Jervlprecher

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Erscheint Dienstag Donnerst., Samstag and Sonntag «it der wöch. Beilage .Ter Sonntags- Gast".

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Donnerstag. 18 . August.

Bekanntmachungen aller Art finden die er­folgreichste Verbreitung.

Verwendbare Bei­träge werden dankbar angenommen.

! 1904

«mlliLes

Die Prüfung im Hufbeschlag hat u. a. mit Erfolg bestanden: Heinrich Bühler von Freudenstadt

^ Ernte und Lebens Berhältniffe

(Nachdruck verboten.)

Der Preis-Gestaltung für die landwirtschaftlichen Pro­dukte, namentlich für Brotkorn und Schlachtvieh, wird zur Zeit ein ganz besonderes Interesse eutgegengebracht, und nach dem Charakter dieses Sommers ist aller Grund dazu vorhanden; die Einbußen an Getreide und an Futter lassen sich im großen Ganzen wohl noch nicht ganz genau über­sehen, aber vorhanden sind sie, und es haben sich auch schon Anzeichen bemerkbar gemacht, daß die Spekulation, die nimmer rastende, drauf und dran ist, die für sie günstige Konjunktur auszunützen, so lange die volle Klarheit fehlt. Ja anderen Lebensmitteln, wie bei den Kartoffeln, dürfte sich eher ein Ausgleich vollziehen, wenn ja auch manche Gegenden recht arg mitgenommen sind. Worauf es aber im Laufe der bevorstehenden Wochen und Monate an­kommt, das ist, dafür zu sorgen, daß die Preise, welche in letzter Reihe das Publikum zahlt auch dem ungefähr ent­sprechen, was die Landwirtschaft erhält. Daß in dieser Be­ziehung, vornämlich in großen Städten, erhebliche Ver­schiedenheiten bestehen, ist bekannt. Schon manches liebe mal haben z. B. bei einer Futternot Landwirte solcher Gegenden ihr Schlachtvieh in Masse an die Vieh-Kom­missionäre in großen Städten abgegeben, aber das betreffende Publikum hat von den billigen Fleischpreisen nie etwas ge­habt. Besonders auffällig trat das im Jahre 1893 hervor, welches eine ganz außerordentliche Trockenheit für weite Gebiete Mittel-Deutschland's vom ersten Frühjahrs-Beginn ab brachte, so daß das Schlachtvieh von den Besitzern mangels Biehfutters direkt verschleudert werden mußte, aber keine Aenderung in den Fleischpreisen großer Städte, wohin das Vieh verkauft war, erfolgte. Das sind Kon­junkturen, und wenn diese Jemand ausnützt, so soll es ihm nicht verdacht werden, aber es soll dann auf dem so un- gemein wichtigen Markt der Volks-Lebensmittel auch keine Verschleierung oder Entstellung erfolgen.

Wenn wir eine baldige völlige Sicherheit über die Erntelage und demgemäß über die Ernte-Preise wünschen, so geschieht es also zu dem doppelten Zweck, einer Ver­teuerung durch die Spekulation vorzubeugen und der Land­wirtschaft das zukommen zu lassen, worauf sie ein Anrecht hat. Dieser Sommer hat doch auch wieder den Leuten, die sonst gar nicht hören und sehen wollen, klar gemacht, daß auch für den redlichsten, tüchtigsten, arbeitseifrigsten Landwirt der Erfolg seiner Tätigkeit eine große Glückssache ist und bleibt Wenn eine Fabrik von irgend einem Gegen­stand dem landläufigen Bedarf entsprechend so und so viel Stück herstellt, dann hat sie die Ware und kann sie ver­kaufen. Wenn aber der Landwirt so und so viel Boden­fläche bestellt, und vor der Ernte vertrocknet oder ersäuft, das, was ihm Gewinn bringen soll, dann hat er das Nach­sehen. Und das kann leider nur zu häufig eintreten. Wir haben in Deutschland Bezirke, die 1903 von Wolkenbrüchen und Hochwasser heimgesucht wurden und jetzt der Dürre auheimfielen, beide Sommer bereiteten Enttäuschungen und herbe Verluste. Das sind nun einmal Tatsachen, mit denen zu rechnen ist, und ein jeder billig denkende Mensch kann daher nicht anders, als betonen, daß auch der ländliche Produzent mit seinen Leuten das haben muß. was ihm zu­kommt. Denn vom Verdienst leben die Volkskreise der In­dustrie, wie die der Landwirtschaft.

Und die Ernte-Einnahmen fallen gerade für Gewerbe und Industrie so sehr bedeutsam ins Gewicht. Wir über­treiben nicht, wenn wir sagen, eine gute klingende Ernte- Einnahme in Deutschland ist für unsere Industrie mehr wert, wie ein halbes Dutzend Welt-Ausstellungen von Saint Louis, denn die Amerikaner verstehen die Zoll-Chikanen und das Preisdrücken meisterlich. Wir wissen Alle, daß sich die gewerbliche Tätigkeit in Deutschland von dem schweren Tiefstand, in dem sie sich nach der Krisis befand, wieder erholte, aber mit der Steigerung der Fabrikation hat die Verdienst-Versteigerung durchaus nicht gleichen Schritt gehalten, und nicht zum Wenigsten lag das mit daran, daß wirklich gute Ernte-Einnahmen urd daher auch Ausgaben fehlten

Tagespolitik.

(Warum brauchen wir Marokko?) Als achtzehntes Heft der Flugschriften des Alldeutschen Verbandes ist in T. F. Lehmanns Verlag zu München vom bekannten Ko­lonialpolitiker Dr. Joachim Graf v. Pfeil unter dem Titel »Warum brauchen wir Marokko?" eine Broschüre erschienen.

in der der Verfasser mit Entschiedenheit den Gedanken ver­tritt, daß Deutschland bei einer Aufteilung Marokkos zu seinem Vorteil eingreifen solle, aus Rücksicht für unsere BolkS- vermehrung, unsere Landwirtschaft, Industrie nvd Handel, die dort große Betätigungsgelegeuheiten erhielten, sowie wegen unserer Flotte, die damit einen überaus wertvollen Stütz­punkt erlangen würde. Der Vorschlag wird nicht zum ersten- male gemacht. Reichskanzler Graf v. Bülow hat gegenüber diesem Plan im Reichstag die Frage aufgeworfen, ob wir denn wegen Marokkos einen Krieg beginnen sollten. Graf Pfeil steht nicht an, darauf zu antworten: »Wenn gar nichts weiter übrig bliebe, dann Ja, tausendmal Ja." Aller­dings, setzt er hinzu, daß es zwischen Krieg undTaten­losigkeit" noch manche gangbare Straße gebe, die einzu- schlagen dem Reichskanzler empfohlen werden könne. Graf Pfeil zieht zum Schluß einen Vergleich mit dem früheren Eingreifen des Fürsten Bismarck in die Kolonialpolitik und meint, wenn Bismarck so gezögert hätte, wie es die gegen­wärtige Regierung tue, dann hätten wir noch heute weder Südwestafrika noch Ostafrika noch vielleicht vieles andere. Der Vergleich hat. wie Graf Pfeil nicht wird leugnen wollen, eine beschränkte Beweiskraft, denn weder Graf Pfeil noch ein anderer weiß, was der am 30. Juli 1898 verstorbene Fürst Bismarck im Jahre 1904 in Sachen Marokkos getan haben würde, wenn er in diesem Jahre der verantwortliche

Leiter der deutschen Politik gewesen wäre.

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Wird in Nordamerika bei der nächsten Wahl der Demokrat Parker Präsident, so wird der lächerliche Groß­machtsdünkel der Vereinigten Staaten sich mindern. Parker sprach sich bei Annahme der Kandidatur scharf gegen Roo- sevelts Politik aus, er will keine Einmischung in die An­gelegenheiten fremder Nationen, will vielmehr die Weltmacht­stellung der Union durch eine friedliche Entwickelung er­ringen. Die Isolierung der Vereinigten Staaten sei keine Gefahr, wenn sie zur Unabhängigkeit von anderen Mächten führe. Friedlicher Fortschritt sei stets wirksamer als der Versuch, mit Drohungen oder Gewalt vorwärts zu kommen. Ruhe und Frieden, Vernunft und Ueberlegung seien maß­gebend für die Demokratie.

LandesnachrichLen.

* Altenkeig. 17. Aug. (Für Mieter.) Ueber die Frage : »Wie habe ich die Wohnung bet meinem Umzug dem Ver­mieter zu übergeben?" bestimmt der §548 des Bürgerlichen Gesetzbuches:Veränderungen oder Verschlechterungen der gemieteten Sache, die durch den ordnungsmäßigen Gebrauch herbeigeführt werden, hat der Mieter nicht zu vertreten." Der Mieter hat also, unter anderem für abgelaufene Dielen, durchgebrannte Ofenrohre, zersprungene Ofenplatten, schad­hafte Schlösser und Türklinken nicht aufzukommen. Nur wenn sie durch gewaltsames oder fahrlässiges Behandeln be­schädigt worden sind, muß er sie wieder in Stand setzen. Dagegen hat er abgerissene oder mit Schmutz oder Fett­flecken besudelte Tapeten auszubessern und zerbrochene Fenster­scheiben wieder Herstellen zu lassen, verlorene Schlüssel muß er durch neue ersetzen usw. Der Mieter hat die Wohnung zu räumen und die Schlüssel dem Vermieter oder dessen Vertreter zu übergeben. Solange dies nicht geschehen, setzt er den Mietvertrag fort und muß den Mietpreis weiter be­zahlen. Ferner hat der Mieter beim Auszug dem Vermieter die Wohnung gereinigt, d. h.besenrein" zu übergeben. Eine besondere Reinigung der Fensterscheiben, Türen, Wände usw. ist nicht seine Verpflichtung.

NW" Reservisten seien bei den jetzt wieder bevor­stehenden großen militärischen Uebungen darauf aufmerksam gemacht, daß sie für die Monate, in denen sie zu diesem Zwecke eingezogen sind, von allen persönlichen Steuern ent­bunden bleiben. Wenn auch nur ein einziger Uebungstag in den betreffenden Monat fällt, so ist der ganze Monat steuerfrei. Da jedoch ohne besonderen Antrag eine Steuer­befreiung nicht erfolgt, so müssen die Eingezogenen sich unter Vorlegung oder Einsendung des Militärpasses bei der Gemeindebehörde ihres Wohnorts melden.

-u Kesekörom», 15. Aug. Die gestrige Hauptver­sammlung des Schwarzwald-Bienenzüchter­vereins Alten steig bei Wirt Großmann hier war zahlreich besucht, hauptsächlich von Bienenzüchtern der Wald­orte. Nach Begrüßung der Versammlung hielt der Vereins- vorstavd Gehring einen Vortrag über das, was An­fänger in der Bienenzucht zu beachten haben. Sowohl der Vortrag als auch die daran sich knüpfende Besprechung boten manche wichtige Winke für den Betrieb der Bienen­zucht. Ein wichtiger Gegenstand war auch die Besprechung der Faulbrut, dieser pestartigen und mit Recht von den Imkern so sehr gefürchteten Bienenkrankheit. Es wurde das Wesen,

die Entstehung, die Verhütung und Heilung derselben ein­gehend besprochen. Jeder Imker, der auf seinem Stand die Brut seiner Völker nicht ganz in der Ordnung finde, möge sich doch sofort an einen erfahrenen Bienenzüchter um Rat wenden. Gerne entstehe auS erkalteter und abgestandener Brut die Faulbrut, die im Anfangsstadium zwar noch ver­drängt werden könne, aber bei starkem Auftreten das Ein­gehen des kranken Volkes, ja den Untergang des ganzen Bienenstandes zur Folge habe. Unter den verschiedenen Mitteln zur Verhütung der Faulbrut wurde auch die Reichung von etwas Salicyl- und Ameisensäure unter dem Bienenfutter empfohlen. Da gegenwärtig die Bienen von Tannen und den Heideblüten reichlich Honig bekommen, wurde vom Vorsitzenden geraten, alle nicht mit Brut ver­sehenen Waben auszuschleudern und später den Bienen flüssigen Zucker als Futter zum Uebcrwiutern zu reichen.

* Auf den größeren wucttemöergischen Bahnhöfen wird auf Ersuchen des Auswärtigen Amts in Berlin folgende Warnung" angeschlagen: Deutsche, die in Italien Arbeit suchen wollen, werden in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam gemacht, wie schwierig es ist, in Italien auch nur zu einem bescheidenen Auskommen zu gelangen. Es ist fast unmöglich, ohne Kenntnis der italienischen Sprache irgend eine lohnende Beschäftigung zu finden, auch erschweren es die niedrigen Arbeitslöhne dem Fremden, in einen Wett­bewerb mit den einheimischen Arbeitern einzutreten. Die ohne Beschäftigung und ohne Geldmittel in Italien auf der Suche nach Arbeit umherwandernden Deutschen setzen sich der Gefahr aus, daß sie von den italienischen Polizeibe­hörden aufgegriffen werden. Es kann daher nur dringend davor gewarnt werden, ohne ganz bestimmte Aussicht auf Beschäftigung in der Hoffnung, dort lohnende Beschäftigung zu finden, nach Italien zu reisen.

* Hlordheim, 13. Aug. Hier zahlt die Gemeinde für jedes abgelieferte Wespennest 20 Pfg. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß diese gefräßigen Haut­flügler nicht bloß für alle süßen Früchte äußerst schädlich sind, sondern daß sie auch für die Menschen recht gefähr­lich werden können. Es ist deshalb beim Essen von Obst und beim Trinken von süßen Getränken äußerste Vorsicht geboten. Als sehr wirksames Mittel gegen Wespenstiche im Mund und Gaumen ist Kochsalz zu empfehlen, welches in den Mund genommen die Geschwulst und den Schmerz mindert und lindert.

* Eine für Arbeitgeber und Arbeiter hochwichtige Ent­scheidung hat vor einiger Zeit die Zivilkammer des Kgl. Landgerichts Heilbronn getroffen, indem sie durch rechts­kräftiges Urteil den Satz aufstellte:Der Arbeitgeber, der die Schuld an der Unterlassung der Beitragsentrichtung zur Invalidenversicherung für seinen Arbeiter trägt, ist ver­pflichtet, diesem, so lange er lebt, die entgehende Jnvaliden- Rente zu bezahlen. Es ist dies, so bemerkt dieTag­wacht" dazu, in Württemberg seit Bestehen der Jnvaliden- Versicherung die erste gerichtliche Entscheidung in dieser Frage.

* Itestgheim. Ueber den großen Brand, dem, wie ge­meldet, in der Nacht vom Freitag auf Samstag die Bremen- Besigheimer Oelfabrik, 6 Wohnhäuser und 2 Scheuern zum Opfer gefallen sind, schreibt dieNeckar-Zeitung" : Gegen 6000 Zentner Oel sind entweder verbrannt oder brennend den Oehlmühlkanal hinab zum Neckar geströmt. Verschiedene kanonenschußähnliche Explosionen wurden in der Brandnacht wahrgenommen. Der mittlere Teil des Trümmerhaufens zeigt die Ueberreste des größten Gebäudes des Komplexes. Es enthielt in den unteren Räumlichkeiten die größte, 2000 Zentner Oel haltende, eiserne Zisterne der Fabrik. Diese scheint erst Samstag und Sonntag ausgebrannt zu sein, denn die ganze Zeit über schlug eine Feuergarbe aus dem Schutt empor und wälzten sich schwarze stinkende Rauch­wolken in die Höhe. In diesem Gebäude befanden sich auch die Bureauräumlichkeiten. Das Geld und die Geschäfts­bücher konnten gerettet werden. Bei der früheren Link'schen Kunstmühle, in der teilweise Arbeiterwohnungen eingerichtet waren, brennen jetzt noch größere Mengen von Oelkuchen. Hinter dieser, dem Wasser entlang liegenden Trümmerreihe stand nahe dem Direktionswohngebäude das große sechs­stöckige Samenmagazin, in dem der Brand, wahrscheinlich durch Warmlaufen eines Maschinenlagers, entstand. Der gelbliche und schwärzliche Schutt sind ungeheure Mengen von ölhaltigem Samen : Mohn, Sesam und Erdnüsse. Es waren in dem Magazin zur Zeit des Brandes etwa 160 Eisenbahnwagen 32 000 Zentner Samen untergebracht. Der gesamte Gebäude- und Materialschaden der Oelfabrik beziffert sich auf etwa 1 200 000 Mark. Sechs Versicher­ungsgesellschaften sind daran beteiligt. Ueber dem Brand­platz der Oelfabrik stehen hoch oben auf der Stadtmauer