Amts- und Anzeige-Patt für Vitddad and Umgebung.
Erscheint Dienstag, Donnerstag u Samstag.
Der Abonnements-Preis beträgt incl. dem jeden Samstag beigegebenen Illustrirten Kountagsvlatt für Wildbad vierteljährlich 1 10 ^, monatlich
40 Pfg.; durch die Post bezogen im Oberamts- Bezirk 1 80 ^ I auswärts 1 ^r 45 ^. Be
stellungen nehmen alle Postämter entgegen.
MS!
! Der Jnlertionspreis beträgt für die kleinspaltige !!
Zeile oder deren Raum bei Lokal-Anzeigen 8 Pfg-, N bei auswärtigen 10 Pfg. Dieselben müssen spä- « testens den Tag zuvor Morgens 8 Uhr «rfgegeben U werden. Bei Wiederholungen entsprechender Ra- n batt. Stehende Anzeigen nach Nebersinkunft. — u Anonyme Einsendungen werden nicht berücksichtigt, g
U-ro. SS.
Sarnstcrg, 20. Mai 1893.
29. iakngang.
Württemberg.
Stuttgart, 17. Mai. Seine König!. Majestät haben dem Staatsminister a. D. Frhr. v. Linden zu Neunthausen auf die Anzeige vom Ableben seiner Gemahlin Allerhöchst Ihre aufrichtigste Teilnahme an. dem erlittenen Verluste aussprechen lassen.
Stuttgart,17. Mai. (Zweite Kammer.) Vor Eintritt in die Tagesordnung interpelliert Gültlingen: Ob die Negieiung gegen die in Folge der Trockenheit eingetretene Notlage der kleinen Landwirte Maßregeln ergreifen und der Finanzminister Waldslreu und Waldgras umsonst oder billigst abgeben wolle. Konrad Haußmann beantragt die Dringlichkeit. Finanzminister Riecke sagt rascheste Beantwortung nach Rücksprache mit dem Minister des Innern zu und teilt einstweilen mit, daß wegen der Streuabgabe bei der Forstdirekton bereits dringlich angefragt sei. — Tagesordnung: Staatsschuld. Berichterstatter Schnaidt führt das Anwachsen der Schuldenlast auf die wenig produktiven Eisenbahnbauten zurück. Die Kommission beantragt Herabsetzung der Ausgaben für die Zinszahlung, indem drei- einhalbprozentige statt 4prozentige Anlehen für die Finanzperiode eingesetzt werden. Außerdem giebt die Kommission die Erwägung anheim, ob nicht die neu aufzunehmenden 37 Millionen durch eine Zprozcntige rückkäufliche Rente aufzubringen seien. Schließlich befürwortet Schnaidt eine systematische Staats- schulventilgung. — Gültlingen plaidiert gegen eine Herabsetzung des Zinsfußes. Er befürchtet Courstreiberei. Der Finanzministcr erörtert in längerer Ausführung die prinzipielle Seite der Frage. Insbesondere das Verhältnis des Staatsbudgets zu den Eisenbahnen, spricht für einen Erneuerungs- und Reservefonds und für eine zielbewußte Staatsschuldcn- politik. Er kritisiert das bisherige Verfahren und hält den gegenwärtigen Verhältnissen eine dreieinhalbprozentige Verzinsung entsprechend; doch wisse man nicht, was in 2—3 Jahren geboten sei. Nach der Rede des Finanzministers, der die Anträge der Finanzkommission zu der Staatsschuldentilgung zustimmend kritisiert hat, wurde letztere angenommen.
— Das Festschießen der Schützengilde zu Ehren der Vermählung des Herzogs Al- brecht hat gestern abend seinen Abschluß gefunden. Es wurde bis zuletzt fleißig geschossen. Bei dem gemeinschaftlichen Mittagsmahle gedachte Ob.Sch.Mstr. Frhr. v. Wöllwart mit warmen Worten der Verdienste des Ausschußmitgliedes Hrn. Fr. Gutekunst, welcher das Amt des Vergnügungskommissärs jetzt 25 Jahre mit Auszeichnung bekleidet. Redner beglückwünschte den Jubilar, dankte demselben
und überreichte ihm zum Andenken ein wertvolles Geschenk in Silber. Der große prächtige Pokal, den Herzog Albrccht als 1. Preis gestiftet, siel Hrn. Reitz jnn. von Schwäb. Hall zu. Bei der Preisverteilung am Abend ließ derselbe den Pokal mit edlem Safte füllen und brachte mit dem ersten Trank ein be- geistert.s Hoch aus den Stifter aus, in welches die Schützen jubelnd einstimmten. Hierauf kreiste der Pokal unter den Anwesenden. Weitere Hauptpreise schossen: J.Blessing-Ravm- stein, G. Schenk-Blaubeuren, Burk-Eßlingen. Auf der Haupt-Scheibe Württemberg erhielt den 1. Preis Joscnhans-Stuttgart. Auf der Meisterscheibe hatte den besten Schuß: Ehningcr- Stuttgart, auf die Kehrscheiben Kentner-Heiden- heim, auf der Jagdscheibe: Josenhans-Stutt- gart. Einen Becher hat u. A. herausgeschossen: , Wilh. Treiber-Wildbad.
SNMtgart, 17.-Mai. Der auch in weiteren Kreisen bekannte und beliebte schwäbische Dichter I. G. Fischer ist seit einigen Tagen lebensgefährlich erkrankt.
Aalen, 18. Mai. Gestern abend wurde auf dem hiesigen Bahnhof der Weichenwärter Wörner, welcher für den erkrankten Bahnhok- aufseher Dienste leistete, von der Nangier- maschine erfaßt und zermalmt. — Auf dem Langert, einem Teil des Aalbuchs, wurde gestern nachmittag ein hiesiger Knabe von einem Kreuzotter in den Finger gebissen. Er hatte so viel Geistesgegenwart, daß er den Finger mit der andern Hand hinter der gebissenen Stelle festhielt und der Heimat zueilte. Hier wurde ihm sofort ärztbche Hilfe zuteil. Heute ist zwar die Hand noch stark geschwollen, weitere Gefahr scheint jedoch abgewendct zu sein.
Göppingen, 16. Mai. Auf dem Bahnhof in Eßlingen ereignete sich gestern ein schwerer Unglücksfall. Ein Reisender, der den Zug bei dessen Ankunft verlassen hat, um auszutreten, wollte wieder einsteigen, als sich der Zug eben in Bewegung setzte. In der Eile scheint er den Draht nicht in Acht genommen zu haben, durch welchen die Bahnlinie von der Straße getrennt wird; er stürzte über denselben und fiel so unglücklich, daß sein Kopf auf die nächste Schiene zu liegen kam, durch die Wagenräder fast ganz vom Rumpfe getrennt wurde und der Tod sofort erfolgte. Der Verunglückte soll ein Zimmermeister aus Schwieberdingen sein.
Heilbronn, 17. Mai. Die Gemeinde Thalheim setzt für jedes Simri getöteter Maikäfer 64 Pfg. aus. Bis jetzt wurden 300 Simri abgeliefert.
Calw, 16. Mai. Letzten Sonntag hatte die sozialdemokratische Partei des 7. württb. Wahlkreises dahier eine Zusammen
kunft, bei welcher als Kandidat Gottlieb Proß in Eßlingen proklamiert und bei der nachfolgenden Volksversammlung den Wählern vorgestellt wurde. Es handelt sich natürlich nur um eine sog. Zählkandidatur.
Reutlin gen, 15. Mai. Heute früh berichtete man sich in hiesiger Stadt von zwei Selbstmorden. Einer der Unglücklichen, ein hiesiger Kaufman, hat sich, wie schon berichtet, in Tübingen infolge trauriger häuslicher Verhältnisse das Leben genommen; der zweite, ein früherer Wirt von hier, von dem man vor einigen Jahren wegen der Untreue und Flucht seiner Frau viel sprach, hat sich in Stuttgart eine Kugel in den Kopf gejagt und liegt hoffnungslos darnieder. Und nun wird heute Nachmittag noch von einem dritten Selbstmord berichtet, den ein erst seit kurzem hier ansässiger Apotheker, der eine Droguen- handlung eröffnet hatte, durch Erhängen begangen. Ob ihn geschäftliche oder persönliche Gründe zu diesem unglückseligen Schritt trieben, muß erst noch aufgeklärt werden.
Rundschau.
Pforzheim, 17. Mai. Im Laufe des Sommers findet hier eine Bijouterie- Fachausstellung statt, die nach den getroffenen Vorbereitungen zu schließen, eine „glänzende" in doppelter Beziehung — einmal im Hinblick auf die zur Ausstellung gelangenden Objekte und dann auch bezüglich des Arrangements — zu werden verspricht. Was der Veranstaltung eine besondere Bedeutung verleiht, ist die Thatsache, daß unser Landesherr, Großherzog Friedrich, seinen Besuch in bestimmte Aussicht gestellt hat. Wenn man in Erwägung zieht, daß der Großherzog seit einer überaus langen Reihe von Jahren nicht mehr in unserer Stadt weilte, daß unter der hiesigen Geschäftswelt überhaupt, ob mit Recht oder Unrecht mag dahingestellt bleiben, die Empfindung herrscht, als ob Pforzheim von Karlsruhe aus etwas stiefmütterlich behandelt würde, so ist es begreiflich, daß die Meldung von der Hierherkunft des Großherzogs mit freudiger Genugthuung begrüßt wird.
— Im Bezirksorte Steinegg sind in verflossener Nacht 3 Scheunen abgebrannt. Das benachbarte Rathaus war in großer Gefahr.
Von der Tauber, 15. Mai. Dis anhaltende Trockenheit und der sich stark fühlbar machende Futtermangel haben einen bedeutenden Rückgang der Viehpreise zur Folge gehabt. In Würzburg kostet das Pfund Rindfleisch 50 Pfennig; im Taubergrund haben sich die Herren Metzger zu einem Abschlag noch nicht bequemen wollen, wiewohl das Fleisch in Bezug auf Güte hinter dem in
MM- Wegen der Pfingstseiertage erscheint am nächsten Dienstag kein Blatt. WU