Ferrons, der dem General Caffarel zu verstehen ge­geben habe, er solle sich eine Kugel durch den Kopf jagen. Sodann bedauert Boulanger den üblen Ein­druck, den die Angelegenheit im ganzen Lande machen müsse, da man auch die Generale Miribel und Jung und den Oberst Vincent beschuldige und durchblicken lasse, daß noch manche andere Personen in die Sache verflochten seien. Schließlich behauptet General Bou­langer, daß er sich stets von jeder Art Schwindelei ferngehalten habe. Aber man habe es auf ihn ab­gesehen ; man wolle ihm etwas anhaben, könne dies jedoch nicht erreichen. Seinen Widersachern seien alle Mittel gut, selbst diejenigen, die auf die Länge der Zeit einen Makel auf die Armee werfen, die Armee mit Mißtrauen erfüllen und das Land in eine Entmutigung bringen.

Paris, 12. Okt.Ropublique frany." sagt: Unter den bei Caraffel beschlagnahmten Papieren be­fand sich auch ein Msumö des Mobilisierungspla­nes des 17. Armeekorps, sowie derFigaro" densel­ben veröffentlicht hat. Infolge der bei D'Andlau vorgenommenen Haussuchung ist eine Anzahl ver­schiedener Schriftstücke, besonders ein Agenten-Regi- ster, beschlagnahmt worden, worin die für den Han­del mit Ordenszeichen gezahlten Summen erwähnt werden.

Der PariserGaulois" erklärt die Nach­richt von der bevorstehenden Abdankung des Kaisers von Brasilien für unbegründet.

Italien.

Rom, 11. Okt. Zwischen den abessynischen Truppen und der Borhut der Italiener in Massauah soll es zu einem Gefechte gekommen sein. Die Ita­liener mußten vor der Uebermacht des Gegners zu­rückweichen.

Rom, 13. Okt.Riforma meldet, der deutsche Kaiser spendete den Armen in Messina 10 000

Mit dem Sultan von Marokko soll es plötzlich besser stehen, so daß man das Fell geteilt hatte, ehe noch der Bär erlegt war.Popolo ro- mano" sagt:Italien mit Massauah beschäftigt, be­absichtigt weder in Afrika noch anderswo Eroberungen, hat weder den Ehrgeiz noch überschüssige Kräfte jfür zweifelhafte Kolonialabenteuer und überläßt solche reicheren und abenteuerlustigen Nationen. Italien würde nur Ansprüche erheben, wenn andere im Mit­telmeer mächtige Staaten eine Machterweiterung ver­suchten.

England.

London, 11. Okt. Nach einer Meldung aus Shanghai sind bedeutende spanische Streitkräfte nach den Karolinen-Jnseln abgesandt worden zur Bestra­fung der Eingeborenen, welche den Gouverneur und die Garnison von Ponape ermordet haben. Die amerikanische KorvetteEssex" begibt sich ebenfalls dorthin, um die protestantischen Missionäre zu schützen. Die Lage der Dinge auf den Inseln wird für ernst gehalten.

Rußland.

Petersburg, 8. Okt. Die Odesfaer Uni­versitätsbehörde hat aUf die Petition eines nicht auf­genommenen jüdischen Kandidaten geantwortet, daß Juden alsHospitanten" nur dann zugelassen wer­den können, wenn auf einen jüdischen Hospitanten zehn christliche kommen. In Moskau wurden jüdische Pharmazeuten von der Universität gänzlich ausge­schlossen. Die Abgewiesenen haben an den Kultus­minister appelliert.

DerTimes" zufolge hat die russischeRe­

gierung auf eine Anfrage der Pforte, unter wel­chen Bedingungen Rußland und Bulgarien einen Kompromiß schließen würde, folgende Forderungen aufgestellt: 1) Ernennung eines russischen Kommissars, welcher mit einem türkischen Kommissar als Assisten­ten für 6 Monate volle Gewalt in Bulgarien erhält; 2) Ernennung eines neuen Ministeriums unter oem russischen Kommissar; 3) Wahl der Sobranje 3 Mo­nate nach Einsetzung des Kommissars und 4) Nomi­nierung zweier Thronkandidaten durch Rußland, von denen einer durch die Sobranje zu wählen ist.

Französischen Deutschenhaß. Aus Pe­tersburg berichtet der Fremdenführer Kuntze:Ver­gangene Woche kam hier der französische Vicomte de Beaumont an und stieg in einem der ersten Hotels ab. Als Fremdenführer hatte ich ihm die Sehens­würdigkeiten von Petersburg und Umgebung zu zei­gen. Am dritten Tage unserer Wanderung fragte mich der Vicomte gelegentlich, woher Ich sei. Ich antwortete, daß ich aus Hannover stamme.Han­nover!" rief er aus,das liegt ja in Preußen. Dann sind Sie ja Preuße! Wie können Sie es wa­gen, mich zu begleiten?" Sofort wurde ich abge- lohnt, und im Hotel äußerte sich der Vicomte noch sehr entrüstet darüber, daß man einen Preußen in einem Hotel, wo Franzosen verkehren , als Fremden­führer anstelle."

Bulgarien.

Sofia, 11. Okt. Nach dem endgiltigen Wahl­ergebnisse sind von 292 Wahlen 258 regierungs­freundlich, 27 oppositionell, 7 unentschieden ausge­fallen. Bei den Wahlkämpfen wurden 25 Perso­nen getötet und 30 verwundet.

Amerika.

Newyork, 12. Okt. Auf der Chicago-At- lantic-Eifenbahn stieß unweit Northyudson (?) ein Güterzug mit einem Expreßzug zusammen. 4 Per­sonenwagen, darunter ein Schlafwagen, wurden um­gestürzt und gerieten in Brand, 17 Passagiere sind tot, 25 mehr oder weniger schwer verletzt.

Newyork, 13. Okt. Ein Orkan richtete an der Westküste Mexikos beträchtlichen Schaden an. Unter ariderem wurde die Stadt Quellte, Provinz Lincoln, wrlche gegen 8000 Einwohner zählt, fast gänzlich zerstört. Viele Menschen verloren dabei das Leben.

Kleinere Mitteilungen.

Die entsetzliche Mörderin ihres Stiefkindes, Franziska Langheinz von Kiebingen (Rottenburg) soll nun gar auch noch ein Gnadengesuch bei Sr. Maj. dem König einge­reicht haben.

Dr. Morell Mackenzie wurde von einem in Stutt­gart lebenden Herrn, der erfahren hatte, Dr. Mackenzie werde über Stuttgart kommen, telegraphisch wegen einer Konsultation befragt. Der berühmte Arzt erwidert, er komme zwar nicht j nach Stuttgart, erklärte sich aber bereit, die Konsultation in ^ Calais vorzunehmen und fügte gleich bei, daß seine Honorar- ^ forderung 625 Fr. betrage. Das war dem Herrn scheint eS, etwas zu viel, und er verzichtete darauf, sich von Sir Morell untersuchen zu lassen.

Würz bürg, 12. Okt. Das Dorf Hausen bei Fladungen ist abgebrannt.

Ein furchtbares Brandunglück hat das Städtchen Simmernbei Koblenz betroffen. 19 Wohnhäuser mit Scheuern und Stallungen wurden in rauchende Trümmerhaufen ver­wandelt.

Mutterliebe. Der Sohn des seit kurzem sich in Bogenhausen aufhalteudcn Grafen P. hatte vor einiger Zeit das Unglück, mit der linken Hand in eine Futterquetsch- > Maschine zu geraten, so daß eine Amputation notwendig wurde. Da nun aber die Haut vielfach in der Umgebung der Wunde j zerrissen war, so erklärte der Arzt, daß nur durch Ueberpflan- zung von Haut aus einem gesunden.Körper Abhilfe geschehen

könne. Sofort erklärte sich die edelmütige Mutter des Pa­tienten bereit, Teile ihrer eigenen Haut zu opfern. Dr. Kröche in Bad Brunnthal schnitt der Dame infolge dessen S Stücke Haut aus einem Arme, verpflanzte dieselben auf die Hand des Knaben und Mutter und Kind sind bereits geheilt.

Handel öe Berkehr.

Von allen Seiten her kommen Nachrichten, wo­nach die Obstpreise in ganz beträchtlichem Steigen begriffen sind. Es scheint zwischen den verschiedenen en xros-Obsthändlern eine Art Kartell abgeschlossen worden zu sein, wonach sie nur so viel Obst kommen lassen, daß möglichst hohe Preise erzielt werden kön­nen. Der Zentner kommt zurzeit auf ca. ^ 7.25 bis 7.50 und stellt sich der Most bei diesem Preise auf ca. 70 »tL per Eimer. Das ist ein teurer Haus­trunk und es wird unter diesen Umständen geratener sein, sich Wein einzulegen, der ja, den Lagen ent­sprechend, schon von 80 -,-6 an zu haben ist. Auf ein beträchtliches Sinken der Obstpreise ist thatsäch- lich nicht mehr zu rechnen, und es wird dann doch vernünftiger sein, das Geld ini Lande und unfern Weingärtnern einen Verdienst zukommen zu lassen, als Summen über Summen ans Ausland abzugeben.

Nagold, 13. Okt. (Marktbericht.) Der heutige Kirch- wcihjahrmarkt war mit Vieh aller Gattungen überaus stark befahren. Der Handel ging, mit Ausnahme von Mastochsen, nicht so lebhaft wie am letzten Markt, und trat eine Besserung der Preise gegen die letzten Vormärkte nicht ein. Zugeführt wurden: Ochsen zirka 210 Paar, verkauft 89 Paar im Preise von 3048 Karolin. Erlös 68141 ^ Kühe 178 St. ver­kauft 60 St. im Preise von 70280 ^ Erlös 8885 Rinder und Schmalvieh 260 St., verkauft 180 St. im Preise von 50230 Erlös 10000 Dem Schweincmarkt wa­ren 350 Stück Läuferschweine und 260 St. Milchschwciue zu­geführt. Verkauft wurden 200 St. Läuferschweine im Preise von 3056 und 215 Milchschweine im Preise von 10--16 Erlös 8810 Gesamtumsatzsumme 75837 Mit

der Eisenbahn gingen 16 Wagenladungen Vieh ab. Da gleichzeitig eine Anzahl Obstwagcn auf dem hiesigen Bahn­hof sich befand und viele Liebhaber sich einfanden, so war daselbst ein bunt bewegtes Leben. Das Obst wurde zu hohen Preisen bis ^ 8.50 feil geboten, fand aber scheints nicht den gewünschten raschen Absatz.

Eb Hausen, 12. Qkt. (Hopfen). Mehrere Partien L 8890 pr. Ztr. Immer noch Vorrat.

Die Weinpreise variieren bis jetzt je nach Qua­lität und Lage zwischen 80 und 160 ^

(S t u t t g a r t e r E n g r o s - M ä r k t c). 1000 Ztr. Kartoffeln zu ^ 3.30 3.50 pr. Ztr. 6000 Kraut, 1822 Pr. Hundert. Güterbahnhof (12. Okt.) 7000 Ztr. ausländ. Mostobst ^ 7.50-8 pr. Ztr.

(Obstpreise). Reutlingen. Zirka 8 Wagen Aepfel zum Preise von -lL 7.407.60 und 7.80, Birnen 6.30 pr. Ztr. Tübingen. Preise variieren zwischen 6.30 und 6.4080 pr. Ztr. Eßlingen. 4 Wagen österr. und 4 Wagen rhein. Obst, Preis 7.507.80 pr. Ztr.

Nürnberg, 11. Okt. (Hopfen). Es notieren: Markthopken prima 7075 mittel 6070, gering 5060, Badische prima 90110, sekunda 7090, Württemberger prima 90110, sekunda 7090, Elsässer prima 80110, se­kunda 60-80, Polen 70-110.

Konkurseröffnungen. Stefan Ströbele, Bäcker von Gamerschwang (Ehingen), entwichen. Wilhelm Bausch, Kaufmann in Eßlingen, mit unbekanntem Aufenthalt abwesend. Camille Gaugler, Glacelcderfabrikant in Eßlingen.

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(Hiezu das Unterhaltungsblatt 46.)

Verantwortlicher Redakteur Steinwandel in Nagold. Druck und Verlag der G. W. Aaise r'schen Buchhandlung in Nagold.

Amtliche und Nrivat-Nekanntmachungen.

Bekanntmachungen über Einträge im Handelsregister.

III. Register für eingetragene Genossenschaften.

1 .

Gerichtsstelle,

welche die Bekannt­machung erläßt.

2. i 3.

^ Wortlaut der Firma; Sitz der Genossenschaft: der Ort ihrer etwaigen Zweig -

Eintragung. Niederlassungen.

4.

Rechtsverhältnisse

der Genossenschaft.

8.

Prokuristen;

Liquidatoren;

Bemerkungen.

K. Amtsgericht Nagold.

11. Oktober 1887.

Spar- u. Vorschuß­bank Haiterbach, Eingetragene Genossen­schaft. Haiterbach.

Gegenwärtiger Vorstand:

Jakob Knorr, Stadtpfleger in Haiterbach, Vorsitzender, Georg Gutekunst, Sattler daselbst, Kaffier;

Z. B.

Oberamtsrichter

Daser.

Christian Rapp z. Lamm daselbst, Schriftführer.

! Der 45 Jahre alte ledige Johannes > Bkaich , Sohn der Witwe Blaich in Zwerenberg, ist durch Beschluß vom Heutigen wegen Verschwendung

entmündigt

worden.

Calw, 11- Oktober 1887.

K. Amtsgericht. AR. Fischer.

70 Meter

Ef f r i n g e n.

FlnHcu-SiIlkitkchch

mit guter Abfuhr verkauft

Friedrich Breitling.