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1877 .

Die TageS-msgabe irstet vierteljährlich Nagold und Nnchbarortsverkehr Wk. 1.28

erßerhalb Wk. 1.35.

Die Wochenausgabe (SchwarMälder

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LLttpttrnajche ^geszeitung und Anzergeblatt, verbreitet in Sen Gberüintsbezirken Nagold, FreuSenftadt, Lalw u. Neuenbürg.

Kr. 2S4.

Verlag u. Druck der W. Rieker'schen Buchdruckerei (L. Laut), Altensteig.

DonuerDtag, d«N 6. Oktober.

Nmt-blatt fir Pfalzgraiesweiler.

ISttt.

TagespoMK.

In 'Frankfurt a. M. tagte die erste Konfere uz des Fortschrittlichen F r au e nv erei u s, der die Stärkung des Liberalismus, gleichzeitig aber auch die Förderung der politischen Rechte der Frauen verfolgt. In einer Resolution wurde die Mitarbeit in der Fortschrittlichen Volkspartei als eine Pflicht aller entschieden liberalen Frauen und die Aner­kennung ihrer politischen Gleichberechtigung mit den Männern im Programm der Partei als eine Not­wendigkeit bezeichnet.

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Die Haftentlassung des unvorsich­tigen deutschen Leutnants Helm gegen Hinterlegung einer Bürgschaft von 40 000 Mark, wovon zwei Londoner Freunde die Hälfte hergaben, beweist, daß die englischen Militärbehörden im Falle Helm einen ernsthaften Spionage-Versuch nicht fest- znstcllen vermögen. Das hochnotpeinliche Verfah­ren wird daher voraussichtlich mit der ^Freispre­chung des Leutnants Helm abschließeu. Lehr viel ernster liegen die Dinge leider in dem Borkumer Spionagefall. Hier ist von englischer Leite so hand­greiflich Spionage betrieben worden, daß eine ernste Bestrafung nicht ausbleiben kann. Aber es ist davon eine Einwirkung auf die deutsch-englischen Bezieh­ungen natürlich nicht zu befürchten. Jede Regie­rung nimmt die Dienste eines Spions an und be­zahlt sie; aber keine tritt für einen solchen ein, wenn er gefaßt wind. Der Spion treibt sein un­sauberes Handwerk durchaus auf eigenes Risiko.

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Wieder ist in Haifa ein Deutscher a n - 'gefallen worden. Aus Konstautiuopel wird ge meldet:Der deutsche Reichsangehörige Dachauer in Haifa wurde in der Nähe der Kolonie hinter-: rücks durch Messerstiche schwer verletzt. Die ver­mummten Täter sind entkommen. Die arabische. Karmelzeitung" erneuert ihre Hetzartikel gegen die Deutschen und den deutscher; Konsul". Dieser feige Ueberfall beweist von neuem, wie begründet die Besorgnis der deutschen Kolonisten in Haifa vor neuen Ueberfällen gewesen ist. Es wird feit Mo­naten über die Unsicherheit in Haifa und auf den Landstraßen in Palästina überhaupt geklagt. Erst kürzlich sind wieder Reisende von Strolchen ange­fallen worden, nachdem vor einigen Wochen dc"r deutsche Kaufmann kluger in Haifa auf offener Straße ermordet worben war. Der Grund dieser Vorfälle ist hauptsächlich in einer wüsten Agitation gegen die Deutschen in Haifa zu suchen, wie sie in' letzter Zeit von der arabischen Presse betrie­ben worden ist. Wahrscheinlich find die Araber nei­disch auf die wirtschaftlichen Erfolge der deutschen Kolonisten. Diese Hetzarbeit hat nun endlich die türkischen Behörden veranlaßt, zum Schutze der Deutschen eine stärkere Gendarmerieabteilung nach Haifa zu verlegen. Wie es scheint, hat diese Maß rege! aber noch nicht beruhigend gewirkt.

Paris soll Mittelpunkt der Weltpoli tik werden. Wenn jetzt die Herren Schön von Berlin und Jswolsty von Petersburg nach Paris kommen, wird es in der französischen Hauptstadt nicht weniger als vier fremde Botschafter geben, die vorher in ihrer Heimat als Minister die auswärtigen Angelegenheiten geleitet haben, denn auch die spanischen und italienischen Gesandten in Paris waren vorher Minister des Auswärtigen. Die Pariser Presse weist stolz auf diese Tatsache hin und schließt daraus auf die hervorragende Wich- ligkeit des Pariser Postens in der Weltpolitik. An­dere Dinge deuten ebenfalls darauf hin, daß Pa­ris in der nächsten Zeit eine größere diplomatische Rolle spielen werde als seit einigen Jahrzehnten. BDHer waren Berlin und London die Zentren der Weltpolitik, jetzt scheint Paris an die Stelle Lon­

dons Preten zu sollen. Der Hauptanlaß, dazu ist ohne Zweifel der Tod König Eduards, der die füh­rende Stelle in der gegen Deutschland und Oester­reich gerichtetenTriple-Entente" hatte, und dessen Mantel nicht aus seinen Nachfolger auf dem' Throne gefallen ist. Frankreich scheint augenblick­lich die erste Violine in der Triple-Entente zu spie­len, England ist gegenwärtig nur noch der bril­lante Sekundant. Es kommt jetzt nur darauf an, ob der Leiter der ausrvärtigen Politik Frankreichs der Mann ist, eine solche Führerrolle rnit Erfolg durchzuführen. Die Sache wäre weiter nicht schlimm, wenn es in Deutschland einen Leiter der auswär- wärtigen Angelegenheiten gäbe, der selbst ein Ad­ler wäre. Aber der fehlt in Deutschland ebensosehr wie in Frankreich oder England, oder sonst irgendwo. Indessen darf man wohl hoffen, daß die Engländer jetzt bremsen werden, wenn Herr Pichon sich zu Abenteuern sollte Hinreißen lassen. Denn Abenteuer sind ihm schließlich zuzutrauen, nun ihn die Presse infolge seiner Vereitelung der ungarischen und tür­kischen Anleihen zu einem großen Staatsmanne ge­stempelt hat. Von seinem überlegenen Verstände ist nichts zu fürchten, wohl aber könnte seine Eitel­keit gefährlich werden. Vermutlich aber ist seine zähe Liebe zum ministeriellen Portefeuille noch grö­ßer als seine staatsmänniiche Eitelkeit, und die Er­innerung an das Herrn Delcastee zugestoßene Miß­geschick wird wohl dazu beitragen, ihn vorsichtig und brav zu machen.

« »

Der Herzog von Connaught, der Bru­der des verstorbenen Königs Eduard, tritt mit sei­ner Gemahlin am kommeirden Dienstag die Fahrt nach Südafrika an, um dort im November das Parlament der Vereinigten Staaten von Süd­afrika feierlich zu eröffnen. Tisch, Tintenfaß und Federhalter, deren sich König Georg bei der Unter­zeichnung der Unions-Akte bediente, werden im Sit­zungssaale des Pcirlamentsgebändes zu Kapstadt vom Herzog von Connaught feierlich überreicht und dort aiisbewahrt werden.

^ Ü- ^

D e r A u f st an 0 d e r Druse n, die zwar kaum l ou,ONO Köpfe zählen, in ihren Felsennestern je­doch nahezu unangreifbar sind, beschäftigt die Türkei nach der glücklichen Unterwerfung der albanesi- schen Unruhen in so hohem Maße, daß man in Kori- stantinopel schwerlich im Ernste an einen Krieg ge­gen Griechenland denkt. Um so eifriger werden Kriegsgerüchte von Athen ans verbreitet, wo man der Meinung ist, daß England zu Gunsten Grie­chenlands aus eine Einigung aller türkenfeindlichen Elemente der Balkan Halbinsel hinarbeitet. König Georg fühlt sich gar nicht mehr behaglich. Alle Politiker im Lande, so sagte er, können öf­fentlich zum Volke sprechen: ich aber muß schweigen, schweigend abwarten, was kommen wird.

Landesnschnchten.

6. Oktober.

* Obstdiebstahl. Das Obst vom Baume zu neh men wurde dem Bürger S. hier erheblich erleich­tert. Als derselbe sein am Hellesberg gelegenes Grundstück besuchte, mußte er erfahren, daß rhm der größte Teil des überaus reichen Obstsegens gestohlen war. Von den Tätern fehlt jede Spur.

Pfalzgrafenweiler, 5. Okt. Korr. » Ein Rund- gang durch die Obstgärten, von denen der hiesige Ort so schön eingerahmt ist, bietet gegenwärtig^ jedem Naturfreund hohen Oien riß: wenn auch die nasse Witterung des vergangenen Sommers die volle Entwicklung einzelner Obstsorten, besonders der all­gemein beliebtenGoldparmäne" etwas beein­trächtigt hat, so wird dieser Nachteil wieder durch die überaus reiche Quantität, rnit welcher die Bäume beladen sind, reichlich ausgeglichen; geradezum

Brechen voll" hängen unsere Aepfel- und Birnbäume und noch selten ist uns ein solch reichsr Segen beschieden gewesen; zum Keltern des heurigen Neuen" sowohl als zum Bezug von Tafelobst in den bewährtesten Lorten bietet sich in hiesiger Ge­meinde günstige Einkaufsgelegenheit und ist sowohl der Obstbauverein als Baumwart Lehmann zu je­der näheren Auskunft gerne bereit.

* Freudcnstadt, l. Okt. Ans den in dieser Woche gepflogenen Etatberatungen ist anzuführen, daß die Einnahmen pro l 010,1! rund 402 000 Mark, die Ausgaben rund 482 000 Mark betragen, so daß 80 000 Mk. nmzulegen sind. Davon werden 24 000 Mark durch eine 30prozentige Gemeindeeinkommen­steuer -Vorjahr 25 Prozent - und 56 000 Mark (Vor­fahr 4/ 000 Mark durch die Gemeindeumlage auf­gebracht. Das Defizit ist gegen das Vorjahr um ca. 14 000 Mark größer. Beschlossen wurde, daß die Mädchenmittelschule, in welcher bisher 3 Jahr­gänge von einem Lehrer unterrichtet werden, vom nächsten Frühjahr an eine weitere, unständige Stelle erhalten soll. Die durch den Tod des Oberreal- lehrer Hauser erledigte Zeichenlehrerstelle wird wie­der einen definitiv anzustellenden Zeichenlehrer er­halten.

* Unterreichenbach, 5. Okt. Zu dem Doppel- felhst irr ord des Gustav Gauche und der Luise Bohnenüerger hier ist noch zu berichten, daß bei Gauche ein Zettel seiner Geliebten gefunden wurde, in welchem sie von gemeinsamem Sterben sprach. Das Mädchen war nämlich lungenleidend. Daß die Tat im gegenseitigen Einverständnis geschehen war, dafür sprach der Angenschern; von einem stattge­fundenem Kamps sah man nichts. Der Tod scheint bei beiden Personen sofort nach dem Schuß einge­treten zu sein.

I! Rottweil, 5. Okt. In dem Hause des Näh­maschinenhändlers Johann Herrmann ist heute in früher Morgenstunde Feuer ausgebrochen, das aber rnit Hilfe der Nachbarn gelöscht werden konnte, ohne daß allzu großer Schaden entstand.

st Böblingen, 5. Okt. Eine Neuregelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnrsse verlangen die hie­sigen Waldarbeiter, die durch die Ortsgruppe des Verbandes der Land- und Wcrldarberter bei den bürgerlichen Kollegien um einen 1 äprozentigen Zu­schlag, um Einweisung in eine Krankenkasse, die auch Krankengeld bezahlt, um Aufstellung eines Mindestlohnakkordtarifs und ähnliche Verbesserun­gen ihrer Lage eingekoinmen sind.

!! Stuttgart, 4. Okt. Zur Errichtung einer Reichsversuchsanstalt für Luftschiff­fahrt und Flugtechnik in Friedrichshafen er­fährt dieWürttembergische Automobil- und Lnft- schiffahrts-Korrespondenz", daß zur Prüfung dieser Frage in der zweiten Hälfte dieses Monats im Reichsamt des Innern in Berlin eine Beratung der Vertreter der an der Frage interessierten Bundes­staaten stattfinden wird. Das württembergische Kul- lusministcrinm hat das Material für die Beratung der Angelegenheit gesammelt und die Lache ist nun­mehr beim Reich anhängig.

I Stuttgart, 5. Okt. »Verfügung, betreffend Versetzilngsgesuche von Unterbeamten. Irr letzter Zeit ist es besonders häufig vorgekommen, daß Un terbeamte, dre ihrem Ansuchen entsprechend auf aus­wärtige Stellen ernannt oder befördert waren, schon nach allerkürzester Zeit, oft vor Antritt des neuen Dienstes um Belastung an ihrem bisherigen Dienst­ort oder um Rückversetzung dahin gebeten haben. Da in diesen Gesuchen vorgebrachten Gründe Krankheit von Familienangehörigen, Unterstützungs bedürfngkeit von Beamten, Belitz von Grundstnk ken ri. dgl. waren meist derart, daß sie dem> Gcruchsteller schon vor seiner Bewerbung bekannt ivaren. Würde einem solchen Gesuch entsprochen, so würde damit der Untcrbeamte in der Regel unbil­liger Weise bevorzugt vor älteren Kameraden, die sich mit Rücksicht ans ähnliche Verhältnisse um aus-