Rundschau.

Wildbad, 19. Juli. Aus die erledigte kathol. Stadtpfarrstelle wird der Kaplan und Schulinspeklor Hammer von Rottenburg er­nannt.

Stuttgart, 18. Juli. Einem geriebenen Gauner hat man dieser Tage hier das Hand­werk gelegt. Derselbe kaust« in verschiedenen Läden Kleinigkeiten, wobei er immer ein 3 Markstück oder 5 Markstück wechseln ließ. Beim Nachzählen des gewechselten Geldes wußte er mit großer Geschicklichkeit noch im Laden e'n einzelnes Markstück weg zu prakti­zieren und durch einen stets bereit gehaltenen großen Zwanzger zu ersetzen, worauf er schnellstens den Verkäufer darauf aufmerksam machte, er habe sichgestoßen". ES gelang ihm in sehr vielen Fällen, auf diese Weise die Geschäfte zu schädigen, bis ihn endlich das Geschick ereilte.

Man meldet aus Noventa bei Vicenza, daß der Tierbändiger Paul Bauer Wkilheim in Württemberg von seinem Elefanten ge­tötet worden sei. Bauer bezog mit seinem Joli" die Messe» und Märkte, wo das riesenhafte, gut dressierte Tier stets zahlreiche Zuschauer anzog. Am letzte» Sonntag früh 6 Uhr, als sich Bauer um den Elefanten zu schaffen machte, wurde das Tier plötzlich wild, drang auf seinen Herrn ein und zer­stieß und zertrat den Unglücklichen. Auf die Hilferufe Bauers eilten rasch viele Leute her­bei, die aber nur zusehen konnten, wie er von dem wütenden Tiere zu einer formlosen Flcisch- mosse zerstampft wurde. Nicht einmal die Gehilfen Bauers wagten, sich dem Elefanten zu nähern, der stets nur der Stimme seines Herrn gehorcht halte. Da das rasende Tier sich durchaus nicht beruhigen wollte, so tele­graphierte der Sindaco von Noventa um guten Rat nach Vicenza. Man empafhl ihm, de» Elefanten mit Strychnin zu vergiften. DaS Gift war rasch herbcigeschaft. Man mischte es unter die Nahrung des Elefanten, die er arglos fraß. Zwei Stunde» später warJoli" eine Leiche.

Degerloch, 19. Juli. Der entwichene Slationsvorstand Gertis, der vor einigen Wochen aus Sardinien seine freiwillige Rück­kehr in die Heimat in Aussicht stellte, ha! Wort gehalten. Am letzten Sonntag ist er in Stuttgart eingelroffen und hat zunächst beim GerichtSnoiariat 1200 ^ abgeliefert. Man wundert sich allgemein, daß die teure Lupusreise nach dem Süden nicht die ganze Veriuntreute Summe verschlungen hat. Das Privateigentum des GertiS, bezahltes und > ichlbezahltcS ist in voriger Woche schon zwangsweise Versteigert worden.

Von der badischen Tauber, 19. Juli. Die Gebeine der im Jahre 1866 in den Lazarelen in Tauberbischofshcim verstorbenen und auf dem Kirchhof daselbst beerdigten WÜrttemberger wurden letzter Tage unter Leitung des PremierleutenantS Salzmann vom Bczirkskommando Mergentheim gesam­melt und gestern vormittag in Anwesenheit dcS genannten württembergischen Vertreters und dcS Bürgermeisters Kachel von Tauber- bischossheim im neuen Maßengrab unter kirchlicher Einsegnung beigesetzt. Bei den auf dem Kirchhof ausgehobenen vollständig Verwesten Leichnamen hat man »och gut er­haltene Gegenstände, wie Mantel- u. Achsel­stücke, Ausschläge, Knöpfe, Pfeifenköpfe und dergl- gefunden.

Bon der bayerischen Grenze, 19. Juli.

In HilderS hat Vor einigen Tagen ein Bursche seine Mutter zuerst erwürgt und dann auf­gehängt. Die Fran hatte 900 ^ auf der Sparkasse, wovon der Sohn 50 Mk. heim­lich geholt und verjubelt hatte. Wegen der hierüber erhaltenen Vorwürfe hat der Un­mensch die schauervolle That begangen.

Horb, 19. Juli. Gestern wurde in hiesiger Stadt mit der Jnstalation der elek­trischen Beleuchtungsanlage begonnen. Kunst­mühlebesitzer Schneider ist Unternehmer des Elektrizitätswerkes. Die erforderliche dy»a- moelekirische Maschine erhält 30 Pferde- kräfte und versorgt ca. 300 Glühlampen. Außer dieser Maschine wird noch eine große Akkumulatorenbatterie ausgestellt, durch welche es möglich ist, 200 weitere Glühlampen zu speisen. Bis 1. Okt. soll die neue Beleuch- uugSanlage dem Betrieb übergeben werden. Sie wird von der Firma Reißer-Stuttgart eingerichtet.

Zwiefalten, 15. Juli. Eine seltene elek­trische Naturerscheinung sah man beim ersten Morgengrauen am 11. d. M. im Garten des Bräumeistcrs Götz dahier über der dort angebrachten Glaskugel erglühen, ein Elms­feuer von der Größe wie es wohl selten sicht­bar ist, über Meter im Durchmesser. Je stärker der Regen herniederschoß, desto glänzender zeigte sich dasselbe und warf seine Strahlen nach allen Setten. Die wenigen erstaunten Zuschauer waren erfreut und er­schreckt zugleich, zumal es bolle 40 Minuten anhielt und zuletzt auf der Erde sich bewegte. Morgens nach der Erscheinung war noch ein starker Schwefelgeruch bemerkbar.

Karlsruhe, 17. Juli. Eine juristische Doktorsrage. Eine für Wirte u. Geschäfts­reisende gleich interessante Entscheidung dürfte demnächst das zuständige Zivilgerickt in Kehl zu fällen haben. Ein Reisender nämlich, welchem der Hausbuische des Gasthauses Zum Engel" in Kehl 400 welche der­selbe auf der Post einzahlen sollte, unter­schlagen und damit das Weite gesucht hat, will den Geschäftsbesttzer für seinen Verlust verantwortlich machen. Die Ansichten der Juristen gehen in diesem Fall auseinander. Die eine» erkennen eine Haftbarkeit des .Wirtes in einem solchen Falle an, andere stellen die­selbe in Abrede.

Den Hungertod suchte dieser Tage in Karlsruhe eine alleinstehende, allere Dame, die seit zehn Jahren in der WilhelmSstraße daselbst wohnt. Offenbar in einem Anfälle von Geistesstörtheit habe sich die Dame seit etwa acht Tagen in ihrer Wohnung einge- schlossen und kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Der Hausherr ließ schließlich einen Schutzmann rufen, welcher nach mehr­maligem vergeblichen Klopfen sich gewaltsam Einlaß verschaffte. Er fand die Dame mit verbundenen Augen und starren Gesichtszügen im Belt liegen. Auf alle an sie gerichteten Fragen antwortete sie nur mit einen, Seufzer. Der alsbald herbeigerufcne Arzt ordnete die Ueberfühiung der Bedauernswerten nachdem städtischen Krankenhaus an. Die Dame, welche off »dar des Hungers sterben wollte, hat auch dort lt. Karlsr. Zig. jede Nahr­ung hartnäckig zurückgewieieu. Nahrungs- srrgen können Sie nicht zu rem Schritte be­wogen haben, da eine bedeutende Summe Geldes in ihrem Besitze gefunden wurde. Ueber ihre Familienverhältnisse ist nichts be­kannt. Nach den bei ihr Vorgefundenen

deutschen Briefen scheint sie Beziehungen nach Heidelberg und Nillingen zu haben.

Berlin, 19. Juli. DerLokalanzeiger" erfährt zur Affaire Kotze, ^die Untersuchung ist soweit gediehen, daß in 8 bis 14 Tagen die Entscheidung erwartet werden kann, ob das Hauplverfahre» eingelcitet oder der ganze Prozeß niedergeschlagen werden soll.

Durch eine Dogge gerettet. Dieser Tage spielten in Berlin eine Anzahl Kinder am User d»s Spandauer Schiffahrtskanals, als ein achtjähriges Mädchen plötzlich von dem steilenUfer ins Wasser fiel. Der Vor­gang wurde von einem Herrn beobachtet, der in Begleitung einer deutschen Dogge längs der Uferst, aße ging. Auf einen Zuruf seines Besitzers sprang das mächtige Tier in die Fluten, ergriff das unter Wasser befindliche Mädchen mit den Zähnen und hielt es so lange hoch, bis ein Schiffer mit einem Nachen herankam und Kind und Hund rettete.

Berlin, 20. Juli. Die Morgenblätter melden : Eine Versammlung von 300 Saal­besitzern beschloß die Gründung eines Saal- besitzervereins, welcher die Saalsperre ge­gen die Sozialdemokraten aufrecht erhalten soll bis das Brauereiboykslt gänzlich aufge­hoben ist.

Zu dem Brauereiboycott wird in der Magd. Ztg." hervorgehoben :Von welchem Hochmut die Sozialdemokratie erfüllt ist, gehr daraus hervor, daß allen Ernstes für den Fall eines Sieges die Zielbewußten die Ent­lassung von Braumeistern und Braudirck- toren verlangen wollen ; wutschnaubend haben sich dieGenossen" über die Braumeister geäußert, die ein Drauarbeiter gewesen, dann aber sich durch eigene Tüchtigkeit zu einer höheren Stelle cmporgearbeitet haben. Be­dauerlich ist, daß ein Teil der Großindustrie immer noch nicht begreift, um was es sich eigentlich in diesem Kampfe handelt: das Braugewerbe ist zur ersten Einfallstation aus- erskhen, um wenigstens einen Teil der sozial­demokratischen Theorien zur Ausführung zu bringen. In den zahlreichen Kantinen, die von den Fabrikanten geschlossen werden, brau­chen diese doch nicht zu dulden, daß dieZiel- bewußten" darin wirtschaften, wie sic wollen. Männer wie Siemens haben dies auch er­kannt. Bei der Hitze und bei der fortwäh­rend näher heranrückenden Choleragefahr muß es selbstverständlich auch Bedenken erregen, daß so junges Bier zum Ausschank gelangen darf, das notorisch Durchfälle befördert und den Boden für die Seuche geeignet macht; Vielleicht tritt auch die Gesundheitspolizei in dieser Beziehung einmal in Aktion."

(Er muß es besser wissen.) Ein be­kannter Londoner Arzt erzählte dieser Tage bei einem Diner folgende gute Geschichte, die er selbst erlebt hat. In das Spital, dessen Vorstand er ist, wird ein Verunglück­ter gebracht, der scheinbar leblos daliegt. Seine Frau folgte der Bahre. Einer der Aerzte erklärt:Er ist tot", doch der Ver­unglückte erhebt seinen Kopf ein wenig und wispert:Nein noch nicht ganz!" Jedermann ist erstaunt, seine Frau aber sagt ermahnend: Sei ruhig, der Doktor muß es besser wissen!" Hoffentlich halte der Mann den Mut, trotz seiner besseren Hälfte diesmal auf seiner An­sicht zu beharren.

(Widerruf.)Ich habe gegen Herrn Schwemmert den Vorwurf erhoben, er trinke mit Vorliebe eins über den Durst. Der­selbe ist aber grundlos."