betont werden, daß der Friede in Europa auf ab­sehbare Zeit hinaus gesichert erscheint. Dank dem deutschen Kaiser und seiner Friedensliebe. Vor seiner Thronbesteigung wurde der jugendliche Kaiser in recht weiten Kreisen für einen schneidigen Offizier gehalten, der nur für Militärangelegenheiten sich in- teressiere. Die Folgezeit hat bewiesen, wie irrig diese Anschauungen waren, wir wissen heute, daß der Kaiser alle Gebiete des Reiches mit gleicher Aufmerksamkeit behandelt. Deutschland ist auch heute noch das Land der meisten politischen Par­teien, die Meinungsverschiedenheiten über einzelne Maßnahmen der Reichsregierung werden unvermin­dert fortdauern. Aber niemand wird auch das be­streiten können, daß wir unter dem dritten Hohen- zollernkaiser mit derselben Zuversicht in die Zukunft blicken können, wie unter dem ersten.

Fages-WeuigkeiLen.

Deutsches Weich.

UWM Den Bericht über das Missionsfest in Altensteig mußten wir für das nächste Blatt zurück­stellen.

8 Nagold, 16. Juni. Aus Veranlassung eines Vortrags über Rinderzucht waren am letzten Sonntag in der Nachbarstadt Haiterbach eine größere Anzahl Landwirte beisammen und machte ein großer Teii derselben im Laufe des Nachmittags unter Führung des dortigen Ortsvorstands dem erst seit dem 5. Mai d. Js. bezogenen städtischen Farrenstall einen Besuch. Von dem richtigen Gedanken geleitet, daß zu einer gedeihlichen Viehzucht eine geordnete Farren­haltung gehöre, hat die Gemeindeverwaltung dort die Haltung der Zuchtbullen in eigenen Betrieb ge­nommen und zu diesem Zweck in der ehemaligen Zehentscheuer eine wirklich mustergiltige Stallung samt allen nötigen Zubehörden erbauen lassen, und kann das reinliche und geordnete Anwesen ihrer Eigentümerin nur zur Ehre gereichen und dürfte das Vorgehen dieser Gemeinde auch andere Gemeinden zur Nachahmung anregen, die günstigen Erfolge werden gewiß nicht ausbleiben.

K Haiterbach, 15. Juni. Gestern nachmittag fand hier im Gasthaus zum Löwen eine sehr zahl, reich besuchte Versammlung des landwirtschaftichen Vereines statt. Nachdem der Vorstand, Oberamt- manit^ Dr. Gugel , dieselbe mit warmen Worten begrüßt hatte, erhielt das Wort Herr Landwirtschafts­inspektor Or. Wiedersheim von Reutlingen zu einem Vortrag übereinzelne ausgewählte Fragen aus dem Gebiete der Rinderzucht." Herr vr. Wie­dersheim gab zuerst seiner Freude darüber Ausdruck, daß auch in unserem Bezirk seit einigen Jahren eine Zuchtviehgenossenschaft bestehe und nahm da­durch Veranlassung, ein kurzes Wort über den Zweck solcher Genossenschaften zu sagen. Zum eigentlichen Thema übergehend, verbreitete sich der Redner dann über die Wahl der Zuchttiere und deren Behandlung. Erfahrungsmäßig eignet sich für uns am besten die Simmenthaler Rasse. Es genügt aber nicht, immer wieder tausende von Mark hinauszutragen, sondern man hat darauf Bedacht zu nehmen, selbst taugliche Zuchttiere nachzuziehen. Von besonderer Wichtig­keit ist die Wartung und Pflege der Farren, um dieselben möglichst lange zur Zucht verwenden zu können. Die Regieverwaltung der Farrenhaltung durch die Gemeinden ist der Verpachtung entschieden vorzuziehen. (Haiterbach hat im vorigen Monat die Farrenhaltung in Selbstverwaltung übernommen; die betreffenden Einrichtungen, sowie die 5 Zucht- farren sind jüngst von der Farrenschaukommission als mustergiltig bezeichnet worden.) Heu- und Stroh­fütterung genügt, wenn auch hiebei der Pächter besserherauskommt", es muß noch Kraftfutter, am besten Haberschrot hinzutreten. Ja Hinsicht der Behandlung der Tiere hat man dafür zu sorgen, daß sie nicht vor der Zeit verdorben werden; man soll weder mit ihnen spielen, weil 'dies leicht zu Unarten führt, noch sie grob behandeln, wodurch sie störrisch und bösartig werden. Die Bewegung im Freien sollte ihnen nicht vollständig entzogen werden, weil ohne dieselbe ein baldiges Steiswerden der Glieder zu befürchten ist. Hin und wieder trifft man es auf dem Lande, daß das Kalben der Kühe womöglich ins Frühjahr gerichtet wird, damit die Tiere möglichst bald insGrüne" kommen. Durch diese Gewohnheit sind die Zuchtfarren zu Zeiten zu sehr, zu andern fast gar nicht in Anspruch genommen,

was entschieden Nachteile bringen muß. Was die Aufzucht der Kälber betrifft, so ist schon bei deren Geburt große Vorsicht nötig. Es muß dafür ge­sorgt werden, daß das Muttertier den richtigen Stand hat, daß man ihm Ruhe läßt und ja nicht vorzeitig eingreifen; Seile und frisches Wasser müssen zur Hand sein, letzteres zum Reinigen des Maules des Neugeborenen von Schleim, mittelst eines reinen kleinen Bierschlauchs kann man dem Kalb Luft in die Nase einblasen, um es zum Atmen zu veranlassen. Will man das Kalb an der Mutter saugen lassen, so legt man nach der Geburt es ihr zum Ablecken hin. Will mans aber gewöhnen, gleich anfangs aus dem Kübel zu saufen, was entschieden vorzuziehen ist, so entfernt man das Junge von der Kuh, daß sie es womöglich nicht sieht und reibt es trocken. Die sogenannte Priestermilch darf ihm nicht vorent­halten werden, sie wirkt reinigend. Zu empfehlen ist, die Milch anfangs mit heißem Wasser zu ver­dünnen. Den Kälbern soll nicht bloß 46 Wochen, sondern wenigstens 1/4 Jahr lang Milch gereicht werden. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dem Kalbe auch thunlichst bald Heu und Stroh und Kraftfutter, am zweckmäßigsten Haberschrot zu füttern. Je besser die Fütterung ist, desto wertvollere Tiere erhält man, nach dem bekannten Satze: Die Rasse kommt halb durch das Maul. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Wartung und Pflege der Kälber, Reinlichkeit, genügend viel Luft, Licht und Raum sind wesentliche Erfordernisse. Bewegung ist für junge Tiere so notwendig, wie für Kinder; daher sind Laufställe für Kälber, womöglich im Freien an schattigen Orten sehr zu empfehlen. Ungeteilter Beifall lohnte den Redner für seinen anregenden l'/-ständigen Vortrag. Der Vorstand dankte noch für das zahlreiche Er­scheinen der Mitglieder und schloß mit einem Hoch auf den um die Hebung der Landwirtschaft hochver­dienten H. Minister des Innern.

r. Altensteig, 15. Juni. Sonntag den 14. d. Mts., nachts lO'/L Uhr wurde die hiesige Feuer­wehr nach Bern eck gerufen, woselbst in der Nähe des Waldhorns 2 Häuser ein Raub der Flammen wurden.

Simmersfeld, 16. Juni. (Korresp.) Gestern Abend brachte der verheiratete Bauer Gottlieb Steeb von hier seine linke Hand in die Futterschncidma- schine, wobei ihm 3 Finger abgeschnitten wurden. Der Verunglückte wird allgemein bedauert.

Horb, 13. Juni. Trotz immerwährender War­nung kommen immer wieder die gleichen Unglücks­fälle vor. Zwei Lehrlinge, ein Müller und ein Bäcker, zeigten sich gestern gegenseitig einen Revolver. Plötzlich ertönte ein Knall, und der Bäcker brach zusammen. Der Revolver war geladen, und die Kugel drang unmittelbar unter dem Herzen in den Leib. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

Oberndorf, 12. Juni. Die argentinische Re­gierung hat dahier 180 000 Mausergewehre, liefer­bar innerhalb 2 Jahren, bestellt. Jedes Gewehr kostet ab Fabrik 92 Franken.

Stuttgart, 13. Juli. Wie derStaatsanz." erfährt, wird am 31. Okt. d. I. die seit I. Oktober 1890 errichtete und seither in dem Barackenlager iei Gmünd untergebrachte 4. Abteilung 2. Feldar­tillerieregiments Nr. 29 Prinzregent Luitpold von Bayern in die Garnison Ludwigsburg verlegt. Die Abteilung wird die neue, an der Leonbergerstraße gelegene Kaserne, welche bis zu diesem Zeitpunkt ertig gestellt werden wird, beziehen. Es ist als­dann das ganze Regiment in Ludwigsburg vereinigt.

Nach einem Erlaß des K. Ministeriums des In­nern haben Seine Königliche Majestät die Abhal­tung des landwirtschaftlichen Hauptfestes in Cannstatt am Samstag den 26. September d. I. genehmigt.

Riedlingen, 12. Juni. Heute früh zwischen 3 und 4 Uhr ist die Lokomotiv-Remise auf dem hies. Bahnhofe in Flammen geraten und vollständig nie­dergebrannt.

Ein Opfer des Barfußgehens L In Kneipp ist der Reichsfreiherr Fritz v. Hutten zum Stolzen­berg geworden. Derselbe hatte sich, wie aus Würz- Iiurg berichtet wird, beim Barfußlaufen eine kleine Verletzung am Fuße zugezogen, infolge deren sich tötlicher Starrkrampf einstellte.

In Zerbst ist das Rathaus durch Feuer zer- tört. Das Archiv ist gerettet.

Berlin, 13. Juni. Eine freisinnige Versamm­lung aufTivoli", in der Barth, Birchow und

Munckel vor 3000 Personen sprachen, nahm eine Resolution auf gänzliche Beseitigung der Getreide­zölle an. Einige Antisemiten versuchten vergeblich, die Diskussion zu stören.

Berlin. 13. Juni. Die scheinbar offiziösen Meldungen über einen bevorstehenden Besuch des Zaren in Berlin sind unbegründet.

Die Niederlage, welche die preußischen Deutschfreisinnigen in der Zolldcbatte erlitten haben, indem alle ändern Parteien geschlossen gegen sie stimmten, so daß 223 Stimmen gegen 20 standen, wird allseitig als eine äußerst schwere, im Preuß. Abg.-Haus bisher selten dagewesene bezeichnet. Es ist anzunehmen, daß in die Zollfrage jetzt mehr Ruhe kommen wird.

Der Mut und die Festigkeit, die der Reichs­kanzler von Anfang an in der Behandlung der Getreidezollfrage bewiesen hat, haben sich auch in den sehr erregten letzten Debatten des Abgeordneten­hauses keinen Augenblick verleugnet. Es bleibt da­bei : trotzdem in weiten Kreisen des Volkes Unzufrie­denheit über die Erschwerung des Daseins durch die hohen Preise der unentbehrlichsten Lebensmittel herrscht, wird keine Erleichterung durch zeitweilige Aufhebung der Zölle geschafft werden und die Re­gierung weigert sich auch, das Material zur öffent­lichen Kenntnis zu bringen, auf welches sich dieser Entschluß von unberechenbarer Tragweite stützt. Trotz der Sicherheit, die Herr von Caprivi gegen­über den Befürchtungen wegen eines zu erwartenden Notstandes zur Schau trägt, ist es zweifellos, daß er seine Rechnungen mehr auf den Himmel gestellt hat, als auf greifbare Thatsachen. Vor allem im Interesse des deutschen Volkes wollen wir wünschen, daß sich dieselbe als keine verfehlte erweisen möge; die fatalen Folgen, die das Gegenteil für den Reichs­kanzler haben müßte, können uns vor der Hand keine Sorgen bereiten.

Wie dieFrkfrt. Ztg." mitteilt, hat der preuß. Landtagsabgeordnete Dr. Arendt zwei Tage als Gast in Friedrichsruh geweilt. DieFrkfrt. Ztg." fügt hinzu, Fürst Bismarck sei ihm gegenüber in politischen Gesprächen außerordentlich offenherzig gewesen und habe versichert, daß er im Herbst in den Reichstag kommen wolle, um dem Handelsvertrag mit Oesterreich Opposition zu machen.

Amtlicher Nachweisung zufolge hat die Einnahme an Wechselstempelstcuer im deutschen Reiche für die Zeit vom I. April 1891 bis Ende Mai 1263431,55 Mark oder 62 233,05 Mark mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres betragen.

Zwischen der deutschen und österreichisch-unga­rischen Regierung finden, einer Pester Nachricht der Voss. Ztg." zufolge, Verhandlungen zum Zwecke einer namhaften Herabsetzung der Telegraphenge­bühren zwischen den beiderseitigen Ländern statt.

Welchen Anteil der Kaiser von Oesterreich an den Vorgängen in der deutschen Armee und speziell an seinem preußischen Regiment nimmt, beweist fol­gender Vorfall: Bei der Truppeninspizirung im Bruker Lager zog Kaiser Franz Joseph am Mitt­woch den Militär-Attache der deutschen Botschaft, Major v. Deines, in ein längeres Gespräch, in dessen Verlauf der Monarch sein tiefes Bedauern über das Unglück aussprach, welches sich bei der Uebung der ersten Kompagnie des Kaisers Franz-Grenadier- Regiments auf dem Tempelhofer Felde ereignete. Der Kaiser fügte hinzu, daß er sofort nach dem Unglücksfall ein ausführliches Telegramm von Kaiser Wilhelm erhalten habe und ersuchte Major v. Deines, ihm über das Befinden der durch den Blitzschlag verunglückten Soldaten auch weiterhin Bericht zu­kommen zu lassen.

Die vom Blitzschlag getroffenen Soldaten des Franzregiments in Berlin befinden sich sämtlich auf dem Weg der Besserung. Auch der am schwer­sten verletzte Gefreite Bär wird gerettet werden, allerdings wird er zeitlebens ein Krüppel bleiben.

Wie diePost" hört, hat der Landwirtschaftliche Verein für Clötze und Umgegend auf einstimmigen Beschluß hin folgendes Telegramm an den Reichs­kanzler von Caprivi gerichtet: Ehrerbietigsten Dank für unentwegtes Festhalten an einem stetigen Schutze der Landwirtschaft gegenüber kurzsichtigen Angriffen fühlen sich aus innerster Ueberzeugung auszusprechen gedrungen: der Ehrenpräsident des Vereins: Schultz- Lupitz. Der Vorstand: Fettig, Mertens, Müller, Damke, Schulze. Der Amtsgerichtsrat Stüber. Der