NUMMER 96

SAMSTAG, 2 3. JUNI 1951

Commonwealth-Konferenz in London

Verteidigungsminister besprechen militärische Zusammenarbeit

Bemerkungen zum Tage

Ende eines Weltkonzerns

hr. Auf einem Goldfeld in Australien hat der Konzern, der den NamenAnglo-Iranian-Oil- Company trägt, in den 80er Jahren des vori­gen Jahrhunderts seinen Anfang genommen. In Abadan am Persischen Golf sind die persi­schen Nationalisten jetzt dabei, die 70 Jahre eines gewaltigen Aufstiegs noch immer be­sitzt die Anglo-Iranian ein Aktienkapital von etwa 3 Milliarden DM zu liquidieren, eines Aufstiegs, der geradezu beispielhaft war für die Großzügigkeit, aber auch die Härte des britischen Wirtschaftsimperialismus. Die Zeiten eines Cecil Rhodes sind unwiderbringlich da­hin. Wo ist heute Lord Kitchener, der, wie einst die ägyptischen Mahdisten, so die per­sischen Nationalisten zusammenkartätschen könnte? England ist in der Nationalisierung der Grundstoffindustrien auf der eigenen Insel mit zu gutem Beispiel vorangegangen. Jetzt muß "es erleben, wie es der Welt größte Öl- Raffinerie verliert. Und mehr noch. Der Natio­nalisierungsgedanke ist auch im Irak, in Ko- weit und anderwärts auf fruchtbaren Boden gefallen. Eine Saat von Drachenzähnen geht im britischen Hausgarten auf.

Man kann sich des Eindrucks nicht erweh­ren, daß gegenüber Persien große Fehler ge­macht wurden. Die Engländer verstehen sehr viel von Wirtschaft und Handel, aber sie ha­ben wenig Verständnis für Männer, die von Ideen besessen sind. Es ging ihnen ja mit Hit­ler und Stalin und wohl auch mit Mao Tse- tung schon so. Sie haben auch das Phänomen Mossadeq nicht voll erfaßt. Ein großzügiges Nachgeben hätte vor wenigen Monaten noch die persische Entwicklung in ruhige Bahnen lenken können. Die einzige Alternative wäre ein wirklich entschlossenes Auftreten gewesen. Das hätte die Bereitschaft bedeutet, das Recht des Eigentums notfalls durch bewaffnete In­tervention zu garantieren. Aber wie sollte eine sozialistische Regierung, die das Eigentum zu Hause beschneidet, im Auslande für Kapital und Eigentum kämpfen. So erwartete man das Heil vom hinhaltenden Nachgeben. Man war weder wirklich hart noch aber wirklich ela­stisch. Am Ende bleibt England nichts, als mit einem System von Aushilfen die Öllücke zu schließen. Für Persien aber stehen schlimme Zeiten bevor, denn Mossadeq wird die Geister des Terrors, die er gegen die übermächtige Anglo-Iranian zu Hilfe rief, nicht mehr los. Wenn die Engländer gehen, ist Persien ban­krott. Dann wird die aufgeputschte Straße herrschen. Und diejenigen, die sich befriedigt die Hände reiben, sitzen im Kreml.

Klapproth verhaftet

Polizei nimmt Polizeipräsidenten fest

FRANKFURT. Der Frankfurter Oberbür­germeister Dr. Walter Kolb hat am Donners­tagabend die Polizei der Stadt aufgefordert, trotz der Verhaftung ihres Präsidenten wei­terhin treu und gewissenhaft ihre Pflicht zu erfüllen.

Der Polizeipräsident von Frankfurt, Willy Klapproth, war am Donnerstagnachmittag nach einer langenVernehmung verhaftet wor­den, nachdem er bereits am Vormittag des gleichen Tages von seinem Amt suspendiert worden war. Es wurde weder von der Staats­anwaltschaft noch vom Oberbürgermeister mitgeteilt, welcher Delikte Klapproth be­schuldigt wird.

Gegen Klapproth waren im Zusammen­hänge mit dem im Mai abgeschlossenen Frank­furter Polizei-Bestechungsprozeß in der Öf­fentlichkeit verschiedene Anschuldigungen er­hoben worden. Bei dem Prozeß waren zehn ehemalige Frankfurter Kriminalbeamte we­gen passiver Bestechung, Unterschlagung und anderer Delikte zu Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis verur­teilt worden.

ROM. Rund zwei Millionen Angestellte der öffentlichen Dienste und der Staatlichen Eisen­bahnen Italiens sind gestern in einen 24stündigen Lohnstreik getreten.

LONDON. Die Verteidigungsminister und Generalstabschefs der 6 Mitgliedstaaten des Commonwealth Großbritannien, Kanada, Au­stralien, Neuseeland, Südafrika und Südrho­desien sind am Donnerstag in London zu einer einwöchigen Konferenz zusammengetre­ten, auf der die Möglichkeiten einer engeren militärischen Zusammenarbeit, vor allem im mittleren Osten, beraten werden sollen.

Der britische Verteidigungsminister S h i n- w e 11 erklärte nach der ersten Sitzung, daß die am mittleren Osten interessierten Com­monwealthländer zur Stärkung der dortigen Garnisonen kleinere Streitkräfte zur Verfü­gung stellen sollen. Australien, Neuseeland und Südafrika seien auf Grund ihrer Lage an

Lebenslauf eines

ESSEN. Die Wahl Christian Fettes zum höchsten Repräsentanten des Deutschen Ge­werkschaftsbundes der DGB-Vorsitzende ist nur dem Bundeskongreß gegenüber ver­antwortlich und bestimmt innerhalb der von diesem festgelegten Richtlinien die Gewerk­schaftspolitik gibt Veranlassung, einen kurzen Abriß des Lebenslaufs von Fette zu geben:

Christian Fette entstammt einer Bremer Handwerkerfamilie. Er wurde am 1. Februar 1895 als Sohn des Schuhmachermeisters Georg Fette geboren, erlernte von 19091913 das Buchdruckerhandwerk und trat am 1. April 1913 dem Verband der Deutschen Buchdrucker und der SPD bei..Nach dem Krieg beteiligte er sich aktiv am Aufbau der sozialistischen Arbeiterjugend in Bremen, 1920 wurde er zum Vorsitzenden des Buchdruckerhandwerks im Bezirk Bremen gewählt, 1924 übte er dieselbe Funktion im Bezirk Duisburg aus, 1931 f^el ihm die Position des stellvertretenden Gauvor­stehers des Deutschen Buchdruckerverbandes für Rheinland-Westfalen zu. Damit begann seine hauptamtliche gewerkschaftliche Tätig­keit.

Nach 1933 stand Fette unter dauernder Auf-

MÜNCHEN. Als erstes Parlament der Bundes­republik sprach sich der Bayerische Landtag für die Wiedereinführung der Todesstrafe für Mör­der aus. Bei der namentlichen Abstimmung wa­ren 89 Abgeordnete für und 72 Abgeordnete ge­gen die Todesstrafe. Die Abstimmung wurde durch einen Antrag der Bayernpartei ausgelöst.

AUGSBURG. Im dritten Penzberger Mord­nachtprozeß beantragte der Staatsanwalt am Don­nerstagabend vor dem Schwurgericht Augsburg für drei Angeklagte lebenslängliche und für zwei mehrjährige Zuchthausstrafen. Die Angeklagten sind beschuldigt, Beihilfe zum Mord an 16 penz­berger Bürgern geleistet zu haben, die in der Nacht zum 29. April 1945 nach demUrteil eines Femegerichts gehängt wurden, weil sie die Einstellung der Kampfhandlungen empfohlen hatten.

BONN. Über den eventuellen Ausschluß der SPD-Abgeordneten Dr. Franz Richter und Dr. Fritz Doris aus der WAV-Fraktion des Bundes­tages soll auf c'er nächsten Fraktionssitzung ent­schieden werden.

DÜSSELDORF. Die Bundesverkehrwacht hat anläßlich ihrer letzten Tagung zur Frage der Einführung einer Autobahnbenützungsgebühr scharf ablehnend Stellung genommen. Diese Steuermaßnahme hätte durch das Abdrängendes Kraftverkehrs auf die anderen Straßen eine sprunghafte Steigerung cer Verkehrs-Unfallzif­fer zur Folge.

HAMBURG. In dem Prozeß gegen den Eltern­rat einer Hamburger Schule, der die Kinder zum Schulstreik aufgefordert hatte, wurden von der Staatsanwaltschaft Gefängnisstrafen von drei bis neun Monaten wegen Landfriedensbruch und Nö­tigung beantragt. Die Verteidigung führte an, die Eltern hätten zu diesem letzten Mittel gegriffen,

einer Verteidigung des mittleren Ostens in Kriegszeiten interessiert. Der mögliche Bei­trag hänge jedoch von den Verpflichtungen in anderen Teilen der Welt ab. Die Konferenz werde daher auch den geplanten Pazifikpakt erörtern.

Am Donnerstag wurden bereits die Lage in Persien und die Auswirkungen eines Ausfalls des persischen Öls für das Commonwealth be­sprochen. Mit Ausnahme Kanadas beziehen die übrigen auf der Konferenz vertretenen Länder den Hauptteil ihres Erdöls aus der persischen Jahreserzeugung von 30 Millionen Tonnen. Die drei asiatischen Commonwealth­mitglieder, Indien, Pakistan und Ceylon, neh­men nicht an der Besprechung teil.

Gewf kschaftlers

sicht der Polizei tmd wurde dreimal verhaftet. 1945 begann er gleich mit dem organisatori­schen Aufbau der GewerkschaftGraphisches Gewerbe und Pr.nierverarbeitung in Köln und Nordrhein-Westfalen, 1947 wurde er in die Zonengewerkschaftsleitung berufen, 1948 auf Drei-Zonen-Ebene zum Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Druck und Papier ge­wählt. Unter dem Vorsitz von Fette ist es der IG Druck und Papier gelungen, die Lohn- und Arbeitsbedingungen im graphischen Ge­werbe und in der Papier und Pappe verarbei­tenden Industrie wesentlich zu verbessern.

Zu seiner Charakterisierung wird uns mit­geteilt:Man sagt, der jetzt 56jährige sei viel­leicht weniger bedächtig als sein Vorgänger. Die westfälische Ruhe seines älteren Freundes Böckler gehe ihm ab. Er sei wohl rascher im Entschluß und wendiger. Seinen hart zugrei­fenden Verstand loben viele. Bei allen Unter­schieden, die man zwischen Böckler und Fette finden mag, bleibt das eine bestehen: Daß Böckler selbst Christian Fette in seinem Te­stament als Nachfolger empfohlen hat. Er wird, gewußt haben, wer am besten in seinem Geiste das 1945 neu begonnene Werk fortset­zen könnte.

nachdem schriftliche Proteste gegen die Belegung eines Teils der Schule mit einem Wirtschaftsamt und cen damit verbundenen gesundheitsschädi­genden Vierschichten-Unterricht ohne Erfolg ge­blieben seien.

HAMBURG. Das Deutsche Rote Kreuz ruft alle Kraftfahrer zum Kauf derPatenschaffsplakette 1951 für Heimatvertriebene auf. Der Erlös aus dem Verkauf der Plaketten, die 6.50 DM kosten, soll vor allem den im Lager Friedland bei Göp­pingen eintreffenden ostdeutschen Umsiedlern zugute kommen.

KIEL. Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuß traf am Donnerstagabend zu einem dreitägigen Besuch der Kieler Woche ein. Er hielt vom Bal­kon des Rathauses vor ungefähr 50 000 Kielern eine Ansprache, in der er zum Ausdruck brachte, daß wenn die Deutschen heute für ein Europa wären, sie dann für cie vielen Deutschen mit­sprächen, die jenseits des eisernen Vorhanges stumm sein müßten.

BERLIN. Der Sowjetzonen - Ministerpräsident Otto Grotewohl hat die Regierung cer UdSSR gebeten, zuzustimmen, daß Verhandlungen über ein fünfjähriges Handels- und Zahlungsabkom­men geführt werden. Wie Walter Ulbricht be­kannt gab, plant die Sowjetzonenregierung auch mehrjährige Handelsabkommen mit einer Reihe vonvolksdemokratischen Ländern.

ROM. Der neuernannte Befehlshaber der At­lantikpaktstreitkräfte in Südeuropa, US-Admiral Robert B. Carney, ist am Donnerstag nach der Einweihung seines Hauptquartiers an Bord der Olympus aus Neapel nach Rom zurückgekehrt, um dem italienischen Ministerpräsidenten einen Höflichkeitsbesuch abzustatten. Carney ist außer­dem Oberbefehlshaber der amerikanischen See­streitkräfte im Ostatlantik und im Mittelmeer.

Der neugewählte Vorsitzende des DGB: Rasch im Entschluß und wendig

Kleine Weltchronik

Der verschlossene MUND

Roman von Doris Eicke

^ Alle Rechte Verlagihaui Reutlingen

Hast Du Dir das gut überlegt? fragt er noch einmal.

Andrea beugt ihren Kopf noch tiefer. Das dunkle Haar fällt bergend über ihr Gesicht und gibt den schmalen, weißen Nacken frei. Dieser Nacken hat in seiner plötzlichen De­mut etwas unsäglich Rührendes. Niels beißt die Zähne zusammen, daß die Backenmuskeln spielen.

Plötzlich beginnt Andrea zu sprechen, sehr schnell, undeutlich, überstürzt, und es sieht aus, als rede sie mit Niels Schuhen, auf die sie den Blick starr gerichtet hält. Sie ver­schweigt nichs von allem, was sie in diesen Stunden gedacht und gefühlt hat. Innerlich beschwört sie diese regungslosen Füße, daß sie auf sie zukommen und ihr diese beschä­mende Beichte ersparen möchten, aber sie rüh­ren sich nicht von der Stelle.

O Niels, ich bin so dumm gewesen! schließt Andrea mit einem trockenen Auf­schluchzen und wagt zum erstenmal, den Kopf zu heben. Zögernd tastet sich ihr Blick an die­ser schweigenden Gestalt hinauf. Niels ist sehr blaß, er hat die Gefahr begriffen, in der sie beide schwebten, aber er lächelt, mehr mit den Augen als mit dem Mund, und in ihnen liegt wieder jene grenzenlose Güte, die sie so sehr an ihm liebt.

Andry, was bist Du für ein kleiner Vul­kan, sagte er leise.Beinahe hättest Du uns beide sehr unglücklich gemacht und alles um ein lächerlicher Mißverständnis. Lohnt es sich denn, Du dummes, kleines Mädchen, Du?

Andrea versucht noch eine letzte klägliche Verteidigung:

Aber was sollte ich denn von Eurem lan­gen Ausbleiben denken?

Gar nichts, sondern vertrauensvoll auf die Erklärung warten. Wenn Du zu Hause gewe­sen wärst, als ich anrief, hätte ich es Dir gleich gesagt.

Was denn, Niels?

Er setzte sich neben sie und legte den Arm um ihre Schulter. Den ganzen Weg hatte er sich darauf gefreut, ihr seine Neuigkeit auf­zutischen, jetzt mußte er erst wieder zu die­ser verschütteten Freude zurückfinden. So er­zählte er zuerst trockener, als er wollte und erwärmte sich erst langsam wieder an Andrys fassungslosem Staunen.

Ulrickes Vetter, den sie gemeinsam mit Niels aufgesucht hatte, war seit einem Jahr Ein­flieger der Focke-Wulf-Flugzeugwerke in Bre­men. Er hatte diesen gut bezahlten Posten mit seiner hohen Gefahrenzulage angenommen, um sich damit die Reise und ein kleines Be­triebskapital in Afrika zu verdienen. Ulrickes Bruder betrieb eine Farm am Kilimandscharo, mit ihm wollte er sich zusammentun. Sie selbst aber hatte ihn nur aufgesucht, um ihre Fühler wegen einer eventuellen Mitreise aus­zustrecken. Dieser Gedanke war ihr während des fruchtlosen Disputs mit Niels ganz plötz­lich gekommen. Wenn sie einem Anwalt Voll­macht gab, konnte sie vom Kontinent ver­schwinden und Will die unangenehme Suppe allein auslöffeln lassen. Diese Vorstellung reizte sie ungemein.

Der junge Graf Neuhammer verdankte seine Stellung in den Focke-Wulf-Werken sei­nen guten Beziehungen zu Direktor Thamm. Da Niels ebenfalls in herzlichem Verhältnis zu diesem, einem ehemaligen Kriegskamera­den stand, war er plötzlich auf den verwege­nen Gedanken gekommen, sich um den vakant werdenden Posten zu bewerben. Thamm war am frühen Morgen nach Berlin geflogen und wurde erst nachmittags zurückerwartet. So hatten sie in der Kantine zusammen Mittag

gegessen und anschließend mit Neuhammer einen kleinen Flug gemacht.

Und? Hast Du Thamm noch gesprochen? forschte Andrea aufgeregt.

Ja. Es war eigentlich alles ganz einfach. Ich legte ihm meine russischen Anerkennungs­schreiben mit angehefteter Übersetzung vor, glücklicherweise habe ich sie ständig in mei­ner Brieftasche. Er holte später noch Herrn Wulf, der mich von den Werkhallen her kennt, dazu, und wir einigten uns auf eine zwei­monatige Schulung für die neuen deutschen Typen auf der Verkehrsfliegerschule in Ber­lin und auf Eintritt zum 1. Oktober zu den gleichen Bedingungen wie Neuhammer, vor­ausgesetzt, daß die Verkehrsfliegerschule meine Fähigkeiten bestätigt. Was sagst Du nun, Andrymädchen?

O, flüsterte Andry beeindruckt,aber ist das nicht furchtbar gefährlich?

Ach wo, Andry, das Bett ist viel gefähr­licher, die meisten Leute sterben darin.

Dann gehst Du also wieder zwei Monate fort?

Ja, bereits übermorgen.

Wirst Du es gesundheitlich aushalten? Kleinigkeit! prahlte Niels mit blitzenden Augen. Zum erstenmal sah er wieder dem verwegenen Draufgänger ähnlich, der er ein­mal gewesen war.Es wird nur morgens ge­flogen, der Betrieb soll ganz gemütlich sein. Niels, es kommt so überraschend, aber ich freue mich riesig für dich.

Und du, Andry, fährst zum Ausgleich für die letzten langweiligen Monate den ganzen August über mit Detlev an die Ostsee, dann kannst du mich in Berlin besuchen. Ist das nicht eine glänzende Idee?

Herrlich! rief Andrea hingerissen,aber können wir uns denn das leisten?

Ohne weiteres, wir sind ja jetzt bald Groß­verdiener. Morgen früh gehen wir aufs Rei­sebüro und holen die Prospekte. Nun, du Kleingläubige, ist das Leben nicht doch schön?

SPD'Erklärung zur Saarirage

De facto-Abtrennung soll ein Ende haben

BONN. Die SPD-Fraktion des Bundestages fordert die Bundesregierung in einem Antrag auf, das Saargebiet künftig so zu behandeln, als sei es ein Teil Deutschlands. Sie hat dafür vier Grundsätze aufgestellt. Der Antrag wird dem Bundestag zur Abstimmung zugeleitet.

Die Grundsätze, nach denen die Bundes­regierung die Saar künftig behandeln soll, lauten: 1. Das Saargebiet ist nach deutschem und internationalem Recht ein Teil Deutsch­lands innerhalb der Grenzen vom 31. Dezem­ber 1937; 2. Die zurzeit im Saargebiet be­stehende Ordnung ist Bestandteil der inneren Organisation Deutschlands, die die Besatzungs­mächte in Ausübung der von ihnen vorüber­gehend übernommenen höchsten Gewalt ein­gerichtet haben; 3. Der im Saargebiet, als einem Teil der französischen Besatzungszone Deutschlands, amtierende französische Kom­missar repräsentiert nicht die französische Regierung, sondern ist Organ der Besatzungs­gewalten in Deutschland; 4. Bei Vertragsver­handlungen und Vertragsabschlüssen für die Bundesrepublik im Hinblick auf das Saarge­biet, ist das Recht in dem Sinne wieder her­zustellen, daß innerhalb des Saargebiets frei­heitliche, demokratische Zustände geschaffen werden und der De-fakto-Abtrennung des Saargebiets von Deutschland ein Ende ge­macht und seine politische Zugehörigkeit zur Bundesrepublik beachtet wird.

Mit Vorbehalten

Bedingte Zustimmung zum Schuman-PIan

BONN. Der Wirtschaftsausschuß des Bundes­rates hat in einer wirtschaftspolitischen Stel­lungnahme zum Schuman-Plan darauf hinge­wiesen, daß der Schuman-Plan eine Aufhebung aller alliierten Beschränkungen der deutschen Kohle- und Stahlwirtschaft voraussetze. Spä­testens bei Ratifizierung des Vertrages durch die Bundesregierung müsse eine verbindliche Zusage aller in Frage kommenden auslän­dischen Mächte darüber vorliegen, daß die Ein­richtungen und Bestimmungen der Ruhr­behörde und der alliierten Kohle- und Stahl- kontrollgruppen sowie die Eingriffsrechte der alliierten Sicherheitsbehörde in die Kohle- und Stahlwirtschaft und die Beschränkungen von Stahlkapazität und Strahlproduktion fortfallen.

Der Ausschuß betont ferner den vordring­lichen Investitionsbedarf der deutschen Stahl­industrie. Der Bundesrat müsse in einer Emp­fehlung die Bundesregierung darauf hinwei- sen, daß dieser so vordringliche deutsche Be­darf bei Verhandlungen über etwaige Ergän­zungen des Abkommens entsprechend dem im Schumanplan niedergelegten Schutzprinzip, wie es auch dem belgischen Kohlenbergbau und der luxemburgischen und der französi­schen Stahlindustrie gewährt wird, Berück­sichtigung finde.

Frühdraschprämie gebilligt

Ziel: Frühe Getreideablieferung

BONN. Das Bundeskabinett hat am Don­nerstag in seiner 3. Sitzung in dieser Woche einen Gesetzentwurf über eine Frühdrusch­prämie für Brotgetreide beschlossen. Zweck dieses Gesetzentwurfs ist es, durch Anreiz zur frühzeitigen Getreideanlieferung den An­schluß an die neue Getreideernte zu sichern. Der Entwurf bestimmt, daß der Landwirt­schaft von Juli bis Oktober für die Lieferung von Brotgetreide an die Einfuhr- und Vorrats­stelle der Bundesregierung oder ihre beauf­tragten Organe ein Zuschlag auf den Preis gewährt wird. Für Roggen beträgt der Zu­schlag für die Monate Juli und August 30 DM pro Tonne, im September 25 DM und im Ok­tober 20 DM. Für Weizen im Juli und August 20 DM pro Tonne, im September 18 DM und im Oktober 16 DM.

Als Folge dieser Prämien wird mit einer Brotgetreideablieferung von etwa 1,3 Millio­nen Tonnen in den Monaten Juli bis Oktober gerechnet, erklärte ein Regierungssprecher. Das sind 30 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Ja, Niels, so lange du mich liebst.

Närrchen, du!

Laß mich nie mehr daran zweifeln!

Der Zweifel liegt in dir selbst, ich gebe dir keinen Grund dazu.

Wirklich, Niels? fragte sie mit ernsten Augen.Bist du dessen ganz gewiß?

Mercks Blick irrte einen Augenblick betrof­fen ab.

Hab noch ein paar Wochen Geduld, Andry, dann werde ich wieder der alte sein.

IX.

Der holsteinesche Badeort Grömitz, auf den Andreas Wahl fiel, liegt an der nördlichen Flanke der Lübecker Bucht. Obwohl es sich um kein mondänes Bad handelt und seine Preise durchaus im bürgerlichen Durchschnitt liegen, ist es doch eines der betriebsamsten. Der fliegende Hamburger, ein Expreßzug mo­dernster Konstruktion, verbindet die Welt­stadt in wenig mehr als einer Stunde mit dem Luxusbad Travemünde, im Herzen der Bucht; von dort fahren hübsche weiße Dampferchen eilfertig nach allen Seiten und erreichen Grö­mitz in weniger als einer Stunde. Diese ideale Verbindung bringt es mit sich, daß zahllose Hamburger, vornehmlich männlichen Ge­schlechts, zum Wochenende nach Grömitz ausschwärmen, Junggesellen, Ehemänner, die ihre Frauen und Kinder dort besuchen und solche, die sie vorübergehend vergessen wol­len. So kommt es, daß in der Regel zum Wo­chenende in Grömitz keine Couch, kein Bett, nicht einmal eine Badewanne zu haben sind.

Andreas Wahl war rein zufällig, sie ahnte nichts von diesem Amüsierbetrieb, da sie nun aber einmal hineingeraten war, fand sie ihn ganz vergnüglich. Sie wohnte im Kaiserhof, dem zweitbesten Hotel am Platze. Es hatte eine ideale Lage, eine Minute vom Strand und drei von der Landungsbrücke entfernt. Da zu ihrem Zimmer ein Balkon gehörte, spielte sich das Grömitzer Badeleben vor ihren Augen ab.

(Fortsetzung folgt)