ihm den zur Erhaltung des Wohlbefindens unbedingt nöti­gen Gehalt an Alkalien zu verleihen. Eine derartige Zu­fuhr von Mineralstoffen ist ganz besonders nötig bei jugend­lichen, noch stark wachsenden Vögeln, sowie zur Zeit des alljährlichen Federwechsels, der Mauser. So machte Liebe bei seinen Züchtungsversuchen mit verschiedenen Drosselarten die überraschende Entdeckung, dag die junge Brut regel­mäßig zugrunde ging, wenn die Alten nicht Gelegenheit hatten, jeden Futterballen vorher gehörig in feuchtem Lehm herumzuwälzen. Zur Bildung der Feder gehört in erster Linie kieselsaure Kali-Kalkerde. Deshalb hat der dem Ei entschlüpfende Hühnervögel nur Haare und kann Federn erst bilden, sobald er selbständig Steinchen aufzupicken vermag, denn die im Ei enthaltenen Mineralstoffe werden voll­ständig zum Aufbau des Körpers und des Knochengerüstes verbraucht. Der junge Raubvogel kommt fast kahl zur Welt und erhält erst in dem Maste Federn, als er Gelegenheit hat, die Federn der zum Horste geschleppten Beutevögel mit zu verschlingen. Im Magen der nordischen Schwimmvögel, die sich von Fischen nähren, findet man regelmästig Porphyr- und Eabbrokiesel; diese sollen gewiß nicht dazu dienen, das zarte Fischfleisch zu zerreiben, sondern sie sollen vielmehr dem Körper die in den Fischen nicht enthaltenen minera­lischen Nährstoffe zuführen. Die Papageien verdanken ihr farbenprächtiges Gefieder der kieselerdehaltigen Rindensub­stanz der Palmen, die sie fleißig benagen; deshalb müssen wir ihnen auch im Käfig kieselhaltige Samen und Baum­rinde zur Verfügung stellen, wenn wir sie bei gutem Ge­fieder erhalten wollen. Bei Schneehühnern, die ich früher zahlreich aus Rußland erhielt, bestand der Inhalt des Ma­gens häufig aus zartem Blattgrün und weichen Knospen nebst vielen Steinchen von Quarz, Granit, Augitporphyr und Syenit. Diese Steinchen waren stets vollständig in das lieblich duftende Pflanzengrün eingebettet, so daß von einem mechanischen Zerreiben des Futters durch sie gar keine Rede sein konnte, sondern nur von einer gleichmäßigen Durchmischung. Genau dasselbe stellte ich bei Flughühnern in Asien und Afrika fest. Ich behaupte demnach, daß solche Mineralien den Vögeln direkt zur Nahrung dienen, wie uns und den Haustieren das Kochsalz, daß sie also, durch den Magensaft teilweise aufgelöst, chemische Verbindungen bestimmter Art herbeiführen müssen, um eine gesunde, alkali­reiche Blutbildung zu ermöglichen.

Die «kurze Ansrage". In parlamentarischen Kreisen wird demBerl. Tagebl." zufolge folgende heitere Geschichte erzählt: Auf einem Diner fragte man einen der bekanntesten liberalen Reichstagsabgeordneten der im Reichstag bis­weilen auf offiziellem Platze sitzt, ob er nicht auch einmal einekurze Anfrage" an die Reichsregierung richten wolle. Der humorbegabte Abgeordnete entgegnete:Schon in der nächsten Sitzung beabsichtige ich die Regierung zu inter­pellieren mit der Frage: Lebt der Herr Reichskanzler noch? Wenn ja, was gedenkt er dagegen zu tun?" Wie von gut informierter Seite versichert wird, hat man über den Einfall des wohlbeleibten Geheimrats nicht nur in den Krei­sen seiner parlamentarischen Kollegen gelacht, sondern auch an einer sehr hohen Stelle.

Die Rheinbrücke bei Bingen. Im Rheingau soll eine Brücke über den Rhein gebaut werden. Es gilt weni­ger, eine Verbindung von Rüdesheim und Bingen zu schaf­fen, als vielmehr eine aus militärischen Gründen für not­wendig erachtete direkte Zugangslinie zur französischen Grenze mit Umgehung des Sackbahnhofs Bingerbrück zu bauen. Die Notwendigkeit der Brücke wird niemand be­streiten. Was aber jeder Deutsche, vor allem jeder Natur­freund verlangen muß, ist, daß die Brücke technisch und künst­lerisch sich dem herrlichen Landschaftsbilde anpasse. Sie muß ferner auf die Entwicklung des Verkehrs und die Bedürfnisse der anliegenden Gemeinden Rücksicht nehmen. Die künst­lerische Gestaltung der Brücke sei deutschen Werkstätten der Technik und Baukunst überlasten. Man schone den Rhein­gau vor einem so protzigen Gesellen mit Thorburgen und Türmen, wie einer in Köln zu sehen ist. Was den Natur­freund zwingt, zu dieser Brückenbaufrage Stellung zu neh­men, das ist die Art und Weise, wie die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft sich die Durchführung des Planes denkt. Die neue Brücke soll in der Gegend des jetzigen Bahn­

hofes ihren Anfang nehmen. Sie soll bei 14 Meter über Stratzenhöhe beginnen. Wird dieser Plan verwirklicht, so ist damit gewissermaßen das schöne Rüdesheim von der Landkarte gestrichen. Wo jetzt das schmucke Städtchen mit seinen freundlichen Häusern den Reisenden grüßt, da soll zukünftig ein scharf ansteigender Eisenbahndamm das Rhein­panorama abschließen. Rüdesheim wird dann hinter dem Bahndamm liegen. Der Damm nimmt ihm jede Aussicht zum Rheine, der Bahnhof bleibt in seiner erstickenden Enge, und an Stelle einer jetzt in herrlicher Schönheit das Rhein­gebiet schmückenden Stadt wird eine unheimliche menschliche Wohnstätte ihr Dasein vertrauern. Die Rüdesheimer Ein­wohnerschaft setzt sich mit erfrischender Deutlichkeit zur Wehr. Leider gibt es auch Kreise in Rüdesheim, welche die Zukunft Ser Stadt ihren eigenen Interessen opfern möchten; die Mehrzahl der Bürger aber spricht sich für eine Verlegung des Bahnhofs nach der östlichen Grenze der Stadt aus an eine Stelle, die der Stadt neue Entwicklungsmöglich­keiten bietet, ohne ihre jetzige natürliche Lage zu verschlech­tern. Die deutschen Naturfreunde schließen sich den Forde­rungen der Rüdesheimer Bürger an.

Ein menschliches Aquarium. In Berlin tritt im Zirkus Busch gegenwärtig ein Franzose, Norton mit Namen, auf, der sich als menschliches Aquarium anstaunen läßt. Die wenn auch nicht appetitliche, so doch gewiß recht merkwürdige Darbietung dieses Mannes besteht darin, daß er zunächst auf einmil eine Flüssigkeitsmenge von fünf bis sieben Liter zu sich nimmt und so seinen Magen auf die Aufnahme von Wassertieren vorbereitet; dann verschluckt er ein halbes Dutzend oder noch mehr Frösche und eine Anzahl Goldfische, läßt sie eine Zeit lang in dem ungewöhnlichen Fischbassin umherschwimmen, was er mittels einer elektrischen Lampe den Zuschauern vor Augen führt, und gibt zum Schluß alles unversehrt und fein säuberlich aoieder von sich: Frösch, Fische und Flüssigkeit. Die Nächstliegende Annahme, daß Norton an einer starken Magen- oder Speiseröhrenerweiterung lei­den müsse, ist nach den Untersuchungen französischer Aerzte falsch; der Magen des eigentümlichen Künstlers erwies sich, wie der Berliner Arzt Dr. Sternberg in der Deutschen medi­zinischen Wochenschrift berichtet, bei der Röntgendurchleuch­tung als völlig gesund. Allein die ungewöhnliche Elastizität seiner Magenwände befähigt Norton, eine so ungewöhnlich große Wassermenge auf einmal zu trinken. Dazu kommt bei ihm eine angeblich vom Vater und vom Großvater ererbte Gabe, ohne eigentlichen Brechakt alles leicht wieder von sich geben zu können, was der Magen beherbergt. Dr. Stern­berg macht noch auf eine weitere seltsame Erscheinung bei den Vorführungen Nortons aufmerksam. Wenn dieser den lebenden Inhalt seines Aquariums wieder an die Außenwelt zurückbefördert, so erscheinen als erste Tiere nicht etwa, wie man erwarten sollte, die zuletzt verschluckten Goldfische, son­dern die zuerst verschluckten Frösche. Dieses Verhalten ähnelt dem mancher Raubvögel, die von Zeit zu Zeit die unver­daulichen Ueberreste verschlungener Tiere, das sogenannte, Eewöll, ausstoßen; auch hier findet im Magen eine Umkehr statt, so daß zuerst das zuerst gefressene Tier erbrochen wird. Nortons Fall steht übrigens nicht so vereinzelt da, wie man glauben sollte. Wir erinnern uns eines gewissenKapitän Vetrio", der- im Panoptikum auftrat. Seine Spezialität waren absonderliche Mahlzeiten, die den Appetit des Nor- nialmenschen nicht zu reizen vermögen: Briketts mit Petro­leumsauce, Glasscherben mit Hobelspänen usw. Wenn Vetrio unseres Wissens auch niemals ärztlich untersucht worden ist, so geht man doch wohl kaum fehl mit der Annahme, daß auch er sichder gegessenenSpeisen" sofort nach jeder Vor­führung willkürlich wieder erledigte.

Welche Ziele verfolgte der Tugendbund? Was Fichte in seinen herrlichen Reden an die deutsche Nation, was Schleiermacher, Stein und Arndt, Jean Paul, der Turn­

meister Jahn und viele andere Vaterlandsfreunde als Vor­bedingung der Erhebung des preußisch-deutschen Volkes aus tiefster Schmach forderten: die geistige Erneuerung des Volksgeistes durch alle Stände, die Heranziehung eines phy­sisch und moralisch kräftigen und gesunden Geschlechts dies alles verwirklichen zu helfen, wurde zu Königsberg im Frühjahr 1808 dersittlich-wissenschaftliche Verein" gegrün­det. Dieser sogen.Tugendbund" hat manche absprechende Beurteilung erfahren, so daß es wohl angebracht ist, seine wirklichen Pläne und Absichten in Kürze darzulegen.

Die schwere Not der Zeit und der Haß gegen die Fremd­herrschaft gab zwanzig Männern, Beamten, Gelehrten und Offizieren, von denen hier Mosquel, Lehmann, Velhagen, Both, Vardeleben, Vazko und Krug genannt seien, den Ge­danken dieses Bundes ein, den sie, angeregt durch die im 18. Jahrhundert so weit verbreitete Eeheimbündelei, gleich­falls unter der äußeren Form eines Geheimbundes zu ver­wirklichen gedachten. Jedoch war er dies nur den Franzosen gegenüber, denn der Tugendbund entstand mit Wissen der preußischen Regierung, der die Satzungen vorgelegt wurden, die König Friedrich Wilhelm III. am 30. Juni genehmigte. Zweck des Vereins ist," so hieß es in der Stiftungsurkunde, eine Verbesserung des sittlichen Zustandes und die Wohl­fahrt des preußischen und hiermit des deutschen Volkes durch Einheit und Gemeinschaft des Strebens tadelloser Männer hervorzubringen. Die Mittel der Gesellschaft sind Wort, Schrift und Beispiel." Die Tugendbündler wollten überall die durch das Unglück in Verzweiflung gestürzten Gemüter aufrichten, sie suchten physisches und moralisches Elend zu lindern, für volkstümliche Jugenderziehung zu sorgen, die Reorganisation des Heeres zu betreiben, Patriotismus und Anhänglichkeit an die Dynastie, Liebe zur Kunst, Humanität und Brüderlichkeit zu pflegen, Freimütigkeit und körperliche Festigkeit zu fördern und Abscheu gegen Schmeichelei, Kriecherei und Verweichlichung zu erwecken. Neben diesen offenen Bestrebungen bestand aber auch, wie Boyen be­stätigt, die geheime Tendenz der Vorbereitung einer Volks­bewaffnung, um das französische Joch abzuschütteln. Unter den Gebildeten der Provinz Ostpreußen fand der Bund rasche Verbreitung, auch in Schlesien und Pommern, weniger in der Mark und am wenigsten in Berlin.

Der Bund hatte von vornherein mit vielen ungünstigen Verhältnissen zu kämpfen, am meisten schadete ihm Preußens Neutralität im Jahre 1809, sowie das Mißlingen der Schill- schen Unternehmung. Der Major Schill war allerdings ein sehr tätiges Mitglied, allein der Tugendbund als solcher hatte mit seinem abenteuerlichen Zuge nichts zu tun. Män­ner wie Stein, Scharnhorst, Eneisenau, dorck, Blücher, Nie- buhr haben dem Bunde niemals angehört, sondern hielten sich mißtrauisch von ihm fern. Die Franzosenfreunde und die Franzosen selbst boten natürlich alles auf, ihn zu ver­nichten, sobald sie Kunde von seinem Bestehen erhielten, und am 31. Dezember 1809 mußte der König auf Verlangen Napoleons die Auflösung des Bundes aussprechen, dem da­mals etwa 400 Mitglieder angehörten. Dies geschah jedoch nur der Form nach, tatsächlich bestand der Verein wei­ter fort, und ohne Zweifel hat der durch ihn und in ihm gepflegte Geist keinen geringen Anteil an den Ereignissen von 1813 gehabt. Nachmals hat die preußische Reaktions­partei dem Tugendbunde unbegründeterweise die Beförde­rung der Demagogie vorgeworsen. Daß der Bund aber nicht, wie man ihm vielfach nachgesagt hat, bedeutungslos gewesen ist, erhellt wohl am besten aus der Furcht der Fran­zosen vor ihm, die förmlich zu einer fixen Idee wurde, so daß sie jede ihnen feindliche Regung unter der Bevölkerung mit ihm in Zusamenhang brachten, auch nachdem er längst nicht mehr bestand. Als die süddeutschen Verbündeten sich endlich 1813 von ihnen lossagten, machten sie sogar dafür den Tugendbund verantwortlich und erklärten, alle deutschen Offiziere hätten ihm als Mitglieder angehört. Eneisenau hatte seinerzeit mit Bezug auf ihn geschrieben:Mein Bund ist ein anderer, ohne Zeichen und Mysterien: Gleich- gesinntheit mit Männern, die einer fremden Herrschaft nicht unterworfen sein wollen." Und ohne Zweifel ist dieser Bund viel verbreiteter und mächtiger gewesen, und aus solcher Gesinnung ist in erster Linie die große Erhebung von 1813 hervorgegangen.

Für die Schriftleitung verantwortlich: Paul Kirchner. Druck und Verlag der A. Oelschläger'schen Vuchdruckerei.

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