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Die urgeschichtliche Besiedlung der Nagolder

Landschaft

Bon Oskar Paret

Von den ersten Jahrtausenden der Besiedelung unserer Heimat und auch der Nagolder Gegend berichten uns keine geschriebenen Urkunden. Daß in diesem Gebiet schon in jener schriftlosen Zeit Menschen gelebt haben, wo und wie sie wohnten, können wir nur aus den alten Ueber- resten erschließen, die da und dort im Boden gefunden wurden und auch heute immer wieder gefunden werden.

Natürlicherweise ist von dem, was einst in den Boden kam und bis heute sich darin erhalten hat, erst verschwindend wenig bekannt gewor­den. Fast alle Funde, die bei Grabungen in früheren Jahrhunderten gemacht wurden, sind verschollen, da sie nicht aufbewahrt oder aus­gezeichnet wurden. Erst seit einigen Jahrzehnten wird den alten Kulturresten mehr Beachtung geschenkt, wenn auch heute noch ihre Mehrzahl unbeachtet und unerkannt bleibt. Wenn wir die für ein weiteres Gebiet, etwa das ganze Neckarland, festgestellten Ver­hältnisse berücksichtigen, können wir immerhin auch aus den für ge­wisse Zeiten seltenen Funden aus dem Oberamt Nagold ein ungefähres Bild seiner Siedlungsgeschichte und seiner Kulturverhältnisse in den einzelnen Abschnitten der jahrtausendelangen Urzeit bekommen.

Wir werden an der Verbreitung der Funde erkennen, daß Land­schaftsform und Bodenart zu allen Zeiten einen großen Einfluß auf die Vesiedlungsweise hatten. Soweit die Muschelkalkdecke reicht, fin­den sich auch Anzeichen alter Besiedlung. Im westwärts gelegenen Buntsandsteingebiet fehlen sie so gut wie ganz, wie ein Blick auf die Fundkartef Bild 187) zeigt. Der Sandsteinboden ist eben weder für Ackerbau noch Weidewirtschaft geeignet. Eine wesentliche Rotte spielte hier auch die Bedeckung des Landes mit Wald. Eine eigentliche Besie­delung Südwestdeutschlands war erst möglich geworden, als die nach der Eiszeit entstandene zusammenhängende Walddecke infolge einer Zeit warmen und trockenen Klimas lichter geworden war. Man hat diese Trockenzeit durch die Erforschung der Torflager Nachweisen kön­nen. Besonders auf den durchlässigen Kalkböden des Muschelkalkge- bietes, also auch des Hecken- und Schlehengäues beiderseits der Na­gold, war in jener Zeit, die etwa im fünften Jahrtausend v. Ehr. be­gann, der Wald abgestorben, und offenes Land mit Gras und Ge­strüpp und mit den eigenartigen Pflanzen der Steppenheide war an seine Stelle getreten. In dem Gebiete des Buntsandsteins aber bot auch die damals vom Nagoldtal an westwärts rasch zunehmende Nie­derschlagsmenge selbst in wasserarmen Gegenden genügend Feuchtig­keit für geschlossenen Waldwuchs.

Ob die salzhaltige Quelle, die im Agenbachtal nach Ausweis des Ortsnamens Sulz einst zutage trat (siehe Seite 11), in vorgeschicht­licher Zeit bekannt war, läßt sich mangels genauerer Erforschung der