Rundschau.

Stuttgart, 16 April. Bei B. Rudolph, Elfenbein-Bildhauer und Hoflieferant, Stifts­straße 6'/- hier, ist eiu Elefanteuzahn, etwa 2'/- Meter lang, mit einem Gewichte von 120 Pfd. eiuipNoffcn. Dieser interessante Zahn drS Dickhäuters ist einige Tage im GcschästSlvkal des Herr» Rudolph zur all­gemeinen Besichtigung ausgestellt. In 3 bis 4 Tagen wird der Zahn zerschnitten um unter der Hand des Künstlers verarbeitet zu werden.

In Stuttgart wurde die Frage der Wiederabhaltung einer größeren Württemberg. Landcsgewcrbc-Ausstelluug angeregt und ist eine solche in Verbindung mit der Eröffnung deS im Bau begriffenen Landesgewerdemn- seums in Aussicht genommen worden.

Giengen a. d. Br., 16 . April. Fol­gender unglaublich klingender, leider aber buchstäblich wahrer Vorfall hat sich dem D. V. zufolge vor wenigen Tagen hier ereignet. Eine Mutter von zwei Kindern ließ diese unter Aufsicht eines ca. 6jährigen, einer Verwandten gehörigen Mädchens in der Wohnung und ging ihren Geschäften nach. Das kleinere der beiden Kinder, ein etwa 8 Monate altes Mädchen, fing an zu weinen, worauf das 6jährige Mädchen eine Schere ergriff und dem Kinde die Zunge loStrennte. Den 2^-jährigen Knaben wollte sie in gleicher Weise mißhandeln, doch widersetzte sich dieser, so daß sie ihr Vorhaben nicht aussühre» konnte. Das kleine Mädchen ist an der erlittenen Verletzung gestorben.

Ein Fabrikbesitzer in Berg beant­wortete, wie der St -A. berichtete eine Ge­samtpetition seiner Arbeiter wegen Freilass­ung des 1. Mai zu einer Demonstration wie folgt:Genehmigt, aber ich werde mir dann erlauben, auf 8 Tage die Fabrik zu schließen."

Backnang, 18. April. Heute früh wurde unweit des hiks. Bahnhofs der verstümmelte Körper eines erwachsenen Mädchens aufge- sundeu, der Kopf stand aufrecht neben dem Geleise, der Körper wurde von dem Stutt­garter Nachtzng etwa 20 Meter weit ge­schleift und dann über den Bahnkörper ge­worfen. Ueber die Persönlichkeit ist noch nichts Feststehendes bekannt.

Salzstetten, 9. April. Ueber das schon seit längerer Zeit schlafende Mädchen be­richtet der S. M.: Heute sind es fünf Wochen zwei Tage, daß die 16jährige Toch­ter des hiesigen Bauers Dcttling schläft. Seit einigen Wochen schlägt der Puls schnell und kräftig, während er vorher nur lang­sam und matt arbeitete. Vielleicht kommt dies von der nahrhaften Kost, Welche man ihr bcibrinqt. Es zeigt sich bei ihr in hohem Grade Verdauungsstörung. In letzter» Tagen bemerkten die Ellern, daß das Kind auf be­stimmte Fragen zeitweilig weinte, und mein­ten, cs besäße wieder einiges Bewußtsein. Dies ist jedoch irrig. Die ganze Haltung des Mädchens spricht dagegen. Gegen mech. Reize an den Fußsohlen, der Oberlippe und den Nasenwänden zeigt die Kranke jetzt mehr Empfindlichkeit; die Blutmale an Füßen, Hüfte und Armen treten nicht mehr auf.

Ulm, 16. April. Letzte Woche wurde der zum Ausbau des Münsterlhurmes nötige letzte Teil des Gerüstes mit 17 Meter auS- gcbant. DaS ganze Gerüst hat nunmehr die Höhe von 162 Meter erreicht. In acht Tagen wird die große, aus vier Oberkirchener

(Baden) Sandsteinen von je 86 Zentner- Gewicht gearbeitete Kreuzblume versetzt wer­den. Im südlichen Seidenschiff des Mün­sters ist nun die Spitze zur Probe aufge­stellt; der Eindruck der 12 Meter hohen Arbeit ist ei» großartiger. Den Schluß der Pyramide macht ein Knauf; in dem Börb- lingerschen Entwurf zierte eine Marienstatue die Spitze. Der Vorschlag, eine Christus­statue als Schlußstein anzubringen, ging nicht durch. Das Münst-rfest ist auf den 30. Juni und die folgenden Tage festgesetzt.

Dem Standard wird aus Berlin gemeldet, das Hauptziel der auswärtigen Po­litik Deutschlands sei die Aufrechterhaltung des Dreibundes und guter Beziehungen mit England, sowie Fernhaltung jeder Friedens­störung, dasjenige der inneren Politik sei die Lösung der sozialen Frage und möglichstes Entgegenkommen gegenüber der Volksver­tretung.

Von dem neuen ReichSkanzl. v. Ca- privi existiert bisher keineautorisierte" Pho­tographie, da alle bezüglichen Gesuche von Berliner Photographen, um den neuen Kanz­lerzum Sitzen zu bringen", abschlägig be­schicken wurden. Die Kunsthändler haben sich daher mit einer Mvmentphotographie begnügen müssen, welche jetzt in unzähligen Exemplaren in den Handel gebracht wird.

Die ersten Berliner Modegeschäfte haben in einem gemeinsamen Cirkular sich bereit erklärt, fortab an Sonntagen ihre Läden und Arbeitszimmer zu schließen. Die Sozialdemokraten haben gegen jene Ge­schäfte, welche an Sonntagen nachmittags offen gehalten werden, ein Boykott eröffnet.

Gent, 17. April. Ein siebzigjähriger Rentner, der mit seiner ebenso alten Schwester zusammenlcbte, hat heute vormittag dieselbe lt. Fr. Zig. mit einer Axt erschlagen. Der Mörder ist wahnsinnig.

Der Gouverneur von Paris, Gene­ral Saussicr, hat am 17. ds. früh eine Besichtigung der Pariser Garnison abgenom­men, die unter lebhaften Beifallsrufen der Zuschauer im Feldanzugc de» Vorbeimarsch aussührte. Im ganzen waren 14 000 Mann zur Stelle.

(Die feindlichen Brüder.) In Mount-Vernon (Kentucky) hat sich, wie der Franks. Z." aus London geschrieben wird, folgende sensationelle Geschichte zugetragen. Zwei Brüder, Namens Snodgraß, die Söhne eines Dekans der Methodistengemeinde, foch­ten einen Zweikampf aus. So groß war die Erbitterung der Duellanten, daß nach Abfeuern der Schüsse die Revolver frisch ge­laden wurde». Acht Schüsse wurden ge­wechselt- Einer der Brüder blieb tot auf dem Platze; der überlebende Bruder gab seine letzten drei Schüsse trotz einer schweren Verwundung im Unterleib ab, die er beim fünften Kugelwechsel erhielt. Die Veranlas­sung zu diesem Duell war Eifersucht; beide Brüder liebten die Tochter eines Kneipwirts, Namens Fischer; sie koketticte mit Beiden abwechselnd. Letzten Sonntag kam es zu Tätlichkeiten zwischen den beiden Liebhabern, in Folge deren ein Duell verabredet wurde. Beide Brüder schrieben au das Mädchen heiße AbschiedSbriefc, welche der Ueberlebende überbringen sollte. Die Anstalten zur Be­erdigung des Gefallenen wurden auf's groß­artigste getroffen und 50 Mädchen, Freund­innen der Tochter des Kneipwirts, ginge» in Prozession hinter dem Sarg her.

Die Leiche des in Kopenhagen er­mordeten Boten Meyer wurde in New-Iork in einem mit Zement gefüllten Fasse vorge­funden, welches seit der ersten Woche im Februar im Zollamte lagerte. Das Faß würde, da die bezcichnete Adresse nicht auf­findbar war, schließlich versteigert worden sein, wenn sein gräßlicher Inhalt nicht recht­zeitig entdeckt worden wäre. Das Faß, so­wie die Leiche wurden dem dänischen Kon­sul in New-Aork übergeben. Der Mörder des Unglücklichen ist in Kopenhagen entdeckt worden in der Person des wegen Betrugs verhafteten Seifenfobrikanten Philipsen, der bei Meyer viel Geld vermutet hatte, und ihn deshalb zu sich lockte und überfiel, um sich mit dem Raub aus seinen finanziellen Schwierig?'iten zu befreien.

Verschiedenes.

.-. (Der Sohn des Försters.) Lehrer: Na, Kärtchen, du wirst doch wissen, wie der Ort heißt, wo die Hirsche und N-Hc sind. Dein Vater geht alle Tage hinein u. bleibt darin, bis er abends nach Hause kommt. Das Wort fängt mit W. an " Karlchen (freudig) :Das Wirtshaus!"

(Wenn man Cotta heißt.) Der be­kannte Buchhändler Cotta reiste in Gesell­schaft seines Sohnes nach Mainz. An dem Thore, durch welches sie fuhren, stand ein österreichischer Soldat Wache und hielt ihn an mit der Frage:Wer sitzt drin?" Cotta antwortete:Cotta, Vater und Sohn." Der Soldat stuzte, wiederholte seine Frage, erhielt jedoch dieselbe Antwort. Da geht er in die Wachtstube und meldet dem dienst- thuenden Offizier:Draußen ist Gott d>ic Vater und der Sohn."Nun der heilige Geist nicht auch mit?" fragte lächelnd der Offizier.IS möglich", meinte der Sol­dat,vorn auf dem Bocke sitzt so a Schlankl, nMts der sein."

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.'. Pastor:Sie wollen Leichenbitter werden ? Das geht nicht! Sie haben ein viel zu heiteres Gesicht dazu." Bewerber: Ja, Herr Pastor, heut ist erst Montag; Sie sollen mich aber mal am Freitag sehen,

wenn's Geld alle ist!"

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(Mißverständnis.) Arzt :Ihr Zu­stand , gnädige Frau, ist mir nicht ganz klar; ich kann die Diagnose mir Sicherheit noch nicht stellen, fühlen Sie vielleicht irgendwo eine gewisse Leere?" Die gnä­dige :Ach, Herr Doktor, gehören Sie

denn auch zu den Schlimmen?"

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(Kann stimmen.) Gast: Das Bier schmeckt mir nicht recht das gestrige war viel besser!"

Wirthin:Das ist aber ja von gestern!"

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(Unanfechtbar.) Katchet: Warum standen auf der eine» Tafel Moses drei, auf der andern sieben Gebote? Schüler:

Daß z'sammen zehn 'rauskommen sind.

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Gelbe oder weiße Stroh hüte zu reinigen. Der Strohhut wird gut ausge­bürstet und mit einer schönen, saftigen Zit­rone vollständig abzerieben, dann noch feucht mit fein geriebenen Schwefel dick bestreut

und mit einer reinen Bürste tüchtig gebürstet.

Er wird wieder wie neu,