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mit Erzähler vom Schwarzwald.
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2!mtsblatt für die Stadt VLldbad. ^
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der rigk. Zollämter Wildbad, Meistern, Enzklöfterie w. während der Saison mit
amtl. Lremdenliste.
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Nr. L7L.
Mourag, de» 20. Juli LvttÄ.
2C. Jahrgang.
Landwirtschaft und Industrie.
Die „deutsche Reichspost" und - im Nachdruck - die „Süddeutsche Tageszeitung" brachten in den letzten Tagen eine Artikelserie, die sich unter der Ueberschrift „Bäuerlich»-agrarisch" mit dem Verhältnis non Großl- agrariertum unld Bauernwirtschaft und weiterhin auch mit dein Zusammenhang von Industrie und Landwirtschaft -beschäftigte. Tie dort niedergelegten Gedanken dürfen ja-bor um dessetwillen nicht unwidersprochen bleiben, weil sie durchaus irreführend sind und ein grundfalsches Bild von den wirtschaftlichen Grundlagen unseres Volkstums geben. Was zur Rechtfertigung des Verhaltens in der Erbschaftssteuersrage gesagt wird in dem Artikel, ist so Nützlich- uNd nichtssagend, daß es nicht verlohnt, etwas dazu zu sagen. Dagegen sollen die „geistreichen" Ausführungen über Bauerntum und Großgrundbesitz zunächst kurz besprochen wevden. Herr Roder geht davon -aus, daß der Kampf gegen die agrarische Wirtschafts- > Politik, die durch die Hochschutzzölle ihr Gepräge 'bekam «Kd NUN durch- die Steuerpolitik weitergeführt wurde, led-iglich ausgehe vom Börsenspekulanten, der in seiner Möglichkeit gewinnreichen Getreidehandels bedroht sei. Er macht den Getreidebau zum alles beherrschenden Gesichtspunkt der Landwirtschaft und such: nun auch das Interesse der nur den eigenen Bedarf produzierenden Bauern, ja sogar, der noch Getreide kaufenden, zu beweisen. Er tut das einfach damit, daß er sagt, wenn die großen und mittleren Landwirte nicht Getreide bauen können mit lohnendem Verdienst, dann werden diese sich auch auf Milchwirtschaft, Geflügelzucht, Gemüsebau, Vieh- stucht rc. verlegen und damit die Erwerbsmöglichkeit der -kleineil schädigen. Es wird in dem Artikel aber nichts davon gesagt, daß alle die oben angeführten Betriebsarten eben gerade mi,t der Kleinheit des Betriebes zn- sammenhängen, der eine sorgfältige Pflege ermöglicht. Woraus würde es sich sonst erklären lassen, daß nach derselben Reichspost die großen Betriebe immer mehr zurückgedrängt würden zu Gunsten mittlerer und kleiner Betriebe. Aber — und das ist das weit wichtigere - es wird auch nichts gesagt davon, wie sehr gerade die Schweinezucht, die Viehzucht, die Geflügelzucht erschwert wurde durch die Erhöhung der Futtermittel, wie sie mit deu Zöllen gegeben wurde. Wem: man also selbst noch zuaeben wollte — was aber nicht möglich ist - - daß die Interessen au: Getreidebau ganz gleich und beherrschend
seien, so sind die kleinen Landwirte doch dadurch außerordentlich- geschädigt, daß eben für sie wichtige Bedarfsartikel so mit erhöht wurden durch die Zölle, daß wir honte z. B. ungeheure Summen allein für Eier ins Ausland schicken .müssen, weil die einheimische Produktion erschwert wurde.
Dann wird auch in diesem Artikel wieder stuf die Wertsteigerung des Grund und Boden hingewiesen, als auf einem Gewinn, während das in Wirklichkeit die bedenklichste Seite der Sache und der größte Selbstbetrug ist. Ich will hier nur nebenbei daran erinnern, daß diese Steigerung schon dadurch für die Landwirtschaft ungünstig wirkt, weil ein sehr erheblicher Teil als bares Gold, das den Kindern, die andere Berufe ergreifen, oder sich an Nichtbaneru verheiraten, mitgegeben werden muß. Sie haben den Geivinn, während die Landwirtschaft die Pflicht hat, nun sv viel mehr herausznwirrschaften, als das Grundstück oben im Wert höher steht. Nun darf und kann man aber nicht übersehen, daß eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produkte, allmählich auch alles übrige in die Höhe treibt. Gewiß : der einzelne Bauer, der sein Grundstück in den: Augenblick losschlägt, wo die Preise sich steigerten, aber die Nachwirkung noch nicht ganz allgemein bemerkbar ist, der hat einen Gewinn. Aber die wirklich auch weiter landwirtschaftlich tätige Bevölkerung — und der sollte es doch nützen — steht eines Tages vor der Tatsache, sich den Erwerbskampf selber verschärft und erschwert zu haben, weil man eben überall den Wechselwirkungen des wirtschaftlichen Lebens unterworfen ist. Diese Entwicklung vollzieht sich ja vor unseren Augen und es ist gut und notwendig, sich diese Tatsachen nicht zu verschleiern. Wenn dann weiter behauptet wird, daß der Großgrundbesitz der tech
nische Erzieher sei und kostspielige Versuche anstelle, die der kleine sich nicht leisten könnte, so ist das sehr problematisch. Einmal kann die Genossenschaft hier sehr
viel leisten und hat es schon getan und dann ist cs auch da wieder der Umstand, daß die technischen Versuche des Großagrariers eben vielfach auf ganz anderen Ge
bieten liegen, an denen der kleine und mittlere Bauer praktisch gar kein Interesse hat. Hier können unsere Anstalten, wie Weinbanschn-le, Ackerbauschnlen, landwirtschaftliche Winterschuleu und noch einmal seis gesagt, ein gut organisiertes Genossenschaftswesen, schon deshalb viel mehr leisten, weil sie viel eher auch das Interesse und den Willen der Kreise wecken, für die alles nutzbar 'ver
öden soll. Man sieht also, daß mit dieser groß-agrarischen Orientierung der Reichspost und Tageszeitung tatsächlich bei uns nichts anzufangen ist.
Und wenn man dort in einem für die konservative Partei so kritischen Augenblick nichts anderes zu bieten hat, dann könnten wir schadenfroh sein, sagen ' aber lieber, daß es bedauerlich ist, die Bauerninteressen an solche- Kreise ausgeliefert zu sehen. Das wirkt um so schlimmer, als man dort in einer ganz unerhörten Weise Mißtrauen sät gegen die gewerblich-industriell? Entwicklung und eine ganz falsche Darstellung derselben gibt. Sie ist dein Artikelschreiber in der Reichspost lediglich eine künstlich gemachte Sache. Herausgewachsen aus dem Bedürfnis der Äeldmänner, die eine gute Kapitalanlage suchten. Von dem Zwang zur wirtschaftlich-technischen Entwicklung, der allein in dem kolossalen Wachstum unseres Volkes liegt, weiß der Herr natürlich auch, aber er unterschlägt' das. Tenn von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, ist die Industrie eben tatsächlich der Nährboden für unser Volk. Es ist ja nichts als eine Verdächtigung, immer wieder zu behaupten, daß alle -diejenigen, die die Führerrolle der Industrie in unserem staats- und Wirtschaftsleben anerkennen und die Regierung zwingen wollen, auch für die praktische Politik die Folgerungen daraus zu ziehen, Gegner der Land- lvirtschaft seien. Wer einigermaßen sozialpolitisch und sozialethisch geschult ist, 'wer die Schattenseiten der Fa- brikarb-eit kennt, wer die -Schwierigkeiten, die aus der Jnldustrieentwicklung anderer Staaten für Deutschland sich ergeben, sieht und wer vor allem auch weiß, was das Land und seine Bewohner zur fortwährenden Verjüngung des Volkes bedenket, der ist für alle Zeiten davor bewahrt, die Landwirtschaft zu unterschätzen oder gar schädigen zu wollen. Ganz abgesehen natürlich auch von ihrer großen nationalpolitischen und volkswirtschafllichen Bedeutung. Das Hilst aber alles nicht hinweg über den Zwang zur Industrie, der mit unserer ganzen inneren und äußeren Entwicklung gegeben ist. Man muß imw->" wieder zahlenmäßig Herausstellen, was es denn eigentlich ist, das uns so unerbittlich zwingt, alle Gehirne und alle Nerven und alle Hände und allen Kaufmanns- und und Unternehmergeist aufs äußerste anzuspannen. Unser Volk ist gewachsen vvm Jahre 1816—1870 von 2 t,6 Millionen ans 40805 000 Menschen.
1880 aus 45,095,000
1890 auf 49,24.1,000
Wer fest will, fest und unverrnekt dasselbe Der sprengt vom festen Oinnnel das Gewölbe.
Dem müssen alle Geister sich verneigen
Und rufen - komm und nimm ! du nimmst dein eigen.
Arndt.
Die letzten Tage von Messina.
88) Roman von E r i ch F r i e s e n.
(Nachdruck verboten.»
(Fortsetzung.)
O ungeheuerlich« wirtschaftliche, soziale und juristische Wirrnisse, die jene Katastrophe nach sich ziehen wird! ...
Wie viele Millionen ruhen unter den Trümmern und Schutthaufen! Unld niemand, der sie reklamieren kann, weil alle Belv-ei.se eines Anrechts fehlen. . .
Wie viele Männer,, die nicht wissen, ob ihre Frauen, wie viele Frauen, -die keine Ahnung haben, ob ihre Männer noch leben! ...
Wie viele Kinder, die nie erfahren werden, ivie sie hsißen, toann sie geboren, wer jhre Eltern sind! . . .
Wie viele bittere Seufzer und Verzweiflungsklagen werden zum Himmel aufsteigen, bis die armen Ueber- lebenden jener Ka.tastropl)e sich- zu neuem Leben cmpor- schwingen, oder herabsinken in dumpfe Resignation!
Auch Pia wird oft von solchen Gedanken gequält.
Sie, die bereits mit dem Leben abgeschlossen, hat ein warmes Herz behalten für die Leiden ihrer Mitmenschen, und oft füllen ihre Augen sich, mit Tränen, wenn sie daran denkt, was ans dem armen Jüngling, don oben in ihrem Dachstübchen und dem bleichen Mädchen im Gartenhause der Billa Miranda werden soll! Aus dosten beiden, noch vor wenigen Monaten so jugend-frohen Menschenkindern, vor denen die Zukunft Iwllsonnig anfstrahlte und die durch die Messina- Tragödie gleichfalls um ihr heißersehntes Lobensglück gebracht wurden!
Orlando hat heute zum ersten Male für einige Stunden das Bett verlassen und ruht oben in seinem Kämmerchen im Lehnstuhl.
Pia benutzt diese Zeit, um einige notwendige häusliche Arbeiten zu erledigen, die während der letzten Tage liegen geblieben waren.
Voller Sonnenschein flutet durch das weitgeössuere Fenster herein aus das über die Arbeit gebeugre chne Franenantlitz. Auf -der Kommode steht eine Lase mit duftenden Rosen. Ein Kanarienvogel schmetterr, van Stange zu Stange hüpfend, ein frohes Lied.
Ein Bild stillen, wunfchlosen Friedens.
Ta meldet Nina, Pias kleines Dienstmädchen, mit geheimnisvoller Miene eine ganz feine Dame. Eivolle die Signorina sprechen.
-Mt der ihr eigenen sanften Gelassenheit bedeutet Pia dem Mädchen, die Dame in den kleinen Salon zu führen.
Nicht wenig erstaunt ist sie, als sie gleich darauf der Contessa Doria gegenübersteht.
„Sie wünschen mich zu sprechen, Contessa?"
Erminia antwortet nicht gleiche Nervös spielen ihre Finger nm-t der Quaste des rosa Sonnenschirms, den sie noch immer in der Hand hält, während ihre Micke fast ängstlich Pias Gesicht streifen.
Als sie den liebreichen Ausdruck in den sanften Zügen gewahrt - - da schmilzt die Eiskruste, die das Herz dieser scheuen, ängstlichen Franenuatur seit Jahren verschloß. Die schlägt die Hände vor das Gesicht und weint bitterlich auf.
Pia, die an solche Esistühlsausbrüche nervöser Frauen gewöhnt ist, läßt die Dame sich ruhig ausweinen, bevor sie teilnahmsvoll fragt, ob sie irgend etwas für die Contessa tun könne.
Schweigend ergreift Ermiuia die kleine kühle .Hand, die sich aus ihren Arm gelegt, und hält sie fest. Und es ist, als ob etwas von Pias sanfter Ruch aus die erregte Frau überginge. ^
„Ich hach Sic schon sv oft gebeten, Signorina, mich einmal zu besncchn. Wir sind ja Nachbarn!"
Pia lächelt.
„Sie wissen ja, Contessa ich lebe ganz zurückgezogen."
„Eben deshalb. Auch ich verkehre mir niemandem. Ich bin vollständig vereinsamt. Und da dachte ich. wir Beide könnten vielleicht Freundinnen werden. Ach, ich verlange sv brennend nach einem Menschen, dem ich mich anvertrauen kann!"
„Sie haben ja Ihren Bruder!"
Ein Schauer überfliegt Erminia.
„Mein Bruder! "stößt?sie erregt heraus, „Das ist es ja eben, daß ich zu meinem Bruder kein Vertrauen habe! Ach, Sie wissen nicht ----- es lastet etwas auf m.im-i «eele . . . es drückt mir fast das Herz ab . . . und - und - -"
„Und — liebe Contessa?" ermuntert Pia, die heiße Hand, welche die ihre noch immer umklammert hält, sanft streichelnd. '„Wollen <rie nicht Ihr Herz erleichtern ?"
„Und Sie werden mir raten? Nach bestem Ermesseil?"
„Nach bestem Ermessen."
.Hastig trocknet Erminia ihr tränenfeuchtes Gesicht.
Dann beginnt sie zu erzählen, wie sie nie mit ihrem Bruder harmoniert habe und froh gewesen sei, als er vor etwa 10 Jahren eine weite Reise unternommen --- nach Südamerika, nach Brasilien - - -
Hastiges Klopsen an der Tür läßt sie erschrocken innehalten.
Pias kleines Dienstmädchen stürzt herein.
„Signorina - - der Signore oben sieht ganz rot im Gesicht aus . . . und redet solch dummes Zeug . . immerfort von einer „Llelia" . . . Ich habe solche Augst . . . und da dacht' ich, ich inuß es Ihnen gleich sagen —"
„Ich komme sofort!" ruft Pia, Erminia die .Hand zum Abschied reichend. „Verzeihen Sie, wenn ich Sie bitte, mich ein andermal zu besuchen, liebe Contessa. Meinem Patienten schein! es schlechrer zu gehen! Auf Wiedersehen!"
Und schon huscht sie tanllos die schmale Treppe hinauf.
Fortsetzung folgt. ^ ^ ^