Amtsblatt

für die Stadt Witöbcrö.

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Anzeiger

für Witöbaö u. Wmgebung.

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Hiexu: Illustriertes Sonntagsblatt und während der Saison: Amtliche FremdenlistH.

Nr. 74

Dienstag den 30- Juni 1908-

j 44- Jahrgang

Munöfchcrrr.

Stuttga rt, 27. Juni. Den Züchtec- ehrenpreis des Königs für die beste Ausstellung selbstgezüchteter Rinder (goldener Pokal) erhielt auf der Landw. Ausstellung die fürstlich Wolf- egg'sche Oekonomieuerwaltnng, den Züchterehren- preis des Herzogs Albrecht für die beste selbst­gezüchtete Kuh (2 Fruchtschalen in Silber ge­trieben und vergoldet) die Viehzuchtgenossen- schast Tuttlingen. (Eigentümers: Joh. Martin Küfers, Tuttlingen.)

Stuttga rr, 29. Juni. Auch heute ist der Andrang zur Landwirtschafts-Ausstellung, be­sonders aus ländlichen Kreisen, ein sehr großer. Die Eingänge zur Ausstellung sind heute vor­mittag nicht weniger stark belagert als gestern Mit den 95115 Personen, die die Ausstellung am Sonntag besuchte», steht Stuttgart fast an der Spitze aller Wanderausstellungen der Deut- scheu Landwirtschafts-Gesellschaft. Im Ganzen haben hier bis jetzt an den 4 ersten Tagen 120 230 Personen die Ausstellung besucht (1. Tag: 3722, 2. Tag: 8333, 3. Tag: 13 060, 4. Tag: 95115). Damit ist der Besuch von 1896 (114648) bereits überholt.

Nagold, 27. Juni. Das Gasthaus zum Schwarzen Adler" hier wurde von dem seit­herigen Besitzer um den Preis von 38 000 Mk. verkauft.

Eßlingen, 27. Juni. Am Dienstag den 30. Juni wird der älteste evangelische Lehrer des Landes, Schullehrer a. D. Krieger und zu­gleich der älteste Bewohner von Eßlingen, sein 97. Lebensjahr erfüllen.

Tübingen, 26. Juni. Der zweite Ge­winn der Reutlinger Marienkirchenlotterie fiel der hiesigen Frau Apotheker K. zu. Wie man hört, will die Dame einen Teil des Gewinnes zur Ausschmückung der Marienkirche spenden.

Oberndorf, 28. Juni. Aus Anlaß seines 70. Geburtstages, den Geh. Komm.Rat Mauser imKreiseseinerFamilie,deren auswärtige Glieder eingetroffen waren, beging, hat derselbe der Pensionskaffe der Arbeiterschaft die Summe von 20M0 Mk. als Geschenk zugewiesen. Der König ließ aus seinem Kabinett die herz­lichsten Glückwünsche entbieten. Solche über­sandten auch der Bischof von Rotten.burg, die Deutsches Partei, das Kriegsministerium, die Zentralstcllesiür Gewerbe undHandel, die Kreis- regierung in Reutlingen und verschiedene Waf­fenkommissionen. Die Arbeiter und Beamten, die Meister der Fabrik sandten Abordnungen, ebenso die Stadt, verschiedene Vereine usw.

Heilbronn, 26. Juni. Der Verwaltungs­kandidat Veyerlein, der seit 1902 bei der Stadt­pflege beschäftigt ist, hat sich Unregelmäßigkeiten in der Führung der Portokasse und eine Ur- kundenfälschuug zu schulden kommen lassen. Er hat sich der Polizei gestellt und ist in Haft be­halten worden.

Von der Pfinz, 25. Juni. Dieser Tage kam in Pfinzweiler in derSonne" ein inte­ressanter Vertrag zustande. Ein dortiger Bauer hatte einen Eber im Werte von ungefähr 150 Mk., den ec sehr gerne verkauft Hütte. Als er sich mit dem Handelsmann gar nicht einigen zu können meinte, schlug er ihm sein Schwein

in der Weise zu, daß für die erste Klaue 1 Pfg., für die zweite und alle weiteren Klauen immer das Doppelte zu bezahlen sei. Vertragsgemäß war nut 4 Klauen pro Fuß, mithin mit 16 Klauen zu rechnen und stellte cs sich zur Ueber- raschung des Händlers heraus, daß dieser für das Schwein 327 Mk. zu bezahlen hat. Ein recht nettes, teures Geschäft für den Händler'

Baden-Baden, 25. Juni. Ein mittel­großer, schlanker Mann von etwa 28 Jahren mit kleinem Schnurrbart, Joppenanzug und Sportmütze erkundigte steh kürzlich in einem vornehmen Hotel in Baden nach diesem und jenem Gaste und verschaffte sich so Gelegenheit, in unverschlossene Zimmer zu gelangen, deren Inhaber ausgegangen waren. Er erbeutete dort über tausend Mark in Hundertmarkscheinen und für 26 700 Mk. Schmucksachen. Die Brief- lasche mit dem Papiergeld, die in einer Leder­tasche lag, enthielt auch noch Postabschnitte auf den Grafen Mvrner und einige Zigarren- und Zigarettendosen mit Wappen und Krone und dem Namen Fritz Groß 1907. Zu den Schmuck­sachen gehören ein Halbmond mit zehn großen und 20 kleinen Brillanten, schleifenförmige Broschen mit Brillanten, Ringe mit Perlen und großen Brillanten u. a. m. Vor dem er­folgreichen Diebe sei hiermit gewarnt.

Berlin, 27. Juni. Wie dieInf." von unterrichteter Seite erfährt, ist die Aufhebung der Fahrkartensteuer nunmehr bestimmt in Aus­sicht genommen. Es haben sich alle Bundes­staaten gegen eine weitere Erhebung dieser Steuer ausgesprochen, da sie die auf sie gesetz­ten Erwartungen nicht erfüllt hat. In diesem Jahre waren ca. 23 Millionen für die Fahr­kartensteuer im Etat angesetzt worden. Die bisherigen Einnahmen zeigen, daß sie wesentlich hinter dem Voranschlag zurückgeblieben sind. Es ist natürlich zu erwarten, daß bei der Reichs­finanzreform der Ausfall, der durch Beseitigung der Fahrkartensteuer entsteht, durch eine neue Steuerart gedeckt wird.

Die Deutsche Friedensgesellschaft erläßt folgende Kundgebung:Kriegslärm und kein En­de das ist dieSignatur der Zeit. Man kann fast kein Blatt in die Hand nehmen,ohne von Krieg und Kriegsgeschrei lesen zu müssen. Was ist denn eigentlich geschehen ? Die Anfreundung zwischen England und Frankreich ist ergänzt worden durch eine freundliche Regelung der früheren beste­henden Differenzen zwischen England und Ruß­land. Dabei ist Deutschland nicht gefragt wor­den, wie es auch seinerzeit weder Franzosen noch Russen noch Engländer fragte, als es sich mit Oesterreich und Italien verbündete. Aus der Tatsache, daß die Engländer sowohl mit ihren früheren Erbfeinden, den Franzosen, als auch mit dem alten Rivalen an der Newa sich versöhnten, will man schließen, daß es auf eine Kaltstellung, eine Ausschaltung, eine Einkrei­sung Deutschlauds abgesehen sei. Als ob der nüchtern Denkende überhaupt auf den Gedan­ken kommen könnte, ein 60 Millionen-Lolk, das mit Oesterreich und Italien zusammen über 17 Millionen Soldaten ins Feld stellen kann, als guantito§IiSsubl6 zu betrachten! Bis jetzt ist kein deutsches Interesse in irgend einer greifbaren Weise verletzt worden. Es ist kein

Angriff auf unsere Grenzen, unsere Unabhäng­igkeit erfolgt. Kein deutsches Recht ist angetastet, kein deutsches Gut vernichtet worden. Alles was als Gefahr für Deutschlands Machtstellung bezeichnet werden will, ist in Wahrheit nur ein von krankhaftem Mißtrauen geborenes Gespenst. Wir trauen aber dem deutscheu Volk soviel ge­sunden Sinn und soviel Seelenruhe zu, daß es im Stande sein wird, seiner friedlichen Ge­sinnung einen unzweideutigen Ausdruck zu geben und den Hetzern das Handwerk zu legen. Möge der Friedensgedanke siegen über den Wahnsinn der Kriegshetze! Möge unser Volk seine Kraft beweisen in friedlichem Wettkampf aus dem Ge­biete schaffender Kulmrarbeit, nicht aber auf dem Weg barbarischer, kriegerischer Verwick­lungen, die für niemanden eine» Gewinn bringen würden, die vielmehr mit dem Ruin unserer ganzen Kultur, mit der Erschöpfung aller Be­teiligten enden müßten". Aehnliche Kund­gebungen gehen durch Vermittlung des Inter­nationalen Friedensbureaus in Bern der französischen und englischen Nation zu.

Der Prozeß Eulenburg wird "unter Ausschluß der Oeffentlichkeil (einschließlich der Presse) verhandelt.

Das Zeppelinsche Luftschiff2 3" hat gestern nachmittag unter Führung von Baron Baffus-München einen neuen erfolg­reichen Aufstieg unternommen. Am Donners­tag beginnt voraussichtlich die große Fahrt nach Mainz.

DerVerein deutscher Zeitungsverleger hielt gestern imDanziger Hof" in Danzig unter Leitung seines Vorsitzenden, Dr. Max Jänicke (Hannoverischer Kurier), seine dies­jährige Hauptversammlung ab. Nach einer Reihe non Begrüßungsansprachen wurde in die Tagesordnung eingetreten. Im Laufe der Ver­handlungen wurde beschlossen eine Petition an den Reichskanzler zu richten aus Anlaß des in Aussicht stehenden Reichsgesetzes über den Ge­heimmittelverkehr, die den Zweck verfolgt, im Interesse der Allgemeinheit wie der Presse, in der Ankündigung von Mitteln eine Grenze zwischen den auch vom Verlegerverein für schäd­lich erkannten Schwindelmitteln und den harm­losen und zuträglichen Mitteln im Gesetz genau gezogen zu sehen. Nach Schluß der Verhand­lungen hielt Dr. Theodor Curti einen lehrreichen Vortrag über:Journalistik an den Hochschulen.'

Der Lokalanz. berichtet aus Rom: In Nocera besuchten der Apotheker Larosa und der Advokat Ventura eine befreundete Dame, deren Sohn irrsinnig ist. Als sich die Mutter einen Augenblick entfernte, ergriff der Irre ei­nen Dolch und stürzte sich auf die beiden Be» sucher. Ventura entkam gerade noch mit einer tiefen Stichwunde, Larosa wurde von dem Ir­ren mit herkul sicher Kraft festgehalten, der den Körper in hundert Teile zerschnitt. Erst nach schwerem Ringen gelang es den Karabi- nieri, den Irren zu fesseln.

lieber die englischen Flottenmanöver in den dänischen Gewässern, die in den skandina­vischen Ländern das größte Aufsehen erregen, wird derVossischen Zeitung" aus Kopenhagen berichtet: Am 1. Juli beginnen auf der Rhede