mit Erzähler vom E>chwarzwald.

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Amtsblatt für die Ltadt Vildbad.

VerkündigungsblaLt

der. rigi. Forstämter Wildbad, Meistern. Enzklösterle rc. mährend der Saison mit

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Leleioil U. 41.

Rr. SSL.

Die Erbschaftssteuer vor dem Forum des Arbeüerparlamems

Fast I 1/2 Tage hat der sozialdemokratische Partei- lag gebraucht, um den Standpunkt der Partei zur Erb­schaftssteuer zu präzisieren. Und man sollte es nicht für möglich halten, wie geschickt einzelne Redner die günstige agitatorische Position der Sozialdemokratie zerstörten, wie sie nach Ablehnung der Erbschaftssteuer durch den schwarzen Block deshalb vorhanden war, weil diese Partei selber dafür gestimmt hatte. Es ist aber das unstreitige Verdienst der Singer, Hoch, Ledebour etc., daß ihnen das wirklich sehr gut gelungen ist. Und Dr. David mußte sich noch ordentlich abrüffeln lassen dafür, daß er diesen Ein­druck nach außen zu zerstören suchte, indem er erklärte, daß die Mehrheit der Fraktion auch in der 3. Lesung für die Erbanfallsteuer gestimmt haben würde.

Fragt man nun nach den Gründen, die diese ftw- glaubliche Stellung herbeiführte, so sind es in der Hauptsache folgende. Man dürfe einem Staate keine Steuern bewilligen, solange diese nur zu Zwecken verwen­det werden, gegen die die Partei sonst ankämpfe. Auch wenn die Besitzenden die Soldaten und die Schiffe selber bezahlen, müssen diese gegen Vater und Mutter schießen und völkermörderischc Kriege führen. Deshalb dürfe man auch das nicht zulassen. Außerdem sei diese Steuer le­diglich das Sprungbrett für die außerordentliche Mehr­belastung des Volkes gewesen und hätte, wenn sie ange­nommen worden wäre, die Erregung lange nicht in dem Maße aufkommen lassen. So und ähnlich lauteten die Reden und es machte dabei gar keinen Eindruck, daß von der anderen Seite auch von Bebel wiederholt pnd sehr wirksam dargestellt wurde, wie verkehrt das sei. Es wurde darauf 'hingewiesen, daß doch die Verneinung der Erbschaftssteuer, die die Besitzenden traf, eine Bejahung solcher Steuern bedeutet hätte, die den Konsum und Handel und Verkehr belasten würden. Denn, so wurde mit Recht hervorgehoben, man habe garnicht darüber zu verfügen gehabt ob und wie diese Summen anszugeben seien, sondern nur darum, die Mittel für beschlossene Ausgaben aufzubringen. Much das machte keinerlei Ein­druck, daß die Agitation dadurch sehr erschwert würde, daß man nun erUäre, man hätte in der dritten Lesung gegen die Erbschaftssteuer gestimmt. So zurückgebliebene Leute, die das nicht begreifen, verdienen bei den Kautsky,

Ledebour,

s rv. <Line Rücksichtnahme.

Eine Ehronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist. Goethe.

Am Franzosenstein.

Original-Roman von Erich Eben stein.

24) Nachdruck verboten.^

Und wenn es zum Betrieb kommt, dann, Papa, brauchen wir vor allem eine Eisenbahn durch Winkes, bis Gams hinein, um die Kohle fortznschaffen, Hast Du daran schon gedacht? Die Eisenbahn würde auch dem Gewerk zugute kommen, und eigentlich ist sie unentbehr­lich."

Herr Peter blickte seine Schwiegertochter bewundernd an.

Welches Talent in Deinem schönen Kopfe steckt, Kon- stanze! Du erinnerst mich sehr an meine selige Frau. Ja, ich habe daran gedacht- Wir brauchen die Eisen­bahn. Und dabei habe ich sogar auf Dich gerechnet, Du hast so viele Beziehungen zu einflußreichen Leuten, und ich war mein Lebtag kein Diplomat. . . willst Du mir helfen?"

Gehören wir nicht zusammen?" sagte Konstanze ein­fach.Deine Interessen sind auch die meinen. Ich habe Ehrgeiz, Papa. Den Ehrgeiz, daß mein Sohn nicht weniger ist, als Du . . . und alles, was ich tue, geschieht aus diesem Grunde, für dieses Ziel!"

Hurrah! Wir kriegen eine Eisenbahn nach Winkel! Winkel wird ein berühmter Ort! Ich werde einen Kur­ort daraus schaffen!" rief Richard laut, ganz elektrisiert von der Idee.

Sei still und schreie nicht so!" sagte Konstanze fast rauh,verstehst Tu nicht, daß dies vor allem noch ge­heim bleiben muß, wenn es werden soll?"

Und Peter Herzog nickte dazu. Sie war eine kluge Frau. Sie sprach immer aus, was er just dachte. Als ff sich spät abends Verabschiedete, um nach Bixengut hin­ein zu fahren, drückte er der Schwiegertochter warm die

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Mittwoch, Sen 22. September LSOS.

2«. Jahrg.

Nun wurde freilich von Seiten der Steuerbewilliger auch auf 'das Programm hingewiesen, das die Erbschafts­steuer verlangt. Frank-Mannheim und R. Schmidt-Ber­lin wiesen mit Recht darauf'hin, daß diese Forderung doch nur dann einen Sinn habe, wenn man sie im bürgerl- lichen Staate anwende, denn im sozialistischen werde sie gegenstandslos sein, weil das Privateigentum aufhöre sich zu vererben. Demgegenüber habe es auch keinen Zweck auf die Verwendung hinzuweisen, denn die Steuern wer­den immer zum Ausbau und zur Stärkung dieses Staa­tes verwendet werden. Solange man nun nicht die Mög­lichkeit habe, die Ausgaben zu verhindern, müsse man wenigstens suchen, so weit als möglich die Lasten abzu­wälzen. Das ist für das normale Gehirn ohne weiteres einleuchtend, .braucht aber natürlich von dem gesinnungs­tüchtigen Genossen nicht berücksichtigt zu werden. So haben sich nun die Sozialdemokraten ihre eigene Agitation selber vollständig verpfuscht. Man wird ihnen künftig Vor­halten können, wenn sie gegen den Liberalismus den Vor­wurf erheben, daß es ihm mit der Erbschaftssteuer nicht ernst gewesen sei, daß das vielmehr auf einen großen Teil ihrer eigenen Parteigenossen zutreffe.

Aber auch das muß hervorgehoben werden, daß durch diese Debatten die Aussichten einer Erbschaftssteuer über­haupt sehr verschlechtert wurden. Es ist ein Nonsens, die Steuern allein vom Verwendungszweck abhängig zu ma­chen, wenn man diesen Zweck selber damit nicht zerstöl- ren kann. Aber ebenso unsinnig und widerspruchsvoll ist es, diese Steuer zu fordern, wenn man sie nur bewilli­gen will, alsExpropriation der besitzenden Klassen", um die Arbeiterdas Erbe derselben antreten zu lassen", wie Kautsky geistreich formulierte.

Es ist nicht unsere Sache, diese Schlappe der Sozial­demokratie auszuwetzen bei d,en Arbeitern, wohl aber unsere Pflicht an diesem ganzen Streit zu zeigen, was eine weltferne Stubengelehrtheit für Verheerung anrichten kann, ivenn sie sich souverän über alle Wirklichkeit hinweg­setzt. Ich glaube, daß in diesem Augenblick mancher Ar­beiter froh ist, daß derreaktionäre Liberalismus" noch besteht, nachdem ihr eigenes Parlament erklärt, die Schiffe werden zwar gebaut und die Soldaten müssen bezahlt, genährt und gekleidet werden. Weil wir das nicht hin­dern können, zahlen wir es wenigstens aus unseren' eige­nen Taschen. Damit wir eine Volksbewegung haben, damit wir nicht theoretisch Steuern genehmigen, die praktisch den Besitz belasten, verweigern wir theoretisch

Hand und flüsterte:Ich werde öfter zu Dir kommen, Konstanze... es ist manchmal recht einsam drin in Bixengut."

Zu Richard aber sagte er mit ernster Mahnung: Höre auf Deine Frau, Richard! Das Schicksal hat's besser mit Dir gemeint, als ich dachte!"

9.

Es war ein böser Tag für Jakob Paur, als er vier Wochen später erfuhr, der alte Herzog habe drin in Mitterbach, eine halbe Stunde hinter Gams, ausgedehnte Landstrecken erworben und lasse nach Kohle graben, Und der Tag wurde noch böser dadurch^ daß eben heute die Zeitungen Berichte brachten über das im Parlament in Beratung stehende neue Unfallversicherungsgesetz, welches so gut lvie angenommen war und demnächst die aller­höchste Sanktionierung erhalten sollte.

Jakob Paur hatte diese Sache bisher für unmöglich gehalten. Wie konnte denn die Regierung die Unterneh­mer einfach zwingen, bedeutende Summen herzugcben für etwas, das bisher ganz dem Belieben des einzelnen un­terworfen war?

Und nun sollte das wirklich' Gesetz werden. Auch von Bezirkskrankenkassen war die Rede, welche gegründet wer­den sollten. Was siel den Leuten nur ein.

Der Alte war wütend. Er rechnete und rechnete, aber es blieb immer dasselbe Resultat: der Reingewinn der Unternehmer wurde angegriffen zu Gunsten ihrer Arbeiter. Was wohl Hans dazu sagen würde?

Er nahm seinen Hut, stülpte ihn auf und ging hinaus in die Hüttenwerke, um seinen Sohn aufzusuchcn. Aber Hans war nicht zu finden. Mißmutig ging er zurück in die Villa und fragte nach Barbara. Die steckte ja immer mit dem Jungen unter einer Decke und würde wohl wissen, warum er mitten während der Arbeitszeit davongerannt war. Indessen auch Barbara war nicht da. Sie sei auf den Friedhof gegangen, weil heute der seligen Frau von Paur ihr Sterbetag sei, berichtete eine Magd.

Diese Erinnerung verstimmte Jakob Paur noch mehr. Die Barbara hatte also daran gedacht und er. .? Frei­lich die Frau war ihm nie viel gewesen. Wie ein kleiner bescheidener Schatten war sie durch sein Leben gegan-

die Steuer auf den Besitz und belasteu praktisch di e Arbeiter.

Wahrhaftig eine glänzende Leistung!

Rundschau.

Zur Einigung der Linksliberalen

wird aus Berlin gemeldet, daß demnächst eine weitere Besprechung im Viererausschuß der linksliberalen Frak­tionsgemeinschaft erfolgen werde. Am Sonntag hat der Erweiterte Geschäftsfü hrende Ausschuß der B '. e i i i n n i g c n Volkspartei unter dem Vorsitz des Ubg. Schmidt-Elberfeld eine eingehende Aussprache über diese Angelegenheit gehabt, bei der sich volle Ueber- einstimmung über die in Betracht kommenden Fragen er­geben hat. Der Ausschuß hält nach wie vor eine Ver­schmelzung der drei linksliberalen Parteien für wünschens­wert unter der Voraussetzung, daß vorher ein gemein­sames Programm geschaffen und eine Verständigung über die hauptsächlichsten taktischen Fragen, sowie über die Ein­gliederung der bestehenden Partei-Organisatio­nen herbeigeführt wird. Falls eine Verschmelzung, die nur durch Beschluß der bestehenden Partei-Organisationen herbeigeführt werden kann, alsbald noch nicht möglich sein sollte, ist zunächst dahin zu wirken, daß die Frak­tionsgemeinschaft ausgebaut und unverzüglich ein ge mein samesVorgeh enfürdienäch st en Wah­len gesichert wird.

Tie württember gische Volkspa rtei

wird der Frage jetzt ebenfalls näher treten. Ihr Lan­desausschuß hält am nächsten Sonntag IOH 2 Uhr im Charlottenhof zu Stuttgart eine Sitzung ab, in der er sich mit der Frage der Einigung der drei links libe­ralen Parteien, mit dem Heidelberger Parteitag und mit Agitalionsfragen beschäftigen wird. In einer Ver­sammlung des Volksvereins Groß-Stuttgart wird heute Abend Conrad Haußmann über die Fu­sionsfrage sprechen.

In

Zum sozialdemokratischen Parteitag

haben wir noch einige Einzelheiten nachzutragen, der letzten (nicht vorletzten! Sitzung am Samstag, über die wir berichtet haben, wurde noch die Wahl des Vorortes vorgenommen und Magdeburg als Ort des nächsten Parteitages bestimmt. Singer erörterte in seiner

gen, beachtet nur in zwei Epochen desselben: damals, als sie noch die Tochter des alten Pott gewesen war, nm die Jakob Paur warb der Mitgift wegen, und ein Jahr später, als sie ihm den Erben schenkte. Das waren ihre zwei Verdienste: ihr Geld und der Sohn. Damit hatte sie aber auch ihre Aufgabe erfüllt und in stiller Erkenntnis dieser Tatsache hatte sie sich denn auch wenige Jahre danach still davongemacht in ein besseres Jenseits.

Und heute war ihr Sterbetag. Ja, ja er hätte doch, auch etwas tun sollen. Der alte Herzog ließ jedes­mal am Sterbetag seiner Frau in der Schloßkapelle ein feierliches Requiem lesen. Und das Grab der seligen Mar­garethe stand dann in vollem Blumenschmuck. Eigentlich war es ja Unsinn, denn die Toten wußten doch von nichts mehr. Aber der Leute wegen. . .

Die Erinnerung an seine Frau hatte Paurs Ge­danken eine andere Richtung gegeben. Er fragte die Magd, ob sein Sohn oben in seinem Zimmer sei, und als er eine verneinende Antwort bekam, blieb er noch einen Augenblick wie unschlüssig stehen, wandte sich aber dann um und schleuderte auf der Straße gegen Bixengut hin.

Es war eine sonderbare Unruhe in ihm heute, etwas wie verhaltene Wut oder stumme Besorgnis, er wußte selber nicht, was es war. Jedenfalls hatte er keine Lust, sich mutterseelenallein in das große leere Haus zu setzen.

Während er ging, mußte er fortwährend an die längst­verstorbene Frau denken. Sie hätte wirklich nicht so früh sterben sollen,. Jetzt, wo er die schpne Villa hatte, hätte auch eine richtige Hausfrau hineingehört. Aber die selige Therese hatte eben nie gewußt, was ihm gerade lieb und erwünscht war. Und darum war nun auch alles so zer­fahren. Keine Gemütlichkeit, kein Familienleben. Die wei­nerliche, verschüchterte Barbara und der verschlossene, unzufriedene Hans. Nein so durfte es nicht weiter­gehen. Hans sollte heiraten, damit Leben ins Haus kam und ein richtiges Daheim daraus wurde. Und wenn er sich noch weiter sträubte dagegen meiner Treu, so suche ich mir selber noch ein Weib," dachte der Alte grimmig und setzte in Gedanken sogleich stolz hinzu: Heute könnte ichs schon wagen, an vornehmen Türen anznklopfen." (Forts, folgt.)

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