Hiesiges.

Wildbad, 29. Januar. Das Anwesen neben dem Gasthaus z. Stern (früher Hrn. Privatier Weber, in letzter Zeit Hrn. Fischer z. Stern gehörig) ist um die Summe von 42,000 an Hrn. Eprisemeister Riester übcrgegangen; ferner wurde das seither von Hrn. Carl Fohmann gepachtete Gasthaus zur Alien Linde" um den Preis von 39,700 Mark von Hrn. Carl Weber, Sohn de» Hrn. Weber fr. zurSonne" hier erworben.

Rundschau.

Die K. Generaldirektion der würit. Staatseisenbahnen hat für den Sommerfahr- plan ihre Anträge gestellt, welche in der Sitzung des Beirat- der VerkehrSanstallen am 2. Febr. d. Js. zur Beratung kommen. -- Wir entnehmen daraus folgendes:

Wildbad'Pforzheim. 1) Der Personen- zug Nr. 136 soll nur im September in feinem vormaligen Kurs : ab Wildbad 5.25 früh, in Pforzheim 6.20 früh vom 1. Mai bis 31. Aug. dagegen, wegen der Arbeiter 40 Minuten früher laufen. 2) Der Per- fonenzug Nr. 135 soll behufs Wiedergewinn: ung deS Anschlusses vom Orientexpreßzug (von Wien) lpätcr gelegt werden:

bisher: künftig:

Pforzheim ab 6.54 Vorm., 7.17 Vorm.

Wildbad an 7.42 8.05

4) Der Personenzug Nr. 140 soll, wie im vorigen Sommer verlegt werden t

bisher: künftig:

Wildbad ab 12.40 Nachm. 10.50 Vorm.

Pforzheim an 1.40 11 40

4) Wie im «origen Sommer sollen wieder Schnellzüge eingelegt werden: Nr. 142 Wild­bad ab 1. Nachm., Pforzheim an 1.40 Nachm, und Nr. 141 Pforzheim ab 3.40 Nachm., JMdbad an 4.20 Nachm.

An Sonn- und Feiertagen soll, wie im vorigen Sommer, im Anschluß an den Pcr- fonenzug: ab Wildbad 8.50 Abends, in Pforzheim 9.45 Abends, in Mühlacker 10.10 Abends, ein Personenzug ausgeführt werden : Mühlacker ab 10.18 Abend«, Bietigheim an 10.55 Abend- zum Anschluß an den Zug nach Stuttgart.

Wien, 29. Jan. Die Dienstbotenmör- der Franz und Rosali Schneider sind zum Tode verurteilt worden.

Stuttgart. Sogar die grimmigsten Gegner des Herrn Minister de« Innern können manchmal nicht umhin, seiner Ener­gie in Abschaffung eingerissener schlechter Gewohnheiten ihre Anerkennung zu zollen. Zu derartigen Gewohnheiten gehörte auch in manchen Gemeinden die Jagd nach einem Gemeinderatsposten mittels Bler und anderen Spenden. Im Bezirk Brackcnheim wurde eine derartige zustande gekommene Wohl eine« Ehrgeizigen einfach kassiert und der blo« durch Bestechung der Wähler aufS Rat­haus gekommene Gemeindcrat siel bei der Nachwahl richtig durch.

Cannstatt, 29. Jan. Der ledige Tag­löhner Jakob Sauter hier, von Unterrom­bach, OA. Aalen, der in letzter Nacht in der Scheuer eine- WeingärtnerS übcrnachlnt wollte, slüzte beim Aufsteigen auf den Heu­boden von der senkrecht angebrachten Leiter herab und wurde erst heule früh ausgefunden; derselbe kann sich nicht mehr rühren. E« ist nochich, festgellt, welche inneren Ver­letzungen der in das Bezirkskrankenhau« Ver­dachte davongetragen hat.

Heilbronn, 28. Jan. Wie schon früher mitgcteilt, beabsichtigte eine Gesellschaft in Berlin, hier eine Markthalle zu errichten. Kaufverträge mit Häuserbesitzcrn wurden widerruflich abgeschlossen und Plane und Kostenvoranschlag dem Gemeinderat vorgclegt. Die Frage wurde in der Presse und in Sitz­ungen der bürgerlichen Kollegien vielfach be­sprochen, konnte aber keinen rechten Anklang finden. Der Gemnnderat hat nun heute beschlossen, in die Beratung der Frage nicht einzutretcn, sondern der Gesellschaft mitzu­teilen, daß für Heilbrvnn die Zeit noch nicht für gekommen erachtet werden könne, da eine solche Anlage prosperieren würde. Durch diesen Beschluß bleiben zugleich einige Hun­derttausend Mark, welche die Gesellschaft hier hätte aniegen müssen, außerhalb der Mauern der Stadt.

Nagold. hAuf der neueröffneten Bah» Nagold-AUensteig) fanden am .SamStag die ersten LangholztranSportc statt u. entsprachen vollkommen den Erwartungen. Ebenso sind auch die ersten Versuche mit demTrans­porteur" (wodurch die Wagen mit normaler Spurweite auf der Schmalspur befördert werden) vollkommen gelungen. Sowohl der Personen- alt auch der Güterverkehr sind auf der neuen Bahn anhaltend sehr lebhaft.

Freudenstadt, 24. Jan. Der Ausschuß deS hiesigen Gewerbevcreins hat in seiner gestern abend ststtgefundencn Sitzung nach längerer Debatte bezüglich der Sonntagsruhe beschlossen, daß dieselbe auch hier auf die gesetzlich bestimmten 5 Stunden beschränkt bleibe und auf zwei Vormittagsstunden vor dem Gottesdienste und von 11 Uhr ab bi< nachmittag» 2 Uhr.

Aalen» 29. Jan. In dem K. Hütten­werk Wasseralfingen brach gestern abend zwi­schen 9 und 10 Uhr ein starker Brand aus, durch welchen ein sehr großes, in Hufeiscn- form gebautes Gebäude in Asche gelegt wurde. In demselben war untergcbracht: die mecha­nische Werkstäite, daS dazu gehörige Zcichen- burcau, bie Dreherei, die Modellier- und Zisclierwerkstälte: Gerettet konnte fast gar nicht« werden und der Schaden ist daher sehr groß.

Blaubeuren, 25. Jan. Wie man hört hat sich der Kassier der hiesigen Gewerbebank, Schwarz, außer der Mitnahme v. 10 500 nach seinem eigenen Geständnis noch ver­schiedener Verbrechen schuldig gemacht durch falsche Namen-Unterschriften, Weckselfälsch- ungen und sonstige Betrügereien, welche noch an den Tag kommen. Schwarz scheute kein Mittel, welches ihm möglich machte, seiner Leidenschaft, dem Börsenspiel zu fröhnen und zwar bewergstelligte er das alle« in solch geschickter und verdeckter Weise, daß die Ver­waltung, die, wie jedermann im Bezirk, das vollste Vertrauen in ihn setzte, nicht- bemcrkte.

Aus Baden-Baden, 28. Jan-, wird geschrieben: Heute früh ',<4 Uhr wurde während eine« heftigen Sturme« die Feuer­wehr alarmiert. ES brannte in der in die Schloßrumc eingebauten Restauration. Küche und Rittersaal wurden ein Raub der Flam­men. Die Feuerwehr halte eine sehr an­strengende Thätigkcit, denn e« galt, den an­grenzenden Schloßwald zu schützen. Noch morgen« 8 Uhr weilte die Mannschaft oben in den Ruinen. Der Brand scheint in der Küche seinen Anfang genommen zu haben.

Dem Reichstag ist felgender wichtiger Gesetzentwurf, betreffend die Anwendung der für die Einfuhr nach Deutschland vertrags­mäßig bestehenden Zollbeireiungen u. Zoll­er Mäßigungen gegenüber den nicht meistbe­günstigten Staaten zugegangen : Der Bundes­rat wird ermächtigt, vom 1. Februar 1892 ab die für die Einfuhr nach Deutschland vertragsmäßig bestehenden Zollbefreiungenu. Zollermäßizungen auch solchen Staaten, welche einen vertragsmäßigen Anspruch hierauf nicht haben, gegen Einräumung angemessener Vorteile ganz oder teilweise bis längstens zum 1. Dezember 1892 zuzugestehe».

Au« München kommt die Nachricht von einem V-rlobungSprojekt. Prinzessin Elisabet, Tochter des Prinzen Leopold von Bayern, ältestem Sohne de« Thronfolger- Prinzen Ludwig, als künftige Gemahlin be­stimmt sein. Prinz Ruprecht wollte in nächster Zeit größ. Reisen unternehmen. Hier­von soll aber abgesehen worden sein und zwar, wie es heißt, mit Rücksicht ans den kritischen Zustand deS Königs Otto, welcher den baldigen Eintritt einer Katastrophe be­fürchten läßt.

Das Wiener Fremdenblatt meldet: Der christliche Bankier Paul Friedmann aus Berlin ist vor einigen mit ungefähr fünf­undzwanzig au« Rußland vertriebenen jüdi­schen Familien in Arabien eingctroffen, um dieselben dort auf seine Kosten in dem Kü­stengebiete, das sich zwischen Aambo und Aksba ausdchnl und das in der biblischen Zeit Midjian hieß, anzusiedeln. Die Ueber- fahrt von Triest nach Arabirn erfolgte auf einem von Friedmann deigestellten Privat- dawpfer, auf welchem Friedmann die Emi­granten in ihre neue Heimat begleitete, um ihnen dort den nötigen Grund und Boden anzukaufcn. Die Emigranten führten nicht nur Lebensmittel für etliche Wochen, sondern auch 4 kleine Kanonen, dann Waffen und Munition mit sich, um sich nötigenfalls ge­gen die Beduinen verteidige» zu können.

Brüssel, 28. Jan. Nach achtstündiger Sitzung nahm heute da« Abgeordnetenhaus den Handelsvertrag mit Deutschland mit 76 gegen 17 Stimme» an.

Wien» 27. Jan. In Wien gehen die Geschäfte so schlecht, daß der Kaiser anord­nete, daß trotz der Hoftrauer die Bälle im Interesse der Geschäftswelt statlfinden sollen.

Au« Wien, 28. Jan., meldet man der Fr. Ztg.: Dar kaiserliche Lustschloß Schloß­hof im Marchfeidc, ein von Prinz Eugen von Saaoyen errichteter Prachtbau, ist abge­brannt.

Einer der bekanntesten und größten englischen Vollblutzüchter, Hume Webster, hat sich erschossen. Der Grund deS Selbst­morde« ist nicht bekannt. Webster stand an Spitze eine« Syndikat«, welche« da» berühmte RennpferdOrmonde" für die ungeheure Summe von 800,000 ^ aus Südamerika in sein Eigentum und nach England zurück- bringen sollte.

Sofia, 29. Jan, Das Befinden Stam- bulofss ist andauernd befriedigend. Dr. Ei- selsbrrg wird heuic betreffs einer etwaigen Operation sich äußern. Nach der Ansicht der Aerzte würde Stambuloff auch ohne Operation in 10 14 Tagen hergestellt.

London, 29. Jan. Die Pforte har zum zweitenmal den vollen Betrag». 350,000 Pfd. St. alSAbschlagSzahlnugder russischen KriegS- !affcnsord«rung an Rußland bezahlt,