st Entringen, OA. Herrenberg, 26. Febr. Aus einem Schöps sielen am Hellen Tage Schüsse, die anscheinend aus spielende Kinder gezielt waren und auch tatsächlich, einen 12 Jahre alten Knaben an den Oberschenkel trafen. Die Verletzung ist nicht gefährlich. Der Schütze wurde verhaftet.
st Stuttgart, 26. Febr. (Arbeiterbewegung.) Die Stuttgarter Innung der Flaschner- und Installateure hat dem Gesellenausschuß die Kündigung des am 31. März ablaufenden Arbeits- tarises zugestellt. Die organisierten Arbeiter erklären diese Kündigung für ungültig, weil sie nicht dem Deutschen Metallarbeiterverband, der den Vertrag mit der Innung geschlossen habe, zugestellt worden sei.
st Stuttgart, 26. Febr. Staatssekretär Dr. Kühne weilte hier und ist heute mittag 12.48 Uhr nach Karlsruhe abgereist. Sein Besuch in München, Stuttgart und Karlsruhe rc. wird mit der Teckungsfrage der Militärvorlage in Zusammenhang gebracht.
st Heilbronn, 26. Febr. Der 35 Jahre alte verheiratete Arbeiter Karl Hofmeister aus Neckargartach, der in der Maschinenfabrik von Weippert und Söhne arbeitete, stürzte dort von einem Kessel herab und erlitt schwere innere Verletzungen. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er starb.
st Oberstetten, OA. Gerabronn, 26. Febr. (Ein Geniestreich.) Zwei wegen Bettels festgenommene Handwerksburschen nahmen im Rathauszimmer vom Mittagessen weg Reißaus und schlossen kurzerhand den Ortsvo Vst eher ein. Zum Glück hatten sie den Schlüssel nicht abgezogen, so- daß der Ortsvorsteher aus seinem unverdienten Arrest sofort befreit werden konnte. Die Stromer wurden vom Polizeidiener verfolgt und konnten wieder ins Rathaus zurückgebracht werden. Unter Aufgebot von weiteren vier Männern wurden sie dann gefesselt und ihrem Bestimmungsort zugeiführt. Die armen Schelme hatten wenigstens Humor. Man lacht hier über ihren Geniestreich nicht wenig.
st Göppingen, 26. Febr. Heute nacht 12 Uhr brach in der jdem Oekonomen Karl Mayer gehörigen mit Futtervorräten reich gefüllten Scheuer in der Heiningerstraße Feuer aus, dem sowohl die Scheuer, wie die angebaute Remise und die Stallung völlig zum Opfer fielen. Der 25 Jahre alte Sohn des Besitzers hat das Anwesen selbst angezündet. Er wurde verhaftet.
st Gingen a. Br., 26. Febr. Der Gastwirt Hans Finckh zum „Hahnen" ist dieser Tage seine Treppe hinuntergestürzt und hat schwere innere Verletzungen erlitten. Die Ursache des Unglücksfalles soll anscheinend auf einen Schlagansall zurückzuführen sein. Das Leben des Schwerverletzten war nicht mehr zu retten.
ss Ulm, 26. Febr. (Steckbrief.) Das Grenadierregiment König Karl (5. Württembergisches Nr. 123) erläßt einen Steckbrief gegen den 22 einhalb Jahre alten Grenadier Erhard Ernst Huttenlocher aus Deizisau OA. Eßlingen, der sich seit -83. Februar von der 10. Kompagnie ohne Urlaub entfernt hat.
ss Ulm. 26. Febr. (Gleich drei Deserteure.) Am letzten Sonntag haben sich dev Grenadier der 10. Kompagnie Erhard Ernst Huttenlocher von Deizisau, Gottlieb Adolf Haußmann von Oberboihingen und Rudolf Seidenspinner von Göppingen unerlaubterweise von ihren: Truppenteil entfernt und sind bis jetzt nicht zu demselben, zurückgekehrt.
st Neuravensburg, 26. Febr. Gestern brach in der H. Berlinger von Roggenzell gehörenden Waldpflanzung aus bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer aus, dem etwa 100 junge Tannen zum Opfer sielen.
st Friedrichshafen, 26. Febr. Neben der großen Lustschiffwerft ist eine neue Versuchsanstalt des' Luftschiffbau Zeppelin im Werden begriffen. Das Richtfest konnte bereits am letzten Sonntag gefeiert werden. Der Bau schreitet so rasch voran, daß er voraussichtlich demnächst seiner Bestimmung übergeben werden kann.
st Von der bayerischen Grenze, 26. Febr. (Eine ganze Schafherde gestohlen.) In Haag, Gemeinde Eggtham, ist dem Bauern Anton Saidl in der Nacht zum 19. ds. Mts. gleich die ganze Schafherde, 42 Stück, mit samt den jungen Lämmern aus dem Stalle gestohlen worden. Als Täter wurde ein Schläfer namens Färber aus Mödingen festgenommen.
„IS jehe schonst, Herr, ick jehe schonst" versetzte der Mann und warf seinen Sack wieder über die Schulter, den er vorhin abgelegt hatte. „Nur eens mechte ick noch wissen. Sind Sie vielleicht der Doktor, det Se so jenau wissen, det der jnädige Herr krank sein duht?"
„Hinaus jetzt," sagte Harald streng. „Und wen» es Sie schneller hinaus bringen kann, wenn ich Ihre Frage beantworte: ja, ich bin der Arzt."
„Det is ja man drollig, det heile zwes Doktors hier fest«, ener for de Menschen, un ener for de Ieldschränke!" Und damit schob er sich hinaus, indem er nochmals alle fein« „Blechzähne" zeigte.
Fortsetzung folgt.
Deutsches Reich.
st Eisenach, 26. Febr. Heute vormittag ereignete sich in der Frankfurter Straße ein schweres Automobilunglück. Beim Nehmen einer Kurve überschlug sich ein Wagen der hiesigen Fahrzeugfabrik und begrub die Insassen unter sich. Während der Chauffeur mit leichten Verletzungen davonkam, wurde dem 35 Jahre alten Betriebsingenieur Wallgrün der Brustkorb eingedrückt, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert.
st) Berlin, 26. Febr. Die Vermählung des Prinzen Ernst August Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg mit der Prinzessin.Viktoria Luise ist für den 24. Mai in Aussicht genommen. An diesem Tage wird zugleich die silberne Hochzeit des Prinzen Heinrich und seiner Gemahlin am Berliner Hofe gefeiert werden.
ss Berlin, 26. Febr. Den Abschluß der Festlichkeiten zu Ehren des Königs und der Königin von Dänemark bildete ein Hofkonzert beim Kaiserpaar im strahlend erleuchteten Weißen Saal des königlichen Schlosses. An das Konzert schloß sich ein Souper.
* Potsdam. 26. Febr. Anläßlich der Anwesenheit des Königs von Dänemark wurde heute vormittag auf dem Bornstedter Felde bei Potsdam eine Gefechtsübung gemischter Waffen abgehalten, wozu die Potsdamer Garnison ausgerückt war. Der Kaiser und der König von Dänemark beobachtei- ten zu Pferde das Gefecht. Das Wetter war sehr schön.
st Johannistal, 26. Febr. Das Marineluftschiff Z. 1 hat heute mittag beim Einbringen in die Halle eine Beschädigung des rechten vorderen Propellers erlitten.
ss Paris, 26. Febr. Nach einer offiziösen Meldung wird der Kriegsminister entsprechend dem Vorschlag der Abteilungsdirektoren seines Ministeriums der Regierung demnächst einen Gesetzentwurf vorlegen, durch den die dreijährige Dienstzeit für alle Waffengattungen und ohne jede Begünstigung eingeführt werden soll.
st Havanna, 26. Febr. Castro, der frühere Präsident von Venezuela, traf heute hier ein.
st) Breslau, 26. Febr. Der zuletzt in Neu-Mit- telwalde beschäftigt gewesene 22jährige Postassistent Otto Thomas hat Fälschungen im Postscheck- und Postanweisungsverkehr im Betrage von über 60 000 Mark begangen. Thomas ist feit 5. Februar flüchtig.
Die Revolution iu Mexiko.
* Newyork, 25. Febr. Ein Konflikt ist znch schen der Bundesregierung und dem Staate Texas ausgebrochen. Der texanische Gouverneur entsandte Staatstruppen nach Brownsville, da im gegenüberliegenden Matamoras (Mexiko) die Amerikaner in großer Gefahr sind. Die Bundesregierung dirigierte nun Kavallerie nach Brownsville, um die texanischen Truppen am Ueberschreiten der Grenze zu hindern. Ein Blutvergießen wird aber nicht erwartet.
* Mexiko, 26. Febr. Es ist wenig Hoffnung für einen sofortigen Frieden vorhanden. Die Tätigkeit der Aufständischen nimmt im Norden zu. Im Süden steckten die Zapatisten mehrere Haciendas in (Brand und plünderten sie; sogar ein Militärzug wurde von ihnen angegriffen.
Um Adrianopel.
* Paris, 26. Febr. Der „Matin" erhielt aus Adrianopel folgende vom 22. Februar datierte' Privat-Depesche: Seit dem 3. ds. unternahmen die Bulgaren verzweifelte, aber fruchtlose Anstürme. Sie beschießen die Stadt in grausamer und unmenschlicher Weise. Die Konsuln haben bei ihren Botschaftern gegen dieses unmenschliche Bombardement Einspruch erhoben und für ihre Staatsangehörigen die Errichtung einer neutralen Zone verlangt. Die Stadt ist mit Lebensmitteln versehen. Schükri Pascha und seine Offiziere und Soldaten verteidigen die Festung heldenhaft.
Eine Entspannung.
Es ist kein Zweifel mehr, daß die Zeit der Unruhe und der Sorge für den europäischen Frieden zu Ende geht, und daß vielleicht in weinigen Tagen schon der letzte Rest der internationalen Spannung beseitigt sein wird. Rußland und Oesterreich-Ungarn werden in der nächsten Zeit schon ihre zu beiden Seiten der galizi- schen Grenze getroffenen besonderen militärischen Maßnahmen rückgängig machen, mit anderen Worten, sie werden abrüsten und ihre Heere wieder auf den Friedensstand setzen. Im Südosten wird allerdings Oesterreich noch die Mobilisierung solange
aufrecht erhalten, als die südslawischen Staaten die von ihnen besetzten albanischen Gebiete noch nicht geräumt haben. Aber das will wenig bedeuten. Die Hauptsache ist, daß die drohende Haltung der beiden Großmächte gegen einander aufhört. Steckt Rußland seinen halbgezogenen Degen wieder in die Scheide, so wird man in Belgrad wissen, woran man ist, wie man es vor vier Jah!- ren gewußt hat, als die Petersburger Regierung ihre lange zurückhaltende Zustimmung zu der Annexion Bosniens gab.
Ter Beginn d« Abrüstung.
* Wien, 26. Febr. Die „Reichspost" meldet, die russische Regierung hat sich bereit erklärt, die besonderen militärischen Vorkehrungen an der ga- lizischen Grenze rückgängig zu machen. Gleichzeitig wird auch hon österreichischer Seite ein Teil der unter die Fahnen berufenen Reserven in Galizien zur Entlassung gelangen. Die hierauf bezüglichen offiziellen Mitteilungen werden gleichzeitig in Wien und Petersburg veröffentlicht werden. In parlamentarischen Kreisen verlautet ebenfalls, daß schon demnächst mit der Entlassung der Reservisten begonnen wird.
Das Ende des Balkankrieges nahe gerückt.
st Wien, 26. Febr. Die „Politische Korrespondenz" meldet aus London: Der Verlauf des Meinungsaustausches mit den führenden türkischen Persönlichkeiten, die zunehmende Stärkung des Wunsches nach Frieden in Konstantinopel und der Stand der Dinge aus dem Kriegsschauplatz rufen in diplomatischen Kreisen den bestimmten Eindruck hervor, daß das Ende des Balkankrieges nahe gedrückt und die Bereitwilligkeit zur Verständigung bei den kriegführenden Parteien zu solcher Reife gelangt ist, daß die Zustimmung der Pforte zu den Ratschlägen der Mächte und die Eröffnung der Friedensverhandlungen in aller Form bald erwartet werden kann. >
Vermischtes.
ß Ein Beobachtungsschiff in der Eisbergzone. Die
wichtigsten atlantischen Dampferlinien sind auf Empfehlung des beratenden Ausschusses für die Handelsschifsahrt in England zu dem Entschluß gekommen, in diesem Jahr nördlich der Hauptstraße über den nord atlantischen Ozean ein Beobachtungsschiff anzustellen, das die Ausgabe haben soll, vor Eisbergen zu warnen. Das Fahrzeug soll in diesem Frühjahr seine Stellung antreten und zwar vor der Ostküste Nordamerikas, um dort das Aufbrechen des Eises und seine Bewegungen zu überwachen. Die Wahl ist auf die „Scotia" gefallen, das frühere Schiff der schottischen Südpolarexpedition, und das Fahrzeug soll noch Ende Februar aufbrechen. Bis dahin muß namentlich seine Ausrüstung mit Apparaten für drahtlose Telegraphie vollendet sein. Die Reichweite der elektrischen Wellen wird so bemessen werden, daß jedenfalls eine dauernde Verbindung mit den drahtlosen Stationen an den Küsten von Neu-Fundland und Labrador statthaben kann. Die Kosten der Ausrüstung und Unterhaltung werden gemeinsam von der britischen Regierung und den bedeutendsten Schiffährtslinien getragen. Um das Unternehmen auch für die Wissenschaft nutzbar zu machen, werden drei Forscher für meereskundliche und wit- terungskundliche Beobachtungen an Bord genommen werden.
Z Ter Einfluß der Jahreszeiten auf das Wachstum der Kinder. Es ist Längst bekannt, daß das Wachstum der Kinder von verschiedenen Umständen abhängt. Namentlich üben die ökonomischen Ver- - hältnisse, in denen die Kinder leben, auf deren Wachstum einen sehr bedeutenden Einfluß aus. Die Kinder ans den ärmeren Klassen stehen ihrem Altersgenossen aus den wohlhabenden Kreisen an) Länge und Gewicht nach. Ueberraschend sind aber, die Untersuchungen von Malliyg-Hansen in Dänemark, nach denen auch die Jahreszeiten einen gro-! ßen Einfluß aus die körperliche Entwicklung des Kindes haben. Von Ende November und Anfang Dezember bis Ende März oder April haben die Kinder nur ein schwaches Wachstum, und zwar so, daß die Längenzunahme, auch wenn sie gering ist, überwiegt. Auf diese Zeit schwachen Wachstums folgt eine solche, während der die Kinder sehr stark in der Länge zunehmen, die Gewichtszunahme aber nur sehr gering ist; ja, diel Kinder verlieren sogar während dieser Periode der! größten Längenzunahme stetig an Gewicht, fast? ebenso viel, wie sie in der vorigen gewonnen! haben. Dieser Zeitraum dauert von März—April! bis Juli—August. Darauf folgt eine dritte, die bis November bis Dezember fortgeht. Die Längenzunahme ist jetzt sehr schwach, die Gewichtszunahme dagegen steigt im Anfang schnell und wird sehr hoch. Wir finden also hier die Eigentümlichkeit, daß der Körper zuerst an Länge und später an Gewicht zunimmt.
Verantwortlicher RedÄteur: Ludwig Laut.
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