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L7r. 13S.

Donner.-stcrg, 29. WovernlZerr 1900

86. AcrHvgang.

R u ii v? ch a n.

Stuttgart, 26. Nov. In dem Reichsmilitäretat sind für das württem- bergische Armeecorps in Aussicht genom­men ein Rauhfuttermagazin in Stuttgart, maschinelle Einrichtungen bei dem Be­kleidungsamt in Ludwigsburg, ein Ge­bäude für das Bezirkskommando in Ravensburg, Verbesserung der Kaserne- mentsverhältnisse im Festungswerk Wil­helmsburg zu Ulm, ein Familienwohn­gebäude für Unteroffiziere in Gmünd, eine Erweiterung des Barackenlagers in Münsing'en.

Stuttgart, 26. Nov. In Sachen der Landtagswahl ist den sämtlichen auf­gestellten Kandidaten eine vom Ausschuß des Landesverbands der Wirte Württem­bergs gefaßte Resolution, betr. die Frage der Abschaffung des Umgelds, übersandt worden mit der Bitte um baldige Er­klärung ihrer Stellung hierzu.

Nagold, 26. Nov. In vergangener Nacht brannte es in dem dem Fuhrmann Kirn gehörigen, auf derInsel" in Nagold gelegenen Hanse. Die Scheuer brannte vollständig, das Wohnhaus nahezu ganz ab. Dasselbe war von zwei Familien be­wohnt. Das hart anliegende Anwesen von Fabrikant Schaible konnte mit vieler Mühe gerettet werden. Die Entstehnngs- ursache des Schadenfeuers ist noch nicht aufgeklärt.

Ans Lndwigsburg wird dem Schwäb. Merk." geschrieben: Mit wel­chen Mitteln seitens der demokr. Volks - zeitnng" für die Kandidatur Haaß ge­arbeitetwird, dafür legt dieLudw. Ztg". ein bezeichnendes Stückchen vor, das freilich für Herrn Maier, Redakteur und Besitzer derVolkszeitung", wie für den Kandi­daten einen fatalen Ausgang nahm.Von einer Wahlreise auf benachbarte Landorte zurückkehrend, betraten neulich die beiden Herren nach Mitternacht eine Wirtschaft der unteren Stadt und setzten sich dort zu einigen noch anwesenden Gästen. Hr. Maier konnte sich nicht enthalten, an einen derselben die Frage zu richten, wen er in den Landtag wähle. Er bekam zu­nächst die Antwort, daß ihn das nichts angehe, nachher äußerte der Gefragte noch, daß er weder sozialistisch noch demokratisch wähle. Das brachte Herrn Maier in Harnisch und er erklärte seinem vis-L-vis, er sei doch auchbloß ein Arbeiter", von dem er, Maier, nicht begreife, daß er einen Deutschparteiler wählen wolle. Als der also Angezapfte auch seiner Meinung

über dieLudw. Volksztg." ungeschmink­ten Ausdruck gab, wurde die Unterhalt­ung sehr lebhaft, bis schließlich Dr. Haaß, seine schlechte Laune gegenüber einem der Anwesenden in den Worten:Schnaps- preuß, Fetz, Schwindler" rc. entlud. Dieser offenbar kein Freundvolkstüm­licher" Kraftausdrücke erwiderte mit einem kräftigen Stoß nach der Brust des Dr. Haaß, der den Kandidaten für Lnd- wigsburg-Land unter den Tisch warf und zwar so, daß seine Füße noch auf der Tischplatte mit dem Weinglas in unlieb­same Berührung kamen. Hr. Maier faßte nun sein Gegenüber am Halse, in­dem er ihm dabei die Kravatte zerriß, mußte es sich aber dann gefallen lassen, selbst ^am Kragen genommen zu werden und im anstoßenden Zimmer gehörig den Kopf verdroschen zu bekommen".

Mühlacker, 26. Nov. Am Sams­tag Abend gab es infolge falscher Wei­chenstellung während des Rangirens einen Zusammenstoß, der jedoch nur wenig Materialschaden verursachte. Der schul­dige Bedienstete, Vater von 4 Kindern, hat sich sofort in der Enz ertränkt. Die Leiche des bedauernswerten erst 33jähr. Mannes wurde gestern gefunden.

Hall, 21. Nov. Im Konkurs Faul­haber war seiner Zeit die Fabrik West­heim und die Faulhabersche Schöpfung, die Drahtbürsenindustrie Hall, auf eine nengegründete, nur aus Gläubigern be­stehende Gesellschaft übergegangen, welche sich der Konknrsverwaltung gegenüber verpflichtete, den ganzen Reingewinn lediglich im Interesse sämtlicher Faul- haber'schen Gläubiger zu verwenden. Das Ergebnis des ersten Geschäftsjahres war nun trotz erheblichen Aufwands an not­wendigen Baukosten, sowie reichlicher Ab­schreibung auf Material, Gebäude und Maschinen u. s. w. derart, daß an über 100 der Faulhaber'schen Gläubiger auf 1. Dezember ds. Zs. 50°/o ihres Gut­habens ausbezahlt werden kann, so daß diese alsdann mit der Konkursdividende im ganzen 62°/o erhalten haben.

Ulm, 24. Nov. In fast allen Branchen macht sich jetzt infolge des flauen Geschäftsgangs ein Ueberschuß von Arbeitskräften fühlbar-, was teilweise auf die gegenwärtige politische Lage, teilweise ans den hohen Stand des Geld- und Materialmarktes zurückzuführen ist. Am meisten bemerkbar ist die Arbeitslosigkeit bei der Fabrikbeschäftigung, ganze Scharen Arbeitslose wandern von Ort zu Ort

und der Zuzug an Schlossern, Formern, Eisen- und Metalldrehern, aber auch von Arbeitern der Holz- und Textilindustrie ist ein ganz enormer. Auch sehr viele Friseure, Kellner, Hausdiener rc. sind arbeitslos. Nach Dienstmädchen, Köchin­nen rc. ist immer noch große Nachfrage, doch hat sich auch hier infolge der Ein­schränkung des Fabrikbetriebs das Ver­hältnis von Gesuchen und Angeboten etwas zu Gunsten der Hausfrauen geändert.

In Pforzheim ist ein Buchhal­ter des städtischen Gaswerks, Otto Räuchle, nach Unterschlagung von ca. 10000 Mk. flüchtig geworden.

München, 24. Nov. Der Mitbesitzer der Spatenbrauerei, Kommerzienrat Johann Sedlmaye«, ehemaliger Reichs- tagsabg. für München, ist heute gestorben.

Mainz, 24. Nov. Man schreibt der Köln. Volksztg." ans Mainz: Der ge­samte nächstjährige Kohlenbedarf für das 18. Armeekorps, zu dem auch die hiesige Garnison gehört (der Sitz des 18. Korps ist Frankfurt.), wird in England gedeckt. Trotz dreimaligen Verdingungsansschrei- bens war aus Deutschland kein Angebot zur Lieferung dieses Kohlenbedarfs ein- gelanfen, sodaß die Militärverwaltung schließlich sich genötigt sah, auf freihänd­igem Wege mit Kohlen sich zu versorgen, und zwar, da inländische Kohlen nicht mehr zu haben waren, mit Kohlen aus England. Die Firma Kleinschmidl in Frankfurt hat den Bezug der englischen Kohlen vermittelt. Es ist ein charakter­istisches Merkmal für den schiefen Stand der deutschen Kohlenwirtschaft, daß die einheimische Kohlenproduktion das Aus­land billiger bedient als das Heer und daß sich die deutschen Soldaten am Kamin desperfiden Albion" wärmen müssen.

Berlin, 24. Nov. Die Reichstags­abgeordneten Nißler, Schrempf, Dr. Oerter und Genossen haben im Reichs­tag einen Antrag eingebracht, nach wel­chem bedürftige Veteranen den Ehren­sold von 120 Mk. jährlich nicht erst bei gänzlicher Erwerbsunfähigkeit erhalten sol­len, sondern sobald ihre Erwerbslosfähigkeit infolge von Alter, Krankheit oder anderen Gebrechen dauernd auf weniger als ein Drittel herabgesetzt ist. Der Reichskanz­ler wird ersucht, die erforderlichen Mit­tel eventuell durch einen Nachtragsetat auf 1. April 1901 bereitzustellen.

Berlin, 24. Nov. (Reichstag). Das Haus beginnt die Beratung der 12000 Mk.-Jnterpellation. Auer (Soz.) be.