Gmünd, 21. Juli. Schlossermeistertag. Der Württ. Schlossermeisterverband und der Süddeutsche Schlosser­meisterverband tagten seit gestern hier. Vormittags 11 Uhr begannen unter Rößler- Stuttgart die Verhand­lungen. Der Jahresbericht beklagt den wirtschaftlichen Tiefstand von Handel und Gewerbe, dem am besten zu­nächst durch Stärkung der Organisationen zu begegnen sei. Infolge der Bemühungen des Verbands wurde im Kammerbezirk Ulm die 3 ^jährige Lehrzeit festgelegt. Die Handwerkskammer Ulm hat auch entschieden, daß Lehrlinge, die zwei oder mehr Gewerbe lernen, für das zweite Gewerbe mindestens ein Jahr länger lernen müs­sen. Die Mitgliederzahl beträgt 330 und umfaßt etwa den 4. Teil der Württ. Schlossermeister. Ein Antrag Zimmerman-Sontheim fordert Bekämpfung des Pfu­scherwesens, d. h. der Tätigkeit solcher Leute, die tags­über in Fabriken usw. arbeiten und nach Feierabend den Meistern ins Handwerk pfuschen. Pfitzer-Ludwigs- burg, Koch-Rottweil, Späth-Weinsberg und Widmann- Heidenheim wurden in den Ausschuß wiedergewählt. Der Tagungsort ist im nächsten Jahr Ravensburg; für das württ. Handwerkererholungsheim wurden 50 verwilligt. Nachmittags 3 Uhr begannen unter Nickolaus - Mannheim die Verhandlungen des Süd­deutschen Schlossermeisterverbandes, wobei Handelskam­mersekretär Haußer - Mannheim den Tätigkeitsbericht erstattete und mehrere Vorträge, die Fragen des Schlos­serhandwerks im besonderen und des Handwerks im allgemeinen betrafen, gehalten wurden. Am Mon­tag wurden die Verhandlungen nach einer Besich­tigung des Kunstgewerbe-Museums und Vorfüh­rung des autogenen Schweißverfahrens fortgesetzt. In seinem Dortrag über die Organisation im deutschen Schlossergewerbe empfahl Hahn-München den Anschluß an den Verband der Industriellen, welcher Vorschlag von einer Kommission durchberaten werden soll. Der Kassenbericht verzeichnet bei 3869,67 -N Ein­nahmen einen Ueberschuß von 1800 Mitglieder sind es 1292, darunter 285 württembergische. Für die nächste Tagung kommt Nürnberg oder Augsburg in Frage.

Aus Welt und Zeit.

Frankfurt a. M., 22. Juli.L. Z. 20" ist nunmehr alsZ. 5" in den Besitz der Militärbehörde über­gegangen. Das Schiff fuhr heute morgen gegen 4 Uhr nach Baden- Oos, wo es gegen 7 Uhr eintraf.

Aachen, 22. Juli. Heute mittag gegen 12 Uhr er­eignete sich auf der GewerkschaftCarolus Magnus" bei Ibach ein schweres Grubenunglück. Die ganzen Zechenanlagen des Steinkohlenbergwerkes sind einge­stürzt. Ein Steiger und 14 Bergleute wurden verschüttet. Sie werden alle als ver­loren betrachtet. Rettungsarbeiten wurden sofort in An­griff genommen. Die Leute fielen mit den einstürzen­den Erdmassen in den Schacht. Man führt das Unglück auf einen in der letzten Zeit niedergegangenen Wolken­bruch zurück, der das Erdreich unterwaschen hat.

Bremen, 22. Juli. Das Attentat in der hiesigen Marienschule hat noch ein weiteres Opfer gefordert. Gestern abend starb im Diakonissenhaus die 6jährige Elly Höger infolge der erlittenen Schußwunden.

Stralsund. 22. Juli. Auf einem benachbarten Gute ist der Arbeiter Hallmann unter dem dringenden Ver­dacht verhaftet worden, am 30. Januar aus Eifersucht einen Unteroffizier des 141. Infanterieregiments er­mordet zu haben.

Wien, 21. Juli. In Innsbruck wurde der In­genieur Paier unter der schweren Beschuldigung des Vaterlandsverrats festgenommen. Paier hatte schon seit einer Reihe von Jahren für das Militärärar Befesti­gungs-Anlagen an der tirolisch-italienischen Grenze gebaut, und es muß als Tatsache gelten, daß er sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Pläne der fremden Macht verkauft hat. Paier hat seine Familie in Brünn, der er inonatlich 2600 Kronen sandte; überdies fuhr er fast jede Woche selbst zu seinen Angehörigen. Nach dem Fall Redl wurde Paier wegen seiner großen Auslagen schärfer überwacht, und ein Beobachtungsdienst in Brünn ergab, daß sein Verkehr mit der fremden Macht durch die Hände seiner Gattin und seines ältesten Sohnes ging. Am 8. Juli erfolgte auf telegraphischen Befehl die Verhaftung der Frau Paier in Brünn; der Sohn hat sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen können und ist flüchtig. Paier hatte in Brünn eine aus sieben Zimmern bestehende Wohnung inne, deren luxuriöses Mobiliar auf 60 000 Kronen geschätzt wird. Die wie­derholten Hausdurchsuchungen förderten zahlreiches be­lastendes Material zutage; doch steht auch fest, daß der geflüchtete Sohn Paiers die wichtigsten Schriftstücke bei­seite geschafft hat. In der Wohnung Paiers fand man ferner mehrere Sparkassenbücher, mit zusammen 40 000 Kronen Einlagen und ein förmliches Lager von Schmuck­sachen und Juwelen. Der Schaden, den der jahrelange Verrat Paiers Oesterreich zugefügt hat, wird in einge- weihten Kreisen auf mehrere Millionen Kronen geschätzt. Die Festungen, deren Bau dem Ingenieur Paier über­tragen worden war, galten als die modernsten und wich­tigsten im tirolisch-italienischen Grenzgebiet, und es wird jetzt notwendig sein, durchgreifende Veränderungen und Neubauten durchzuführen.

Binghampton (New-Pork), 22. Juli. In einer Fabrik für Arbeiterkleidung ist ein Brand ausgebrochen, bei dem 40 Arbeiterinnen ums Leben kamen.

Jackson (Mississippi), 22. Juli. In Oakley, 20 Mei­len von hier entfernt, brach gestern nacht auf einer Sträflingsfarm Feuer aus, wobei 35 Negersträflinge den Tod in den Flammen fanden.

Washington, 22. Juli.' Die Rebellion in Mexiko dauert an. In der Hafenstadt Tuxan im Staate Vera­cruz sind schwere Unruhen ausgebrochen. Es gelang den Rebellen, die Regierungstruppen aus der Stadt zu ver­treiben. Der englische Konsul bat die amerikanische Re­gierung, zum Schutze der britischen Kolonie um Entsen­dung eines Kriegsschiffes. Daraufhin wurde dieLoui­

siana", ein Kriegsschiff von 16 000 Tonnen Deplazement nach Tuxan abgesandt.

Sofia, 22. Juli. Der griechische Ministerpräsident und der rumänische Kabinettschef haben der bulgari­schen Regierung vorgeschlagen, die Präliminarfriedens­verhandlungen in Sinaia, der Sommerresidenz des Kö­nigs v. Rumänien abzuhalten. Dies wurde angenommen.

Sprechsaal.

Zwangs-Innung für Schneidermeister?

In der Montagsnummer des Calwer Tagblatts findet sich eine EinsendungZwangsinnung für Schnei­dermeister?" von Schneidermeister I. Wackenhut in Möttlingen.

Dazu schreibt uns als Beauftragter des Landesver­bands württ. Schneidermeister dessen Sekretär M. Lutz- Stuttgart folgendes:Die Einleitung zur Gründung erfolgte auf Veranlassung einer Anzahl Schneider­meister aus dem Oberamtsbezirk durch den Landesver­band württ. Schneidermeister und es wurde auch eine allgemeine Schneidermeister-Versammlung zu diesem Zwecke abgehalten, wobei der zweite Vorsitzende des Verbandes über die Zwecke und Ziele einer Innung re­ferierte und nachher der Beschluß gefaßt wurde, die Er­richtung einer Innung zur Ausführung zu bringen. Ein Zuschneideinstitut oder Münchner Tuchhaus haben mit der Sache gar nichts zu tun, auch ist es nicht der Zweck der Innung, gewaltsame Preissteigerungen vorzuneh­men, sondern die allgemeinen Interessen des Schneider­handwerks, wie in allen andern Berufen, so auch hier wahrzunehmen und auf Verbesserungen hinzuwirken, zu welchem Zwecke der Zusammenschluß erfolgen soll. Wir bitten daher, sich durch diese, nicht den Tatsachen entsprechende Einsendung nicht irre führen zu lassen, sondern für die Errichtung der Innung die Stim­me abzugeben!"

Briefkasten.

Nach Bad Liebenzell. Wenn Sie IhrEingesandt" im Calwer Tagblatt lesen wollen, dann erfüllen Sie, bitte, die erste Pflicht einesEinsenders": geben Sie Ihren Namen an!

Für die Schriftleitung verantwortlich: Paul Kirchner. Druck und Verlag der A. Oelschläger'schen Buchdruckerei.

Rettaineteil.

Bad Liebenzell.

Sonntag, den 27. Juli, nachmittags 4 Uhr

Das große Sommerfest

in den ftädt. Kuranlagen.

Die Entwöhnung der Säuglinge ist oftmals eine recht schwierige, weil dieselben die Kuhmilch nicht vertragen können. Eine große Erleichterung bietet das Nestle'sche Kindermehl, entweder allein mit Wasser gekocht, oder als dünnere Suppe der Milch zugesetzt. Probe gratis und franko durch Nestle-Gesellschaft Berlin W 57.

Amtliche und Privatanzeigen.

Die K. Beratungsstelle für das Baugewerbe in Stuttgart veranstaltet im Aufträge der K. Zentralstelle für Gewerbe und Handel

vom 3.17. August d. 3. in Calw

(Turnhalle) eine

dWkiverbliihe ^ ' f " ..

Hier und im Oberamtsbezirk wohnhafte Architekten, Baugewerbetreibende und sonstige Firmen, welche sich mit einschlägigen Artikeln oder Zeichnungen beteiligen wollen, werden gebeten, dies unter Angabe des Platz­bedarfs beim Vorstand des Calwer Gewerbevereins alsbald zu melden.

Zugleich laden wir alle Interessenten zu der am kommenden

Donnerstag, den 24. Juli 1813, abends 8 Uhr, im Rötzle in Calw stattfindenden

Versammlung»

in welcher alles Nähere über die Ausstellung bekannt gegeben wird, ergebenst ein.

Calw, den 18. Juli 1913.

Stadtschultheiß Gewerbevereins-Dorstand

Conz. Zahn.

KlNlwMrWkil.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Johannes Ziegerer, Schuhmachers in Sim- mozheim, ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen und zurBeschlußfassung der Gläubiger über die nicht ver­wertbaren Dermögensstücke der Schlußtermin aus Samstag» 16. August 1913, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hier bestimmt.

Calw, den 22. Juli 1913.

Siber,

Gerichtsschreiber des K. Amtsgerichts.

MlWMuasM Calw.

Die öffentliche Prüfung am hiesigen Realprogym­nasium findet Mittwoch, den 30. Juli, von vorm. 7'/r Uhr an im Lokal von Kl. V in nachstehender Reihenfolge statt: 7'/-8 Uhr Vorklasse: Rechnen.

8 9 Kl. I: Deutsch, Latein.

9 10 Kl. II: Latein, Geographie.

10 11 Kl. III: Naturbeschr. Französ.

11 12 Kl. IV: Französisch, Rechnen.

2 3 Kl. V: Latein, Geschichte.

3 4 Kl. VI : Englisch, math. Geographie. Hiezu, sowie zu der Donnerstag, den 31. Juli, vorm.

9 Uhr im Eeorgenäum stattfindenden Schlußfeier des Realpro- gymnafiums werden die staatlichen und städtischen Behörden, die Eltern unserer Schüler und die Freunde der Schule ge­ziemend eingeladen.

Calw, den 23. Juli 1913.

K. Rektorat: Dr. Knödel.

Cal«, 23. Juli 1913.

Todes-Anzeige.

Teilnehmenden Verwandten, Freun­den und Bekannten machen wir die schmerzliche Mitteilung, daß unsere liebe Mutter, Großmutter u. Schwieger­mutter

Christiane Reinhard»

Ratsdieners Witwe,

im Alter von 78 Jahren heute früh 5 Uhr nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist.

Um stille Teilnahme bitten

die trauernden Hinterbliebenen.

Beerdigung Freitag nachmittag 2 Uhr.

Oberkollwangen, 22. Juli 1913.

Danksagung.

Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die wir beim Hinscheiden unseres lieben Sohnes, Bruders und Schwagers

Ulrich Stoll» Glasers.

erfahren durften, sowie für die trost­reichen Worte des Herrn Geistlichen, sprechen wir unsern innigsten Dank aus.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Tmer-MWu

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