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Amtsblatt für den Gberamtsbezirk Nagold u. Altensteig-Sta-t. Allgemeiner Anzeiger für die Bezirke Nagold, Lalw u- Freudenstadt

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Nr. 1

Altenlleig, Samstag de« 2. Januar

1926

Rener Zahl «euer HM«

Kaum sind die Kerzen am lieben Lichterbaum ver- schwehlt, da klingen die Neujahrsglocken an unser Ohr. Aus dasFriede und Freude auf Erden!" der Christnacht folgt die dem heiligen Silvester, dem angeblichen Täufer Konstantins des Großen, geweihte Nacht, in der wir je nach Temperament und Geldsack das alte Zahr mit Mummenschanz, toller Narretei oder still in uns gekehrt in oft wehmütigem Rückblick auf die nun dahingezogenen 12 Monde, vielleicht auch im trauten Familienkreise sozusa­gen zu Grabe getragen haben. Aber alle Ausgelassenheit und aller mehr oder minder lauteHumor" haben doch nur zu oft etwas von einer gewissen Galgenlustigkeit. Wir wollen uns selbst Mut Zureden und zutrinken, denn das kom­mende Jahr liegt ja noch, so undurchsichtig vor uns und die Zukunft ist dunkel trotz aller Hoffnungskerzen, die wir auf dem Mar unseres eigenen lieben Ich aufzustecken pflegen. Jmmerffcksvieder erleben wir das gleiche Schauspiel. Von Jahr zu Jahr geht dieser Wechsel von Resignation und neuer Hoffnung. Wir dürfen ruhig sagen: Gott sei Dank dafür! Denn wenn wir erst zu hoffen aushören, dann ist es um uns schlecht bestellt. So wollen wir uns den Ab­schied vom vergangenen Jahre leicht machen, ein jeder wie es seiner Art entspricht. Wie es im kommenden Jahr werden wird, darüber zu grübeln, ist nutzlos und stärkt uns gewiß nicht auf den Weg, den wir durch seine 365 Tage zu wandern haben. Die einen werden uns zuraunen, daß esnoch viel schlimmer kommt", daßnun erst die furcht­bare Leidenszeit bevorstehe." Andere werden uns die rosen­rote Brille des Optimismus aufsetzen und wir werden mit ihnen in ein Jahr" von eitel Versöhnlichkeit und Freude schauen dürfen, werden nicht nurSilberstreifen" eine» neuen schöneren Tages am Horizont unseres neuen junges wahres erblicken, sondern gar glauben, daß endlich, endlich der Stein der Weisen gefunden und die gute alte Erde unv auf ihr natürlich besonders unser lieber Deutschland sich politisch und wirtschaftlich alsbald in eitel Lenz und Wonne hüllen werde. Wer da dem einen wie dem anderen zu ver- tehen gibt, daß er kein Freund von Exaltationen und Ra­dikalismus selbst in der Neujahrsnacht sei, und lieber auf Pem ebenso berühmten wie sicherenBoden der Tatsachen"

Lu bleiben wünsche, der wird vielleicht nicht in die allge­meineStimmung" Hineinpassen. Er mag sich dabei aber nicht grämen. Jeder übertriebenen Silvesterstimmung, ob so oder so, folgt unabänderlich der Kater und der, der da Kill und mutig seines Weges gehen will, kommt ganz ge­wiß schneller vorwärts, als die, die sich berauschen und be­täuben an Phrasengedresche und an verstiegenen Spekula­tionen. Uns tut tatsächlich wieder einmal etwas mehr re­ale Einstellungskraft not. Es wird hart auf hart gehen, niemand wird es leugnen im neuen Jahre! Wir werden noch manche Enttäuschung erleben, ehe der Garten Eden sich für uns öffnet, womit mit nichten der Völker­bund gemeint ist, wiewohl man ihn seines - Tierreichtums wegen gut und gern zuweilen dafür halten könnte. Der wahre Garten Eden liegt in uns selbst. In unserem Herzen müssen wir mit dem Wiederaufbau anfangen, von dem wir so viel sprechen hören. Dann können wir getrost wei­ter wandern. Das neue Jahr birgt für jeden von uns ein reiches Maß von guten wie bösen Dingen. Laßt uns nicht übermütig sein in der Erwartung des Guten, aber auch nicht kopfhängerisch und weibisch bange vor der ungewissen Zukunft. Deutsche Männer und Frauen laßt uns sein und bleiben! Wir haben schon viel durchgemacht und durch­litten, so wollen wir jetzt zeigen, daß wir gestählt sind durch das schwere Schicksal der lebten Jahre. Neues Jahr neues Hoffen! Und damit Gott befohlen! M. Rogge.

Zur Lage.

Vom alten ins neue Fahr

Der Schritt der Zeit ist gemacht, wir stehen im Jahre 1926 und bang erhebt sich die Frage: Was wird es uns bringen? Es ist zwar eine Kunst zu prophezeien oder in den Karten zu lesen,aber es bleibt doch die Tatsache, daß es keinem Sterblichen bisher gelungen ist, die Zukunft zu ent­hüllen. Man hört ja des öfteren, daß es Leute gibt, die dieses und jenes vorausgesagt oder im Traum erlebt ha­ben, was nachher eingetreten ist. Meist aber kommt das Wissen etwas hintennach und die Forschung hat bisher alle diese Weissagungen, die zum Hellsehen gehören, beiseite geschoben. Dqbei soll nicht gesagt sein, daß es zwischen Him­mel und Erde allerlei Dinge gibt, die wir nicht begreifen können. So mag es auch vereinzelt Menschen geben, die oie Gabe von hellseherischer Kraft besitzen. Die Seher des Al­ten Bundes leben auch noch in verkleinertem Maßstabe heute. Aber keiner ist bis heute aufgestanden, der Siche­res über die Zukunft enthüllte. Die Weissagungen der Ka­lender sind eitel Eeschäftsmache.

So soll in aller Nüchternheit versucht werden, aus den gegebenen Verhältnissen die Folgerunaen ru

B;1d drr v-.,krwtcklung Uieukschlanvs NU neuen zahl zu 7Nz- zieren. Daß dieses Bild unrichtig oder gar falsch sein kann, weil eine Menge von Unvorhergesehenem in Rechnung ge­stellt werden muß, soll den Versuch nicht stören. Aber zwei­fellos zeigt sich das Bild nach der persönlichen Veranla­gung und der politischen Einstellung gefärbt. Der Leser mag selbst entscheiden, ob Optimismus oder Pessimismus angebracht ist, mag selbst suchen, welch politischer Unterton dabei mitschwingt, für alle Fälle sei gesagt, daß es kein Parteischema ist.

Wir stehen in Deutschland zum Beginn des neuen Jah­res in schwerer Krise sowohl nach der politischen als nach der wirtschaftlichen Seite. Zur politischen Entwicklung im Innern ist zu sagen, daß das neue Jahr schwere Kämpfe, Auseinandersetzungen, heißes Ringen, gewaltige Partei­kämpfe bringen wird, die mit verursacht werden durch die wirtschaftliche Depression. Die Regierungsbildung ist da­für der nächste Anlaß. Die parteipolitische Entwicklung in Deutschland geht nicht die Wege in England, wo so klare Verhältnisse gegeben sind, daß man eigentlich nur mit einer Partei, den Konservativen, zu rechnen hat. Das deutsche Volk ist eben das klassische Volk der Zersplitterung Die Anzeichen, daß man auch 1926 einen Reichstag wählen wird, sind stark. Das deutsche Volk trägt am meisten vom Weltbürger im Herzen, hängt am stärksten Ideen und Uto­pien von allgemeiner Versöhnung der Menschen und Völ­ker nach. Es stellt die harten Tatsachen der Wirklichkeit und der nationalen Lebensnotwendigkeiten nur allzuoft hinter Phantome, die seiner geistigen und seelischen Einstel­lung alle Ehre machen, aber niemals den Weg zu glattem Erwerb irdischer Wohlfahrt öffnen. Unsere Lage in der Nachkriegszeit hat diese geistige Bewegung, wenn sie so ge­nannt werden soll, noch verschärft. Internationalismus auf allen Gebiets.W die Parole, erneuftbetont durch die politischest GescheMM bet beigen letzten ',Jahre (Dawes- plan und Locarnovertrag). Erst in späteren Jahrzehnten wird die Geschichte ein Urteil darüber abgeben, ob diese rein geistige Einstellung zu einem Fortschritt in der Ent­wicklung des deutschen Volkes beitrug. Nicht vergessen wer­den darf, daß diese Einstellung durch die Entwaffnung Deutschlands und die Knebelung durch die Weltmächte An­trieb erhielt und daß uns nur die geistigen Waffen blei­ben, wie man so schön in der politischen Sprache sagt.

Aus diesen Grundlagen heraus werden wir auch im neuen Jahr auf dem politisch betretenen Wege in unserer Außenpolitik weiterschreiten. Wir werden im Völkerbund, in der Abrüstungs- und Weltwirtschaftskonferenz und in weiteren internationalen Konferenzen immer mehr zum Objekt der europäischen Politik weroen. Mag es auch ge­lingen auf diesem Wege die äußere Befreiung Deutschlands zu erreichen, so gibt dies unserem Vaterland nicht die Welt­geltung und Wektstellung, die wir erstreben. Sie fußt, wie die Geschichte lehrt, trotz allen AbrWungsgeschreies der Völker, auf der Macht. Der Macht nicht im Sin ^ eines satten Militarismus, sondern einer Volkswehr, die jedes Volk hochschätzt und die zu allen Zeiten als die beste Sicher­heit anzusprechen ist. Die Entwicklung des Jabres 1926 wird zeigen, daß im deutschen Volk der Gedanke oer Wah­rung seiner Existenz mächtiger werden wird, weil die wirt­schaftliche Not auch die Massen auf die Grundfragen jedes Volkslebens zurückführt. Die politische Ideenwelt des Bol­schewismus wird kräftig an Boden gewinnen, aber auch sein Inhalt gipfelt in der Wahrung seines Reiches durch Macht. Rußland selbst und der eben geschlossene Kommunistenkon­greß in Moskau gibt dafür den besten Beweis. Auf erne kurze Formel gebracht, kann für 1926 vorausgesagt werde»; daß eine weitere Verschärfung der Parteigegensätze und ein weitees Anschwellen des Radikalismus zu erwarten ist. Auf rein geistigem Gebiet werden die Kämpfe um Weltan­schauung zunehmen. ,

Ganz trübe sieht es auf wirtschaftlichem Gebiete aus. Die Krise in der Wirtschaft und in der Geldknappheit hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Das neue Jahr bringt er­höhte Steuerforderunaen für das Reich, erhöhte soziale La­sten, bringt vor allem höhere Tributleistung an die Feinde. Es ist somit mit weiterem Rückgang unserer Wirtschaft, neuen Zusammenbrüchen zu rechnen. Die Landwirtschaft wird auch weiter keine guten Zeiten haben. Der Deflation des Geldes wird die Deflation der Eüterwerte auf dem Fuße folgen. Die Entwertung von Grund und Boden wie des Hausbesitzes ist eine notwendige Folge. Der Entwick­lung mögen noch Hemmungen wie die Wohnungsnot ent­gegenstehen, aber sie ist bei der Verarmung der breiten Massen nicht aufzuhalten. Dis Industrie wird nach ame­rikanischem Muster, aber unter deutl^er Eigenart, weiter sich zusammenschließen, aus Gründen der Selbsterhaltung. Trotz aller Utopien über Achtstundentag und Arbeitszeit­gesetz wird die harte Notwendigkeit von der Masse fordern, mehr zu arbeiten, mehr zu sparen und kärglicher zu leben. Die Drohnen am Volkkörper werden wohl weiter zurück­gehen, aber nicht aussterben, weil sie ein Bestandteil jeder Weltordnung sind, die sich nicht auf Theorien, sondern auf Wirklichkeiten gründet.

Wir können also zum Voraus sagen, daß das neue Jahr uns noch schwerere Arbeit gibt in Politik und Wirtschaft denn bas zurückliegende. Wir wollen aber ohne Zagen an die Aufgaben gehen, auch uicht verkennen, daß sowohl auf außenpolitischem Gebiet wie in der Wirtschaft gegenüber den Vorfahren Lichtpunkte zu verzeichnen sind. Auch das neue Jahr wird solche bringen. Wir werden das Frohe und Erfreuliche dankbar nehmen und eher schätzen lernen, als das Schwere und Trübe.

Die letzte Jahreswoche brachte auf keinem Gebiete der Politik wesentliche Veränderungen. Die Krise in Frankreich wurde bis in die zweite Januarwoche vertagt. Der Frie­densversuch Abd el Krims wurde in Paris abgelehnt. In Syrien ist man nicht einen Schritt zum Frieden weiterge­kommen. In China hat sich die Lage verworrener gestaltet. Der Abrüstungskonferenz stehen schwere Hindernisse entge­gen. Die Weltwi ffchaftskonferenz bleibt eine europäische Angelegenheit. Die Völker werden die Schutzzollmauern die sie eben (vergleiche England) errichtet haben, nicht ohne Weiteres fallen lassen. Um Genf und den Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund hat sich ein merkwürdiges Spiel entwickelt. DieGermania" veröffentlicht eine Erklärung des Reichskanzlers a. D. Marx zu den Veröffentlichungen der Nachtausgabe desTag" über die Besetzung von Stel­len beim Völkerbundssekretariat. Reichskanzler a. D. Marx bezeichnet es als falsch, daß die Zentrumspartei oder er als Vorsitzender der Partei in einem offiziellen oder auch pri­vaten schreiben an den Generalsekretär des Völkerbunds oder äH das Völkerbundssekretariat den Antrag gestellt hätten, Angehörige der Zentrumspartei in das Völker­bundssekretariat aufzunehmen. Richtig sei, daß er von pri­vater Seite vor Wochen vertraulich ausqefordert wurde, et­waige Anregungen über die später vielleicht in Frage kom­mende Besetzung gewisser Völkerbundsstellen zu geben. Die­ser Bitte sei er nachgekommen. Es sei ihm unbekannt, ob seine Antwort zur Kenntnis des Völkerbundssekretariats gelangt sei. Es sei für ihn selbstverständlich gewesen, das Auswärtige Amt über diese Angelegenheit zu informieren. Der Vorwurf der Stellenjägerei um fette Völkerbunds­posten scheint demnach nicht berechtigt zu sein. Immerhin haben sich die Parteien um Dinge gekümmert, die zunächst die Regierung angehen. Eine Extratour hat sich Bayern geleistet durch Titelverleihungen auf Weihnachten. Es wurden allerleiRäte" gemacht, sogar das verpönte Wort Arbeiterrat" wurde als Titel verschenkt. Bayern hat sich damit über Art. 109 der Reichsverfassung weggesetzt, nach dem Titel nur verliehen werden dürfen, wenn sie ein oder einen Beruf verzeichnen.

Unterbringung der Eisenbahn, schnldverschreibnngen

Von Oberregierungsrat Dr. Berger Die Unterbringung der auf Grund des Dawesplanes ge­schaffenen Eisenbahnschuldverschreibungen ist zurzeit Ge­genstand der lebhaftesten Erörterungen des In- und Aus­landes. Der Ursprung dieser Bewegung ist wohl in Frank­reich zu suchen, wo die Versuche, der Finanz- und Wäh­rungsschwierigkeiten Herr zu werden, auch zur Behandlung der Frage geführt haben, ob es möglich sei durch eine so­fortige Realisation der genannten Schuldverschreibungen dem französischen Tresor namhafte Beträge zuzuführen. Zu diesem Plan ist folgendes zu bemerken: Gemäß dem Lon­doner Abkommen sind bekanntlich 11 Milliarden Schuld­verschreibungen der Reichsbahngesellschaft dem Treuhänder für die Eisenbahn-Obligationen, Delacroix, übergeben wor­den. Der Zinsen- und Tilgungsdienst dieser Schuldver­schreibungen beträgt 5 IProzent und im normalen Re- Mrationsjahre insgesamt 660 Millionen; diese Beträge werden nach den bestehenden Bestimmungen von der Reichs- dahn-Gesellschaft in Reichsmark an den Generalagenten für Reparationszahlungen abgeführt. Für die Frage der Unterbringung der Schuldverschreibungen ist nicht nur die Aufnahmefähigkeit des Kapitalmarktes, sondern vor allem entscheidend, ob und in welchem Umfange die bei dem Ge­neralagenten für Reparationszahlungen eingezahlten Be­träge in ausländische Währung übertragen werden kön­nen. Da die Unterbringung der Schuldverschreibungen nach Lage der Dinge nur im Ausland möglich ist, wird das Be­streben der ausländischen Kapitalgeber darauf gerichtet sein, im Falle der deutschen Ausländsanleihe von 800 Mil­lionen Eoldmark den Zinsen- und Tilgungsdienst in aus­ländischer Währung sicherzustellen, d. h. Garantien gegen eine plötzliche Einstellung des Dienstes der Schuldverschrei­bungen mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten zu verlangen, die sich aus den Transfervorschriften des Sachoerständigen- plans ergeben. Nach dem Plan hat das Transfer-Komitee darüber zu entscheiden, ob eine Umwandlung der auf das Konto des Generalagenten für Reparationszahlungen ein- gezahlten Beträge in Devisen mit der Stabilität der deut­schen Wäbruna vereinbar ftt. Dem Transfer-Komitee fällt