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Amts- und Auzcigc-Alatt für Vil-ba- und Nmgeduog.

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Nro. SS. j

Dienstag, 24. März 1891

27. takk'gLng.

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Die Redaktion.

Württemberg.

Hestorbe«: 20. März zu Aalen Kassen­fabrikant Ostertag.

Stuttgart, 17. März. (Landtag.) In der heutigen Sitzung der Kammer der Abge­ordneten, die in der Beratung des Kultus- «tatS fortfuhr, sprach sich der Abg. Bayha, der ehemalige Reichstogsabgeordnete, über den Notstand der Landwirtschaft aus und befür­wortete als ein Mittel zur Hebung dieses Notstandes auch die Einführung der 2jährig. Militärdienstzeit. Die Frage der Nachlässe von Schulgeldern für die Fortbildungsschulen wofür die Abg. Stälin, Sachs und Nast «intreten, rief längere Erörterungen hervor. Das Ansinnen, der Staat solle direkt eine Summe für diesen Zweck in den Etat ein­stellen, wies der Minister v. Sarwey zurück und meint», hier müßten, wie bisher die Ge­meinden eintreten. Üeber den günstigen Einfluß der Haushaltungsschulen auf die Aus­bildung der jungen Mädchen herrschte nur eine Stimme. Bei den Posten, betr. die Gymnasien, äußerte sich der Abg. Nußbaumer, «in Volksschullehrer, gegen die Ueberhandnahme der Gymnasialbildung und der geistigen Ueber- produktion. Von dem Abgeordneten Wendler ward noch ein Antrag eingebracht, dir Alters­grenze für den obligatorischen Besuch der Sonntags- und Wintrrabendschule vom 18. auf das 16. Lebensjahr herabzusetzen. Dieser Antrag kam aber der vorgerückten Zeit wegen heute nicht mehr zur Diskussion. Die erste Kammer hielt heute auch eine Sitzung ab, bei welcher es sich aber nur um die Einführung und Beeidigung des Grafen Wilhelm von Bentinik aus Waldeck-Limburg handelte. Heute beginnen in der ersten Kammer die Beratungen über die Verwaltungsreform.

Stuttgart, 18. März. (Landtag.) Mit

dem Inhalt des bereits oben mitgeteilten An­trages des Abg. Wendler auf Herabsetzung des schulpflichtigen Alters für die Sonntags­schule von dem 18. auf das 16. Lebensjahr erklärte man sich, auch auf der Prälatenbank, ganz einverstanden. Aus Gründen der Zweck­mäßigkeit aber, auf welche die Abgeordneten Leemann, Eggmann, Prälat v. Merz und der Kultusminister hinwiesen, zog Wendler seinen Antrag auch wieder zurück und begnügte sich mit der gegebenen Anregung, welche, wie der Minister versprach, die Regierung in ernste Erwägung ziehen will. Den Klagen des Lehrerstandes darüber, daß von dem Privat­patronat oft Lehramtskandidaten in zu jugend­lichem Alter angestellt werden, welche dadurch in Bezug auf Alterszulagen rc. gegenüber den anderweitig angestellten Lehrern wesentlich im Vorteil sind, gab Nußbaumer Ausdruck, erhielt aber vom Minister die Auskunft, daß hier der Behörde kein anderes Mittel des Einspruchs als da» Bestätigungsrecht zustehe. Ein An­trag des Abg. Haußmann (Gerabronn) auf Ablehnung der Forderung für Lehrerprämien, deren Gewährung für viele Lehrer peinlich sei, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Bei Kap. 95 trat der Abg. ». Leibbrand für Gewährung größerer Mittel zum Zweck der Erforschung des römischen Land- und Kunst­straßennetzes ein und bei Kap. 97 a gaben die Abgeordneten H. v. Ow und Kanzler v. Weizsäcker ihrer Genugthuung darüber Ausdruck, daß die Regierung nach dem Vorgang Badens 11000 jährlich für die Niedersrtzung einer Kommision für Landesgeschichte in den Etat eingestellt hat, von welcher man sich eine günstige Rückwirkung auf das geschichtliche Studium verspricht.

19. März. (Landtag) Selten noch hat in der württ. Kammer eine solche Ein­mütigkeit geherrscht, als heute bei der Bera­tung über die Frage der Erhöhung der Volks- schullehrer-Gehälter, wofür die Regierung ein PluS von 292,380 gegen das Vorjahr, im Ganzen 1,513,377 ^ exigiert hat. Der Finanzkommission gingen diese Exigenzen nicht weit genug und sie beantragte, den unständi­gen Lehrern schon nach zurückgelegtem 25. Le­bensjahre jährliche Zulagen von 50 ^ und den ständigen Lehrern vom Tage der Anstel­lung bis zum vollendeten 35. Lebensjahre 150 ^il, nach zurückgelegtem 35. Lebensjahre

200 nach zurückgelegtem 40. Lebensjahre

250 nach zurückgelegtem 45. Lebensjahre

300 ^4i!, nach zurückgelegtem 50. Lebensjahre

400 nach zurückgelegtem 55. Lebensjahre

500 zu gewähren. Auf der Bank der Rit­terschaft und der Prälaten, bei der Landes­partei, der Deutschen Partei und der Linken, überall begrüßte man diese Kommissions-An­

träge, die gegen die Regierungsvorlage noch einen Mehraufwand von 160,000 ^ erfor­dern, mit Freuden, denn auf allen Seiten wurde anerkannt, daß für den Anfang die Lehrergehälter nicht ausreichen zu einer anstän­digen Lebensführung. Außer dem Berichter­statter Dr. Göz sprachen zu Gunsten der Commissionsanträge der Abgeordneten Stälin, sowie die Prälaten von Ege, von Merz, und von Sandberger, Dekan Kollmann, Eggmann, Nast, Egger, Nußbaumer, Spieß, Freiherr v. Gültlingen, Wendel und F. Haußmann. Der Letztere sowohl als Stälin wären gern noch weiter gegangen als die Commissionsanträge und hätten für die Lehrer in mittleren Iah» ren noch größere Zulagen bewilligt. Minister v. Sarwey gab zu verstehen, daß der Anfangs, gehakt der Lehrer bei uns größer sei als in den anderen deutschen Staaten. Er versprach aber, die Kommissions-Anträge, die natürlich angenommen wurden, einer sorgfältigen Prü­fung zu unterziehen. Auch den Lehrern a» Gelehrten-, Real- und Bürgerschulen wurde» die Alterszulagen und Gehaltsaufbesserungen, ein Plus von 62,169 zusammen 495 957 Mark ziemlich einmütig bewilligt.

Der verstorbene Prinz Napoleon, welcher durch seine Mutter, die Prinzessin Ka­tharina von Württemberg, Schwester des ver» storb. Königs Wilhelm, nahe mit dem württ. Hofe verwandt war, hat in seiner Jugend mit seinem älteren Bruder Jerome sich längere Zeit in Stuttgart aufgehalten. Er besuchte 5 Jahre lang die Kriegsschule in Ludwigsburg und auch sein Bruder Jerome stand in württ. Diensten. Die beiden jungen Prinzen führten ein ziemlich flottes Leben und es sah sich König Wilhelm einige Male veranlaßt, die Schulden der jungen Herrn zu bezahlen. Als 1840 ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich auszubrechen drohte, verließ Plan- Plvn den württ. Dienst. Er war hier auch in eine Duellgeschichte verwickelt, welche da­mals viel von sich reden machte.

Leauüerg, 19. März. Ein merkwürdiger Fall wird von der ,Gl.-u. Würmg.-Zeitung" erzählt: Im August v. Js. versuchte hier ein etwa 20jährigrs Mädchen mittelst einer sogn. Stoppnadel etwas aus ihren Zähnen zu ent­fernen; sie versah sich hierbei, die Nadel ent­schlüpfte ihr und geriet in den Gaumen. Die­selbe konnte aber nicht mehr entfernt werden und passierte ohne besondere Empfindungen mit anderen Speisen den Hals; auch seither empfand das Mädchen keine Schmerzen. Dieser Tage zeigte sich unweit des Knies eine Geschwulst; da sich dieselbe nicht legte, öffnete sie der herbeigerufene Arzt, und siehe da, was zeigte sich? Die Stoppnadel! Das Mäd­chen ist natürlich jetzt froh, die Nadel, die