berichtigt hatte, erfolgt die Abstimmung. Die Anträge der Kommissionsmehrheit werden angenommen. — Abg. Schweick Hardt ist für die Bewilligung der geforderten 6ten Professur-Stelle der evangel.-theolog. Fakultät; es gehe aber das Gerücht, daß diese nur geschaffen werde, um einem Mann positiver Richtung zur Anstellung zu verhelfen. Dies beunruhige den Redner und er bitte die Regierung um Aufklärung.
— Kanzler v. Weizsäcker: Eine weitere Professur sei Bedürfnis. Die Landessynode habe den Wunsch geäußert und der akademische Senat sich in demselben Sinne ausgesprochen. An der Universität seien immer Vertreter verschiedener theologischer Richtungen als Lehrer gewesen. Die Berufung des neuen Professors erfolge nach den üblichen Grundsätzen. — Minister v. Sarwey: Die vorliegende Exigenz entspreche den Wünschen der Landessynode und der Universitätsbehörde und sei aus sachlichen Gründen eingebracht. Auf einen Streit zwischen den theologischen Richtungen wolle er nicht eingehen. — Prälat v. Ege legt dem Abg. Schweickhardt gegenüber Verwahrung dagegen ein, als ob ein „positiver" Professor etwa nicht zu berufen wäre. Ein großer Teil des Volkes wünsche das geradezu. — Äbg. Haußmann-Gerabronn: Es frage sich, ob hinter den sachlichen Gründen nicht doch tendenziöse Gründe verborgen seien. Es handle sich dabei nicht nur um ein Gerücht. Man müsse fragen, ob die Professur nur deswegen verlangt werde, daß ein Gelehrter der orthodoxen Richtung angestellt werden könne und ob die Absicht hiezu bei der Regierung bestehe. — Vizepräsident Dr. Kiene: Seine Freunde und er werden die Stellen bewilligen. — Minister v. Sarwey ist nicht in der Lage, weitere Erläuterungen zu geben. — Abg. Schrempf: Sicher sei, daß die positiven Kreise des Volkes ganz entschieden erwarten, daß ihren Wünschen entsprochen werde. Wenn die Volkspartei dagegen Stellung nimmt, so ist das zu bedauern. Die Volkspartei weiß genau, daß ein großer Teil des Volkes beunruhigt und der Meinung ist, daß zu den liberalen Professoren jetzt einmal ein solcher der positiven Richtung gehört, die Volkspartei solle den Willen des Volkes respektieren. — Prälat v. Wittich: Der Aufwand auf die Stelle sei nicht so sehr groß. Es ist wünschenswert, daß die verschiedensten Richtungen vertreten sind.
— Abg. Frhr. v. Gemmingen tritt für Bewilligung der Stelle ein. Gerade die Volkspartei, die doch immer behaupte, alle Richtungen sollen zum Wort kommen, müsse hiernach dafür stimmen. Die Professor- Stelle wird hierauf mit großer Mehrheit genehmigt. Zu Kap. 64 Landwirtschaftliche Anstalt in Hohenheim wünscht Abg. Spieß in den nächsten Etat eine Exigenz eingestellt zu sehen, behufs Abhaltung von Vorträgen in den landwirtschaftlichen Vereinen durch Professoren von Hohenheim. — Abg. Frhr. v. Hermann will in Hohenheim eine bakteriologische Anstalt eingerichtet haben. Sodann empfiehlt er die Impfung des Rindviehs mit Tuberkulin. An der tierärztlichen Hochschule sollten Versuche gemacht werden. — Abg. Schock tritt für Herabsetzung des dreijährigen Kurses der Ackerbauschulen in einen zweijährigen ein. In Ellwangen ist das beabsichtigt, die anderen Schulen müssen Nachfolgen. — Minister v. Sarwey antwortet in entgegenkommendem Sinne. — Abg. Spieß unterstützt den Antrag des Vorredners. Es wäre zu wünschen, daß in Weinsberg noch verschiedene weitere Versuche gemacht würden. Nachdem noch Kap. 68, Landwirtschaftliche Winterschulen, Kap. 69, Ländliche Fortbildungsschulen ohne Debatte angenommen waren, wird die Sitzung geschlossen.
Karrds-uachrichts«.
* Altensteig. 2. April. (Interessante Gewerbe- gerichts-Entscheidung wegen Feiernlassens der Arbeiter wegen Mangel an ausreichender Beschäftigung.) Ein fremder Arbeitgeber hatte 2 seiner Arbeiter mangels genügender Beschäftigung zwei Wochen verdienstlos feiern lassen. Die Arbeiter beanspruchten für diese Zeit die Fortzahlung ihres Lohnes. Das Gericht sprach den Arbeitern den Lohn zu. Dadurch, daß der Arbeitgeber seine Arbeiter feiern ließ, veranlaßte er diese, sich unter seiner Verfügung zu halten, er ist demnach für verpflichtet erachtet worden, den Arbeitern denjenigen Lohn zu zahlen, welchen sie verdient haben würden, wenn sie die Arbeit hätten fortsetzen können. Der Arbeitgeber soll rechtzeitig übersehen können, ob und in wieweit er für die von ihm beschäftigten Arbeiter genügende Arbeit hat. Mangelt es an ausreichender Beschäftigung, so muß er entweder von dem Kündigungsrechte Gebrauch machen oder aber eine Vereinbarung mit dem Arbeiter treffen, die ihn vor Geltendmachung einer Lohnentschädigung für die Feierzeit schützt.
* Nagold, 29. März. In vorletzter Nacht brannte in Unterjettingen die Scheuer des Kaufmanns Andler vollständig nieder.
* Frtzudenstadt, 29. März. Vor einigen
Tagen hatte der Sohn des Gutsbesitzers Hugo Böcking in Schernbach das Glück, in dem Jagdrevier seines Vaters den ersten Auerhahn in diesem Jahr zu schießen. (Schw. B.)
* Freuden st adt, 31. März. Gestern wurde das seit einigen Tagen verlaufene Kind des Pflugwirts Jooß in Dietersweiler in dem Gemeindewald von Dietersweiler aufgefunden und seinen sehr besorgten Eltern wieder zugeführt.
* Tübingen, 30. März. Heute nacht 1 Uhr ist infolge eines Unterleibsleidens der Vorstand der Frauenklinik, Professor Dr. v. Säxinger gestorben. Seit 1868 gehörte er der Universität an, eine ihrer „Säulen", von denen in der Kammer die Rede war. Seine klinische Thütigkeit ist dem ganzen Lande zu gut gekommen.
* Tübingen, 1. April. (Schwurgericht.) Die wegen Kindstötung Angeklagte Dienstmagd Wilhelmine Walter von Neuenbürg wurde zu 2^ Jahren Gefängnis verurteilt.
* Die „Tägl. Rundsch." schreibt: Die Frage, ob der Kaiser am 22. ds. Mts. ein Handschreiben an Fürst Bismarck gerichtet hat, ist bisher noch nicht befriedigend beaütwortet. Es ging nämlich das Gericht, daß es geschehen sei; aber selbst Kreise, die in Verbindung mit Friedrichsruh stehen, haben darüber nichts Sicheres feststellen können.
Ausländisch--.
* Paris, 31. März. Das Kriegsgericht von Oran hat 2 Soldaten der Fremdenlegion wegen tätlicher Beleidigung ihrer Vorgesetzten zum Tode verurteilt.
* Die jüngsten aus Cuba und den Philippinen einlaufenden Meldungen lauten angeblich so günstig, daß die Beendigung beider Kriege unmittelbar bevorzustehen scheint.
* Washingtons. April. Das Repräsentantenhaus nahm gestern mit 205 gegen 121 Stimmen die Tarifbill an und beschloß ferner mit 201 gegen 150 Stimmen, daß die Bill ab 1. April in Kraft treten soll. Diese Bestimmung trifft jedoch die zur Zeit auf der See schwimmenden Waren nicht.
Die Ereignisse aus Kreta.
* Wien, 1. April. Die Kreta-Frage nimmt dm Charakter immer größerer Verwirrung an, da, wie jetzt bestimmt verlautet, weder England noch Rußland die als wirksamstes Zwangsmittel bezeichnte Blockade von Volo acceptieren wollen. Ein neuer Vorschlag betrifft die Blockierung des Golfs von Athen. Doch steht auch hierzu noch die Zustimmung Englands aus, und man bezweifelt in unterrichteten Kreisen, daß diese je gegeben werde. — Seitens der Großmächte ging wegen der letzten Massakres vor Tokat eine äußerst scharfe Vorstellung nach Konstantinopel ab, worin dem Sultan gedroht wird, daß man das Prinzip der Integrität der Türkei fallen lassen werde.
* Aus Rom wird berichtet: Die im Lager des Obersten Vassos befindlichen italienischen Freiwilligen schreiben dringend, man möge ihnen sofort Kleidung und Wäsche schicken, da sie sich seit Wochen geradezu nackt und voll Insekten befänden.
* Man bestätigt, daß König Georg von Griechenland und die Königin ihre Stellungen als Chefs russischer Regimenter niedergelegt haben, und daß die Beziehungen zwischen den Höfen von Athen und Petersburg vollständig abgebrochen seien.
* Kanea, 1. April. Oberst Vassos hat gestern an die Admirale einen Protest gerichtet, in dem er sie der Parteinahme für die türkischen Soldaten beschuldigte. Vassos führte mehrere Beweise für seine Beschuldigungen an, u. a. auch den Gebrauch von Scheinwerfern bei den Angriffen der Aufständischen.
* Larissa, 30. März. Bei der Uebernahme des Kommandos über die Trupen an der Grenze hat der Kronprinz folgenden Tagesbefehl an die Soldaten er-' lassen: „Der König hat mich mit dem Oberbefehl über die Armee in Thessalien betraut. Indem ich meinen Posten zur kritischen Stunde übernehme, welche schwer auf dem Vaterlande lastet, gebe ich der Ueberzeugung Ausdruck, daß Ihr alle Eure Pflichten erfüllt und Eurem Eid treu bleiben werdet, daß ihr Geduld und Festigkeit zeigen werdet zur Ueberwindung aller Schwierigkeiten im Gehorsam gegen das Gesetz und gegen Eure Vorgesetzten und beweisen werdet, daß Ihr Disziplin besitzt, welche die Hauptstärke der Heere bildet."
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Handel «nd Berkehr.
-n. S im IN er s s e ld , 1. April. Auf den gestrigen -
Markt waren 80 Paar Ochsen und Stiere, 40 Kühe und auch ziemlich viel Kalbeln und Zugvieh zugetrieben. Israelitische Händler waren in größerer Zahl anwesend. Der Handel ging anfangs ziemlich gedrückt, gestaltete sich aber nach und nach immer lebhafter, so daß manche Schläge zusden seitherigen Preisen erfolgten. Schweine waren zugesübrt: 20 Körbe mit Milchschweinen und 20 Paar Läufer. Der größte Teil sowohl der Milchschweine als auch der Läufer wurde verkauft bei steigenden Preisen. Milchschweine galten 18 bis 27 Mk. per Paar; Läufer 36 bis 60 Mk. je nach Qualität.
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