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mit Erzähler vom Schwarzwald.
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bei »Ilen mürlt. psrtsnrtslten uns Loten im OM- u. llsch- d»k»st»rerkekr »jerteij. M.I. »urrerdslb serrelbrn M-1. hier» vrrtellgels ZS ptg.
kielekon Nr. 41.
Amtsblatt für die Ltadt wildbad.
Verkündigungsblatt
der Agl. Forstämter wildbad, rNeistern, Lnzklösterle rc. mit
amtlicher Fremdenliste.
Inserate nur S ptg. -li>s«Irtige IS psg, sie kiein- rpsltige 8»rmonsreiir.
Lekismen IS ?Ig. sie petitreile.
Lei Wiederholungen entrpr. Lsbstt. Lbonnementr nsch llebercinkunlt
relegrsmin-Lltresse: 5ä)«»rru>L! er Äüädsä.
186.
Pon'ksrstafl, den 19. Juli
19«6.
Ai-nAchun.
Die Polemik Helfferich-Crzberger dauert fort. Die „Nalional-Ztg." veröffentlicht eine Zuschrift des Geh. Rats Dr. Hel ff er ich vom 13. d. M. in Sachen Erz- berg er. Helfferich erklärt darin u. a., er habe nach den bisherigen Erfahrungen vom Abg. Erzberger nicht den Anstand und die Loyalität erwartet, daß er die von den beiderseitigen Beteiligten als falsch erklärte Beschuldigung offen und ehrlich zurückziehe; dagegen habe ihn der Mut in Erstaunen gesetzt, mit- dem Erzberger zu leugnen versuche, daß er sich bei den Angriffen auf die Kolonialverwaltnng der Mitwirkung von Beamten bedient habe. Wenn der Abg. Erzberger so fest überzeugt sei, daß er, Helfferich, für feine Beschuldigungen nicht die Spur eines Beweises erbringen könne, so stehe es ihm frei, es auf gerichtliche Feststellungen ankommen zu lassen. Andernfalls werde Erzberger in dem gegen Unbekannt wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses eingeleiteten Strafverfahren zweifellos Gelegenheit bekommen, unter Eid sich über die Herkunft seines Materials zu äußern.
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Pom deutschen Bundesschietzen. Mittwoch findet eine Sitzung des Ausschusses des Schützenbundes statt, in welcher u. a. auch über den Ort des nächsten Bundesschießens beraten werden soll; die Wahl wird wahrscheinlich auf Hamburg fallen. — Von besseren Standplätzen sind bis jetzt zu erwähnen: u) auf dem Stande: Lorenz (55 Teiler), Grätz (69 Teiler), Oberauch (69 Teiler), Schimpf (81 Teiler), Maaßen (110 Teiler); b) auf dem Zelte: Pfrendtner (137 Teiler), Maaßen (151 Teiler); auf der Standfestscheibe „Heimat I" Diem-Dörnbirn (431 Teiler); Standscheibe „Heimat II": Appelt-Bunzlan (471 Teiler), ein ganz vorzügliches Resultat, das zu dem ersten Preise berechtigt, Johann Sautter-Konstanz mit einem Schüsse auf der Standscheibe „Hannover I", mit einem Punkte von nicht mehr als 40 Teilern. Ans Standscheibe „Hannover I" ist noch zu erwähnen: Stiegler-St. George"» (475 Teiler), Standfestscheibe „Hannover II" Caspar-Laufen (638 Teiler). Zeldmeisterscheibe: Veit-Freibnrg (54 Ringe). Standmeisterscheibe: Möbus-Gnbensberg (55 Ringe), Zagd- scheibe: Lorenz-Nürnberg (32 Ringe). Armeegewehrmeisterscheibe: Jesacher (55 Ringe). Auf der Pistolenmeisterscheibe erzielte diesen Morgen Vogel-Nürnberg das sehr gute Resultat von 35 Ringen. — Die Zahl der aktiven Schützen beträgt jetzt 4150. Es sind noch weitere Anmeldungen zu gewärtigen. Bis jetzt ist alles ohne jeden Unfall abgelaufen und in bester Ordnung.
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Baden und die 4. Klasse. Die badische 1. Kam
mer hat der von der Regierung vorgeschlagenen Tarifreform z »gestimmt. Daß die Annahme der 4. Klasse in Württemberg beeinflussend auf Baden ge- ? wirkt hat, ist aus der Kammersitzung deutlich hervorgegangen. So sagte der Berichterstatter der Bndget- kommission, Geh. Hofrat Bunte, u. a.:
„Auch die Vereinfachung und die Vereinheitlichung der Personentarife ist aus erhebliche Schwierigkeiten gestoßen, sodaß es den Anschein gewinnt, als ob die Verkehrsverhältnisse in Süddentschland, nachdem einzelne Bundesstaaten die 4. Wagenklasse angenommen haben, andere sie grundsätzlich ablehnen, sich nach Durchführung der Reformvorschläge weniger einfach gestalten werden, als seither. Die Kommission ist der Meinung, daß die Einführung der 4. Wagenklasse nicht nur vom sozialen, sondern auch vom volkswirtschaftlichen und betriebstechnischen Standpunkt aus betrachtet werden muß. Wenn die Kommission trotz aller Bedenken gegen die geplanten Maßnahmen einen Widerspruch nicht erhebt, so geschieht es in der Erwägung, daß eine völlige Ausschließung Badens von der geplanten Tarifreform und eine noch weitere Isolierung unseres Verkehrsgebiets, als sie durch die Ablehnung der 4. Wagenklasse geschaffen ist, wegen seiner geographischen Lage unter allen Umständen vermieden werden muß, und in der Erwartung, daß die getroffenen Vereinbarungen nicht der Abschluß, sondern nur eine Vorstufe für die Herbeiführung einer das ganze deutsche Verkehrsgebiet gleichmäßig umfassenden einheitlichen Gestaltung des Eisenbahnverkehrs sein Derden. In Bezug auf die Personentarifreform stellt die Kommission den Antrag: Die Kammer wolle der von der Regierung geplanten Reform der Personentarife ihre Zustimmung erteilen. Er ersuche die Regierung, in Erwägung zu ziehen, ob nicht, nachdem zwischen allen deutschen Eisenbahn- Verwaltungen über die prinzipiellen Punkte der Reform eine Einigung erzielt ist, statt der Klassenbezeichnung 3a und 3b die übliche Klassenbezeichnung ein- treten kann."
Der Regierungsvertreter, Minister Marsch all, erhob allerdings gegen den Vorschlag des Berichterstatters Bedenken, da nach seiner Ansicht durch die Vermehrung der Klassen die Betriebskosten erhöht würden. In Württemberg sind leider von Seiten der Regierung derartige berechtigte Bedenken nicht geltend gemacht worden. Es -ist in hohem G',ade bedauerlich, daß Baden unter dem Druck der Verhältnisse durch das Vorgehen Württembergs auf die 4. Klasse wird zurückkommen müssen. Das ist der Fluch der bösen Tat, daß sie fortzeugend Böses muß gebären!
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Saalverweigerung in Mannheim. Wie die
Mannheimer „Volksstimme" mitteilt, hat der Stadtrat seine Zusage, dem in der Woche vom 23. bis M. September d. I. dort tagenden sozialdemokratischen Parteitage die Säle des städtischen Rosengartens zur Verfügung zu stellen, mit der Begründung zurückgezogen, die Säle seien für den Monat September und Oktober deshalb nicht verfügbar, weil man nicht wisse, wann der Geburtstag und die goldene Hochzeit des Großherzogs in Mannheim gefeiert würden. Die „Volksstimme" führt den Beschluß des Stadtrdates, der einstimmig gefaßt worden sei, da die vier sozialdemokratischen Stadträte sich der Abstimmung enthielten, ans einen Schachzug des Ministers Schenkel zurück. Von diesem sei beim Stadtrat ein Schreiben eingetroffen, worin es heiße, der Großherzog habe beschlossen, gleich im Anschluß an die Karlsruher Festlichkeiten nach Mannheim zu kommen, also am 23. September. Es sei aber auch nicht ausgeschlossen, daß die Hierherkunst erst im Oktober stattfinde.
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Hohe Futterrnittetstreise. Bekanntlich hat der Reichstag gegen den Widerspruch der Linken auch die Zölle für Futtermittel erhöht, ausgenommen den für Fnttergerste, der herabgesetzt wurde. Der für die süddeutsche Landwirtschaft so nötige Mais ist auch sehr teuer geworden. Bezeichnet man den 10jährigen Durchschnitt mit der Zahl 100, so kostete Mais in Hamburg 1904: 104,7; 1905: 110,8; April 1906: 136,8; Mai 1906: 139,8. Da ists kein Wunder, wenn die Fleischpreise so hohe sind; das leidige ist nur, daß infolge der hohen Preise der Futtermittel der Nutzen des Kleinbauern bei der Mästung ein bescheidener ist- Der Großgrundbesitzer des Ostens ist schon besser daran. Aus Rußland hauptsächlich wurden nach Deutschland eingeführt im März, April und Mai dieses Jahres über 3 Millionen Doppelzentner Futtergerste. Solche wurde am Freitag in Mannheim mit 98 bis 100 Mark die Tonne gehandelt. Woher will der schwäbische Bauer um solchen Preis Futtermittel bekommen?
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Gegen konfessionelle Berufsbildung. Soeben wird eine interessante Entscheidung des Bundesrats in Bern über Berufsbildung mit konfessioneller Grundlage bekannt. Es handelt sich dabei um Subventionsgesuche für Kurse, die die Hebung der hauswirtschastlichen und j beruflichen Bildung des weiblichen Geschlechts betreffen' ! Und die eine ausgesprochene konfessionelle Seite oder bes- ! ser gesagt Einseitigkeit anfweisen. Der Bundesrat hat i nun die Subventionierung von Veranstaltungen für berufliche Bildung, die aus konfessioneller Grundlage beruhen, für unstatthaft erklärt. Es ist interessant,
Gefahrvolle Wege.
Noman von Ewald August König. 42
»Und wann werden Sie nur die Erlaubnis zu dem Spaziergang geben?"
„Diese Frage kann ich erst morgen beantworten!"
„Ich verstehe, Sie müssen darüber noch mit Herrn Wallen- dorf beraten," nickte die Zofe mit einem koketten Blick in den Spiegel. „Nun, ich kann ja Marien, und wenn die Sache ganz aufgegeben wird, so ist mir auch das recht, ich mache mir ohnedies Gedanken darüber, ob wir schließlich nicht mit zu de» Betrogenen gehören."
„Die WallendorfS sind verarmt, und wir muffen schweigen, wenn sic uns um den versprochenen Lohn betrügen wollen. Vielleicht wäre es ratsamer, ihnen ein Schnippchen zu schlagen, und in dem warmen Nest hier zu bleiben, dafür wird der Kammerdiener sorgen."
»Gottfried ist auch Ihr Freund nicht, gnädige Frau."
«Ich weiß es wohl, indessen kann man leichter eine Zofe, als «ine Gouvernante ersetzen!" Still jetzt, der Herr Baron kommt; achte» Sie aus Ihre Worte und Blicke, niemand darf unser Einverständnis ahnen."
Minna wollte sich eben entfernen, als der Baron mit dem Kind in der Hand eintrat.
„Führen Sie Vera in ihr Zimmer," wandte er sich zu der Lose, „zum Diner erwarte ich sie im Speisesaale."
Herta hatte sich erhoben, sie entließ das Kind mit einem Kuß und blickte ihm voll zärtlicher Liebe nach.
„Wie ist es einer Mutter nur möglich, ein solches Kind zu verlassen?" sagte sie im Tone sichtlicher Entrüstung. „Ich möchte neber sterben, als mich von diesem Kinde trennen!"
«Ich bin Ihnen dankbar für die Liebe, die Sie ihm schenken," erwiderte der Baron, i» den Journalen blätternd, die auf dem Tische lagen; ,e» wird dieser Liebe noch lange bedürfen."
„Gewiß," nickte Herta mit einem leisen Seufzer. „Ich meine noch immer, die Mutter müsse zurückkehrenl"
^„Wrnn sie es täte, so würde sie dieses HauS verschlossen fin-
»So grausam könnten Sie sein?"
„Neunen Sie das grausam, gnädige Frau?" sagte er in seiner ernsten, ruhigen Weise. „Hat meine Gemahlin mir oder meinem Kinde Liebe bewiesen? War die Trennung von uns beiden nicht ihr eigener Wille? Und wenn sie mm znrückkäme und um Versöhnung bäte, dürfte ich ihrer Versicherung, daß sie den Frieden wolle, Glauben schenken?"
„Nein," antwortete Herta, „denn diese Versicherung wäre eine Unwahrheit."
„Also dürfen Sie es auch nicht grausam nennen, wenn ich ihrer Bitte mein Ohr verschließe."
„Ich sagte es nur, weil dem Kinde die Mutter dadurch zurückgegeben würde."
„Wenn diese Mutter ein Herz voll Liebe für mein Kind hätte, so wollte ich gern den eigenen Frieden hingeben und alles tragen, um meiner Tochter diese Liebe zu sichern," sagte Baron Rüdiger, dessen Blick immer finsterer wurde. „Den Glauben daran habe ich verloren, gnädige Frau; mag nnn alles seinen Gang gehen, mein Gewissen macht mir keine Borwürfe."
„Es muß im Gegenteil Ihnen sagen, daß Sie recht gehandelt haben," erwiderte Herta, einen warmen herzlichen Ton anschlagend; „Sie gewinnen endlich den verlorenen Frieden wieder. Und außerdem hindert Sie ja nichts, glücklich zu wer- den."
Er hatte die Journale wieder auf den Tisch gelegt, langsam mit lautlosen Schritten wanderte er auf dem weichen Teppich auf und nieder. „Glücklich?" wiederholte er. „Auch das ist vorbei, ich werde wohl unglücklich bleiben!"
„Behaupten Sie da» nicht! Sie sind des wahren Glücke» wert, Sie werden e» finden, wenn Sie nur danach suchen!"
Er blieb stehen, die Furche zwischen seinen Brauen hatte sich vertieft, ein herber Zuck umzuckte seine Mundwinkel. „Ich werde nie wieder heiraten," sagte er.
„Sie sprechen da ein große» Wort gelaffen aus," entgegnete sie scherzend; ich glaube, Sie werden bald sich nach einem Herzen sehnen, da» Freud und Leid gemeinsam mit Ihnen trägt."
„Sind Sie in Ihrer Ehe glücklich gewesen, gnädige Frau?"
„Ich war e», und darum bewahre ich meinem Gatten ein Andenken voll Liebe."
„Ich werde dieses Glück nie erfahren," sagte er kopfschüttelnd; „ich wiederhole Ihnen, ich heirate nicht wieder."
In den Augen Hertas blitzte es ungeduldig auf, ihr Blick folgte jeder Bewegung des Barons, der seine Wanderung durch das Zimmer ausgenommen hatte. „Die Verhältnisse könnten Su nötigen, diesem Entschlüsse untreu zn werden," erwiderte sie.
„Wollen Sie damit sagen, daß Rücksichten auf meine Tochter mich dazu zwingen könnten?"
„Haben Sie das nicht schon selbst sich gesagt?"
„Nein, denn ich weiß, daß Vera bei Ihnen vortrefflich auf« gehoben ist."
„Und wennich nnn Vera wieder verlassenkiinßte?"
„Was könnte Sie dazu bewege» ?" fragte er ruhig.
Herta senkte vor seinem ernsten Blick die seidenen Wimpern und spielte nachlässig mit ihrem Annbande; ein heiteres, fast übermütiges Lächeln umspielte ihre Lippen. „Ich bin noch zu jung, um auf alle Freuden, die das Leben bietet, verzichten zu können," sagte sie, die großen, blauen Angen plötzlich zu ihm erhebend, „dem Manne, den ich meiner Liebe wert fände, würde ich keine ablehnende Antwort geben, wenn er um meine Hand würbe. Dann müßten Sie mich ziehen lassen, Herr Baron und es ist fraglich, ob meine Nachfolgerin sich ebenfalls Ihre Zufriedenheit erwürbe." Mißtrauen und Spott sprachen aus dem Blick!» mit dem er die schöue Frau betrachtete.
Ihr kounte dieser Ausruck nicht entgehen, der keineswegs geeignet war, sie in ihren Hoffnungen zu bestärken. „Und deshalb, meinen Sie, würde ich meinem Kinde eine Stiefmutter geben müssen?" spottete er. „Mit dieser Schlußfolgerung kann ich mich nicht einverstanden erklären. Ich würde freilich bedauern, Sie zu verlieren, aber zurückhalten könnte ich Sie nicht, und so bliebe mir nichts anderes übrig, als mich nach einem Ersatz für Sie umzuschauen."
Die weißen Zähne Hertas gruben sich tief in die Unterlippe ein; diese Antwort war so deutlich, daß sie nicht mißverstanden werden konnte. Und dennoch durfte sie ihre Verstimmung nicht zeigen, ihr Spiel war für immer verloren, wen» der Baron ihren geheimen Plan durchschaute „In diese Notwendigkeit werden Sie wohl einstweilen noch nicht versetzt werden, wenn es mir gelingt, Ihr Vertrauen mir zu erhalte»," sagte sie mit einem Lachen, das etwas gezwungen klang.
„Mein Vertrauen wird Ihnen bleiben, so lange Sie meinem Kinde die Liebe bewahren." 125,20
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