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Nun, wa- giebt es denn schon wieder?,,Was »s giebt? Margarethe, das Rabenkiiid! hat mit dem Knecht eine Liebschaft, so eben habe ich sie im Garten überrascht/' Martin machte eine gewaltig krause Stirn bei dieser Nachricht! so lieb er Mar garethen hatte, so sträubten sich Stolz Und tief eingewurzeltes Voruriheil gegen diese Empfindung, und er konnte den Gedanken nicht ertragen, seine einzige Tochter einem armen Knecht zu geben; sei» ganzer Zorn entbrannte »nd er würde ihn »ach dem Wunsche Annens sogleich seines DicnstS entlassen haben, wenn Nicht die Erildte vor der Tbür und Heinrich unentbehrlich gewesen wäre. Margarethen, die zitternd des Ausgangs harrte, wurde angekün- -igt, sich der tosicn Licbesgcdankcn zu cnischla- -en, weil sie die Einwilligung der Eltern nie hoffen dürfte.

Arme Margarethe ! armer Heinrich! so schwanden die lieblichen Träume eures Glücks; Eigennutz, Haß und Vvriheil zertraten eure schönsten Hoffnungen. Deshalb blicktest du j,n Kreise der jubelnden Schnitterinnen webminhiz der scheidenden Sonne nach, und Heinrich hing betrübt auf seinem Roß und sah in die däm­mernde Nacht seines Schicksals,

Obgleich Marlin seinen Hausgenossen das strengste Stillschweigen über diesen Vorfall ge­boten hatte, so wurde er doch auf Anstifter, Pe­ters mit höhnische» Glosse» begleitet, im Dorf hcrumgetragcn. Dieser Bbscwicht war nicht zu­frieden , das Glück zweier Menschen gestört zu habe»; er ergriff auch noch ftde'Gelegenheit, «nd mißbrauchte sogar die Gewalt seines Va­ters, den unglücklichen -yeftirich zu kränken. Wegen Kleinigkeiten, die sonst nie gerügt wor­den waren, wurde er einigemal vor das Schul­zenamt gefordert und. sogar um Geld gestraft. Heinrich ertrug mit seltner Geduld die Necke­reien des Elenden; aber am Kirchweihfeste, als rr um feine» Gram zu vergesse» , mit einigen Kameraden im Windshaus saß und still in das Treiben der Glücklichen hiireiublicktc, kam Pe­ter halb berauscht und setzte sich ihm gegenüber. Man sah deutlich, daß er cs darauf anlegte, Heinrich zu beleidigen; dieser, dessen Innerstes beim Anblick dieses Menschen empört wuide, wollte den Tisch verlassen, aber feine Kameraden Haren ihn, zu bleibe»; lange achtete er nicht auf die plumpen Witzeleien der Elenden, aber dic­ker, durch seine Kälte gereizt, im frechem llc- ictMUtl) sich damit brüstete, das Gchkimniß sei­ner Liebe verra.'hc» zu habe» und sogar in un­anständigen niederen Ausdrücken von Margare­then sprach, verließ ihn die Besonnenheit. Mit ßurchtbarer Gewalt machte er sich Raum, ergriff den «brenschändeciseden Buben bei der Brust, tchütteltk ihn, daß die Krunladen krachte», und

warf ihn mit den Worten: Wenn dir dein Le­ben lieb ist, so komm mir nicht mehr in den Weg , sonst bist du verloren zur Tbür hin­aus. Das ist recht! das ist recht! schrien alle, die schon längst gern gesehen hätten, daß der Friedensstörer entfernt würde; denn fast mir als len Anwesenden halte er schon Händel gehabt; aber die Folge dieses Auftritts war, daß Hein­rich aus Befehl des Schulzen arretirt und ia das Gefängniß gebracht wurde, worin er einig« Tage sitze» und obendrein noch eine Geldstrafe leiden mußte. Sein.Herz erlag fast der »erhal­tenen Wulh über die Elenden, die Schuld an seinem Unglück hatten.

Zwei Tage später fand man den Seen des Schulzen auf dem Feld erschlagen. Der Ver­dacht fiel augenbüeküch auf Heinrich; mau er­innerte sich der Drohung im Wiothshaus und halte ihn mit einem Veil bewaffnet in den Wach gehe» sehen. Er wurde ausgesucht und endlich bleich und verstört cingcbracht, und auf seinen Kleid, rn waren Merkmale von Blut sichtbar. Heinrich beihcucrte seine Unschuld, allein der racheichuaubende Schulze ließ ihn sogleich ins Gefängniß ln Ingen und fesseln. Margarethe er­fuhr de» schrecklichen Vorfall und sank in liefe Ohnmacht.

Des andern Tages führte man den Unglück­lichen mit schwere» Ketten belastet in die nächste Amlsstakt. Viele seiner Freunde drängten sich an den Wagen und »ahmen Abschied, nnicr ih­nen auch Vater Martin, der tief erschüttert seine Hand drückte: ,,O Heinrich! was hast dg gcthan! hätte ich das vorausgeschen, es wäre anders gekommen ; daheim liegt Margarethe aus dem Sterbebett und läßt dich zum letztenmal grüßen." Heinrich verhüllte sein Gesicht und, schluchzte laut, und alles weinte ihm nach.

Der Prozeß begann. In allen Verhören ISuz- nete Heinrich die Lhat; doch, daß er mit dem Ermordeten früher Händel im Wirihshauft lge- hadk und die Drohung ausgesioßcn hatte, ge­stand er ein, Uiiv die Aussage der abgehörte» Zeugen waren gleichlautend. Die Blutflecken, gab er an, hätte er durch eine Verletzung;«,> der Hand erdalte», indem er Geschirrhoiz im Walde gehauen. Li» schwankender Beweis seiner Un. schuld; denn er konnte eben sowohl die Wunde im Kampf mit dem Erschlagenen erhalten, oder sie sich selbst nach geschehener Thal zugcfügt ha­ben, um glauben zu machen, die Blutflecke» wären Folgen derselben. Alle Versuche des In­quisitors , das jGesiäildniß der That hcrausNy locken, waren vergeblich. Nach den Gesetzen des Landes darf ohne dieses Niemand oerurkhcilt werden; es kam daher von dem ober« Gerichts­höfe der Beschluß; daß Inqmsit, gegen den alle Beweise sprächen, der.fader bisher hartnäckig