: In UhctSweilcr, Gemeinde Neukirch (Teltnang) am 11. Sept. ein Wohnhaus samt Scheuer; in Ergetswciler, Gem. Fronhofen (Ravensburgs am 11. Sept. eine große Scheuer samt vielen Vorräthen; in Wittlensweiler (Freuden- stadt) am 10. Sept. das Wohngebäude des Schult­heißen Eiscnbeiß nebst Schopf; in Nienglis, Gemeinde Dietmanns, (Waldsee) am 7. Sept. ein Wohnhaus, eine Scheuer samt vielen Vorräthen nebst 12 Stück Vieh und 1 Pferd; in Ergetwci- ler, Gemeinde Humertsried, Schultheißerei Mühl­hausen, ; Waldsee) am 12. Sept. eine Mühle.

Schloß Friedrichshafen, 12. Sept. Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Großfürst und die Groß­fürstin Michael von Rußland mit durchlauchtigstem Sohne, dem Großfürsten Michael, sind heute Vor­mittag wieder von hier abgereist.

(Eine glückliche Gemeinde.) Die Stadtgemcinde Klingend erg (Umersranken) ist finanziell derart gut sitnirt, das; deren Bürger nicht nur frei von jeder Gemeindesteuer sind, sondern noch je ca. 80 90 aus der Stadtkasse jähr­lich auSbezalstt erhalten. Zur Feier des jüngsten Sedans­festes erhielt jeder Bürger und jeder dort wohnende ledige Mann, der als Soldat den Feldzug von 187071 mitmachte, je 2

Berlin, 10. Septbr. Der Kaiser ist heute Morgen um 6^2 Uhr aus Danzig wieder hier ein­getroffen. Die Kronprinzessin ist gestern Abend aus Paris an gekommen.

Berlin, 10 . Sept. Die Germania schreibt: Vor einigen Tagen schrieben wir, daß man im Va­tikan ernstlich die Abreise des heil. Vaters aus Rom in Erwägung ziehe. Der wohlunterrichtete Monde wirft seinerseits ebenfalls die Frage auf:Wird der h. Vater Rom verlassen?" und antwortet:Die Abreise ist nicht mehr ein vages Projekt, sie ist viel­mehr schon im Prinzip beschlossen und ihre Ver­wirklichung wird nur noch von dem weiteren Ver­laus der Ereignisse abhüngen. Dahin hat es also das revolutionäre Italien schon gebracht."

Berlin, 12 . Septbr. Die Post veröffentlicht den Wahlaufruf der Freikonservativen. Derselbe enthält die vollkommene Zustimmung zur Gesammt- politik des Reichskanzlers und fordert Reform der

Aktiengesetzgebung, erweiterte Börsensteuer, fernere Herabsetzung der Gerichtskosten, Maßregeln gegen übermäßige Auswanderung, Vereinfachung des Ap­parats der Volksvertretung ohne Verkürzung der Rechte derselben. Den kirchlichen Ausgleich begrüßt das Programm freudig, indem es dabei volle Wah­rung des Staatsrechts erhofft. Zuletzt wird gegen die pessimistische Auffassung der angeblich hereinbre- chenden Reaktion prvtestirt.

DerStandard" schließt seine Betrachtungen über die Begegnung mir der für Deutschland und die Politik des Fürsten Bismarck sehr schmeichel­haften Bemerkung, Deutschlands auswärtige Politik sei deshalb erfolgreich, weil dieselbe verständlich, sich gleichbleibend und konsequent sei und sich auf eine prachtvolle Armee stütze, um derselben jeden Augen­blick Nachdruck zu geben und sich zu Alliirten, wer ihm treu und mächtig zur Seite stehe, zu nehmen.

DenMecklenburger Anzeigen" zufolge, die öfter inspirirte Berliner Korrespondenzen erhalten, wird es als unzweifelhaft betrachtet, daß über kurz oder lang auch zwischen dem Kaiser Alexander und dem Kaiser Franz Joseph eine Zusammenkunft statt­finden werde.

Nach Pariser Nachrichten, welche derNeuen Fr. Pr." zukamen, übrigens mit Vorsicht aufzuneh­men sind, habe der Zar seinen Großonkel über die zu befolgende innere Politik Rußlands und die dor­tige Krise befragen wollen und sich Bismarcks An­wesenheit erbeten. Seitdem sei es aber eine That- sache, daß Jgnatiew in Ungnade gefallen. Der Rath Deutschlands werde auf die russische Politik von entscheidendem Einflüsse und die von Bismarck ge­wünschte Ernennung Schuwalow's zum Regierungs­chef werde auch die erste Kousequenz der Entrevue sein. Hiemit werde auch die panslavistische Politik verlassen werden. Jgnatiew habe eine heftige Scene mit dem Großfürsten Wladimir in Gegenwart des Zars über die von ihm arrangirte Reise von Mos­kau nach Nischnei-Nowgorod zu bestehen gehabt.

Danzig, 9. Sept. lieber die Vorgänge beim Eintreffen des Zaren aus demHohenzollern" er­fährt dieNat.-Ztg." folgendes Detail:Kaiser Wilhelm empfing den Czaren aus dem Verdeck mit dem Helm in der Hand, der Zar, welcher preußi­sche Ulanenuuisorm trug, wollte den Tschako ab­nehmen, die Schuppenkette war in der Eile nicht zu entfernen, der Zar riß mit einem Rucke die Kette ab und ging entblößten Hauptes auf den Kaiser zu, mit dem er dreimal Kuß und Umarmung wechselte, ebenso mit dem Kronprinzen und zweimal mit dem Großherzog von Mecklenourg. Fürst Bismarck zog sich mit Geheimrath Giers geraume Zeit in die Kajüte des Schifssoffiziers v. Nostiz zurück." Dem­selben Blatt zufolge hätte bei der Abfahrt der bei­den Kaiser aus Danzig am Freitag Abend in Folge der sich kreuzenden Ordres große Verwirrung ge­herrscht. Im letzten Moment sei die Abfahrt vom Ostbahnhvfe befohlen worden, wo nichts vorbereitet war. Alles war dunkel, Niemand zum Empfang anwesend. Der Zar mußte eine halbe Stunde, Kaiser Wilhelm eine ganze Stunde auf Beförderung warten.

Danzig, 10 . Sept. Fürst Bismarck ist heute Vormittag nach Varzin zurückgekehrt.

Hamburg, 9. Sept. Gestern wurde auf dem Gänsemarkt unter dem Jubel der Bevölkerung die Statue Gotthold Ephraim Lessing's enthüllt.

Itzehoe, 11. Sept. Die allerhöchsten Herr­schaften sind heute Abend kurz nach 6 Uhr wohlbe­halten hier eingetroffen. Vom Bahnhofe begab sich der Kaiser im offenen Wagen unter dem Geläute der Glocken und unter den jubelnden Zurufen der Bevölkerung nach sein Absteigequartier in der Villa des Kommerzienraths de Voß.

Itzehoe, 11. Sept. Unsere Stadt ist mit Fremden, welche die Kaisermanöver mit ansehen wollen, überfüllt; schon seit gestern ist in keinem Gasthaus mehr ein Plätzchen frei. Die reichen Kaufherren, welche die kaiserlichen und königlichen Herrschaften nebst Gefolge aufnehmen werden, haben ihre Häuser und Villen prächtig ansgeschmückt, und auch das ärmliche Haus entbehrt nicht des Schmu­ckes an Laubgewinden, Kränzen und Fahnen. Oesterreich-Ungarn.

Wien, 12 . Sept. Der Statthalter Böhmens, Kraus, fällte die Entscheidung, daß alle öffentlichen Behörden mit den Militärbehörden in deutscher Sprache verkehren müssen.

sVerhängnißvolle 100.000 Gulden.) Dieser Tage starb in einer östreichischen Provinz ein reicher Ma»n, dessen Vermögen man auf über eine Million schätzte. Im Grunde genommen steht die Sacke so, daß der reiche Mann nicht auf natürlichem Wege verstarb, er brachte sich vielmehr selbst ums Lebe». Aber auch die Angabe, daß er ein reicher Mann gewesen, ist nur mit einigen Einschränkungen wahr. Der Mann besaß allerdings ein großes Vermögen, aber er hatte sich in den letzten Wochen ungeheuer verspckulirt und seine Verluste waren so groß, daß ibm Alles in Allem nur noch hunderttausend Gutden blieben. Diesen Schlag vermochte der Mann nicht zu verwinden. Blos hunderttausend Gulden zu besitzen, erschien ihm als eine Schande und so ging er hin und sclbstmordcte sich. Eben diese hunderttausend Gulden sollten sich aber noch ein zweites Mal sehr verhängnißvoll er­weisen. Da der Verstorbene kein Testament hinterließ, so fiel sein Vermögen an den einzigen vorhandenen Erben, an seinen Bruder, der ein blutarmer Mann und bei Lebzeiten seines reichen Bruders von diesem völlig vernachlässigt worden war. Im Momente, als der arme Mann davon hörte, daß er, der bisher kaum trockenes Brod zu verzehren gehabt, ein riesiges Vermögen in der Höhe von hunderttausend Gulden geerbt, verlor er das Bewußtsein und starb auch schon wenige Stun­den darauf. Die Freude über das ihm zuqefallenc große Glück hatte ihn getödtet.

(Seltene Fruchtbarkeit.)! Hundefreunde dürfte Nachstehendes intercssiren: Die englische Dogge des Herrn Faulhaber in Pötzleinsdors bei Wien hat vor einigen Ta­gen 20, sage zwanzig Junge, darunter 18 Männchen, geworfen.

Schweiz.

Zürich, 12 . Sept. Ein Bergsturz in Elm­dorf, Kanton Glarus, hat gestern Abend 30 Häu­ser mit Zusätzen und herbeigeeilte Hilfsmannschaft, etwa 200 Menschen, begraben.

Frankreich.

DemTemps" zufolge sind die Insurgenten in Südtunesien entschlossen, den Franzosen eine förm­liche Schlacht zu liefern. Schon haben sich in Bli- da-Ciebeb, südlich von Zaghuan, angeblich 1315000 Insurgenten angesammelt, welche die in Zaghuan stehenden französischen T.ruppen bedrohen.

Niederlande.

Aus dem Haag kommt die Nachricht, daß Prinz Friedrich der Niederlande am Donnerstag Abend auf seinem Schlosse bei Haag nach kurzem Krankenlager verstorben ist. Prinz Friedrich der Niederlande, geboren am 28. Februar 1797, war mit einer Schwester Kaiser Wilhelms, der Princeß Louise von Preußen, vermählt gewesen.

Spanien.

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jKönig Kalnknun I.j hat jetzt alle Resultate der Kultur und des Fortschritts kennen gelernt, sogar eine A- Zugentgleisung hat er mitgcmacht. Dieselbe erfolgte auf der Reise nach Madrid und hatte glücklicherweise keine Folgen. § Ls

Nichts destvweniger ließ die Hawaische Majestät sich über den - eZ

Zwischenfall genau unterrichten; er fragte, ob Eisenbahnunfälle »3

in Spanien häufig verkämen?Nur ausnahmsweise," ent- gegnete der Beamte,diesmal Ihnen zu Ehren ...."Ah, da will ich auf der Rückreise lieber incognito bleiben, ver- ? "

setzte Kalakaua rasch. David Kalakaua scheint also über einen A

gesunden Mutterwitz zu verfügen. ?

England.

(Ein sprechender Kanarienvogel?) Ein Hirte_

in Scraps-gate, unweit Shecrneß, besitzt, wie der Times mitgetheilt wird, einen Kanarienvogel, welcher im Stande ist,

Worte und Sätze leicht verständlich zu sprechen. Zuweilen spricht der merkwürdige Vogel einige Worte in der Mitte ei--E>AA§2K nes Gesanges, aber die Worte, die er spricht, ohne zu singen,LZ sind bei weitem verständlicher. In der Ornithologie steht sprechender Kanarienvogel bis jetzt wohl ohne Beispiel da. ffL'L'Z-S

Amerika.

New-2)ork, 9. Sept. Der Bürgerausschuß AZ von Port-Huron (Michigan) erläßt einen AufrufffHTZH zur Hilfeleistung für die durch die WaldbründeUff 8 M in jenem Staate in Noch Versetzten, in welchem es^" heißt: Es steht bereits fest, daß 200 Menschen um gekommen sind; wahrscheinlich aber ist die dreifache?,

Zahl verbrannt. Tausende sind brod- und obdach-^ Z los geworden. In 20 Ortschaften sind weder ein?

Haus oder eine Scheune, noch Vorräche irgend ? - welcher Art übrig geblieben. Hornvieh, Schafe und ^

Schweine sind auf den Feldern verbrannt. Es herrscht 3

fürchterlicher Wassermangel in Folge der Dürre.

New-Dork, 13. Sept. Das Hilfskomite, welches die von den Waldbränden heimgesuchten Be­zirke Michigans bereiste, theilt mit, daß bisher 200 *

Leichen begraben worden seien und fortwährend neue gefunden würden. 1500 Familien mit 10,000 Kö­pfen sind der Hungersnoth ausgesetzt, wenn nicht bald Hilfe kommt.

Washington, 12 . Sept. Während der Ab­lösung der Schildwache schoß der Unteroffizier Ma- son auf den Attentäter Guiteau. Die Kugel streifte den Kopf desselben und schlug in die Wand der Zelle ein. Mason wurde verhaftet.

Longbranch, 12 . Sept. Gestern Abend herrschte wegen des Befinden Garfields große Be- s

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