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Nr. V?.

Donnerstag, 27. Juli 1899.

35. Jahrgang.

Rundschau.

Calw. 24. Juli. TerPforzh. Beob." berichtet unterm 22. ds.:Eine erschütternde Kunde durcheilte gestern Abend unsere Stadt. Ter 31 Jahre alte Melker Jakob Häußermann aus Egliswyl (Schweiz) und die 20 Jahre alte Dienst­magd Luise Liukeuheil nou Calw, beide bei Landwirt Pleiß in der Holzgarteustr. bedienstet, haben sich am 20. ds. Mts. abends ohne jeglichen Grund aus dem Hause ihres Dienstherrn entfernt und sind auch in der Nacht vom 20. auf 21. ds. Mts. nicht zurückgekommen. Gestern Nachmittag wurden die Beiden im Walde gegen Eutingen unterhalb des neuen Wasserwerks aufgefunden. Häußermann hatte zwei Schüsse in der Brust und war tot, die Liukeuheil, welche ebenfalls zwei­mal durch die Brust geschossen ist, befindet sich noch am Leben. Nach ihrer Aussage hat Häußermann ihr am 20. ds. Mts. abends schon die beiden Schüsse beigebracht und sich dann selbst erschossen. Schon längere Zeit wurde bemerkt, daß beide zusammen ein Liebesverhältnis hatten." Zu dem bedauerlichen Falle wird uns mitgeteilt, daß die Annahme, die That wäre in gegenseitigem Einvernehmen er­folgt, wie andere Blätter bereits berich­teten, keine Berechtigung haben dürfte. Das Mädchen, das nun inzwischen ver­storben ist, war erst 18 Jahre alt. Nach­forschungen über das Vorleben des Thä- ters, welcher in letzter Zeit mehrmals verlobt" gewesen sein soll, dürften Licht in das Dunkel bringen. Leider vermochte die Schwerverwundete, welche sich in der Nacht noch etwa 60 Meter weit fortge­schleppt hatte und zur Zeit der Auffindung dem Tode nahe war, keine weiteren An­gaben mehr machen.

Liebenzell, 22. Juli. In dem Stunde von hier entfernten Beinberg wird seit voriger Woche der Bauer Adam Schäfer vermißt. Man nimmt an, daß derselbe den Tod gesucht und gefunden hat, aus Gram darüber, daß ihm inner­halb weniger Wochen seine nächsten Ange­hörigen, Frau, Eltern und Schwester durch den Tod hinweggerafft wurden.

Cannstatt, 24. Juli. (Schwäbisches Kreisturnfest.) Die Feststadt hat ein über- aus schmuckes Gewand angelegt. Triumph­bögen mit sinnigen Inschriften weisen auf die Bedeutung des Festes hin und die Häuser sind mit Fahnen, Guirlanden und Turneremblemen reich verziert. Ein­

geleitet wurde das Fest durch die Sitzung des Kreisturn, und Ortsturnausschnsses, sowie die Kampfrichtersitzuug am Sams­tag Nachmittag, worauf von abends 8 Uhr an das Festbankett im Kursaal stattfand. Ter Festakt der Uebergabe jder Bundes­fahne verlief in durchaus würdiger Weise. Oberbürgermeister Nast, welcher die Be­grüßungsrede hielt, gelobte im Namen der Stadt Cannstatt, die Fahne in treue Obhut zu nehmen und heftete im Namen der Feststadt an das Bundesbanner einen prachtvollen silbernen Lorbeerkranz an, was stürmischen Jubel hervorries. Hierauf zog die Versammlung unter Vorantritt der Musik auf den Sulzerrain, um den Büsten der dort aufgestellten Turnväter zu huldigen. Bis in die späte Nacht blieben die Festteilnehmer in heiterster Stimmung beisammen. Der zweite Tag galt vormittags dem Vereinswettturuen, an welchem sich 95 Vereine mit annähernd 1500 Turnern beteiligten. Die Leistungen waren zum Teil vorzüglich und fanden großen Beifall. Um 3 Uhr nachmittags bewegte sich der Festzng, an welchem 8000 Personen teilgenommen haben mögen, in alphabetischer Ordnung der zwanzig Gaue des Kreises, von der Brückeustraße aus über die Wilhelmsbrücke, Markt- und Königstraße dem Festplatz zu, wo nach der Begrüßungsrede seitens des Kreisver­treters die Massenstabübungen unter dem Kommando des Kreisturnwarts Prof. Keßler von ca. 1700 Turnern exakt aus­geführt wurden. Leider beeinträchtigte ein um 7 Uhr niedergegangenes heftiges Ge­witter die geplanten Sondervorführungen, so daß dieselben nur teilweise zur Auf­führung gelangten. Ein Konzert auf dem Festplatz schloß den Tag ab.

Bei dem in Cannstatt abge­haltenen Schwäb. Kreisturnfest erhielten u. a. in der Unterstufe zweite Preise: Die Turnvereine Neuenbürg, 36 P., Calm­bach, 37 P., Birkenfeld, 32,5 P., Wald renn ach, 33,5 Punkte.

Heilbronn, 23. Juli. Ein schreck­licher Unfall trug sich in vergangener Nacht zu. Ein junger Mann im Alter von 21 Jahren wollte aus einem inmitten der Stadt gelegenen Garten einige Rosen entwenden und bog sich zu dem Zwecke über den eisernen Gartenzaun, der mit eisernen Spitzen versehen ist. Hiebei glitt er aus und eine Spitze drang ihm so tief in den Unterleib, daß er sich zwar trotz der furchtbaren Schmerzen aus dieser gräßlichen Lage noch zu befreien vermochte,

jedoch nach kurzer, qualvoller Zeit am Thatorte sein Leben aushanchte.

Balingen, 23. Juli. Am Freitag abeud traf Frau Kaufmann Göbel, Sie- gerin im Fernfahren des Mainzer Rad­sahrkongresses wieder hier ein. Am 14. nachm. 1 Uhr ging Frau Göbel hier ab und kam abends um '/r10 Uhr in Pforz­heim an, fuhr ander« Tags früh 6 Uhr ab, nahm in Mannheim 2 Stunden Auf­enthalt und kam abends 10 Uhr nach Mainz, von den dort bereits versammelten Mitgliedern jubelnd begrüßt. Frau Göbel war die einzige Dame, welche sich im Fernfahren die Weltpreismedaille holte. Sie fuhr ein vorzügliches Rad und hatte ein Turchschnittstempo von 20 km pro Stunde. Von derfreien Vereinigung" vom Konsulat Karlsruhe erhielt sie die Ehrenmitgliedschaft. Sie machte den Weg Maiuz-Balingen wieder ohne Unfall und legte in 5 Tagen 582 km zurück. Auch können wir noch verraten, daß die Dame trotz der großen Tour Pforzheim-Mainz am gleichen Abend noch den Radfahrer­kommers bis 3 Uhr früh mitmachen konnte.

In Crailsheim ist am Sonntag Abeud im Alter von erst 55 Jahren der Landtagsabg. Stadtschultheiß Sachs einem Ruhranfall erlegen. Noch in dieser Tagung der Abgeordnetenkammer ist Sachs bis auf die letzten Tage, in denen ihn die anfänglich nicht ernste Erkrankung fern hielt, thätig gewesen, wie nicht leicht ein Anderer. Kammer, Stadt, Bezirk, Berufs­genossen und nicht zuletzt auch die Deutsche Partei, deren Grundsätze er zu den sei- nigen gemacht und mit so viel Eifer und Sachkenntnis zum Ausdruck gebracht hat, werden den Verstorbenen in hohem Grade vermissen. Er hat stets eine Vermittlung der Gegensätze gesucht und war so in der Kammer, der er seit 1876 als Abgeord­neter seines Bezirks angehörte und in der er besonders seine Kenntnisse im Ver- waltungsfach verwerten konnte, auf allen Seiten gleich geachtet und geschätzt. (Sachs war seit 1867 Stadtschultheiß und seit 1875 Oberamtspfleger in Crailsheim, im- matrikulirter Notar, seit 1876 Landtags­abg. für den Oberamtsbezirk Crailsheim' Mitglied des weiteren Ausschusses der K. d. Abg., Mitglied des Verwaltungs- rats der Pensionskasse für Körperschafts­beamte, Ritter 1. Kl. des Friedrichs­ordens.)

Die Namen der 5 getöteten Per­sonen, die bei dem Eisenbahnunglück zwischen Giengen und Hermaringen ums