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Bädcrreaktion ihre auffrischende Wirkung ausgeübt hat, dann sind die Bedingungen zur Überwindung oder Linderung der Krankheit oder des Schadens gegeben, den nun der allgemein wie örtlich zu Mehrleistung an­geregte und gestärkte Organismus mit seinen eigenen Mitteln zu überwinden hat. Dies geschieht freilich nicht immer so rasch und so greifbar, wie in dem eben beschriebenen Falle des kniekranken Kurgastes. Häu­fig ist die kurze Zeit eines Badeaufenthaltes von der üblichen Dauer von ungefähr vier Wochen dazu nicht ausreichend. Es ist aber schon genügend, wenn im Badeort selbst, um mich eines Vergleiches mit einer notleidenden Aktiengesellschaft zu bedienen, die Sa­nierung erfolgt, welches Wort übrigens ursprünglich der Heilkunde zugehört. Die Weitergesundung des krank gewesenen Körpers bis zur früheren Leistungs­fähigkeit oder einer noch höheren erfolgt gewöhn­lich erst allmählich, in den Wochen und Monaten, ,clie auf die Kur folgen. Man bezeichnet dies als die Nach­wirkung. In Unkenntnis einer solchen glauben oft irr­tümlich Patienten, die Wildbad nicht ganz geheilt verlassen, eine Fehlkur gemacht zu haben. Wenn dann der Arzt einem solchen Kurgast beim Abschied sagt, daß der Höhepunkt des Erfolgs oft erst in Wochen oder gar Monaten hinterher sich cinstellt, so wird diese Behauptung leicht für einen wohlfeilen Kanzleitrost gehalten und ebenso eingeschätzt, wie die den Bade­frauen geläufige Prophezeiung, daß nämlich die Wir­kung von Wildbad am zweiten Weihnachtsfeiertag bei der dritten Tasse Kaffee sich cinstelle. Dabei haben aber die Patienten unrecht, wenigstens insofern, als sic

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