Ausländisches.

js Ber», 13. Juli. Am Sonntag ist zwischen Kandersteg und Adelboden der englische Kurgast Percy Shannon aus London abgeftürzt. Hilfe kam infolge des dichten Nebels, des Neuschnees und der drohenden Lawinengefahr zu spät. Der Bruder Shannons hielt trotz des furchtbaren Wetters 14 Stunden lang die Wache bei dem Toten. Er konnte sich in dieser Zeit nicht einmal setzen, da jede Bewegung gefähr- werden konnte.

Das englischeGespensterluftschiss".

' London, 13. Juli. Der Daily Chronicle teilt nicht ohne Schadenfreude auf Kosten der Daily News und des Daily Expreß mit, daß Dr. Boyd,der große englische Aeronaut", in seinen in den genannten Blättern veröffent­lichten Luftschiffergeschichten geflunkert habe. Der Chro­nicle erklärt, er stütze sich dabei auf ein Bekenntnis Dr. Boyds selbst, der die Daily News nur an der Nase herum­geführt habe. Alle seine Luftfahrten seien nur in der Phantasie ausgeführt worden.

Zur Kretafrage.

ss St. Petersburg, 13. Juli. Aus Anlaß der für den 27. Juli geplanten Räumung Kretas von den Truppen der Schutzmächte werden die Vertreter dieser Mächte der Pforte heute eure Not überreichen, in der u. a. gesagt ist, daß die Schutzmächte den gegenwärtigen Zustand auf Kreta nicht als eine endgültige Lösung der Frage betrachten. Gleichzeitig erklären die Regierungen der Mächte, daß sie sich das Recht Vorbehalten, zu einem geeignetem Zeitpunkt mit der Türkei über das fernere Schicksal der Insel zu verhandeln. In einer Proklamation an die Behörden Kretas wird darauf hingewiesen, daß der Beschluß der Mächte, ihre Truppen von Kreta abzuberufen, auf der Ueberzeugung beruhe, daß die kretensischen Behörden im stände seien, die Ordnung auf­recht zu erhalten und die Garantie für die Sicherheit der mohammedanischen Bevölkerung zu übernehmen. Mit der Zusicherung, daß sie sich auch in Zukunft wohlwollend mit Kreta beschäftigen werden, erklären die Regierungen der Schutzmächte schließlich, daß sie sich das Recht Vorbehalten, im Falls von Verletzungen der Ruhe und der Ordnung Maßnahmen zu ergreifen, die sie für notwendig erachten würden.

Dis Wirr«r i« Persien

* London, 13. Juli. Dem Reuterschen Bureau wird aus Teheran gemeldet: Die Nationalisten sind um 5 Uhr morgens durch drei Tore in die Stadt ei »gedrungen. Die Kosaken halten einen Platz in der Mitte der Stadt besetzt. In den Straßen wird heftig gekämpft. Man glaubt, daß der Schah in einer ausländischen Gesandtschaft Zuflucht sucht.

. Bermischtes.

88 Eine heitere Reiselektüre wird heutzutage jedermann, so er sich aufs Reisen überhaupt versteht, immer bei sich führen. Stunden eintöniger Bahnfahrt, Regentage in der Sommerfrische zählen mit zu den Unannehmlichkeiten, welche dem Sommerfrischler nie erspart bleiben. Als ein allezeit heiterer Reisebegleiter haben sich in solchen Fällen seit Jahren dieMeggendorser Blätter bestens bewährt. Diese ange­sehene Münchener humoristische Zeitschrift eignet sich ganz besonders zum Mitnehmen auf der Reise, weil die Lektüre ihres vielseitigen, aus kurzen in sich abgeschlossenen Humo­resken, lustigen Witzen und Gedichten, Aphorismen, Anekdo­ten, mundartlichen Schnurren, aktuellen Themen usw. be­stehenden Inhalts jederzeit abgebrochen und wieder ausge­nommen werden kann. Dazu kommt, daß der prachtvolle

Erstaunen seinen Großvater an. der aber verneinend den Kopf wiegte.

»Ich halte es so für besser. Willst du aber selbst hingehen, so müßte ich ja docb hinfahren, um deine Stellung, die Verhältnisse und was ich für dich zu tun gedenke, auseinandersetzen. Du bist noch abhängig von mir, und ich kann dich bei meinen Lebzeiten auch nicht ganz selbständig stellen. Wir müssen doch zum Beispiel immer zusammen wohnen. Es kommen da verschiedene Dinge in Frage, die Warnitz im Interesse seiner Toch­ter mit mir besprechen muß." Der Freiherr sah seinen Enkel forschend an, fast als fürchte er eine Bemerkung oder einen Einwnrs, dach Ehrhardt nickte nur.

Ich weiß, du hast nur mein Bestes im Auge, und wenn du als Haupt der Familie für mich um Alharda wirbst wie könnte er anders als ja sagen!" Er sah so strahlend glücklich und hofsnungsfreudig zu dem alten Herrn auf, daß dieser nur mit Anstrengung seinen Gleichmut bewahrte und sich an der Lampe zu schaffen machte, um sein Gesicht vor dem Enkel zu ver­bergen.

Die beiden kannten sich gut. Der alte Freiherr bum!.', welche tiefe, innige Seligkeit das Herz des jun- 8-N Mannes erfüllte, trotz seiner äußerlichen Ruhe und Haltung. Er folgte seinen glänzenden Blicken, die durch das große Zimmer schweisteil und sich vorstellten, wie G sein müßte, waltete die Geliebte hier, dann kostete er wohl noch einmal die Wonne ihres Geständnisses, stuie Neigung werde erwidert, und durchlebte diese herrlichste Stunde seines bisherigen Lebens wieder.

Als die beiden Männer sich trennten, ruhten ihre Blicke stumm und ernst ineinander.

Gott gebe seinen Segen!" sagte der alte' Freiherr lcise, und Ehrhardt neigte das Haupt dazu.

Vielleicht wer weiß!" seufzte sein Großvater,

farbenreiche Bilderschmuck, an dem man sich nicht satt sehen kann, das Auge stundenlang zu fesseln vermag. Im übri­gen sind die Meggendorser Blätter derart dezent und ein­wandfrei gehalten, daß man sie jung und Alt ohne Be­denken in die Hand geben kann. So kommt es denn, daß viele Familien, die alljährlich mit ihren Kindern zum Land­aufenthalt hinausziehen, sich bei ihrer Buchhandlung oder bei der Postanstalt ein vierwöchentliches Saisonabonnement bestellen, welches jederzeit begonnen werden kann. Jede neuerschienene Wochennummer ist bei den Bahnhofbuchhand­lungen für nur 30 Pfg. auch einzeln käuflich.

Langweilst im Zug dich, auf dem Land,

dieMeggendorser" nimm' zur Hand!

Denn frohe Stunden stets genießt,

WerMeggendorser Blätter" liest!

Neueste Nachrichten.

ss Berlin, 14. Juli. (Telegr.) Eine Extraausgabe des Reichsauzeigers gibt die «achgesuchte Entlassung des Fürsten Bülow unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens mit Brillanten, die Ernennung des Staatssekretärs des Innern v. Bethmann-Hollweg zum Reichskanzler und Präsidenten des Staatsmini­steriums und Minister des Aeußern, ferner die Er­nennung -es Handelsministers Delbrirckzum Staatssekretär des Innern, die Ernennung des Reichsschatzsekretärs Sydorv zum preuß. Haudelsminister, weiter die Ernennung des Unter­staatssekretärs des Innern Wermuth zum Staatssekre­tär im Reichsschatzamt, die uachgesuchte Entlassung des Kultusmininisters Holle, die Ernennung d. Oderpräsiden­ten der Provinz Brandenburg von Trott zu Solz zum preuß. Kultusminister und schließlich die Ernennung des Unterstaatssekretärs in der Reichskanzlei v. Löbell zum Oberpriisidenten der Provinz Brandenburg bekannt.

Handel und Berkehr.

js Lausten a. N., 12. Juli. Die Frühkartoffel­ernte ist in vollem Gange. Der Regen hat seit Sonntag abend aufgehört. Die Kartoffeläcker stehen voll von Ver­sandtfässern, die vom Acker weg auf die Bahn verfrachtet werden. Die Ernte gibt auch gut aus. 1520 Stück an einem Stock ist nicht selten. Die Frucht ist gut ausgereift und vollschalig. Der Preis steht zwischen 4 Mk. und 4.50 Mk. pro Zentner.

Für Gewerbe, Handel nnd Industrie.

Tie in Sachen der Reichsfinanzreform in den letzten Wochen gefaßten Beschlüsse gipfeln in Steuerentwürfen, welche nach dem Urteil anerkannter Sachverständiger die Entwicklung von Handel und Industrie zum Stillstand bringen, und blühende Erwerbszweige der Vernichtung preisgeben würden. Handel, Industrie und Gewerbe, welche durch kühnen Unternehmer­sinn und eisernen Fleiß für die Macht und Größe des deut­schen Reiches Unvergängliches geleistet haben, sind, wie die Ereignisse der letzten Zeit beweisen, nachgerade zu Stief­kindern der deutschen Gesetzgebung geworden. Nicht ohne eigene Schuld! Während die Landwirtschaft, aller inneren Gegensätze vergessend, sich unter Führern von hervorragender Begabung und rücksichtslosem Zielbewußtsein zu einer mäch­tigen politischen Organisation zusammengeschlossen und nahezu alle in ländlichen Kreisen gewählten Abgeordneten an ihr Programm zu binden gewußt hat, ist seitens des Handels­und Gewerbestandes nichts gleiches geschehen/ Die bitteren Erfahrungen, welche Industrie, Kaufmannschaft und nicht in letzter Linie das Handwerk in diesen Tagen machen mußten,

als er allein war und schritt langsam in seinem Schlaf­zimmer auf und ab.Warnitz ist vielleicht Gott wolle es! vorurteilsfreier und edler, als ich an nehme. Wenn nicht-mein armer Junge!"

3. Kapitel.

Der nächste Tag stieg wolkenlos herauf.

Unter dem Schwarzholze lag es warm und ward schwüler, je höher die Sonne stieg. Die Eisenbahn­züge durchsausten das flache Land, und der weiße Qualm blieb fest über der Strecke, die sie durcheilt, hängen wie eine unheimliche Schlange. Die Erde glühte unter den sengenden Sonnenstrahlen.

Auf dem Hofe von Samfeld, dem Warnitzschen Rittergute, war es still. Das Herrenhaus, ein breites, nur zweistöckiges Gebäude, bot reichlichen Raum für die große Familie und machte einen freundlichen Ein­druck zwischen den hohen Bäumen, die sich seitwärts herandrängten und ihre grünen Zweige schützend dar­über streckten. Das Innere des Hauses war von einer soliden Einfachheit, die fast an Nüchternheit streifte. Luxus oder überflüssigen Schmuck gab es nicht, was in Anbetracht der großen Kinderschar und der zwar »genügenden, doch nicht allzu reichlichen Mittel begreif­lich war. Im Erdgeschoß lagen die Zimmer des Haus­herrn und alle gemeinschaftlichen Räume, oben wohnte die Mutter mit den Kindern und etwaigen Gästen. Was es anFirlefanz", wie es der Hausherr nannte, gab, fand sich in diesen oberen Gemächern beisammen.

In die schwüle Stille klang Wagengerassel hinein.

Der alte Ellern!" rief eine frische Mädchenstimme durch die Tür in ein Stübchen, das nach dem Garten zu lag, wo man den Hof nicht sehen konnte.Alharda, hörst du nicht? Der alte Ellern. Nein, da sitzt das Mädchen da und stopft Wäsche als sei es ein Tag wie

haben ihnen die Notwendigkeit zum Bewußtsein gebracht, das Versäumte nachzuholen. Eine im Zirkus Schumann zu Berlin abgehaltene Abwehrversammlung von über 6000 Kaufleuten und Industriellen aus allen deutschen Landes­teilen und Angehörigen der verschiedensten politischen Parteien hat einstimmig den Beschluß gefaßt, unter dem Namen

Hansa-Bund

für Grwerbe, Handel und Industrie

eine dauernde Vereinigung zu bilden. Zweck dieser Vereinigung ist es, Gewerbe, Handel und Industrie gegen Angriffe und Schädigungen jeder Art zu schützen, aber auch positive Vor­schläge in deren Interesse zu machen und auf die Ausgleich­ung der bestehenden Gegensätze in den eigenen Reihen zu wirken, sowie bei der Vorbereitung von Wahlen für die Aufstellung und die Wahl solcher Kandidaten tätig zu sein, welcher jeder drohenden gesetzgeberischen Schädigung und jeder einseitigen Belastung von Gewerbe, Handel und In­dustrie entgegenzutreten entschlossen sind; in erster.Linie soll für die Wahl von Kandidaten aus den eigenen Reihen dieser Stände eingetreten werden. Um den weitesten Kreisen den Beitritt zu ermöglichen, ist ein ordentlicher Jahresbeitrag von nur Mk. 3. für jeden selbständigen Gewerbetreibenden vorgesehen; es ist ferner auch den Angestellten von Handels­und Gewerbebetrieben, deren Interesse an der Abwehr in- dustrie- und handelsfeindlicher gesetzgeberischer Maßnahmen mit demjenigen ihrer Arbeitgeber solidarisch ist, der Beitritt gegen einen Jahresbeitrag von Mk. 1. ermöglicht. Durch die konservativ-klerikale Vereinigung soll die freie Entwickel­ung unseres geistigen und geschäftlichen Lebens, auf dem die Tatkraft des deutschen Volkes beruht, eingedämmt werden. Trotz der großen Anpaßungsfähigkeit des deutschen Geschäfts­mannes und der Erfolge, die er dadurch erzielt hat, geht demselben durch die bureaukratische Unfähigkeit seiner Unter­händler beim Abschluß jedes neuen Handelsvertrages ein Absatzgebiet ums andere verloren. Darum ist es dringend notwendig, daß sich Gewerbe, Handel und Industrie im Hansabunde zusammenschließen, im Interesse der Selbster­haltung und zum Zwecke der Pflege geistiger Freiheit und nationaler Wohlfahrt.

Briefkasten der Redaktion.

Nach Hochdorf. Nach dem Sie uns den wahren Sach­verhalt bezüglich des Bienenschwarms gegeben haben, müssen wir dem Verfolger das Eigentumsrecht an dem Bienen­schwarm zusprechen. Der Umstand schon, daß die Frau des betreffenden Grundstückbesitzers von dem Anstiegen des Bienenschwarms in Kenntnis gesetzt wurde und daß sie daraufhin zum Einfangen des Bienenschwarms die Erlaubnis gegeben hat, berechtigte den Verfolger zum Einfangen des Bienenschwarms und zur Geltendmachung seines Eigentums­rechts. Auf Ihre spitzige und höchst ungerechtfertigte Bemerkung in Ihrer inzwischen eingetroffenen weiteren Zu­schrift, ob wir nur reichen Bauern auf Anfragen Antwort geben, erwidern wir Ihnen, daß der Briefkasten der Re­daktion allen Lesernohne Ansehen der Person" zur Ver­fügung steht. Wir können uns natürlich nicht vorschreiben lassen, die Frage in der nächsten Nummer zu beantworten. Jedenfalls bewahren wir uns in jedem Fall die Freiheit, die Antwort in einer uns beliebigen Nummer zu erteilen. Speziell in diesem Fall wollten wir vor der Beantwortung unfern juristischen Mitarbeiter hierüber hören, und deshalb die Verzögerung.

BoraEchtNcher Wetter

am Donnerstag, den 15. Juli: Bewölkt Regenneigung mild.

Verantwortlicher Redakteur: Ludwig Lauk, Altensteig.

jeder andere! Ich sage dir, Großvater Ellern ist so­eben feierlich vorgefahren und sitzt schon in des Vaters Stube."

Alharda saß allerdings mit einer Näharoett am Fenster, doch absonderlich vorgerückt war die Arbeit nicht.

Warum sollte Herr von Ellern nicht Vater ein­mal besuchen!" sagte sie kühl und zog langsam den Fa­den in die Höhe.

Die jüngere Schwester Lina stellte sich vor sie hin, legte die Hände auf den Rücken und sah sie entrüstet an Nicht ganz so groß wie Alharda, war sie mit ihrem braun gelockten Haar, den stets lachenden, ka­stanienbraunen Augen, den zierlichen, blitzschnellen Be­wegungen ungemein verschieden von der ruhigeren ern­steren Schwester.Bachstelze" nannten die kleineren Geschwister die stets Heitere. Ihre braunen Löckchen zitterten über ihrer schönen, breiten Stirn, ein Erbteil ihres Vaters, und ihre Augen blitzten schelmisch, als sie sagte:Du glaubst doch nicht etwa, daß ich seit gestern nachmittag blind und taub oder gar blödsinnig geworden?"

Ich verstehe dich nicht. Was soll das!" Alharda errötete zu ihrem eigenen Verdruß.

Es freut mich, daß sich dein Gewissen doch noch regt, du Beschämung fühlst," sagte Lina,so kann man doch auf Besserung hoffen und die Verstocktheit ist noch nicht unheilbar. Aber jetzt, teures Kind, Braut in spe, trage endlich t^n Verhältnissen Rechnung, wie die Zei­tungen so schön sagen, tu nicht so gleichgültig, laß diese ehrbare Stopferei mhen, bedenke, wie notwendig es ist, einen ungünstigen Eindruck zu machen. Ich will nicht behaupten, es sei erforderlich, ein anderes Kleids anzuziehen, alldieweil und sintemalen du schon dein, bestes anhast. (Fortsetzung folgt.)